KW 26 – Lesen und Schreiben

„Sagen, was man denkt. Und vorher was gedacht haben.“ – Harry Rowohlt.

Über was schreiben in diesem Blog? Das frage ich mich immer wieder. Im Urlaub war mehr Muse um die Gedanken schweifen zu lassen und Ideen zu entwickeln. Jetzt sickert schon wieder die Arbeit ein in die freie Zeit am Morgen beim Frühstück, abends beim Zähneputzen, am Wochenende: was muss noch erledigt werden, wo sind Probleme zu lösen, wie geht dieses und jenes Projekt weiter?

Dieses Phänomen beobachte ich und vor dem Urlaub hätte ich mich sehr darüber geärgert. Aber Murren allein ändert noch nichts an der Situation.

Was hilft, ist Ausgleich schaffen in der Freizeit. Was möchte ich gerne unternehmen, wen treffen, wie aktiv sein? Die Wunschaktivitäten wollen jedoch wohl geplant und mit dem Ruhebedürfnis abgestimmt sein. Denn durch den Vollzeitjob und das Leben in der Stadt habe ich auch das Bedürfnis ab und an einfach gar nichts zu machen, nichts zu müssen. Die Libellen am Wasser beobachten entsprach im Spreewaldurlaub absolut meiner Vorstellung von Kontemplation.

Im Bücherhimmel – die Stuttgarter Stadtbibliothek

Gestern waren wir mit unserem Besuch in der Stuttgarter Stadtbibliothek. Mit ihrem offenen, hellen Innenraum, der die Bücher auf so angenehme Art und Weise zugänglich macht, ist sie immer wieder beeindruckend. Zwei Bücher habe ich spontan ausgeliehen: Cees Noteboom „533 Tage“ (2016) und Tariq Ali „Das Buch Saladin“ (1998).

Im Urlaub und direkt im Anschluss gelesen: Sarah Kuttner „Mängelexemplar (2009) und Shia Su „Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün“ (2016).

Wenn die Zeit nicht reicht für größere eigene Unternehmungen, so ist Lesen doch wenigstens für den Geist eine inspirierende Aktivität.

KW 25 – Urlaub im Spreewald

Brücke über ein Fließ

Nach einer erholsamen Woche im Spreewald sind M. und ich zurück in der Stadt, im erschlossenen Land. Um es kurz zu sagen: Stuttgart stinkt. Viele Autos, Stau, viele Leute, Lärm, Parkplatznot, dazu die Sommer-Hitze. Ein herber Kontrast zu unserem Urlaubsort.

Dank der Nachbarin haben unsere Balkonpflanzen nicht nur überlebt, sondern sehen sehr gut aus. Die Schwarzäugige Susanne ist weiter geklettert, die Kamille und Kapuzinerkresse blühen und der Borretsch ist soweit, dass er in den Garten kann.

Heute steht Wäschewaschen auf dem Programm und dabei irgendwie die Urlaubsentspannung bewahren. Der Spreewald ist auf jeden Fall eine Reise wert. Dazu sei gesagt, mit dem Smart über die Autobahn zu hoppeln, ist eine recht eindrückliche Reise.

Unser Ferienhaus in Burg lag ziemlich am Rand der Siedlung, mit viel Wiesen und Feldern drumherum. Hinter der Scheune, an unserem Lieblingsplatz, führte direkt ein Fließ vorbei, also ein Seitenarm der Spree.

Gleich am ersten Tag haben wir das hauseigene Kanu getestet und waren sofort begeistert von der Ruhe auf dem Wasser, den vielen Libellen, tollen Bäume, netten Häuschen am Ufer. Dazu ist es durchaus anstrengend, gegen die Strömung zu paddeln, also auch eine Angelegenheit mit sportlichem Aspekt.

Menschen sind uns dabei kaum begegnet. Dafür haben wir eine neue Tierart kennengelernt: was wir erst für einen Biber gehalten haben, war wohl ein Nutria. Bei unseren Bootsfahrten saß dieses ein paarmal unbeeindruckt am Ufer, putzte sich oder mümmelte im Schilf vor sich hin.

Als ich an einem Abend zum Kompost gelaufen bin, sind zwei Rehe über die Wiese geflüchtet. Im Teich hinterm Haus haben die Frösche gequakt als gäbe es kein Morgen. Die Störche, wovon es auch einige zu sehen gab, müssen taub sein.

Einen Stadt-Ausflug nach Cottbus haben wir gemacht. Ist ein hübsches Städtchen, das wir da bei bestem Sonnenwetter entdecken durften.

Ganz in der Nähe vom Ferienhaus gab es einen Minigolf-Platz bei einem Hotel. Nachdem wir dort beim Italiener gegessen hatten, stand einer Verdauungsrunde nichts im Wege und siehe da, es war eine sehr schön gestaltete Anlage. Jede Station hatte eine Spreewald-Sage zum Thema und eine Texttafel dabei, die eine kleine Geschichte erzählte. So etwa von den Schlangenkönigen, vom Nix oder wie dem Teufel sein unwilliges Ochsengespann durchgegangen ist und so die Wasserläufe der Gegend entstanden sind.

Im Vergleich zu unserem Stadtleben waren wir unheimlich viel draußen, an der frischen Luft, im Licht und Wind. Da war Wärme, Wasser, der Duft von Wiesen und allerlei Tiergeräusche: Vogelgezwitscher, Geraschel von Libellenflügeln, muhende Kühe.

Keine Hektik, dafür Zeit zum Bummeln, Lesen, Schlafen, zur Muse, zum Nichtstun, nichts Denken. Langsamkeit, die v.a. ich erstmal wieder zulassen können muss. Weil weniger ansteht, sind außerdem über den Tag viel weniger Entscheidungen zu treffen. Das alles ist ein wirklich wunderbarer Zustand. Vielleicht bleibt ja etwas von der Erholung hängen.

KW 23 – Wanderung Aichtal & Siebenmühlental

Nachdem die Wanderung wegen Regen nun zweimal ins Wasser gefallen ist, gab es am 10. Juni keine Ausreden mehr: Auf ins Siebenmühlental!

Da es keine Rundwanderung war, hatten C. und ich jeweils ein Auto am Start und eines am Ende abgestellt. Losgelaufen sind wir vom Schützenhaus in Filderstadt-Bonlanden. Von dort aus ging es auf den Uhlberg. Leider hatte der Uhlbergturm noch geschlossen, doch auch so gab es eine tolle Aussicht auf die Schwäbische Alb.

Albblick vom Uhlberg aus.
Der Uhlbergturm.

Auf verschlungenen Pfaden führte unser Weg runter ins Aichtal. Erst in westlicher Richtung, auf Halbhöhenlage durch den schönen Wald, später haben wir die Schönaicher Straße überquert und sind an der Aich entlanggegangen.

An der Burkhardtmühle sind wir ins Siebenmühlental abgebogen, durch welches der Reichenbach fließt. Gleich an der ersten Gaststätte war klar, dies ist Radfahrergebiet. So glatt ging der Asphaltweg hier weiter und entsprechend viele Leute auf Rädern kamen uns entgegen. Zum Glück hatten wir nach wenigen Metern einen kleinen Seitenpfad entdeckt. Der führte kurz über das Gelände des HolzLand Filderstadt und dann weiter durch Wiesen, links und rechts vom Wald gesäumt, zur Kochenmühle.

Immer mal wieder ging es von der einen auf die andere Seite des Reichenbach, mal über Schotterwege, mal geteerte Abschnitte, durch Wiesentrampelpfade oder durch den Wald. Eingekehrt sind wir letztlich in der Schlösslesmühle. Die Nähe zum Stuttgarter Flughafen war nicht zu leugnen, denn die Flugzeuge sind hier im Tiefflug zu sehen und zu hören. Trotzdem ein recht idyllisches Plätzchen.

Zum Abschluss ging es in gerader Linie den Berg wieder hoch zur Weidacher Höhe, wo wir das andere Auto abgestellt hatten. Etwa 9 Kilometer hatten wir geplant, durch ein paar Umwege waren es am Ende etwa 11 Kilometer. Ein schöner Ausflug!

Schlösslesmühle

 

KW 22 – Blumenfreuden

Die Woche durfte ich meinen Pa zu einer Ehrung nach Esslingen begleiten. Und weil Frau ja nich leer ausgehen sollte, gab es für mich einen mächtig großen Blumenstrauß…

Parallel dazu macht die Bernsteinrose im Garten der Bezeichnung „Rosenmonat Juni“ gerade wirklich alle Ehre.

Der Wochenbeginn war arg warm, was ich genutzt habe um schwimmen zu gehen. Am Samstag kam endlich der große Regen. Gerade richtig, denn ich hatte am Morgen die Wiese im Garten gemäht.

KW 21 – Endlich Erdbeerzeit

Eine recht umtriebige Woche war’s. Begonnen mit einem Erste Hilfe Kurs beim DRK im Stuttgarter Osten. War informativ und sehr praktisch angelegt, sei somit allen wärmstens empfohlen. Bei mir war es der erste seit der Fahrschulzeit, also auch schon 20 Jahre her. Nun fühle ich mich besser vorbereitet auf die kleinen und großen Katastrophen des Alltags.

In der Mittagspause bin ich vom DRK-Haus in der Reitzensteinstraße zum Unteren Schlossgarten spaziert und konnte die Sommer-Idylle in der Stadt genießen. Abends war mein Fahrrad fertig von der Inspektion. Freu mich schon drauf, bald am Neckar mal entlang zu fahren.

Dienstag habe ich nach der Arbeit meine persönliche Bade- und Schwimmsaison eröffnet. Das Denkendorfer Freibad, mit seinem 50-Meter Becken, ist schon ein Traum!

Gleich zweimal war ich diese Woche mit Freunden abends in der Stadt. Und das, wo ich doch sonst eher eine Couch-Potatoe bin. So lerne ich tatsächlich mal ein paar nette Lokalitäten in Stuttgart kennen. Zum Beispiel das Netzer in der Herzogstraße oder das Biddy Early’s Irish Pub, wo am Mittwoch Karaoke-Abend war. Und dass es rund um den Hans im Glück Brunnen so viele Möglichkeiten gibt draußen zu sitzen, hat mich auch positiv überrascht.

An Christi Himmelfahrt hab ich einen kompletten Faulenz-Tag eingelegt. Highlight war die Tomate-Mozzarella Kombination auf dem Balkon… Freitag wieder gearbeitet.

Und heute gab es einen von M. selbstgemachten Erdbeerkuchen. Uns geht’s gut!

… gesehen in der Stadt. Peace VW-Bus.

 

KW 20 – Kino im Mai

Eine kurze Arbeitswoche war das, mit einem freien Donnerstag und Freitag. Schön erholsam, mit Zeit zum Bummeln und Eis essen in der Stadt. Sogar im Kino waren wir seit Urzeiten mal wieder, in „King Arthur: Legend of the Sword“.

Ein schnell geschnittener, kurzweiliger Film ohne Längen, dafür mit lockeren Sprüchen und Witz. Charlie Hunnam sieht zwar noch immer so aus, als würde er gleich auf sein „Sons of Anarchy“-Motorrad steigen und davonbrausen, doch irgendwie ergänzen die beiden Charaktere Arthur und Jax Teller sich ganz gut.

Auch der Soundtrack war cool: alte Geschichte und modernen Klänge. Gewagt und gewonnen, würde ich sagen.

Abgesehen davon: es ist wirklich Mai, die Maikäfer sind unterwegs:

 

KW 19 – Start in die Gartensaison

Am 9. Mai ging es dem Unkraut im Garten an den Kragen. Die Wärme und der Regen hatten schon wieder für üppige Vegetation gesorgt. Bevor es ein Mini-Urwald werden konnte, sind M. und ich eingeschritten.

Der Garten ist immer wieder für Überraschungen gut. So gedeiht die Bernsteinrose dieses Jahr ganz wunderbar und ist ihre Läuse ganz allein losgeworden. Der Sauerampfer, den ich letztes Jahr vom Balkonkasten in die freie Wildbahn versetzt hatte fühlt sich pudelwohl unter der Esche. Seinem Namen macht er alle Ehre und ist lecker als säuerliche Salatbeilage oder auf dem Brot zu einem herzhaften Vesper.

Den Salbeibusch hatte ich im Frühjahr zurückgeschnitten und nun treibt er aus als gäb‘ es kein Morgen. Auch den Kirschbäumen hat der kräftige Rückschnitt gut getan. Trotz Frost sieht es so aus, als könnte es dieses Jahr etwas zu ernten geben. Eine Königskerze hat sich selbst ausgesät. Noch ist sie ganz klein, wird aber gehegt und gepflegt. Die auf dem Balkon vorgezogenen und dann in den Garten gesetzten Ringelblumen vom Vorjahr haben sich auch selbst ausgesät. Ganz nach meinem Plan…

Wild gekommen und gern gesehen sind die violetten und zart rosafarbenen Akeleien. Eine Horde gelber Hahnenfuß versucht gerade Besitz vom Garten zu ergreifen und darf das auch, zumindest in Maßen. In einem Eckchen sieht es so aus, als wachsen da Erdbeerpflanzen, woher auch immer die kommen. Beobachten und – wenn es tatsächlich Erdbeeren werden, ernten und freuen!

Ansonsten gibt’s Minze und Melisse, ein kleines Büschlein Lavendel und mittlerweile verblühte Tulpen. An allen Ecken und Enden rausgerissen wird momentan der Giersch. Auch wenn er essbar ist und sogar eine Heilpflanze. Wäre der Garten größer, würde ich ihm durchaus sein Plätzchen lassen wollen.

Nachdem nun alles vorbereitet war sind wir Samstag, wie letztes Jahr schon, in die Bioland Gärtnerei Monika Bender gefahren um Pflänzchen zu kaufen. Für den Balkon gab’s Petunien, Basilikum, eine Margerite und eine Schwarzäugige Susanne. Für den Garten eine Malve.

Von den beiden im Topf vorgezogenen Dahlien ist auch eine in den Garten gewandert. Außerdem ein Haufen Sonnenblumen, bei denen ich allerdings Zweifel habe, ob die was werden. Sie sind noch so klein und die Wurzeln sahen ganz mickrig aus. Dagegen ist auf die Kapuzinerkresse immer wieder verlass. Die ist zuverlässig aufgegangen und wächst bisher schön.

Zwei Projekte, d.h. zwei Samentütchen gibt es noch: Kamille und Borretsch. Die sollen letztlich in den Garten. Wahrscheinlich werde ich einen Teil dort direkt aussäen und einen Teil versuchen im Topf auf dem Balkon vorzuziehen.

KW 18 – Wochenende in Budapest

Was für eine Stadt! Meine Arbeitskollegin hatte mich schon vor einiger Zeit eingeladen, sie doch mal in ihrer Heimat zu besuchen. Von 5. bis 8. Mai war es endlich soweit, ich bin nach Budapest gereist.

Ein Wochenende ist natürlich viel zu kurz für so einen geschichtsträchtigen Ort und so viele Sehenswürdigkeiten. Doch hatte Helga alles so super organisiert, dass wir ganz viel erlebt und gesehen haben. Auch das Wetter war uns hold, was so einen Ausflug natürlich ungemein schöner macht.

Der Burgberg mit der Matthiaskirche ist sicher ein Muss, denn die Kirche ist außen wie innen wunderschön. Fast wie ein Märchenschloss wirken die Bauten drumherum: die Fischerbastei und das Denkmal vom Heiligen König Stephan.

Nebenan auf der Buda-Seite liegt der Gellertberg mit Zitadelle und Freiheitsdenkmal. Wir sind hochmarschiert und wurden auch hier mit einem tollen Ausblick belohnt.

Auf der Pest-Seite ging es weiter. Die Große Synagoge in der Tabakgasse ist mit etwa 3000 Sitzplätzen die größte Synagoge Europas. Sie hat mich sehr an eine christliche Kirche erinnert. Sicher auch, weil sie dank der Wiener Architekten eine Orgel besitzt – obwohl dieses Instrument im jüdischen Gottesdienst gar nicht vorgesehen ist.

Auch der Innenhof der Synagoge kann besichtigt werden. Dort erinnern Mahnmale an die unglaublichen Schrecken der Nazis, an die Toten und Verschwundenen des Budapester Ghettos. Dennoch ist es gelungen, dass die Atmosphäre nicht komplett bedrückend ist. In Erinnerung geblieben ist mir eine Metallplastik, die aussieht wie ein Weidenbaum. Die Zweige bewegen sich sogar im Wind. Auf jedem Blatt steht der Name einer verschwundenen Person. Der Baum stellt eine Menora dar, den siebenarmigen Leuchter.

Eine Wandmalerei, nicht weit von der Großen Synagoge: ein Zauberwürfel (Rubik’s Cube) des ungarischen Architekten Ernö Rubik.

Allein vor der Außenfassade vieler Budapester Gebäude könnte mensch länger stehenbleiben und staunen. Hier das Operettentheater in der Nagymező Straße – der Broadway der Stadt.

Ein wahrgewordener Architektentraum à la Hogwarts ist das ungarische Parlament. Hier aufgenommen vom Ausflugsboot, mit dem wir über die Donau geschippert sind. Eine Führung durch das Parlament stand am Montag auf dem Programm, was nur mit online Voranmeldung möglich ist. Dort konnten wir die Stephanskrone unter der Kuppel sehen. Nur diese und keine andere Krone verlieh der Krönungszeremonie Gültigkeit. Auf Irrwegen war sie sogar zwischenzeitlich in den USA, in Fort Knox, eingelagert.

Auch im Umland gibt es viel zu entdecken. Am ungarischen Muttertag, dem 6. Mai, sind wir mit dem Zug in den Künstlerort Szentendre gefahren. Ein schmuckes Städtchen an der Donau, mit bunten Häuschen und Kopfsteinpflaster. Einladend zum Schlendern und in den Geschäften stöbern. Als Stärkung gab es herzhaften Langós.

Viel gelaufen sind wir an diesem Wochenende und viel an der Sonne und der frischen Luft gewesen. Da hat ein dunkles ungarisches Bier am Abend natürlich besonders gut geschmeckt. Da ich schon etwas reizüberflutet war, ging es in einen etwas beschaulicheren Biergarten und nicht in eine der über und über dekorierten Ruinenkneipen („Romkocsma“).

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle nochmal an Helga, die sich so wunderbar um mich gekümmert hat! Die Reise hat Lust gemacht, mehr von Budapest und Ungarn zu entdecken und war ein richtiger Türöffner. Sonst bin ich ja eher hasenfüßig, wenn es darum geht, neue Länder zu entdecken. Danke!