KW 37 – Fehlfarben

Eine Punkband aus Deutschland war die aktuelle Band der Woche: Fehlfarben.

Sie haben sich 1979 gegründet und 1980 ihr Debütalbum „Monarchie und Alltag“ veröffentlicht. Das Album gilt als wichtiger Einfluss für eine ganze Szene. Der Punk hatte sich weiterentwickelt in Richtung neue deutsche Welle.

Mir gefällt dieser wabernde Klangteppich am Anfang des Stückes „Paul ist tot“ (1980):

Das Lied „Ein Jahr (Es geht voran)“ wurde zu ihrem größten Hit. Die Band selbst fand das nicht so toll. Das Stück wurde von der Plattenfirma als Single herausgebracht. Dies geschah gegen den Willen der Band.

Fehlfarben machen auch heute noch Musik. Das letzte Album kam 2015 heraus und heißt „Über … Menschen“. Die neueste Single erschien 2021 und hat den Titel „Supergen“.

KW 36 – David Bowie

Diese Woche gibt es nicht eine Band, sondern einen Künstler der Woche. Und was für einen! David Bowie war nicht nur in der Musik aktiv, sondern auch im Film und der Malerei.

Das Stück „Heroes“ stammt vom gleichnamigen 1977er Album. Es gibt eine so zuversichtliche und gleichzeitig verletzliche Stimmung wieder. Ein absolut zeitlos gutes Lied.

Gestern haben Matthias und ich die BBC Doku „David Bowie – Sound and Vision“ gesehen. Dabei hat er mich an eine Mischung aus den Serien-Charakteren Sheldon Cooper (Big Bang Theory) und Ivar der Knochenlose (Vikings) erinnern. Zwei fiktionale Personen, die in ihrem Umfeld aus der Reihe tanzen. Sie leben ein wenig in ihrer eigenen Welt, haben große Vorstellungskraft und die Willensstärke, ihren Weg zu gehen.

Bowie war ein Künstler durch und durch und ist diesen Weg bis zum Schluss gegangen. Er ist  1947 im Londoner Stadtteil Brixton geboren. 2016 starb er, mit gerade 69 Jahren, kurz nach der Veröffentlichung seines letzten Albums „Black Star“.

Das Video zu „Lazarus“ (2016) ist nicht ganz leicht zu ertragen. Es zeigt einen gealterten, kranken Mann. Der Text beschäftigt sich mit dem herannahenden Tod. Er hat sein Schicksal offenbar angenommen und in Kunst verwandelt.

Ich habe bisher immer mal wieder Sachen von Bowie im Radio gehört, mich aber nie weiter mit ihm beschäftigt. Jetzt scheint es mir, eine Woche reicht nicht, ihn richtig zu erfassen.

Ein frühes Stück von ihm ist „Space Oddity“ (1969). Im Video dazu ist er als Astronaut „Major Tom“ zu sehen. Der Titel ist inspiriert vom Film „2001: A Space Odyssee“, der 1968 herauskam. „Space Oddity“ wurde wenige Tage vor der ersten bemannten Mondlandung am 20 Juli 1969 veröffentlicht.

Er hat in seiner Laufbahn viele Wandlungen durchlaufen. Er hat eine Bühnenpersönlichkeit wie den Außerirdischen „Ziggy Stardust“ erfunden. Er hat mit Geschlechterrollen gespielt und sich darin frei bewegt. Mit seinen schillernden Bühnenauftritten hat er den Weg für den Glamrock bereitet.

„The Man Who Sold The World“ (1970) ist ein Stück, das ich ursprünglich in der MTV Unplugged Version von Nirvana kannte. Mir war nicht bewusst, dass das Original von David Bowie ist. Auf dem Plattencover sieht er im femininen, langen Kleid richtig toll aus. Das könnte auch Tilda Swinton sein. Die Schauspielerin, die wie er mit zwischen den Geschlechterrollen wandert. Mit ihr gibt es ein gemeinsames Video zum Stück „The Stars (Are out Tonight)“ von 2013.

Aber auch als Goblin King im Jim Henson Film „Labyrinth“ (1986) machte er eine gute Figur. Dazu mit dieser angenehmen Stimme:

Das Leben von Bowie war jedoch nicht immer angenehm. In seiner Familie gab es mehrere Fälle von Schizophrenie. Die Krankheit brach u.a. bei seinem älteren Halbbruder aus, der für ihn eine wichtige Bezugsperson als Kind und Jugendlicher war. So lebte er in der Ungewissheit, ob auch ihn dieses Schicksal treffen würde.

In den 70ern wurde er drogensüchtig und brauchte lange, sich aus der Abhängigkeit zu befreien. Das Lied „Ashes To Ashes“ (1980) beinhaltet die Zeile „Ashes to ashes, funk to funky. We know Major Tom’s a junkie“. Ein Rückblick auf früheres Schaffen und ein früheres Leben:

Im Video ist Bowie als Pierrot zu sehen, als trauriger Clown.

Was Bowies ungewöhnliches Aussehen betrifft, so sind seine unterschiedlichen Augen zu einem Markenzeichen geworden. Eine Auseinandersetzung mit einem Freund, als er 15 Jahre alt war, hatte zu einer Augenverletzung geführt. Eine Pupille blieb daraufhin dauerhaft geweitet.

Sein Name lautete eigentlich David Robert Jones. Bowie ist ein Künstlername, inspiriert durch den Amerikaner James Bowie und dessen berühmtes Messer.

KW 35 – Slade

Das Wochenende ist fast um. Bleibt noch, zumindest einen kurzen Beitrag zur Band der Woche zu erstellen: Slade.

Eines von Matthias‘ Lieblingsliedern von Slade ist „Run Runaway“:

Gegründet wurde Slade 1966 im englischen Wolverhampton, aufgelöst 1992. Die Band der vier Gründungsmitglieder Noddy Holder (Gesang & Gitarre), Jim Lea (Bass, Gitarre, Violine & Piano), Dave Hill (Gitarre) und Don Powell (Schlagzeug) war eine der bekanntesten britischen Gruppen der 70er Jahre. Nach der Auflösung 1992 formten Hill und Powell mit anderen Musikern eine Band namens Slade II.

Stilistisch waren Slade dem Glam Rock bzw. Hard Rock zuzuordnen. Das sei mit dem Video zu „Mama Weer All Crazy Now“ dokumentiert:

Die Heimat von Slade, Wolverhampton, gehörte zur Industrie- und Kohleregion des „Black Country“ in den englischen West Midlands. Auch Robert Plant, der Sänger von Led Zeppelin stammt aus dieser Gegend. Als junger Mann hat der spätere Slade-Sänger Noddy Holder den zwei Jahre jüngeren Plant und dessen damalige Band im Fensterputzer-Van seines Vaters zu Auftritten gefahren. Ich finde, die Stimmen von Plant und Holder klingen ähnlich.

Der Akzent ihrer Heimat spiegelt sich in der Schreibweise einiger Slade-Titel wieder, wie „Coz I Luv You“.

Mir gefällt ja das Stück „Far Far Away“ (1974). Das liegt sicher auch daran, dass es 1993 als Soundtrack eines Werbespots viel auf MTV lief:

KW 34 – The Pogues

Der Sonntag ist schon vorangeschritten und ich fange gerade mal an mit dem Bloggen. Ein verregneter Sonntag, als wären wir schon im Herbst angekommen.

Die Band der Woche sind die Pogues. Eine anglo-irische Folk-Punk Band aus London, gegründet 1981. Ihr Name lautete eigentlich „Pogue Mahone“, eine englische Version des gälischen Ausdrucks für „Küss meinen Arsch“. Das war der Plattenfirma allerdings zu vulgär. So kam es zum abgekürzten Bandnamen.

Da wir gerade bei den voranschreitenden Jahreszeiten sind, sei hier ein Lied von ihnen vorgestellt, dass eines meiner liebsten Weihnachtslieder ist: „Fairytale of New York“. Es stammt vom 1988 Album „If I Should Fall From Grace With God“.

Sänger Shane McGowan hat eine so prägnante Stimme. Leider auch recht markante Zähne, die etwas ablenken vom schönen Lied. Zeit seines Lebens mutet er seinem Körper einiges an Alkohol und anderen Drogen zu, die seinen körperlichen Verfall vorantreiben. Zu seinen Freunden zählt u.a. die irische Sängerin Sinéad O’Conner. Sie hatte ihn im Jahr 2000 wegen Heroinbesitz angezeigt, um so vom weiteren Konsum abzubringen.

„Dirty Old Town“ vom 1985er Album „Rum, Sodomy & The Lash“ ist ein weiteres bekanntes Stück der Band. Hier eine kurze Version, gesungen in einem Pub:

Es ist eine Coverversion und wurde ursprünglich 1949 von dem Engländer Ewan MacColl geschrieben. Bekanntheit erlangte es zunächst durch eine Version der irischen Band „The Dubliners“.

Die Dubliners sind die Irish Folk band schlechthin. Vor vielen Jahren hatte ich auch das Glück, sie live zu erleben. Da waren sie schon alte Herren, haben aber noch immer mächtig für Stimmung gesorgt. Hier ist ein gemeinsames Video von den Pogues mit den Dubliners:

Mit dem 1985 Album und dem 1988 Nachfolger erreichten die Pogues ihre Blütezeit. Sie gingen auf Tour und spielten u.a. als Vorgruppe für U2 oder die Dubliners. 1984 waren sie außerdem Vorgruppe für The Clash. Deren Ex-Sänger Joe Strummer war es auch, der 1991 kurzzeitig als Sänger einsprang, als die Band sich von McGowan wegen seiner Drogenprobleme trennte.

1996 löste sich die Band auf, fand jedoch 2001 bis 2014 wieder zusammen. Shane McGowan machte mit eigenen Projekten weiter. 1994 brachte er sein erstes Solo-Album „The Snake“ heraus. Darauf sind verschiedene Gastmusiker vertreten, etwa Johnny Depp und Mitglieder von Thin Lizzy, den Dubliners und The Pogues. Mit Johnny Depp ist McGowan befreundet, er tritt auch im Video auf zu „That Woman’s Got Me Drinking“.

Ein Lied, das ich vorher noch nicht kannte und mir richtig gut gefällt, ist „Spancil Hill“ von und mit dem irischen Musiker Christy Moore. Aufgenommen ebenfalls 1994 bei der Late Late Show. Das ursprüngliche Lied ist eine traditionelle irische Folk Ballade. Spancil Hill ist ein Berg im County Clare. Es ist der Ort eines der ältesten Pferdemärkte in Irland.

Mit „Shane“ hat der Dokumentarfilme Julien Temple 2020 ein Porträt des charismatischen Sängers veröffentlicht. 1997 gab es bereits eine BBC Doku namens „The Great Hunger: The Life and Songs of Shane MacGowan.“ Ich habe sie noch nicht gesehen, bin aber neugierig, denn es wird darin neben der Musik auch vom kulturelle Umfeld der irischen Immigranten in England erzählt.

KW 33 – Yes

Die Band der Woche ist Yes. Matthias hat mal wieder das Bandlogo gezeichnet. So bunt und schnörkelig wie es aussieht, lässt sich der Stil schon erahnen: es geht um Progressive Rock.

Die Band wurde 1968 in London gegründet, besteht noch heute und ist gewissermaßen ein Dinosaurier, der es in unsere Zeit geschafft hat. Natürlich gab es auf dem Weg viele Stilwechsel und noch mehr Besetzungswechsel. Die englische Wikipedia spricht von 19 Musikern, die inzwischen Vollzeit-Mitglieder gewesen sind.

Da ich ziemlich ratlos war, als der Bandname aus meiner Losbox kam, habe ich Twitter nach Hörtipps befragt. Die Alben „Fragile“ (1971), „Close To The Edge“ (1972) und „90125“ (1983) wurden da empfohlen.

Auf „Fragile“ ist das Stück „Roundabout“. Dazu gibt’s ein Live-Video, bei dem diese doch schon älteren Herren ihr Stück aus den 70er Jahren vortragen. Anlass ist die Aufnahme der Band in die Rock’n’Roll Hall of Fame 2017. Am Bass ist Geddy Lee von der kanadischen Prog-Gruppe Rush.

Auf  dem 1983er Album „90125“ ist ein Lied, das ich tatsächlich bereits kannte: „Owner Of A Loreley Heart“. Beim Nachlesen kam heraus, dass die Band mit diesem Album einen Personal- und Stilwechsel vollzogen hatte, hin zu poppigeren Klängen.

Dieses Jahr im Oktober soll wieder ein neues Yes-Album herauskommen. Es heißt „Quest“ und bisher gibt es die Single-Veröffentlichung „The Ice Bridge“:

Das Stück klingt für meine Ohren nach modernem Prog, also gut hörbar.

Zum Eintrag diese Woche muss ich ergänzen, dass ich wirklich nur minimal Zeit und Energie für die Recherche zu Yes aufbringen konnte. Die Arbeitswoche war einfach zu anstrengend.

Die Band der vorigen Woche, The Clash, war mir da viel näher und die Stücke einfacher zu erfassen. Der typische Kontrast zwischen Punk und Progressive Rock.

Ganz bemerkenswert eigentlich, dass historisch Punk auf Prog folgte und man könnte sagen, eine Reaktion auf Prog war. Also gerade die umgekehrte Reihenfolge als die letzten beiden Wochen hier im Blog.

KW 32 – The Clash

Auf The Clash, die Band der Woche, habe ich mich schon richtig gefreut.

Es war tatsächlich eine Woche voller Ohrwürmer! Ich könnte gar nicht sagen, welches mein Lieblingslied von ihnen ist. „I Fought The Law“ ist auf jeden Fall ganz vorne dabei. Allein schon die Zeile „I needed money, cause I had none“ ist super auf den Punkt gebracht. Gerade lese ich, dass das Stück tatsächlich eine Coverversion eines Lieds aus den 1960ern ist. Durchaus typisch für The Clash, die unterschiedlichste Einflüsse auf ihre Alben mit aufnahmen.

Hier eines der weniger bekannten Stücke. Das heißt, bekannt ist vielleicht das Gitarren-Riff am Anfang, denn es wurde auch von M.I.A für ihren Hit „Paper Planes“ benutzt, der auf dem Soundtrack vom Film „Slumdog Millionär“ zu hörne ist.

„Straight To Hell“ vom 1982er Album „Combat Rock“:

Ganz ursprünglich waren The Clash eine Punkband. Gegründet in London 1976. Ein Jahr später kam ihr „The Clash“ betiteltes Debütalbum heraus. 1977 war auch das Jahr, in dem eine andere bekannte englische Punkband ihr einziges Studioalbum veröffentlichte: die Sex Pistols mit „Never Mind The Bollocks, Here’s The Sex Pistols„.

Bei Wikipedia war zu lesen, dass The Clash und die Sex Pistols einmal zusammen ein Ramones-Konzert besucht haben. Was für eine Mischung! Die Ramones waren damals die angesagte US-Punkband schlechthin.

In der Londoner Szene gab es allerdings durchaus Rivalität zwischen den Bands. Das kann ein Ansporn für die Mitglieder von The Clash gewesen sein, konzentriert gemeinsam zu üben und einen eigenen Stil zu entwickeln.

1979, in meinem Geburtsjahr, kam ihr bis heute gefeiertes 3. Album „London Calling“ heraus. Hier kommt das Stück „Guns of Brixton“.  Es wurde von Bassist Paul Simonon geschrieben, der in Brixton geboren wurde. Das Lied beschreibt die Befürchtungen des Sohns eines jamaikanischen Immigranten im Viertel, die düsteren Zukunftsaussichten und die Angst vor der Polizei. Im Text wird ein Bezug zum Gangster-Film „The Harder They Come“ von 1972 hergestellt. Der Film ist berühmt für seinen Reggae-Soundtrack.

Wenn von Album die Rede ist, so waren damals Vinyl-Platten gemeint. „London Calling“ kam als Doppel-Album raus. Das heißt, die Stücke waren auf 4 Schallplattenseiten verteilt. Die Fans achteten zudem sehr auf die Gestaltung der Cover. Die Besonderheit bei diesem Album war, dass es optisch das Debüt-Album von Elvis Presley nachahmte. Eine Homage sozusagen an einen Großen des Rock’n’Roll.

Die Einflüsse auf „London Calling“ reichen weit über den Punk hinaus. Es gibt Anleihen an Reggae, Ska, Funk, Rockabilly und Dub.

Ein Stück, das mir sehr gut gefällt ist „Rudi Can’t Fail“. Ich denke, da hört man den Ska heraus:

Leider währte die Band nicht sehr lange. Nach gerade 10 Jahren und 7 Studioalben lösten sich The Clash 1986 auf. Ich war recht überrascht, dass es eine gepflegte offizielle Website von The Clash gibt. Andererseits nicht ganz verwunderlich, denn die Musik der Gruppe wirkt weit über die Zeit ihres Bestehens hinaus.

Sie waren ein starker Einfluss für viele Bands, für die Entstehung von Brit-Pop und ihre Stücke werden noch immer von Musikschaffenden gecovert.

In ihren Texten bezog sich die Band oft auf das Geschehen in ihrer persönlichen Umgebung, auf Dinge, die sie selbst berührten. Auf der Biographie der offiziellen Website ist zu lesen, dass sie sich in einem Interview als „Anti-Facist“, „Anti-Violence“, „Anti-Racist“ und „Pro-Creative“ bezeichneten. Ihre erste Single „White Riot“ thematisiert staatliche Willkür und Polizeigewalt, wie sie Sänger Joe Strummer und Bassist Paul Simonen bei den Notting Hill Riots von 1976 miterlebten.

Im Lied „London Calling“ werden diverse Katastrophen besungen die durch die Nachrichten geisterten: Krieg, Überschwemmung,  Eiszeit, ein nuklearer Unfall. Letzterer war 1979 tatsächlich im US-amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island geschehen.

Im Stück „Rock The Casbah“ geht es darum, dass westliche Musik 1979 nach der Islamischen Revolution im Iran verboten wurde. Das Lied erzählt die erfundene Geschichte eines Königs, der die Rockmusik verbietet. Doch selbst seine Armee-Piloten hören sie in ihren Jets, sobald sie außer Reichweite sind.

Eine wunderbare Cover-Version gibt es von dem algerischen Sänger Rachid Taha:

KW 31 – Jethro Tull

Eine Woche Urlaub ist fast vorbei. Zu kurz um wirklich erholsam zu sein, zu viel geht mir durch den Kopf. Die Eindrücke aus den Nachrichten, mit Waldbränden in der Türkei und in Griechenland. Eindrücke von einem Besuch in Hessen. Gedanken an die Arbeit. Gedanken an Freunde. Ich versuche, mich zu sortieren und all dem seinen Raum zu geben.

Die Band der Woche zu erfassen, ist auch eine Aufgabe: Jethro Tull.

Bisher kamen mir da vor allem die Stücke „Aqualung“ und „Locomotive Breath“ in den Sinn. Dazu das Bild von Ian Anderson, dem Sänger und Querflöten-Spieler, auf einem Bein stehend und wild gestikulierend, mit irrem Blick.

Im Live-Video oben zu „My God“ ist er 23 Jahre jung. Ganz typisch zu sehen und zu hören ist das ungewöhnliche Flötenspiel: Anderson singt und macht bei Spielen noch allerlei Geräusche. Das Stück ist vom zweiten Album „Stand up“ (1969).

Das Debüt-Album von Jethro Tull „This Was“ kam 1968 heraus. Die Band formierte 1967 sich im englischen Blackpool, einem Badeort an der Irischen See. Sie spielten zunächst Blues Rock und Jazz Fusion. Anfangs war es das Ziel, Auftritte in den Clubs zu ergattern. Um öfter gebucht zu werden, benannten sie sich immer wieder um. Der Bandname Jethro Tull blieb, nachdem ein Club Manager sie gut genug fand um sie nochmals zu buchen.

Eine hilfreiche Erkenntnis war für mich, dass sich die Musik von Jethro Tull in verschiedene Phasen einteilen lässt. Über die Jahre haben sie verschiedene Stile gestreift: Progressive Rock, Folk Rock, Electronic Rock, Hard Rock, Weltmusik.

Progressive Rock

1971 kam das Album „Aqualung“ heraus. Darauf ist u.a. das Stück „Locomotive Breath“, mit seinem treibenden Rhythmus. Es handelt vom rasanten Bevölkerungswachstum und Kapitalismus. Ich habe ein Video gefunden vom Isle of Wight Festival 2015. Anderson ist hier 68 Jahre alt. Sein Gesang ist im wahrsten Sinn des Wortes kurzatmig, den er leidet an COPD, einer chronischen Lungenkrankheit. Ein zweiter Sänger unterstützt die Band daher. Bewundernswert, wie Anderson dennoch den Auftritt meistert und ein perfektes Flötenspiel hinlegt.

Zwischen den beiden Videos ist viel geschehen. Die Band hat viele Besetzungswechsel erlebt. Durchgängig dabei war nur Anderson. Sein längster Wegbegleiter ist Gitarrist Martin Barre.

In den 70ern brachten sie Konzeptalben heraus, wie „Thick As A Brick“ (1972), das im Grunde aus einem Stück auf zwei Schallplatten-Seiten besteht.

Folk Rock

Drei Folk Rock Alben folgten Ende der 70er: „Songs From The Wood“, „Heavy Horses“ und „Stormwatch“. Auf der Grenze zum elektronischeren Sound der 80er ist das Album „The Broadsword and The Beast“ (1982). Von diesem ist das Stück „The Broadsword“. Es erzählt von der Zeit der Wikinger-Angriffe auf Schottland. Ian Anderson ist übrigens gebürtiger Schotte.

Hard Rock

Aus der Hard Rock Phase gibt es die Begebenheit, dass Jethro Tull Metallica einen Grammy in der gemeinsamen Kategorie Hard Rock & Heavy Metal wegschnappten. Bei der Verleihung 1989 gewann ihr Album „Crest Of A Knave“ und Metallica’s „And Justice For All“ ging leer aus. Ein Stück vom Gewinner-Album ist „Jump Start“, das ganz schön nach den 80ern klingt:

Und was gibt’s Neues?

Ian Anderson ist nach wie vor fleißig, das kann man auf der Jethro Tull Website anschauen. Die Band in ihrer letzten Formation endete irgendwann 2011/2012. Inzwischen ist sie wohl hauptsächlich sein Solo-Projekt.

Bei so viel interessantem Alten, dass es da noch zu entdecken gibt, brauche ich ehrlich gesagt nicht wirklich neues Material.

KW 30 – Bad Religion

Den ganzen Tag schon habe ich einen NOFX Song im Ohr. Dabei ist die aktuelle Band der Woche Bad Religion. Also, gleich mal einen neuen Ohrwurm gesetzt: „Generator“ vom gleichnamigen 1992er Album:

NOFX waren erst kürzlich dran, in Woche 26. Damals hatte ich Bad Religion schon angesprochen, denn beide Bands habe eine gemeinsame kalifornische Herkunft und gründeten sich mit nur wenigen Jahren Unterschied.

Hier gibt’s direkt noch ein Video, in dem Fat Mike von NOFX sich in einen Bad Religion Auftritt einmischt:

Sie scheinen sich ja zu verstehen und den Spaß mitzumachen.

Die Geschichte von Bad Religion begann 1979 oder 1980, die Quellen machen da unterschiedliche Angaben. Die Band wurde gegründet von Sänger Greg Graffin, Gitarrist Brett Gurewitz, Bassist Jay Bentley und Drummer Jay Ziskrout.

Gurewitz war außerdem Gründer des Independent Plattenlabels Epitaph. Bei diesem veröffentlichten Bad Religion 1982 ihre erste Platte „How Could Hell Be Any Worse?“ Später wechselten sie zum Majorlabel Atlantic. Dort wurde 1994 ihr bekanntestes Album „Stranger Than Fiction“ veröffentlicht. 2001 kehrten sie zu Epitaph zurück.

Matthias meinte vor einiger Zeit, Bad Religion klingen braver als NOFX. Da ich nun inzwischen auch ein paar Lieder von beiden Bands kenne, würde ich dem zustimmen. Die Musik von Bad Religion ist auf jeden Fall Punk, mit ihren schnellen und kurzen Songs. Die Lieder sind alle aber auch sehr harmonisch, teils mit mehrstimmigem Gesang.

Zum Inhalt der Songs betont Sänger Graffin immer wieder, dass Bad Religion eine Möglichkeit sei, über Themen zu sprechen, die ihnen wichtig seien: Bildung, Offenheit für neue Ideen und Aufklärung. Ebenso die Gegensatzpaare: Glaube und Wissenschaft, Vernunft und Unvernunft. Ein recht akademischer Ansatz, könnte man sagen. Dazu zu kommt, dass Graffin promovierter Evolutionsbiologe ist und Vorträge an der Universität von Kalifornien (UCLA) gehalten hat.

2019 kam mit „Age of Unreason“ das 17. Studio-Album der Band heraus. Hier gibt’s eine kurze Doku und Interviews zur Veröffentlichung.

Bad Religion existieren jetzt seit etwa 40 Jahren. Es gab einige Besetzungswechsel und Pausen, doch die Anfangstruppe, bestehend aus Sänger, Gitarrist und Bassist, besteht auch noch heute. Sie sind inzwischen ältere Herren, die nicht wirklich nach Punk aussehen. Sänger Graffin sieht eher aus wie Bruce Willis. In einem Interview bemerkte er, dass die Band jedes Jahr älter wird, die Leute im Publikum aber größtenteils junge Menschen sind. Also sei es gar nicht so anders, wenn er an der Universität Vorlesungen halte.

Tempo können sie aber nach wie vor. Habe heute das ganze „Age Of Unreason“ Album gehört und für gut befunden. Hier kommt „Do The Paranoid  Style“:

KW 29 – Soundgarden

Wieder ist eine Woche vorbei. Es war abwechselnd warm und regenreich. Im Garten sind sämtliche Tomatenpflanzen eingegangen. Vermutlich von der Braunfäule dahingerafft. Ein trauriger Anblick, auch in den Nachbargärten. So viel Mühe ging da rein, die Pflänzchen aus Saatgut zu ziehen und durch das kalte Frühjahr zu bringen. Jetzt hingen schon die ersten Früchte dran.

Die Band der Woche ist die US-amerikanische Band Soundgarden aus Seattle.

Leider hatte ich kaum Muse, mich auf sie einzulassen. Immerhin habe ich sie gestern über Kopfhörer im Garten gehört um den schrecklichen Volksmusik-Soundcheck vom Kleingarten-Sommerfest zu übertönen.

Bekannt ist Soundgarden vor allem durch das Stück „Black Hole Sun“ vom 1994er Album „Superunknown“:

Ein Stück, das ich noch nicht kannte, das mir aber gut gefällt, ist „Fell On Black Days“ vom selben Album:

Es versetzt mich zurück in die 90er, die große Zeit der Grunge-Bands, zu denen auch Soundgarden zählten. Da gab es außerdem Pearl Jam, die Stone Temple Pilots oder Alice in Chains. Ganz groß waren natürlich Nirvana. Der Tod von Sänger Kurt Cobain 1994 hat uns zu Schulzeiten ziemlich schockiert.

Soundgarden wurde 1984 gegründet. 1997 löste sich die Band für einige Jahre auf und ihre Mitglieder gingen eigene Wege. Ganz spannende finde ich die gemeinsamen Projekte, die immer wieder Musiker unterschiedlicher Bands zusammenführten.

So fanden sich zum Beispiel bei der Band Audioslave die Instrumentalisten der Band Rage Against The Machine mit Chris Cornell als Sänger zusammen. Ziemlich cool ist der Audioslave-Song: „Show Me How To Live“. Allein schon wegen des Videos mit US-Car Verfolgungsjagd à la „Ein ausgekochtes Schlitzohr“.

Zwischen 1990 und ’92 gab es die Supergroup „Temple Of The Dog“ mit Eddie Vetter (Pearl Jam) und Chris Cornell (Soundgarden) als Sänger. Schön, die beiden markanten Stimmen zusammen in einem Lied zu hören:

Soundgarden fanden 2010 wieder zusammen. Sie brachten 2012 mit „King Animal“ noch ein Studioalbum heraus. Tragischerweise nahm sich Cornell 2017 das Leben, was zur endgültige Auflösung der Band führte.

Der Bandname Soundgarden bezieht sich übrigens auf eine Klangskulptur in einem Park in Seattle. Der Ort wurde zu einer Gedenkstätte für den verstorbenen Musiker.

 

KW 28 – Joy Division

Eine seltsame Woche war das. Der Sommer macht Pause, dafür regnet es immer wieder heftig. Die Nachrichten sind voller Berichte von überfluteten und zerstörten Orten in Rheinland-Pfalz, in Nordrhein-Westfalen und Belgien. Viele sind gestorben, mehrere tausend Menschen aktuell vermisst.

Auf der Arbeit stand ein Abschied von einem lieben Kollegen an. Ende und Neubeginn stehen so nah beieinander. Im Ethnologie-Studium hatten wir das Thema Übergangsriten, auf Französisch „Rites de Pasage„. Daran musste ich jetzt denken. Die Übergangsriten dienen u.a. dazu, den unsicheren Zustand zwischen zwei Lebensabschnitten abzusichern.

Zu diesem etwas nachdenklichen Gemütszustand passt die Band der Woche: Joy Division.

Ich kannte mal wieder nur ein einziges Lied: „Love Will Tear Us Apart“ von 1980:

Joy Division waren eine englische Band, die dem Post-Punk zugeordnet wird und viele Bands und Musikschaffende beeinflusst hat. Sie bestanden nur wenige Jahre. 1976 traten sie unter dem Namen Stiff Kittens auf.

1977 benannten sie sich in Warsaw um. Sänger Ian Curtis war großer Fan von David Bowie. Der Bandname erinnerte an Bowies Song „Warszawa“. Im gleichnamigen Lied hört man noch ziemlich den Punk, finde ich. Spätere Stücke gehen mehr in Richtung Wave.

1978 traten sie schließlich als Joy Division auf. Dieser Name geht auf einen Roman von Yehiel Feiner zurück: House of Dolls (1955). Als Joy Division wurden darin jüdische Frauen im Lager-Bordell für die Nazi-Soldaten in Auschwitz bezeichnet. Feiner selbst war zwei Jahre in Auschwitz inhaftiert.

1979 erschien das Joy Division Debüt-Album „Unknown Pleasures“. Berühmt wurde das Cover-Bild des Albums. Es zeigt eine graphische Darstellung der Radiowellen des ersten entdeckten Pulsars. Wie diese astronomische Grafik ihren Weg auf das Cover geschafft hat, erzählt ein ausführlicher Beitrag bei Scientific American. Übrigens, ein ganz interessantes Wissenschafts-Magazin, wie mir scheint. Es lohnt sich, mal durch die Website zu stöbern.

1980 erschien das zweite und gleichzeitig letzte Studioalbum „Closer“. Das Lied „Love Will Tear Us Apart“ kam im April 1980 als Single raus. Es wurde später neu veröffentlicht und war nicht auf dem Album.

Sänger Ian Curtis erlebte die Veröffentlichung des Albums nicht mehr. Er hatte sich im Mai 1980 das Leben genommen und starb mit nur 23 Jahren. Persönliche Probleme, der Druck durch die bevorstehende Amerika-Tour sowie seine 1979 diagnostizierte Epilepsie waren vermutlich Auslöser für seine Tat.

Das Stück „Atmosphere“ klingt wie ein Abschied. Im Video sind Menschen in hellen und dunklen Kutten zu sehen, die große Bilder der Band tragen:

Die Band löste nach dem Tod ihres Sängers auf. Sie formierte sich jedoch neu unter dem Namen „New Order.

Eines der bekanntesten New Order Stücke ist sicher „Blue Monday“ von 1983.