Das Siegel der Tage

Natali 3. Juli 2010

Sie mag klein an Statur sein, aber im Erzählen skurriler Geschichten aus dem Leben ist Isabel Allende ganz groß. Gestern habe ich die letzten Seiten ihres 2009 erschienen Romans “Das Siegel der Tage” gelesen. Das Original kam 2007 unter dem Titel “La suma de los dias” heraus.

Der Roman ist in Form eines langen Briefes gehalten, den Allende ihrer 1992 verstorbenen Tochter Paula schreibt. Ähnlich wie in “Mein erfundenes Land” bleibt sie daher sehr eng bei ihrer eigenen Lebensgeschichte und den teils haarsträubenden Ereignissen in ihrer Sippe.

Insofern habe ich mich oft gefragt, was nun tatsächlich geschehen ist und was einfach gut in die Erzählung gepasst hat und dazuerfunden ist. Aber letztlich ist das gar nicht wichtig, auch wenn die Charaktere in “Das Siegel der Tage” manchmal so schräg daher kommen, als seien sie direkt einem Zirkus entlaufen.

Mir gefällt die Mischung aus tragischen Wendungen und augenzwinkernder Selbsterkenntnis. Ich habe das Gefühl, das Schreiben hat sie tatsächlich vor größerem Kummer geschützt. Sicher könnte man es schlicht Exhibitionismus nennen, solch private Dinge öffentlich auszubreiten. Die Offenheit, mit der sie über Dinge wie Eltern-Kind-Konflikte, Beziehungskisten oder die Zeichen des Alters schreibt, hört sich an, als sei hier jemand mit sich im Reinen.  Auch wenn es ein beständiger Kampf mit den eigenen Marotten ist, die lesen sich darum umso vergnüglicher.

Baustellenvorbereitung

Natali 1. Juli 2010

Bald geht es los mit der Sommerbaustelle in der KoWa. Es soll neuer Wohnraum entstehen, wo jetzt noch alles sehr kahl ist.

Zwischenzeitlich waren die Räume beliebter Spielplatz und Ort zum Wäschetrocknen. Doch damit ist nun vorerst Schluss. Die Wäscheleinen mussten weichen, auch die verschiedenen Schutthaufen hab wir an passendere Orte verfrachtet.

Bin schon sehr neugierig, wie sich hier alles bald verändern wird. Aus dem einen großen Raum sollen mehrer Zimmer und ein Bad werden. Die können wir auch gut gebrauchen, schließlich stehen die nächsten potentiellen KommunardInnen schon in den Startlöchern.

Demnächst gibt es sicher das ein oder andere Foto von den Baufortschritten.

Kleiner Kämpfer in grün

Natali 26. Juni 2010

Das Glanzkölbchen, Aphelandra squarrosa, hat es echt nicht leicht. Es stand in den sieben Jahren unseres Zusammenlebens schon mehrfach kurz vorm Abgrund zum Biomülleimer, zuletzt vor dem Umzug im April dieses Jahres. Die durchschnittliche Blätterzahl lag bei drei, wobei immer eines schon leicht braun und verknittert war.

Eigentlich hat nur die Tatsache, dass es eine so gute Indikatorpflanze für Wassermangel ist, den kleinen Kümmerling überleben lassen. Das restliches Zimmergrün wurde dann auch gegossen, sobald das Glanzkölbchen mit seinen restlichen Blättern schlaff in der Ecke hing.

Und nun, tata…. geht es ihm am neuen Standort auf einmal richtig gut. Vielleicht schaffe ich es hier auch endlich, mich an die Pflegehinweise zu halten. Das Highlight wäre, wenn es noch einmal eine so bizarre gelbe Blüte hervorbringen würden.

Einfach genießen…

Natali 21. Juni 2010

Was für ein Clown von einer Katze! Auf jeden Fall ist sie mein großes Vorbild darin, das Leben einfach zu genießen.

Lauter nette Leute

Natali 7. Juni 2010

Letztes Wochenende wurde die ganze KoWa zum Bienenstock. Anlass war das 22. Treffen des Kommuja Netzwerks der politischen Kommunen in Deutschland. Wir hatten gut 40 Leute zu Gast, die sich untereinander teils schon viele Jahre kannten. Entsprechend herzlich war das Wiedersehen.

Es brummte vor Ideen, Diskussionen, gutem Essen, Tanz und Spielen. Das Sommerwetter tat sein übriges und am Ende sahen wir alle recht hübsch sonnenbraun aus. Nach den Besuchen von vielen Gästen, die bisher wenig mit Gemeinschaftsleben zu tun hatten, war es angenehm, nun die Profis zu Besuch zu haben. Sprich, Leute die sich gut selbst organisieren können und schlicht mehr Einblick in die Abläufe einer Kommune haben.

Über das Wochenende gab es Workshops und Gesprächsrunden, bei denen u.a. aktuelle Schwierigkeiten in der jeweiligen eigenen Gemeinschaft thematisiert und gemeinsam Lösungsansätze gefunden wurden. Etwa zur Frage, wie sich Organisations- und Entscheidungsfindungsstrukturen bei wachsender Gruppengröße anpassen müssen. Oder die Frage, wie sich dem Phänomen der Überarbeitung bei vielen Leuten in Projekten gegensteuern lässt.

Viel diskutiert wurde natürlich auch der Beschluss, am 22. April 2011 den Kapitalismus abzuschaffen. Es scheint noch Klärungsbedarf zu bestehen, was genau dieser Kapitalismus ist. Gefolgt von der Frage, wo wir dann unsere Bananen herbekommen…

Neben freundschaftlichen Kontakten zur Kommune Hof Rossee oder der Kommune Niederkaufungen kannte ich bis vor dem Treffen niemand aus dem Netzwerk. Die neuen Verknüpfungen haben mich daher sehr gefreut und ich bin schon mächtig gespannt auf die nächsten Zusammenkünfte. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Etwa steht die Vorbereitung des Los geht’s 2011 an oder die Website des Netzwerks www.kommuja.de gut zu hüten.

Nest für die Tontaube

Natali 30. Mai 2010

Der 29. Mai war ein von der Muse geküsster Tag. Mit dem schönen Abschluss, als Lena den Eurovision Song Contest für Deutschland gewonnen hat. Erkenntnis des Abends, eine alte Schultafel mit einem Bettlaken bespannt, eine DVB-T Box und ein Beamer, taugen wunderbar als Fernseher-Ersatz.

Persönlicher Sonnenmoment war für mich allerdings, meine Töpferecke an diesem Samstag fertig einzurichten und die Scheibe endlich in Betrieb zu nehmen. Bisher war ich mit der RK 10 von Shimpo vertraut und nun sehr gespannt, wie sich die RK 55 im Vergleich dazu verhalten würde. Erste Erkenntnis, das Fußpedal ist sehr viel leichtgängiger, was sich aber auch einfach an einer Schraube einstellen lässt. Sie schnurrte jedenfalls ganz freundlich und wir haben uns während dieser ersten gemeinsamen Drehmomente ganz gut verstanden.

Die Finger haben sich zum Glück wie von selbst an ganz viele Handgriffe erinnert, die ich vor Jahren bei Ule von der Töpferei Eulenton gelernt habe. Jetzt heißt es üben, üben, üben…

Jugendhelden

Natali 20. Mai 2010

Ein verspäteter Abschied von Peter Steele, dem Sänger der Band Type O Negative.

Die Entdeckung von Metal und Hard Rock gehört eindeutig zu meinen liebsten Erinnerungen an die 90er Jahre. Wirklich wild war meine Jugend nicht, aber ein klein wenig Rebellion ließ sich zumindest durch den Musikgeschmack und die entsprechende Kleidung ausdrücken. Die Bands waren eher schwarz gewandet und die Mucke düster, das hat geholfen, den Pubertätsfrust abzureagieren. Und sicher war es auch identitätsstiftend.

Letzten Monat ist mit Steele eine faszinierenden Person aus dieser Zeit gestorben. Fand es ganz schön, ihn mit dem Video mit einem Lächeln und in einem so entspannten Moment in Erinnerung zu behalten.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Natali 19. Mai 2010

Wie die Zeit verfliegt. Schwupp, schon wieder ist man ein Jahr älter. Vielen Dank an alle, die meinen Geburtstag in diesem Jahr mit mir begangen haben! Eure guten Wünsche und Gesten haben mich sehr gefreut.

Zum Frühstück wurde ich von meinen lieben MitbewohnerInnen sogar mit einem Ständchen besungen und es gab am Tisch einen geschmückten Ehrenplatz für mich. Sehr süß, das hat sogar das trübe Wetter in den Hintergrund treten lassen.

Der Ausflug nach Eisenach fiel allerdings trotzdem etwas kürzer aus, nur als kleiner Spaziergang mit Einkehr in der Eisdiele. Die Wartburg läuft ja aber auch nicht weg und wird in diesem Sommer sicher mal für eine Wanderung auf dem Programm stehen.

Später gab es frischen Kuchen mit Rhabarber aus dem Garten. Und danach ein paar Partien “Stadt, Land Fluss”, aktuell ein recht angesagtes Spiel bei uns…

Ganz toll gefreut hab ich mich über ein tolles Fachbuch: “Faszination Töpfern” von Tony Birks. Darin werde ich in nächster Zeit sicher ganz viel schmökern. Dazu eine Tasse vom neuen Druiden Zaubertee aus dem Walterhäuser Teelädchen trinken und im Hintergrund der neuen CD von Sophie Hunger lauschen.

Doch, mir geht es hier richtig gut!

Ankommen

Natali 16. April 2010

Als ich dieses Blog begonnen habe, sollte es sich eigentlich um das Thema Kunst drehen. Sowohl zu den Arbeiten verschiedener Künstler als auch zu Eigenproduktionen wollte ich Gedanken, Fragen und Skizzen sammeln. Dieser Schwerpunkt hat sich in letzter Zeit ein wenig auf Buchvorstellungen und Erlebnisberichte verlagert, was ich jedoch nicht tragisch finde.

Seit letzter Woche wohne ich nun im grünen Herzen Deutschlands, im thüringischen Waltershausen. Der Umzug an sich war wohl eher banal, mit dem üblichen Logistikstress und viel Kistengeschleppe. Das Ankommen im neuen Zuhause gestaltet sich dafür umso interessanter, denn der Herr Freund und ich lassen mit diesem Schritt die Stille unserer alten Wohnung hinter uns. Ab jetzt ist immer Leben in der Bude, mit vielen Gesprächen und viel Aktivität jeden Tag.  Wir testen die KoWa endlich richtig vor Ort … und sie uns.

Noch kann von Alltag keine Rede sein, denn es gibt noch so viel zu lernen und entdecken. Bisher habe ich beim Kochen für etwa 20 Personen geholfen. Das schult hoffentlich, nach und nach ein Gefühl für Mengen und Zeiteinteilung zu bekommen. Für jemanden wie mich, die gerne plant, eigentlich eine ganz nette Sache. Und statt vorm Computer zu sitzen saß ich die Tage am großen Flügel um meine Klavierkenntnisse wiederzubeleben.  Nächste Woche steht sogar Sport auf der Liste: Basketball, was ich seit der Schule nicht mehr gespielt habe.

Dieses Wochenende klinke ich mich in den Seminarbetrieb ein, das bedeutet Räume vorbereiten und den Gästen Rede und Antwort stehen. Ansonsten gibt es einfach sehr viel zu tun um die wachsende Gruppe am funktionnieren zu halten, von praktischer (Bau-)Arbeit über regelmäßige Diskussionen bis zum Papierkram.

Das ist alles so belebend und mir geht es gerade so richtig gut! Demnächst werde ich mir eine Werkstattecke zum Töpfern einrichten um wieder an der Töpferscheibe zu üben. Dann brauche ich nur noch eine Brennmöglichkeit in der näheren Umgebung – oder vielleicht fällt mir doch noch irgendwann ein passender Brennofen vor die Füße. Das Thema Kunst könnte hier jedenfalls bald wieder mehr Gewicht bekommen.

Ostern, alles gut verpackt.

Natali 4. April 2010

Zum Glück sind die Eier-Färbearbeiten (siehe oben) schon sehr vergnüglich getätigt. Ansonsten wir dieses Jahr kein Stück österlich dekoriert. Ganz im Gegenteil, die Feiertage vergehen mit Umzugskisten packen.

Langsam verschwindet alles in braunen Kartons, die Wohnung wird kahl und mir bange ob das wirklich alles in den LKW passt. Warum haben wir nur so viel Zeug? Das meiste ist doch wirklich nur Ballast, unnötiger Schnickschnack. Kommt davon, wenn die IKEA-Besuche zum Hobby werden. Immerhin haben wir durch den Umzug einige Dinge wieder über Bord geworfen, das ist reinigend wie ein Frühjahrsputz.

Doch mit dem Einpacken ist es nicht getan, im zukünftigen Zuhause müssen die Sachen dann wieder einen Platz finden. Und wir letztlich auch irgendwie. Ende nächster Woche werden wir sicher ziemlich k.o. sein, aber ich freu mich schon sehr, wieder neue Wurzeln zu schlagen!

Nächste Einträge »