Aussaat im Februar und März

Im Bild oben sind Physalis und Melonenbirne nach 6 Wochen zu sehen.

Mit den paar Pflanzen von der Aussaat am 9. Februar ist natürlich noch kein Garten zu füllen. Es geht weiter mit diesen Experimenten:

Aussaat am 29. Februar:

  • Minigurke
  • Hornveilchen
  • Winteraster
  • Saatwucherblume
  • Kapuzinerkresse
  • Roter Lein
  • Ringelblume
  • Petunie
  • Tagetes

War alles selbst gesammeltes Saatgut vom Vorjahr.

Bild oben: die größte Pflanze ist die Kapuzinerkresse. (Nach 5 Wochen)

Bei der Kapuzinerkresse kam nur eine Pflanze, was mich wundert. Hatte sie letztes Jahr als keimfreudig erlebt. Auch bei der Minigurke bisher nur eine Pflanze. Winteraster und Saatwucherblume bisher auch Fehlanzeige. Allerdings hat die Winteraster auf dem Balkon überlebt. Wahrscheinlich lässt sie sich eher durch Stecklinge vermehren. Reichlich gekeimt sind die Hornveilchen. Ganz passabel: Roter Lein, Petunie, Ringelblume und Tagetes.

Weil ich es kaum übers Herz bringe einmal vorhandene Pflänzchen auszusortieren, habe ich dieses Jahr nur wenige Samen in die einzelnen Abteile der Aussaatbox getan. Bei den Veilchen waren es mehr als bei den anderen Pflanzen, da die Samen winzig klein sind. So oder so wird es in den nächsten Wochen zu überfüllten Fensterbänken kommen.

Aussaat am 16. März

  • Tomate
  • Sonnenblumen

Heute, 5 Tage später, sind die Sonnenblumen schon gekeimt und kräftig am Wachsen. Die Tomaten brauchen noch Zeit.

Erste Aussaat dieses Jahr

Am Samstag, den 9. Februar habe ich mit dem Aussäen begonnen. Dieses Jahr sogar mit Aussaaterde statt mit normaler Pflanzerde. Die Aussaaterde ist nährstoffärmer, so dass die Pflanzen verstärkt Wurzeln ausbilden müssen und nicht so schnell in die Höhe wachsen. Bei beiden Erden achte ich darauf, dass sie torffrei sind, denn Moore sind wichtige CO2 Speicher, die nicht durch den Abbau von Torf zerstört werden sollten.

Um den Überblick zu behalten, was wo drin ist und wann gesät wurde, ist eine Aussaatbox ganz praktisch. Habe diese nummeriert und jeweils Pflanzen und Aussaatdatum notiert.

Meine ersten Aussaaten:

  • Physalis
  • Aubergine
  • Melonenbirne

Physalis sind die hübschen Lampions mit der orangefarbenen Beere. Davon hatte ich Saatgut von 2018 von einer Freundin und von 2019 aus unserem Garten. Ist gut gekeimt, so dass ich 20 Tage später, am 29. Februar die Pflanzen von der Aussaatbox in einzelne Töpfe verpflanzt habe. Als Töpfe finde ich die großen Puddingbecher gang nützlich. Unten ist ein Loch drin damit überschüssiges Wasser ablaufen kann. Da sie durchsichtig sind, sieht man schön das Wurzelwachstum.

Jetzt im März standen im Garten noch die Reste der Pflanzen vom Vorjahr. Von den Lampions war nur das Gerippe übrig. Die Beere darin war verschwunden, einzig die losen Samen lagen darin uns wurden fielen nach und nach durch das Gitter.

Da unser Stückle im Kleingartenverein am Hang kurz unter dem Wald steht, haben wir erst spät im Jahr volle Sonne und auch früh im Herbst wieder mehr Schatten. Viele von den Physlis-Beeren waren nicht reif, als die Tage schon wieder kälter wurden. Dieses Jahr steht also an, die besten Sonnenplätze zu finden.

Die Melonenbirne war gekauftes Saatgut von Kiepenkerl. Ein Experiment, denn von der Pflanze habe ich bisher nicht gewusst, dass es sie gibt. Soll Naschobst werden, vielleicht so ähnlich wie die Physalis.

Auch von der Aubergine vom letzten Jahr hatte ich Samen gesammelt. Leider sind sie nicht aufgegangen. Ein Fehler könnte gewesen sein, dass die Aubergine es zum Keimen gerne richtig warm und tropisch hat, mit 23°C bis 25°C.

Saatgut aufbewahren

Um Samen aufzubewahren nutze ich eine ausgediente Keksdose in der viele beschriftete Tütchen liegen. Die Dose stand den Winter über im kühlen Schlafzimmer. Keller wäre wahrscheinlich auch gegangen, doch ich hatte die Befürchtung, dass es dort zu feucht ist. Im Sommer kommt wieder ein Teil der Tüten in den Garten, wo sie ich sie auch möglichst kühl und mäusesicher aufbewahre. Das Saatgut sollte trocken, dunkel, nicht zu warm und luftdicht aufbewahrt werden um die Keimfähigkeit zu erhalten. Diese nimmt nach einiger Zeit ab, daher steht auf gekauften Samen auch ein Haltbarkeitsdatum. Länger als drei Jahre würde ich Samen nicht aufheben.

Eine Saatgut-Box von ganz anderer Größenordnung ist der der Svalbard Global Seed Vault, der weltweit größte Speicher für das Saatgut von Nutzpflanzen im norwegischen Spitzbergen. Er dient dazu, die Artenvielfalt bei den Pflanzen sicherzustellen, die für die Welternährung unerlässlich sind.

Weibliche Stimmgewalt

Kopfhörer

Wie in meinem „Ausblick auf 2020“ Blogpost angekündigt, will ich unter dem tag #Respect hier im Blog weiblichen Stimmen Gehör verschaffen. Jetzt nehme ich dieses Ansinnen einfach total wörtlich und starte mit weiblichen Gesangsstimmen.

Letztes Jahr bin ich 40 geworden. Damit einher gehen einige graue Haare, etwas mehr Gelassenheit und größere Selbstsicherheit als noch eine Dekade zuvor. Was sich nicht verändert hat: seit den frühen 90-er Jahren mag ich unter anderem Folk, Rock und Metal.

Ein paar Lieblingsbands von damals höre ich noch immer gerne. Sentenced, Amorphis, Therion und Tiamat sind mir ans Herz gewachsen. Mir gefällt die Mischung aus Melodie und Härte, aus schnellen und ruhigeren Passagen, dazu die düstere Stimmung. Das Album „Tales From The Thousand Lakes“, ein Death Metal Klassiker der finnischen Band Amorphis, feierte 2019 sein 25-jähriges Veröffentlichungs-Jubiläum. Es ist schön, wenn die musikalischen Helden mit einem älter werden und noch immer so tätig sind.

Hear her roar!

Über lange Zeit kamen in dem Genre bei mir keine größeren Neuentdeckungen dazu. Durch Spotify und Youtube ändert sich das und ich freue mich, neue Bands und Lieder zu entdecken. Bis 2019 kannte ich Metal Bands mit Sängern, die mit klarem und gutturalem Gesang spielten. Dazu kam ab und an eine klare, kraftvolle Frauenstimme, wie bei Nightwish oder Evanescence. Tarja Turunen, die frühere Sängerin von Nightwish, ist unverkennbar mit ihrer klassisch ausgebildeten Opern-Stimme.

Ein Wow!-Erlebnis letztes Jahr war die Erkenntnis, dass es auch Frauen im Metal gibt, die den gutturalen Gesang, also zum Beispiel das Growling beherrschen. Jetzt musste ich so alt werden um das rauszufinden!

Die erste Frau, die ich mit diesen Klängen gehört hab, war Angela Gossow, die frühere Arch Enemy Sängerin:

Growls von Männern und Frauen sind recht tief und klingen fast gleich, das finde ich ziemlich bemerkenswert, denn es berührt die klassischen Vorstellungen und Vorurteile wie Männer und Frauen zu sein haben.

Diese Vorstellungen werden im Rock und Metal sowieso neu ausgelegt, wenn Männer lange Haare tragen oder auch Make-up und manche mit super hohen Stimmen singen. Dann kann umgekehrt eine Frau aus dem sanft, lieb und nett Klischee ausbrechen und laut und stark auftreten.

Als Angela 2001 ganz neu auf ihrem Posten war, hatte die Band zunächst nicht veröffentlich, dass der neue Gesang von einer Frau kam und die Fans waren ziemlich überrascht, als es bekannt wurde.

Ihr Auftreten als Sängerin ist so wütend und aggressiv wie die Musik. Das passt perfekt und es fühlt sich als Frau befreiend an, dass hier mal eine Geschlechtsgenossin in einer Domäne wildert, die bisher Männer-Gebiet war. Sie ist nicht die einzige und nicht die erste Metal-Sängerin, dennoch scheint mir, sie verdient Respekt für diese Leistung und Vorbildfunktion.

Seit 2014 singt und growlt Alissa White-Gluz bei Arch Enemy und sorgt nach wie vor für Wow!-Momente.

Beim Stöbern nach weiteren Metal-Sangerinnen bin ich auf Youtube auf eine Podiumsdiskussion der Uni Köln von 2010 zum Thema „Heavy Metal and Gender“ gestoßen.

Hier erzählen vier Frontfrauen von ihren Erfahrungen, wie zur Musik und wie sie ihre ganz eigene Stimme gefunden haben.

Wer, wie ich, keinerlei Stimmbildung genossen hat und sich fragt, wie ein Growl-Gesang überhaupt entsteht und über längere Zeit ohne Stimmbandschaden ausgeführt werden kann, für den gibt es hier zum Abschluss noch einen Growl-Workshop, auch von 2010, mit Angela Gossow:

Termine im Kleingartenverein

 

Neun Stunden Gemeinschaftsarbeit pro Jahr:

So viele hat jede Gartenpächterin oder jeder Gartenpächter im Kleingärtnerverein Raichberg e.V. zu leisten. Ehepartner können sich gegenseitig vertreten. Die neuen Termine werden zu Jahresbeginn bekannt gegeben und stehen auch hier auf der Website.

Bei jedem Termin können drei Stunden abgeleistet werden. Dazu finden sich alle Willigen vor dem Vereinsheim ein und werden von der Organisatorin des jeweiligen Termins in Grüppchen eingeteilt. Mal gibt es Büsche zu schneiden oder den Spielplatz zu reinigen, eine Rumpelecke aufzuräumen oder auch einen gerade nicht verpachteten Garten wieder ansehnlich zu machen. Ich empfinde die Termine als eher öde Pflicht, aber sie gehen auch rum und hinterher gibt es Butterbrezeln. 🙂

Wasser auf und wieder zu:

Jetzt im Winter ist das Wasser in den Gärten abgedreht damit nichts einfriert. Die Wasseruhren der einzelnen Gärten sind abmontiert. Ende April werden sie wieder eingesetzt. Bis Ende Oktober steht uns dann Wasser aus der Leitung zur Verfügung. Allerdings versuchen wir zum Gießen möglichst das Wasser aus der Regentonne zu nutzen. Im trockenen Sommer 2019 war die jedoch auch öfter leer.

Versammlung & Feste:

Im ersten halben Jahr 2018 waren wir als Gartenneulinge beim Sommerfest dabei und haben Getränke- und Essensmarken verkauft. Leider war die eher volksmusikalische Beschallung der Veranstaltung so gar nicht unser Ding, so dass wir 2019 nicht dabei waren. Auch bei einer Haupt- bzw. Pächterversammlung des Vereins war ich noch nicht. Aber im Frühjahr 2020 gibt’s wieder eine Chance.

Das liebe Geld:

Bald kommt sicher die Jahresrechnung 2020. Im vergangenen Jahr waren es knapp unter 200,- EUR für unseren 3,35 Ar großen Garten. Die Rechnung setzt sich zusammen aus dem Mitgliedsbeitrag, der Gartenpacht, einer Umlage für die Wege, einer Versicherung und dem Betrag für den Wasserverbrauch des Vorjahres. Die Gartenpacht machte bei uns etwas weniger als die Hälfte des Betrags aus.

 

Die Eisheiligen:

Auch wenn sie nicht in der offiziellen Raichberg Terminliste stehen, sind die Eisheiligen Mitte Mai ein wichtiger Abschnitt im Jahr. Um diese Zeit kann nochmal Frost kommen und jungen Pflänzchen schaden. Daher ist es ratsam, erst Ende Mai mit dem Auspflanzen zu beginnen. Dann gibt’s auch wirklich kein Halten mehr! Wahrscheinlich quillen bis dahin die Fensterbretter unserer Wohnung nur so über vor neuem Grünzeug.

 

Ausblick auf 2020

Was bringt das neue Jahr an Themen und Herausforderungen?

Zu Weihnachten gab es auch dieses Jahr keine Glaskugel, daher habe ich keine endgültigen Antworten. Dafür aber Dinge, die ich mir vornehmen will: öfter bloggen als 2019 und die Inhalte besser herausarbeiten, die mir wichtig sind. Eine Inspiration und Motivation für dieses Vorhaben ist Judith a.k.a Sympatexter. Ein Dankeschön dafür!

Die Welt ist im Wandel, was neue Technologien, politische Strömungen oder den Zustand unserer Ökosysteme betrifft. Was mir besonders am Herzen liegt, ist ein besseres Verständnis für die unglaubliche Vielfalt an Arten, die unser Planet hervorgebracht hat und von denen so viele mittlerweile gefährdet sind.

Ein neues Blogthema wird dieses Jahr daher die Gartenarbeit sein:

  • Pflanzenbestimmung – Was wächst denn da?
  • Gärtnern im Kleingartenverein
  • Weiterverarbeitung – Was tun mit Obst, Gemüse und Kräutern?

Respect!

Es ist auch mir ein Anliegen, mehr weiblichen Stimmen Gehör zu verschaffen, denn von der Gleichberechtigung sind wir leider noch ein gutes Stück entfernt. Dabei gab und gibt es viele kluge Frauen, die spannende Projekte vorantreiben. Auf ein paar möchte ich hier im Blog aufmerksam machen.

Lesestoff

Letztes Jahr waren es „nur“ Bücher, über die ich gebloggt habe. Das soll ruhig weiterhin geschehen, auch wenn ich oft gefühlte Ewigkeiten für einen Roman brauche.

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Und wenn mir sonst ein Thema über den Weg läuft, das ich spannend finde, wird darüber auch gebloggt.

 

Dermot Healy „Long Time, No See“ (2011)

 

Eine Weile habe ich an diesem Roman von Dermot Healy gelesen und immer hat mich die Lektüre direkt nach Irland versetzt.

Die Atlantikküste von Sligo war sofort wieder da, der salzige Wind und die kleinen Häuser und Straßen. Das unaufhörlich wachsende Gras, das ständig gemäht werden muss. Die Mäuerchen, die zu reparieren sind. Das geschäftige Treiben in der Stadt Sligo.

Eine Erzählung vom Leben der Leute, wie sie mit sich selbst und den anderen zurechtkommen. Mit vielen Begegnungen, Gesprächen, Geschichten, der bodenständige Arbeit und der aufmerksamen Fürsorge des jungen Philip für Großonkel Joejoe. Unaufgeregt, mit Tiefgang.

Ernst Wiechert „Das einfache Leben“ (1939)

 

Vor ein paar Wochen war auf dem Weg in den Garten und kam an dem Verschenke-Schrank an der Bushaltestelle „Gablenberg“ im Stuttgarter Osten vorbei. Dort gibt es allerlei Dinge, die man einfach mitnehmen kann. Wer mag, kann auch etwas hineinstellen.

Mir fiel ein altes, gebundenes Buch ins Auge. Den Autor kannte ich nicht, aber der Titel sprach mich an: „Das einfache Leben“ von Ernst Wiechert. Vielleicht eine passende Fügung, auf dieses Weise zu dem Roman gekommen zu sein.

Wiechert ist einer der Autoren, die während der Nazizeit in Deutschland blieben und in die innere Emigration gingen. 1938 war er zwei Monate im KZ Buchenwald inhaftiert.

Protagonist der Erzählung ist ein deutscher Kapitän, der die Schrecken des Ersten Weltkrieges erlebt hat. Er kann und will danach nicht so weiterleben wie bisher. In der Folge entschließt er sich zu einem radikalen Schritt: fortan ein einfaches Leben zu führen. Dieses Leben beinhaltet vor allem körperliche Arbeit und wenig Kontakt zu den Menschen und zur Welt, die sich ohne ihn weiterdreht. Die Natur und der Lauf der Jahreszeiten nehmen dafür einen umso größeren Raum ein.

Ein wenig hat mich die Geschichte an Henry David Thoreaus „Walden“ (1854) erinnert. Doch der Kapitän ist kein Einsiedler. Er pflegt weiterhin Freundschaften und ist durch seine freundliche Art und die Arbeit mit seiner Umgebung eng verbunden.

Die kleine Gesellschaft des Romans pflegt ihre Erinnerungen, sei es zu Begebenheiten oder zu den Ahnen. Es ist die Rede von „stillen Leuten“, die zu Besuch kommen. Was mich wiederum an Stanislaw Lems „Solaris“ (1961) und die nächtlichen Besucher hat denken lassen. Während mit den Toten auf Augenhöhe gesprochen und ihnen zugeprostet wird, scheint es mit der jungen Generation schwieriger. Sie wird von Wiechert als forsch und ungeduldig porträtiert. Mit der Kenntnis der Geschichte lässt sich das Grauen des Zweiten Weltkrieges erahnen, dem diese Jungen gegenüber stehen werden.

Wie sollen wir leben? Woran uns halten? An welche Moral? Die großen Fragen der Philosophie und der Religion stehen im Raum. Wozu das alles? Wie kann Gott etwas wie Krieg zulassen?

Es ist eine Lektüre aus einer anderen Zeit, fast wie ein Märchen, so ruhig und nachdenklich. Was für ein Kontrast zu unserer rasanten Welt! Die Kriege sind heute andere, aber noch immer vorhanden. Noch immer prägen sie den Lauf der Welt und das Schicksal vieler Menschen.

„Der Seewolf“ von Jack London

 

Im April war ich mit meinem Vater im Urlaub in Irland. Zwei Wochen in der Natur, bei guter Seeluft und mit vielen Spaziergängen am Strand. An einem Schlechtwettertag mit heftigem Sturm habe ich ein Buch begonnen, das mich ziemlich gefesselt hat: „Der Seewolf“ von Jack London.

Bisher hatte ich noch nichts von diesem Autor gelesen und kenne auch die Verfilmung dieses Romans nicht. Naja, die Szene mit der Kartoffel kannte ich vorher aus Erzählungen. Was mich an der Lektüre fasziniert hat, war die Verbindung von ganz praktischen und offenbar fundierten Kenntnissen der Seefahrt, bzw. der Beherrschung eines großen Segelschiffes, mit Themen aus der Philosophie und der Literatur. Dieses Zusammentreffen von Charakteren, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Die schiere Brutalität und die auf die Spitze getriebene Kultiviertheit, die miteinander einen Umgang finden müssen. Erinnert hat es mich durchaus an Melvilles „Moby Dick“.

Eine Leseempfehlung!

Barcamp Stuttgart 2018

Ein Rückblick auf das Barcamp Stuttgart, welches am 15. und 16. September 2018 im Hospitalhof stattgefunden hat. Das elfte Barcamp in Stuttgart war wieder spannend und bereichernd, das Wetter wunderbar und die Leute sehr nett. Ein großes Dankeschön an alle Helferinnen und Helfer in der Orga und an die Sponsoren!

Dieses Jahr war ich an den zwei Tagen bei neun Sessions, eine davon habe ich mit M. zusammen gehalten. Das ganze war eingerahmt in die Begrüßung und Vorstellungsrunde, die Essenspausen und die Abschluss-Session. Viel Input, das noch nachhallt in meinen Gedanken.

Samstag

Hospitalhof-Führung

Dieses Jahr habe ich es endlich auch geschafft eine Führung durch den Hospitalhof mitzumachen. Rolf hat uns netterweise näher gebracht, was es mit den Gebäuden und der Institution an sich auf sich hat. In der Session habe ich Protokoll geschrieben, weshalb ich jetzt selbst ohne Notizen dazu dastehe… Aber immerhin habe ich Fotos aus der Hospitalkirche, die zu dieser Jahres- und Tageszeit durch die Prismen am Eingang mit einem bunten Farbspiel aufwarten kann.

Garten-Session

Die eigene Session von M. und mir befasste sich mit dem Thema Garten. Seit Juli 2018 bewirtschaften wir ein Grundstück in der Kleingartenanlage Raichberg, im Stuttgarter Osten. In den zweieinhalb Monaten seit unserem Gartenstart haben wir schon so viele theoretische Überlegungen angestellt und praktische Erfahrungen gesammelt, dass wir uns in einer Runde gerne dazu austauschen wollten.

Als Literatur-Tipps hatte ich folgende Werke ins Spiel gebracht: Marie-Luise Kreuter „Der Biogarten“, Hans Walter Riess „Obstbaumschnitt in Bildern“ (für EUR 4,60 bei Manufactum) und Josef H. Reichholf „Knaurs Großer Naturführer“. Vielleicht geht der Austausch auch nach dem Barcamp noch weiter, denn eine Teilnehmerin hatte Interesse am Topinambur aus dem Garten geäußert.

Wandern in Baden-Württemberg

Passend dazu ging die nächste Session am Samstag für mich draußen weiter: Susi und Frank vom Heimat-Verliebt Podcast sind ausgebildete Wanderführer und stellten im Innenhof einige heimische Wegmarken und Orientierungsmöglichkeiten auf Wanderrouten vor.

Ich blicks nimmeh – Die Nibelungen-Sage

Im Anschluss führte Tara die TeilnehmerInnen der nächsten Session auf eine gedankliche Reise durch die Nibelungensage. Mit vereinten Kräften und visueller Unterstützung durch Taras Bilderkärtchen haben wir versucht, die Geschichte rund um Siegfried, Hagen, Kriemhild, Gunter und Brunhild nachzuerzählen. Eine höchst vergnügliche Angelegenheit!

Populismus-Session

Nach dem Abendessen ging es wieder ernster zu. Sven und Rolf haben sich dem Thema „Populismus – Was jetzt?“ gestellt.

Hilfreich fand ich dabei Rolfs Hintergrundinfos zum Begriff Populismus. Wann dieser erstmals in der letzten Zeit in Erscheinung trat und wie er sich zum Rassismus abgrenzt. Was ich mitnehme, nicht nur in Bezug auf Populismus, ist folgende Herangehensweise: Wenn es um ein schwieriges Thema geht, Person und Inhalt trennen. Das bedeutet, nicht die Person kritisieren sondern ihre Inhalte oder ihr Verhalten. Die Person jedoch immer mit Respekt und Wertschätzung behandeln. Dazu passt die Erinnerung, dass es oft schlicht um Ängste geht. Bei Ängsten hilft die Beschäftigung bzw. Konfrontation mit dem, was Angst macht. Eine Angst ist ein Gefühl – ohne bösen Willen.

Wenn es darum geht, eine Person die angegriffen wird zu unterstützen, sind ähnliche Verhaltensweisen wie bei einem Unfall hilfreich. Also zunächst die Situation einschätzen, Eigensicherung betreiben, konkret UnterstützerInnen ansprechen und Hilfe rufen. Auch alles gut dokumentieren und wenn es geht selbst helfen, jedoch sich nicht selbst in Gefahr bringen.

Mit diesen Eindrücken endete für mich der erste Tag. Daheim wartete das Kätzchen auf Spiel und Abendessen.

Sonntag

Session „Gewinn durch Verzicht“

Am Sonntag ging es für mich nach der Sessionplanung weiter mit dem Thema von Maja und Martin „Gewinn durch Verzicht“. Angedacht wurde u.a. der Gewinn an Lebensqualität dadurch, dass wir uns weniger Reizen aussetzen und mit weniger Dingen umgeben, die unsere Aufmerksamkeit und Energie binden. Verzicht nicht als etwas Negatives sondern als Loslassen. Dadurch lässt sich Zeit gewinnen, die anders – oder überhaupt – gestaltet werden kann. Etwa mit Lesen, Freunde treffen, Meditation oder einfach zur Ruhe kommen. Auch die Gesellschaft, mit der wir uns umgeben lässt sich gestalten. Dies führt letztlich zu der Frage: Was ist mir wichtig?

Urlaub machen oder Reisen? Die eigenen Bedürfnisse oder die der Firma? Viel Materielles suggeriert gerne Sicherheit. Eine Alternative kann einen innere Struktur sein, die mich stützt.

Als Antwort auf die Frage, warum man verzichtet, z.B. auf Fleisch, könnte man die Gegenfrage stellen: „Willst Du es wirklich wissen?“ oder einfach sagen, „Es geht mir besser so.“ Vorsicht ist immer geboten bei Dogmatismus, denn dieser schränkt die gewonnene Freiheit wieder ein.

Session „Brexit“

Weiter ging es mit dem Thema „Brexit“ von Michael. Am 29. März 2019 ist Brexit-Tag, dann tritt Großbritannien aus der EU aus. Wie kam es dazu, wer sind die treibenden Persönlichkeiten und Bewegungen dahinter? Wie wird sich die Sache wohl für England, für Europa und für uns in Deutschland auswirken?

Session „Japan“

Ins noch weiter entfernte Ausland hat uns Katja mit ihre „Japan“-Session mitgenommen. Sie war mit ihrem Partner ganz frisch von einer Japan-Reise zurück und hatte uns ihre Bilder und Eindrücke mitgebracht. Wie anders eine Kultur doch sein kann. Jetzt bin ich neugierig, mehr darüber in der Stadtbibliothek zu recherchieren. Über Origami, die Kultur des Schenkens, den Umgang mit Müll, die öffentlichen Verkehrsmittel … Als Literaturtipp hat uns Katja das Buch „Fettnäpfchenführer Japan: Die Axt im Chrysanthemenwald“ (2016) von Kerstin und Andreas Fels ans Herz gelegt.

Session „Fahrradfreundliches Stuttgart“

Die 4. Session am Sonntag hab ich ausfallen lassen. Der Kopf war mittlerweile voll genug. M. war noch bei der Session „Fahrradfreundliches Stuttgart“ von Anne und durfte anschließend – mit Begeisterung – ihren UNU Elektroroller Probe fahren. Den Bürgerentscheid für eine fahrradfreundliche Stadt haben wir direkt unterschrieben!

Nächstes Jahr geht’s weiter!

Am 14. & 15. September 2019 findet das zwölfte Barcamp Stuttgart statt. Ich denke, wir werden wieder dabei sein. Vielleicht lässt sich unsere Lieblingseisdiele hier im Stuttgarter Osten, die Schleckerei, ja zu einem Eis-Sponsoring überreden…

Burg Hohenzollern

Eine Stunde Fahrtzeit entfernt von Stuttgart-Ost liegt die Burg Hohenzollern auf einem Zeugenberg am Albtrauf. Über die B27 kommend sieht man sie schon in der Ferne. Allerdings wird der Blick von modernen Einrichtungen wie Tank- und Raststätten geschmälert. Runter von der Schnellstraße ist man aber gleich im Grünen und blickt idyllischer hinauf zum türmchenreichen Gemäuer.

Wir sind bis zum offiziellen Parkplatz gefahren und haben die 2 Euro Parkgebühr entrichtet. Statt mit dem Shuttlebus sind wir von dort zu Fuß den Berg hochgelaufen. Ein steiler Anstieg, der später beim Rückweg gemein in die Waden ging und einen ordentlichen Muskelkater gegeben hat.

Für 12,00 Euro Eintritt haben wir die 45-minütige Hohenzollernführung mitgemacht. Da mir die geschichtlichen Hintergründe im Vorfeld nicht so präsent waren, genau die richtige Entscheidung. Denn ohne das Geflecht aus Verwandtschaftsverhältnissen und Gebietsansprüchen hätte es die Burg so nicht gegeben. Ich kann nicht behaupten, jetzt den totalen Durchblick im Haus Hohenzollen zu haben, dennoch sind ein paar Persönlichkeiten in Erinnerung geblieben. So haben wir etwa den Mantel des „alten Fritz“ (Friedrich II oder auch Friedrich der Große) bestaunen können mit dem Einschussloch, wo seine Schnupftabaksdose ihm das Laben gerettet hat.

Die Burg ist hübsch anzusehen, von Weitem wie vor Ort und sehr gut auf den Besucheransturm vorbereitet. Das Essen im Biergarten war angenehm und ganz international, umringt von asiatischen, amerikanischen und italienischen Touristen.

Auf dem Rückweg sind wir in Dußlingen im Café Schiller eingekehrt und wurden sehr freundlich bewirtschaftet. Am Ortsrand waren wir anschließen noch auf einem Erdbeerfeld zum Selbstpflücken und haben bei bestem Alb-Panorama-Blick unser Körbchen gefüllt.