The Catcher in the Rye
Natali 8. Februar 2010

Was für ein doofer Typ, dieser Holden Caulfield. Gerade mal wieder von einer Schule geflogen, lügt wie gedruckt und scheint sich keinen Deut um seine Zukunft zu scheren. Nein, auf den ersten Seiten von J.D. Salingers “The Catcher in the Rye” konnte ich nicht viel mit seinem Protagonisten anfangen.
Und doch hatte es irgendwie Charme, wie er immer mehr von seinen Gedanken Preis gab, wie er ständig über alles Mögliche nachdachte und jede Begegnung kommentierte.
Junge, du bist unzufrieden mit allem und jedem, dachte ich. Auch seine kleine Schwester Phoebe fragt ihn irgendwann, was er denn überhaupt gut finde auf dieser Welt und was er aus sich machen wolle. Was er antwortet ist geradezu romantisch, aber natürlich verrate ich es hier nicht. Es ist ein kleines Büchlein, das schnell gelesen ist, wer es also wissen will, entdecke es ruhig selbst.
“The Catcher in the Rye” erschien 1951 und ist somit auch ein schönes Zeitdokument. Als 1979 geborene Deutsche sind mir die New Yorker Szenen und die damals gerade aktuellen Schauspieler, die er erwähnt, eher fremd. So beschreibt Holden zum Beispiel, wie ihm eine Aufführung von Hamlet mit Sir Laurence Olivier gefallen hat. Ich finde es spannend, als Nachbereitung zur Lektüre diesen Referenzen ein wenig nachzugehen und mir seine Welt genauer anzusehen. So vermischen sich Literatur und Geschichte auf ganz angenehme Weise.
Letztlich sind es nur drei Tage in Holdens Leben, an denen Salinger die Leser teilhaben lässt. Am Ende wäre ich durchaus bereit gewesen, mit ihm bei einem Cocktail die ungelöste Entenfrage zu erörtern.
Salingers Roman würde ich zur Kanonliteratur zählen, also zu den literarischen Arbeiten, die einen herausragenden Stellenwert einnehmen und die einigermaßen gebildeten Leser kennen sollten. Ich stehe dem Kanon sehr ambivalent gegenüber, denn wer bestimmt, was dazu gehört. Wessen Blick ist es, der die Werke bewertet und was wird dadurch als nicht wichtig abgewertet? Andererseits gibt es einfach so viel Literatur. Wenn wir nicht gerade wahllos ein Buch aus dem Regal nehmen, müssen wir immer eine Entscheidung über unsere Lektüre treffen. Da kann ein Leitfaden hilfreich sein. Als Schullektüre hätte ich den “Fänger im Roggen” sicher recht gern gelesen.









