KW 46 – Frankie goes to Hollywood

Die Sonne macht sich rar und der November seinem Ruf als Nebelmonat alle Ehre. Eigentlich stehen alle Zeichen auf Winterschlaf. Was das 52-Bands Projekt betrifft, ist bei mir ein wenig die Luft raus. Dennoch will ich mal schauen, was es über die aktuelle Band der Woche zu berichten gibt: Frankie goes to Hollywood.

Hier ist das Video zu „The Power of Love“ vom 1984er Debütalbum „Welcome to the Pleasuredome“.

Ist das nicht schön und wohltuend versöhnlich in diesen Zeiten? Vom Text her ist es einfach ein Liebeslied, doch das Video erzählt die Weihnachtsgeschichte.

Das Debüt „Welcome to the Pleasuredome“ wurde ursprünglich als Vinyl-Doppelalbum veröffentlicht: also 4 Schallplattenseiten! Ich hätte nicht gedacht, dass darauf bereits die ganzen Hits der Band versammelt sind:

  • Welcome to the Pleasuredome
  • Relax (Come Fighting)
  • To Tribes (For the Victims of Ravishment)
  • The Power of Love

Die erste veröffentlichte Single der Band aus Liverpool war 1983 „Relax“:

Das Video ist ziemlich unweihnachtlich und mit nettem Ulk: am Ende geht Lemmy von Motörhead mit dem Mädel von der Bühne. Die Jungs der Band hätten wahrscheinlich eh wenig Interesse an ihr gehabt.

Wie der Fernsehmoderator am Anfang sagt, gab es ein offizielles Video zum Song, das u.a. der BBC zu pikant war. Es spielt in einer Schwulen-Bar, mit vielen Drag-Queens und in Leder gekleideten, schnauzbärtigen Männern. Kurz nach der Veröffentlichung verbannte die BBC das Lied von der Ausstrahlung, da Covergestaltung und Text zu homoerotisch waren für die Verantwortlichen. Jedoch war der Erfolg von „Relax“ so groß, dass es zum Ende des Jahres 1984 wieder auf dem Sender gespielt wurde.

Ich findet es interessant, wie aktuelle gesellschaftliche Themen in die Musik einfließen. Etwa, der Kampf für sexuelle Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. In Großbritannien wurde Homosexualität 1981 entkriminalisiert. In Deutschland war sie bis 1994 Gegenstand des Strafgesetzbuches.

Bei Stücken wie „Rage Hard“ oder „Two Tribes“ wendet sich die Band gegen Krieg und nuklearer Aufrüstung. Im Video zu „Two Tribes“ stehen die verfeindeten Blöcke des kalten Krieges symbolisch im Ring und kämpfen. Der Sprecher am Anfang ist der Originalsprecher einer britischen Aufklärungskampagne, die darüber informierte, wie man sich im Falle eines Angriffs mit Atomwaffen zu verhalten habe.

Wer mir bis heute überhaupt nichts sagte, ist Trevor Horn. Er war der Produzent und man kann sagen auch Entdecker von Frankie goes to Hollywood. Über ihn habe ich gelesen, dass er mit seiner Arbeit unheimlichen Einfluss auf die Musik der 80er gehabt haben muss. Er produzierte viele bekannte Künstlerinnen und Künstler.

Seit Matthias und ich eine Doku über die Produktion des schwarzen Albums von Metallica durch Bob Rock gesehen haben, glaube ich sofort, wie wichtig diese Rolle bei der Entstehung von Alben ist.

Musikalisch ist Frankie goes to Hollywood dem New Wave und Synth-Pop zuzuordnen, ähnlich wie New Order oder OMD. Ihre Stücke kommen teils bombastisch daher, mit starken Bässen und viel Synthesizer-Einsatz.

Die Band bestand von 1980 bis 1987. Gemeinsam haben sie nur 2 Studioalben veröffentlicht, plus einige Singles. Von ihren Stücken gibt es jedoch eine Vielzahl an Remixes.

1987 verließ Sänger Holly Johnson die Gruppe, die sich danach auflöste. Von 2004 bis 2007 kamen sie nochmals zusammen, jedoch ohne Johnson und Gitarrist Brian Nash.

 

KW 45 – Ideal

Es ist so richtig November geworden. Die Tage sind kühler, trüb und neblig. Die Corona-Zahlen steigen und statt das alles hinter uns zu lassen müssen wir die Anstrengungen wieder erhöhen, das Virus zurückzudrängen: Hygiene, Abstand, mehr Impfungen. Alles andere als ideale Zustände.

Na, wenigstens ist die Band der Woche Ideal.

Ich hatte sofort den Hit „Blaue Augen“ von ihnen im Ohr, als ich den Zettel aus der Losbox zog:

Die West-Berliner Band Ideal gab es nur 3 Jahre, von 1980 bis 1983, also quasi eher ein Projekt. Doch sie waren ein wichtiger Bestandteil der Neuen Deutschen Welle (NDW).

Während „Blaue Augen“ noch als Liebeslied daherkommt, können die Texte durchaus auch politisch ausfallen. So wie bei „Keine Heimat“ vom 3. Studioalbum „Bi Nuu“ (1983):

Im Beitrag „Die Wurzeln der Neuen Deutschen Welle“ von November 2020 bei SWR1 wird schön zusammengefasst, wer alles zu dieser musikalischen Stilrichtung zählte. Tatsächlich waren da einige aus Baden-Württemberg, oder wie wir inzwischen sagen „The Länd“, dabei.

Nicht so die Frontfrau von Ideal, Anette Humpe, die auf der SWR1 Seite  zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Inga Humpe vorgestellt wird. Die sind aus Berlin. Egal, wie das klingt. (Sorry, kleiner Ärzte Gag.)

Die NDW begann Mitte der 70er Jahre und wurde Anfang der 80er kommerziell erfolgreich, mit Interpreten wie Nena oder Falco. Beeinflusst wurde der Stil vom englischen Punk und New Wave. Der Stil war minimalistisch, kühl und neu für die Zeit, mit deutschen Texten in der Popmusik. Auch wenn die NDW so schnell vorbei war wie sie kam, sie wirkte nach indem die deutschen Texte nun etabliert waren. Herbert Grönemayer und BAP zum Beispiel blieben der Sprache treu.

Das Lied „Monotonie“ gefällt mir gut. Es plätschert musikalisch so dahin, dabei sind die Textinhalte schön beobachtet und so nonchalant ausgebreitet.

Annette Humpe war vor ihrer Zeit bei Ideal mit Ihrer Schwester Inga bei der Berliner Band Neonbabies. Später arbeitete sie als Produzentin u.a. mit Rio Reiser, den Prinzen, DÖF oder Max Raabe.

2007 hatten sie und Inga jeweils mit ihren neuen Band-Projekten Hits am Start. Annette zusammen mit Sänger Adel Tawil bei Ich+Ich mit „Vom selben Stern“:

Inga Humpe gründete 2000 mit ihrem Partner Tommi Eckart 2raumwohnung. 2007 kam mit „36 Grad“ ein Lied raus, das seitdem wirklich jeden Sommer im Radio gespielt wird:

KW 44 – Depeche Mode

Nach Kraftwerk in KW 43 ist Depeche Mode die logische Weiterführung im #52Bands Projekt. Gerade in den frühen Veröffentlichungen kann man den Elektronik Einfluss von Kraftwerk raushören.

Auf die melancholischen Engländer habe ich mich schon gefreut, denn die sind immer eine sichere Bank, was angenehme entspannte Musik angeht. Vielleicht liegt es an der warmen Bariton-Stimme von Sänger David Gahan. Oder dem zugänglichen Synthie-Pop Klang der Musik.

Zuerst bewusst wahrgenommen habe ich Depeche Mode als Jugendliche in den frühen 90ern.

1993 kam das Album „Songs of Faith and Devotion“ heraus.

Hier beim Stück „I Feel You“ ist ziemlich viel Gitarre und Rock’n’Roll mit dabei.

Mehr als 10 Jahre früher, auf ihrem 1981er Debüt-Album „Speak & Spell“, klangen sie noch anders. Mehr nach süßer, tanzbarer Discomusik. Und wie jung sie waren! Gerade mal 19, 20 Jahre alt hier beim Video zu „I Just Can’t Get Enough“.

Bei „Speak & Spell“ war noch Vince Clarke der Texter der Stücke. Er stieg nach dem Album aus und wirkte später bei den Bands Yazoo und Erasure.

Der Keyboarder, Gitarrist und Sänger Martin Gore übernahm von da an die Rolle des Texters. Die Songtexte von Depeche Mode finden sich übrigens im umfangreichen Archiv der Bandwebsite.

Seine Texte sind oft sozialkritisch, behandeln etwa Themen um Religion („Blasphemous Rumors“), Rassismus („People are People“) oder die unschönen Aspekte des Musikgeschäfts („Everything Counts“). Gore hatte zu Schulzeiten Deutsch als Hauptfach, war im Schüleraustausch in Deutschland und lebte 1984/85 in Berlin. Martin Gore hat eine klare Tenor-Stimme, die in den Liedern einen schönen Kontrasts zu Gahans tieferen Tönen ergibt.

Seine Jugend, mit Arbeit in der Bank nach dem Schulabschluss, unterschied sich ziemlich von der seines Bandkollegen Dave Gahan. Dieser kam aus unsicheren elterlichen Verhältnissen. Er schloss sich früh der Punkszene an, unterstützte seine Familie mit Diebstählen und musste eine Jugendstrafe verbüßen. Bei Depeche Mode war er zunächst als Roadie tätig.

Die Band entwickelte über die Jahre ihren eigenen Stil. Von den fröhlichen Synthiesounds des Debüts zu eher düsteren Dark Wave Klängen auf dem 1986er Album „Black Celebration“.

Beim Video zum Song „A Question of Time“ arbeitete die Band erstmals mit Artdirector Anton Corbijn. Dieser prägte mit seinen Gestaltungen z.B. für Cover und Schriftzüge maßgeblich das Erscheinungsbild der Band.

1995, zwei Jahre nach der Veröffentlichung von „Songs of Faith and Devotion“, ging es der Band nicht gut. Die Band war auf Welttournee. Gahan und Gore waren beide Drogen- bzw. Alkoholsüchtig und Keyboarder Andrew Fletcher depressiv. Erst nach einem missglückten Suizidversuchs von Gahan und seiner Verurteilung zu einem Entzug besserte sich die Lage.

Die Band machte weiter und veröffentlichte 1997 das Album „Ultra“. Sie scheinen wirklich die Kurve gekriegt zu haben, denn sie sind noch heute mit erstaunlich stabilem Lineup bei der Arbeit.

2017 erschien zuletzt ihr Studioalbum „Spirit“.

14 Studio-Alben haben sie inzwischen veröffentlicht und wurden 2020 in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen.

KW 43 – Kraftwerk

Gar nicht so einfach, sich mit der Band der Woche zu befassen, während die SWR1 Hitparade läuft. Momentan habe ich Urlaub und eigentlich genug Zeit. Doch bis zum Finale am gestrigen Freitag war eine Woche lang Radio hören angesagt, mit grandiosen Songs von Reinhard Mey bis Iron Maiden. Einfach so, von Platz 1058 („White Wedding“ von Billy Idol) bis Platz 1 („Bohemian Rhapsody“ von Queen). Wirklich ein Woche um die Musik zu feiern!

Aber zur aktuellen Band: Kraftwerk.

Von denen war immerhin ein Hit dabei: „Autobahn“ auf Platz 260. Hier ist die lange Version mit 22:47 Minuten:

Der Song ist vom gleichnamigen Album „Autobahn“ von 1974.

Mir war schon klar, dass Kraftwerk elektronische Musik machen, aber dass sie diese mehr oder weniger erfunden haben, war mir in dem Ausmaß nicht klar.

Sie waren wirklich die Vorreiter des Elektropop, später des Techno und haben ganze Genres wie den Synthiepop oder den Electronic Funk beeinflusst. Künstlerinnen und Künstler weltweit wurden von Kraftwerk inspiriert.

Die Anfänge

Die Band gründete sich 1970 in Düsseldorf. Gründungsmitglieder waren Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben. Seit ihren Frühzeiten hatten sie ein eigenes, privates Aufnahmestudio, das nach einer Weile den Namen Kling Klang Studio bekam. Das Merchandise von Kraftwerk wird übrigens von der Klingklang Konsum Produkt GmbH vertrieben.

Hier eine Aufnahme von einem ihrer ersten Konzerte 1970 in Soest, das der WDR auf Youtube gestellt hat. In der Menge sind teils freudige, teils sehr überraschte Gesichter zu sehen. Noch ist die Musik ziemlich handgemacht, mit echtem Schlagzeug und Querflöte.

Kraftwerk entwickelten über die Jahre ihre ganz eigenen Sounds, wozu sie Instrumente selbst bauten oder in Auftrag gaben. Das Studio wurde quasi zu ihrem Instrument. Ihre ersten drei Alben waren noch experimentell, von Krautrock kommend. Danach wurden die Produktionen rein elektronisch und sehr melodisch.

Ihre Faszination macht u.a. aus, wie ich finde, dass die Musik so kühl und präzise ist, andererseits aber Stimmungen und Emotionen hervorruft.

Bei der Recherche habe ich erfahren, dass sie sich von ihrer Umgebung, der Rhein-Ruhr Region mit ihrer städtischen und industriellen Prägung haben beeinflussen lassen.

Die Themen ihrer Platten drehen sich immer wieder um Technik und das Zusammenspiel von Mensch und Technik. So gibt es etwa die Albumtitel „Radio-Aktivität“ (1975), „Die Mensch-Maschine“ (1978) oder „Computerwelt“ (1981).

Vielleicht der heute bekannteste Titel von Kraftwerk ist „Das Model“ (1978). Mir schein, das Lied fällt etwas aus dem Rahmen, denn es enthält viel Text und erzählt eine Geschichte. Dagegen sind andere Stücke der Band viel minimalistischer.

Im Video ist allerdings schön die Live-Aufstellung der 4 Herren an ihren Pulten zu sehen. Daran angelehnt ist es bei Matthias und mir schon üblich, bei ähnlich aufgestellten TV-Auftritten von PolitikerInnen zu rufen: „Schlechtester Kraftwerk-Auftritt ever!“

Die Auftritte sind ein Kunstwerk aus Klängen und Bildern. Die Musiker treten dabei nicht als einzelne Persönlichkeiten hervor, sondern geben sich fast roboterhaft anonym.

Viel typischer als „Das Model“ ist zum Beispiel: „Metal on Metal“ (1977).

Zu alledem könnte mensch natürlich argumentieren, dass eigentlich Fraktus aus Brunsbüttel die Pioniere des Elektropop waren. Aber leider hat Kraftwerk die sagenhafte Avantgarde-Band letztlich an Bekanntheit überflügelt.

Zu aktuellem Wirken von Kraftwerk habe ich nicht wirklich etwas gefunden. Im Mai 2020 starb Gründungsmitglied Florian Schneider-Elsleben. David Bowie hatte ihm 1977, in seiner Berliner Zeit, ein Lied gewidmet. Er strebte eine Zusammenarbeit mit Kraftwerk an, zu der es jedoch nie kam.

KW 42 – Dimmu Borgir

Die Band der Woche sind die Norweger von Dimmu Borgir. Sie sind wahrscheinlich die extremste Band in meiner Losbox. Sie stehen stellvertretend für ein Genre, das mich schon lange fasziniert, um das ich aber immer eher herumschleiche als wirklich dort anzukommen: der Black Metal.

Das Lied, mit dem ich die Band kennengelernt habe und das lange Jahre das einzige war, welches ich von ihnen kannte, ist „A Succubus in Rapture“ vom 1997er Album „Enthrone Darkness Triumphant“.

Der ganze Song ist voller Dramatik, fast schon wie klassische Filmmusik. Ein Succubus ist ein weiblicher Dämon, der Männer verführt. Rapture bedeutet soviel wie Verzückung.

Wie beim Black Metal üblich, wird nicht mit klarem Gesang gearbeitet sondern größtenteils mit Growls, also einer kehligen, teils kreischenden Stimme.

Die Mitglieder von Dimmu Borgir tragen für das Genre typische Pseudonyme. Sänger und Gründungsmitglied Stian Tomt Thoresen nennt sich zum Beispiel Shagrath, was ein Orkname aus dem Herrn der Ringe Roman von Tolkien ist. Bei Live-Auftritten trägt die Band zudem Corpsepaint. Eine Gesichtsbemalung, mit der sie so zum Fürchten aussehen wie Dämonen aus der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Hier ein Auftritt beim Wacken Open Air 2012 – mit großem Orchester:

Es gibt die Band schon seit 1993. Seit ihrer Gründung bis heute haben sie eine musikalische Wandlung durchgemacht, die vor allem viele reine Black Metal Fans verstimmt hat. Mit dem 97er Album „Enthrone Darkness Triumphant“ haben sie textlich von Norwegisch zu Englisch gewechselt und zunehmend komplexere Keyboardparts in ihre Musik aufgenommen.

Wie oben im Wacken Video zu sehen, werden die Keyboard-Klänge tatsächlich öfter durch ein Orchester und sogar Chor ergänzt.

Die Ursprünge des Black Metal liegen in den späten 80er Jahren, bei Bands wie Venom oder Bathory. Der Sound ist roh, der Gesang krächzend und die Textinhalte oft gewaltverherrlichend und satanistisch. In den 90er Jahren entwickelt sich in Norwegen eine Strömung, die es bei einigen Musikern nicht bei misanthropischen Texten bleiben ließ. Es kam zu Morden innerhalb der Szene, zu brennenden Kirchen und nationalistischen und rassistischen Äußerungen.

Insofern ist ein wenig Vorsicht angeraten, welches Gedankengut die Bands verbreiten und tatsächlich leben.

Auch von Dimmu Borgir mag es politisch unkorrekte Aussagen in der Vergangenheit gegeben haben. Aktuell habe ich nur Äußerungen zu ihrem kreativen Schaffensprozess gefunden. Sie mögen sich nach wie vor mit Satanismus identifizieren, als Weg der Rebellion gegen das Establishment. Wobei sie selbst inzwischen kommerziell erfolgreich sind und durchaus Teil dieses Establishments.

Die offiziellen Musikvideos finde ich eher peinlich in ihrer Theatralik. Weil mir das nach der Band benannte Lied „Dimmu Borgir“ (2010) aber gut gefällt, hier ein Einblick:

Dabei trägt diese Show, das Makeup und die Kostüme, die ganze Inszenierung dazu bei, die Band zu einem Gesamtkunstwerk zu machen. Wie sie selbst in Interviews betonen, ist das Visuelle wichtiger Teil ihrer Kunst.

Inzwischen lässt sich ihre Musik als Symphonic Black Metal labeln. Die beiden letzten Alben „Abrahadabra“ (2010) und „Eonian“ (2018) könnten durchaus als Fantasy-Film Soundtrack durchgehen.

KW 41 – Green Day

Ich gestehe, die Band der Woche in den 90ern so gar nicht gemocht zu haben: Green Day. Wenn schon die Art von US-Punk-Rock, dann lagen mir damals eher The Offspring.

Das Album „Dookie“ brachte 1994 den Durchbruch für Green Day. Darauf waren Hits wie „When I come around“ oder „Basket Case“. 2021 bin ich noch immer kein großer Fan der Band. Ein Lied, das mir dennoch gut gefällt, ist „Good Riddance (Time Of Your Life):

Die Band gründete sich 1987 unter dem Namen „Sweet Children“. 1989 benannten sie sich um in „Green Day“. Was übrigens ein kalifornischer Slang-Begriff ist für einen langweiligen, mit Gras rauchen verbrachten Tag.

Ich grüble, was mich eigentlich an der Band bzw. ihrer Musik stört. Vielleicht ist es wirklich eine gewisse Langeweile und Traurigkeit, die ich in den Liedern wahrnehme.

2004 veröffentlichten sie das Album „American Idiot“. Das gleichnamige Titelstück ist ein schneller Punk-Song. Dagegen ist es wieder ein langsames Lied aus dem Album, das mir im Ohr geblieben ist: „Boulevard Of Broken Dreams“, hier live beim Reading Festival 2013.

Das Video zeigt ganz anschaulich, wie groß die Fanbase von Green Day noch immer ist.

2000 wäre es fast zum Bruch in der Band gekommen, denn sie waren gegenseitig unzufrieden mit ihren Leistungen. Sie haben daraufhin eine Therapie gemacht und dadurch mehr Verständnis füreinander entwickelt. Letztlich hat dies das Fortbestehen der Band ermöglicht. Das finde ich ganz beachtlich.

Bei der Recherche sind mir einige Cover-Stücke positiv aufgefallen. Etwa von 2007 „Working Class Hero“ von John Lennon.

Das Lied ist auf dem Album „Instant Karma. The Amnesty International Campaign To Save Dafur“ (2006).

2015 sind u.a. Ringo Starr und Green Day in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen worden. Ein guter Grund, um gemeinsam Musik zu machen. Green Day geben hier netterweise die Begleitband für Ringo Starr bei „Boys“:

2020, im Jahr der Pandemie, spielte Green Day Sänger Billie Joe Armstrong einige Cover-Songs ein. Hier ein Klassiker von den Bangles, zusammen mit Susanna Hoffs: „Manic Monday“.

KW 40 – Helloween

Was für ein Zufall. Gerade im Halloween-Monat Oktober kommt die Band „Helloween“ aus meiner Losbox. Die Autokorrektur will mir ständig das e zu einem a ändern. Das wird ja lustig.

Lustig trifft auch auf des erste Video zu, dass mir hier zu Halloween über den Weg gelaufen ist. Es ist die 2010er Swing-Version ihres Hits „Dr. Stein“ aus dem Jahr 1988.

Im Text wird besungen, wie Dr. Stein immer wieder neue Kreaturen erfindet. Sie werden großartige Rockmusiker oder Politiker. Nur als er sich am Ende selbst klont, geht etwas schief.

Die 2010er Version findet sich auf dem Album „Unarmed – Best of 25th Anniversary“. Zusammen mit vielen Gastmusikern feierte die Band aus Hamburg damals ihr 25-jähriges Bestehen.

Der große Durchbruch von Helloween kam tatsächlich mit dem eigentlich als Doppelalbum geplanten „Keeper Of The Seven Keys“. Part 1 wurde 1987 veröffentlicht. Part 2 schließlich separat 1988. Die Band kommt ursprünglich aus dem Speedmetal, hatte aber schon früh sehr melodische Tendenzen und lässt sich wohl im Powermetal einordnen. Als der Klassiker schlechthin gilt ihr 13,38 Minuten lange Stück „Keeper of the Seven Keys“:

Das Stück ist sowas wie eine Rockoper und erzählt eine Abenteuergeschichte um die Rettung der Welt.

Inzwischen gibt es Helloween über 35 Jahre. Dabei durchlebte die Band viele Besetzungswechsel, Hochs und Tiefs, Erfolge und Durststrecken. Die Jungs sind inzwischen reifere Herren geworden. Die Musik ist mir manchmal zu hektisch und der Gesang zu hoch. Auch wenn man auf jeden Fall würdigen muss, von welch hoher Qualität dieser kräftige hohe Gesang ist, gerade von Sänger Michael Kiske.

Bei den Video zu „Keeper Of The Seven Keys“ war schon zu sehen, dass die Band mit 2 Sängern arbeitet. Bei der Recherche kam raus, dass es aktuell sogar 3 Sänger in der Stammbesetzung sind! Nämlich die, die im Lauf der Jahre nacheinander diese Rolle in der Band ausgeübt haben.

Anlässlich der „Pumpkins United“ Tour 2017 hatten sie sich für die Auftritte in dieser Formation zusammengefunden. Offenbar hat das so gut funktioniert und vor allem harmoniert, dass dies nun das feste Lineup der der Band ist.

2021 kam mit dem schlicht „Helloween“ betitelten Album nach 6 Jahren Ruhe eine neue Platte heraus. Inzwischen sind sie beim Donzdorfer Plattenlabel „Nuclear Blast“ zuhause, also im Ländle.

Was die Besetzungswechsel betrifft, fand ich die Verbindungen zu anderen Bands spannend. So hat etwa der ursprüngliche Sänger Kai Hansen nach seinem Weggang 1988 die Band Gamma Ray gegründet. Für ihn kam 1987 Michael Kiske. Als dieser 1993 ging, wurde er von Andi Deris ersetzt, der zuvor bei der Karlsruher Band Pink Cream 69 war.

Hier eine Gamma Ray Version des 1988er Helloween Klassikers „I Want Out“ beim Wacken Open Air 2009:

KW 39 – Scorpions

Die Band der Woche ist ein richtig großer Brocken: die Scorpions.

Dass es die schon eine Weile gibt, wusste ich. Aber dass sie fast so lange schon im Geschäft sind wie die Rolling Stones! Entsprechend lange habe ich eben die Bandgeschichte nachgelesen. Die sind praktisch überall und mit allen schon mal aufgetreten und haben einen Haufen Musikschaffende beeinflusst.

2008 freute sich zum Beispiel Doro Pesch, selbst eine Rocklegende, über einen Gastauftritt von Klaus Meine und Rudolf Schenker bei Doro’s 25-jährigem Bühnenjubiläum:

Die Stones gründeten sich 1962. Die Scorpions gibt es, damals noch unter dem Namen „Nameless“, seit 1965. Zu Gründungsmitglied Rudolf Schenker (Gitarre) stießen 1969 Klaus Meine (Gesang) und Michael Schenker (Gitarre). Michael ist der jüngere Bruder von Rudolf. 1979 ersetzte Matthias Jabs Michael an der Gitarre. Auch bei den Scorpions gab es einige Besetzungswechsel, doch die Grundbesetzung der Band aus Hannover ist sehr konstant.

Seit 2016 ist Mikkey Dee ihr Schlagzeuger. Ihn hatte ich bisher immer bei Motörhead verortet. Tatsächlich spielte der gebürtige Schwede von 1992 bis zu Lemmy’s Tod 2015 bei Motörhead.

Aus der langen Bandgeschichte hier ein Live-Auftritt aus meinem Geburtsjahr 1979: „Holiday“

Die Scorpions sind für mich eine klassische Radio-Band. Das heißt, ich höre ihre Lieder gerne, wenn sie im Radio gespielt werden, habe aber nicht das Bedürfnis, mir eine ganze Platte anzuhören.

Dabei ist Klaus Meine stimmlich sowas wie der deutsche Ronnie James Dio. Gerade die Rock-Balladen bringen diese Qualität super rüber. Auch optisch hat er was von Dio und ist tatsächlich mit 1,63cm gleich groß.

Aus dem Bereich Trivialwissen fand ich interessant, dass Meine in Bissendorf in der Wedemark lebt. Dies ist auch der Hauptsitz der Elektronikfirma Sennheiser, die u.a. Mikrofone und Kopfhörer produziert, die auch von den Scorpions genutzt werden.

Dieser ruhige Rückzugsort auf dem Land ist sicher nötig um dieses große Pensum an Touren und Auftritten in riesigen Stadien zu überstehen.

Hier zum Beispiel der Song „Blackout“ beim Moscow Peace Festival 1989:

Die Teilnahme am Festival in Moscow inspirierte Meine dazu, ihr wohl bekannteste Lied zu schreiben: „Wind of Change“. Das Lied, das immer wieder als Soundtrack dient für Berichte über den Fall der Berliner Mauer, über den Zerfall der Sowjetunion oder das Ende des Kalten Krieges.

Oft gehört, aber eben doch sehr schön:

Nächstes Jahr will die Band übrigens ein neues Album veröffentlichen und wieder auf Tour gehen. „Rock Believer“ wird ihr 19. Studioalbum sein.

KW 38 – Beastie Boys

Die vergangene Woche hat mir eine unverhoffte Pause beschert. Am Montag ging es mir nicht gut, so dass ich zuhause geblieben bin. Meine Ärztin hat mich letztlich für die Woche krankgeschrieben und Erholung verordnet.

Das war wohl bitter nötig. Mein Körper hat wirklich viel Schlaf und Ruhe eingefordert. Ich bin viel auf dem Balkon in der Sonne gesessen, war spazieren und habe seit langer Zeit wieder Yoga-Übungen gemacht. Dazu lese ich gerade das Buch von Kate Carne „Die sieben Geheimnisse der Achtsamkeit. Wie Mindfulness im hektischen Alltag gelingt“. Wir werden sehen, was sich davon umsetzen lässt.

Gestern war ich dann auch aufnahmebereit für die Band der Woche: die Beastie Boys. Matthias hat netterweise wieder ein top Titelbild entworfen.

Als der Name aus meiner Losbox kam, hatte ich direkt das Lied „Sabotage“ (1994) im Ohr:

Der Songtext wurde inspiriert durch einen Toningenieur, der keine Geduld mehr mit dem langen Entstehungsprozess des Albums hatte. Das Lied wird übrigens ziemlich cool im Film Star Treck Beyond (2016) eingesetzt, um sich gegen einen feindlichen Angriff zu wehren.

Im Vergleich zum schrägen Sabotage-Video kommt das Video zu „An Open Letter To NYC“ (2004) ernster rüber. Auch hier sind die Jungs wieder unterwegs in der Stadt, ihrer Heimatstadt. Das Lied, bzw. das Album „To the 5 Boroughs“ wird als Liebeserklärung der Beastie Boys an New York gesehen.

Klamauk können sie allerdings auch sehr gut. Nachdem ich ja eher aus dem Rockbereich komme, freut mich das ulkige Video zu „No Sleep Till Brooklyn“ (1986). Es is mindestens eine so schöne Rap-Rock Kombination wie Aerosmith und Run DMC bei „Walk This Way“:

Der Song ist von ihrem 1986er Debütalbum „Licensed to Ill“. Das Gitarrensolo wird gespielt von Kerry King, dem Gitarristen von Slayer.

Eigentlich dachte ich, Motörhead beziehen sich mit ihrem Live-Albumtitel „No Sleep till Hammersmith“ auf das Beastie Boys Album. Tatsächlich ist es andersrum, denn die Motörhead-Platte kam 1981 heraus.

Begonnen haben die Beastie Boys 1978 als Hardcore Punkband unter dem Namen „The Young Aborigines“. Ihr Debütalbum sorgte für Aufsehen, denn es war ungewöhnlich, dass weiße Jungs Hip-Hop machten. 2012 starb Adam „MCA“ Yauch, einer der Gründer, mit nur 47 Jahren. Die Gruppe löste sich noch im selben Jahr auf.

 

KW 37 – Fehlfarben

Eine Punkband aus Deutschland war die aktuelle Band der Woche: Fehlfarben.

Sie haben sich 1979 gegründet und 1980 ihr Debütalbum „Monarchie und Alltag“ veröffentlicht. Das Album gilt als wichtiger Einfluss für eine ganze Szene. Der Punk hatte sich weiterentwickelt in Richtung neue deutsche Welle.

Mir gefällt dieser wabernde Klangteppich am Anfang des Stückes „Paul ist tot“ (1980):

Das Lied „Ein Jahr (Es geht voran)“ wurde zu ihrem größten Hit. Die Band selbst fand das nicht so toll. Das Stück wurde von der Plattenfirma als Single herausgebracht. Dies geschah gegen den Willen der Band.

Fehlfarben machen auch heute noch Musik. Das letzte Album kam 2015 heraus und heißt „Über … Menschen“. Die neueste Single erschien 2021 und hat den Titel „Supergen“.