Der Garten – April 2020

Im April kamen die Farben zurück in den Garten. Tulpen, Apfelblüte und Blaukissen leuchteten um die Wette.

Hellblaues Vergissmeinnicht:

Der englische Name der Pflanze lautet wirklich „Forget-me-not“.

Mit unserer Kleingartenparzelle hatten wir ein glückliches Händchen, denn so viele wunderbare Pflanzen waren schon vorhanden. Obstbäume und Beerensträucher und viele Stauden, die jedes Jahr neu erblühen.

Dazu kommt, dass das Grundstück mit Natursteinen in Terrassen angelegt ist. Die Mauern sind hübsch anzusehen, praktisch und auch für Eidechsen oder Blindschleichen ein interessanter Lebensraum.

Um die Apfel-, Birnen- und später auch Zwetschgenblüten hatten wir Sorge. 2019 gab es so gut wie nichts zu ernten. Wir vermuten, dass der Frost die Blüten dahingerafft hat.

Inzwischen waren die drei Komposthaufen gut gefüllt. Matthias hatte sie daraufhin so umgeschichtet, dass wir nun neue Erde und wieder Platz für Pflanzenabfälle haben.

Hier sieht man oben die Komposte und darunter sich entrollenden Farn:

Während im Garten Vorbereitungen für die neue Saison getroffen wurden, wuchsen in der Wohnung die Jungpflanzen. Von der Gartennachbarin hatte ich eine ganze Kiste mit Tomaten bekommen. Der Platz auf dem Fensterbrett wurde eng und die Pflanzen verlangten täglich nach Wasser. Sonnenblumen und Physalis reckten sich jeden Tag ein Stück höher.

Bei gutem Wetter habe ich sämtliche Pflanzen auf den Balkon gestellt und nachts wieder reingeholt. Zu den neu aus Samen gezogenen gesellte sich eine Geranie, die im Treppenhaus überwintert hat. Mehrere im Keller überwinterte Dahlienknollen steckten mittlerweile in Töpfen und bildeten erste Blätter aus.

Den Roten Sonnenhut hatte ich im Garten ausgegraben und wieder in einen Topf gepflanzt. Bei diesem waren neue Blätter direkt von den Schnecken gefressen worden. Im Topf hat er Ruhe zum Wachsen.

Sämtliche Arbeiten wurden kätzlich überwacht von Miki.

Der Garten – März / April 2020

 

Jetzt ist es schon Mitte Mai und der Garten im vollen Wachstum. Ich will einen Rückblick versuchen ins noch kühle Frühjahr.

Mitte März haben wir unsere persönliche Gartensaison eröffnet. Die Bäume waren blattlos und durch die Lage am Nordhang hatten wir erst ab der Mittagszeit Sonne. Entsprechend frostig war es. Vor uns waren die wilden Primeln am Start. Die blühen an jeder Ecke im Garten und das schon ab Februar. Warum ich trotzdem im Baumarkt Primeln für die Balkonkästen gekauft habe, ist mir selbst ein Rätsel.

Wir haben die Reste an vertrockneten Pflanzen von den Beeten geholt und die Pflanzflächen gelockert. Letztes Jahr hatten wir große Verluste durch Schneckenfraß. Das Lockern hilft auch, Schneckeneier an die Oberfläche zu bringen, die dort den Frost nicht überstehen.

Ende September hatte ich Blumenzwiebeln gesetzt: Schneeglanz, Traubenhyazinthen, Wildtulpen, Kugellauch und Schachbrettblumen.

Der Schneeglanz, auch Sternhyazinthe genannt:

Die gelben Tarda-Wildtulpen:

Die Schachbrettblumen:

 

Der Kugellauch lässt noch auf sich warten, dürfte aber im Juni in mit seinen Kugelköpfchen zu sehen sein.

Was mir beim Pflanzen oder aussäen hilft, ist immer ein Foto vom Pflanzentütchen zu machen. So kann ich später nachschauen, wann eigentlich welche Pflanze dran war. Im Nachhinein bin ich mit dem Standort der Tulpen nicht ganz froh, auch der Schneeglanz wäre in einem dichteren Grüppchen wohl hübscher gewesen. Aber ich nehme an, die Zwiebeln lassen sich noch versetzen.

Ein Bild von den Kugellauch-Zwiebeln und der Pflanzinformation:

Aussaat im Februar und März

Im Bild oben sind Physalis und Melonenbirne nach 6 Wochen zu sehen.

Mit den paar Pflanzen von der Aussaat am 9. Februar ist natürlich noch kein Garten zu füllen. Es geht weiter mit diesen Experimenten:

Aussaat am 29. Februar:

  • Minigurke
  • Hornveilchen
  • Winteraster
  • Saatwucherblume
  • Kapuzinerkresse
  • Roter Lein
  • Ringelblume
  • Petunie
  • Tagetes

War alles selbst gesammeltes Saatgut vom Vorjahr.

Bild oben: die größte Pflanze ist die Kapuzinerkresse. (Nach 5 Wochen)

Bei der Kapuzinerkresse kam nur eine Pflanze, was mich wundert. Hatte sie letztes Jahr als keimfreudig erlebt. Auch bei der Minigurke bisher nur eine Pflanze. Winteraster und Saatwucherblume bisher auch Fehlanzeige. Allerdings hat die Winteraster auf dem Balkon überlebt. Wahrscheinlich lässt sie sich eher durch Stecklinge vermehren. Reichlich gekeimt sind die Hornveilchen. Ganz passabel: Roter Lein, Petunie, Ringelblume und Tagetes.

Weil ich es kaum übers Herz bringe einmal vorhandene Pflänzchen auszusortieren, habe ich dieses Jahr nur wenige Samen in die einzelnen Abteile der Aussaatbox getan. Bei den Veilchen waren es mehr als bei den anderen Pflanzen, da die Samen winzig klein sind. So oder so wird es in den nächsten Wochen zu überfüllten Fensterbänken kommen.

Aussaat am 16. März

  • Tomate
  • Sonnenblumen

Heute, 5 Tage später, sind die Sonnenblumen schon gekeimt und kräftig am Wachsen. Die Tomaten brauchen noch Zeit.

Erste Aussaat dieses Jahr

Am Samstag, den 9. Februar habe ich mit dem Aussäen begonnen. Dieses Jahr sogar mit Aussaaterde statt mit normaler Pflanzerde. Die Aussaaterde ist nährstoffärmer, so dass die Pflanzen verstärkt Wurzeln ausbilden müssen und nicht so schnell in die Höhe wachsen. Bei beiden Erden achte ich darauf, dass sie torffrei sind, denn Moore sind wichtige CO2 Speicher, die nicht durch den Abbau von Torf zerstört werden sollten.

Um den Überblick zu behalten, was wo drin ist und wann gesät wurde, ist eine Aussaatbox ganz praktisch. Habe diese nummeriert und jeweils Pflanzen und Aussaatdatum notiert.

Meine ersten Aussaaten:

  • Physalis
  • Aubergine
  • Melonenbirne

Physalis sind die hübschen Lampions mit der orangefarbenen Beere. Davon hatte ich Saatgut von 2018 von einer Freundin und von 2019 aus unserem Garten. Ist gut gekeimt, so dass ich 20 Tage später, am 29. Februar die Pflanzen von der Aussaatbox in einzelne Töpfe verpflanzt habe. Als Töpfe finde ich die großen Puddingbecher gang nützlich. Unten ist ein Loch drin damit überschüssiges Wasser ablaufen kann. Da sie durchsichtig sind, sieht man schön das Wurzelwachstum.

Jetzt im März standen im Garten noch die Reste der Pflanzen vom Vorjahr. Von den Lampions war nur das Gerippe übrig. Die Beere darin war verschwunden, einzig die losen Samen lagen darin uns wurden fielen nach und nach durch das Gitter.

Da unser Stückle im Kleingartenverein am Hang kurz unter dem Wald steht, haben wir erst spät im Jahr volle Sonne und auch früh im Herbst wieder mehr Schatten. Viele von den Physlis-Beeren waren nicht reif, als die Tage schon wieder kälter wurden. Dieses Jahr steht also an, die besten Sonnenplätze zu finden.

Die Melonenbirne war gekauftes Saatgut von Kiepenkerl. Ein Experiment, denn von der Pflanze habe ich bisher nicht gewusst, dass es sie gibt. Soll Naschobst werden, vielleicht so ähnlich wie die Physalis.

Auch von der Aubergine vom letzten Jahr hatte ich Samen gesammelt. Leider sind sie nicht aufgegangen. Ein Fehler könnte gewesen sein, dass die Aubergine es zum Keimen gerne richtig warm und tropisch hat, mit 23°C bis 25°C.

Saatgut aufbewahren

Um Samen aufzubewahren nutze ich eine ausgediente Keksdose in der viele beschriftete Tütchen liegen. Die Dose stand den Winter über im kühlen Schlafzimmer. Keller wäre wahrscheinlich auch gegangen, doch ich hatte die Befürchtung, dass es dort zu feucht ist. Im Sommer kommt wieder ein Teil der Tüten in den Garten, wo sie ich sie auch möglichst kühl und mäusesicher aufbewahre. Das Saatgut sollte trocken, dunkel, nicht zu warm und luftdicht aufbewahrt werden um die Keimfähigkeit zu erhalten. Diese nimmt nach einiger Zeit ab, daher steht auf gekauften Samen auch ein Haltbarkeitsdatum. Länger als drei Jahre würde ich Samen nicht aufheben.

Eine Saatgut-Box von ganz anderer Größenordnung ist der der Svalbard Global Seed Vault, der weltweit größte Speicher für das Saatgut von Nutzpflanzen im norwegischen Spitzbergen. Er dient dazu, die Artenvielfalt bei den Pflanzen sicherzustellen, die für die Welternährung unerlässlich sind.

Weibliche Stimmgewalt

Kopfhörer

Wie in meinem „Ausblick auf 2020“ Blogpost angekündigt, will ich unter dem tag #Respect hier im Blog weiblichen Stimmen Gehör verschaffen. Jetzt nehme ich dieses Ansinnen einfach total wörtlich und starte mit weiblichen Gesangsstimmen.

Letztes Jahr bin ich 40 geworden. Damit einher gehen einige graue Haare, etwas mehr Gelassenheit und größere Selbstsicherheit als noch eine Dekade zuvor. Was sich nicht verändert hat: seit den frühen 90-er Jahren mag ich unter anderem Folk, Rock und Metal.

Ein paar Lieblingsbands von damals höre ich noch immer gerne. Sentenced, Amorphis, Therion und Tiamat sind mir ans Herz gewachsen. Mir gefällt die Mischung aus Melodie und Härte, aus schnellen und ruhigeren Passagen, dazu die düstere Stimmung. Das Album „Tales From The Thousand Lakes“, ein Death Metal Klassiker der finnischen Band Amorphis, feierte 2019 sein 25-jähriges Veröffentlichungs-Jubiläum. Es ist schön, wenn die musikalischen Helden mit einem älter werden und noch immer so tätig sind.

Hear her roar!

Über lange Zeit kamen in dem Genre bei mir keine größeren Neuentdeckungen dazu. Durch Spotify und Youtube ändert sich das und ich freue mich, neue Bands und Lieder zu entdecken. Bis 2019 kannte ich Metal Bands mit Sängern, die mit klarem und gutturalem Gesang spielten. Dazu kam ab und an eine klare, kraftvolle Frauenstimme, wie bei Nightwish oder Evanescence. Tarja Turunen, die frühere Sängerin von Nightwish, ist unverkennbar mit ihrer klassisch ausgebildeten Opern-Stimme.

Ein Wow!-Erlebnis letztes Jahr war die Erkenntnis, dass es auch Frauen im Metal gibt, die den gutturalen Gesang, also zum Beispiel das Growling beherrschen. Jetzt musste ich so alt werden um das rauszufinden!

Die erste Frau, die ich mit diesen Klängen gehört hab, war Angela Gossow, die frühere Arch Enemy Sängerin:

Growls von Männern und Frauen sind recht tief und klingen fast gleich, das finde ich ziemlich bemerkenswert, denn es berührt die klassischen Vorstellungen und Vorurteile wie Männer und Frauen zu sein haben.

Diese Vorstellungen werden im Rock und Metal sowieso neu ausgelegt, wenn Männer lange Haare tragen oder auch Make-up und manche mit super hohen Stimmen singen. Dann kann umgekehrt eine Frau aus dem sanft, lieb und nett Klischee ausbrechen und laut und stark auftreten.

Als Angela 2001 ganz neu auf ihrem Posten war, hatte die Band zunächst nicht veröffentlich, dass der neue Gesang von einer Frau kam und die Fans waren ziemlich überrascht, als es bekannt wurde.

Ihr Auftreten als Sängerin ist so wütend und aggressiv wie die Musik. Das passt perfekt und es fühlt sich als Frau befreiend an, dass hier mal eine Geschlechtsgenossin in einer Domäne wildert, die bisher Männer-Gebiet war. Sie ist nicht die einzige und nicht die erste Metal-Sängerin, dennoch scheint mir, sie verdient Respekt für diese Leistung und Vorbildfunktion.

Seit 2014 singt und growlt Alissa White-Gluz bei Arch Enemy und sorgt nach wie vor für Wow!-Momente.

Beim Stöbern nach weiteren Metal-Sangerinnen bin ich auf Youtube auf eine Podiumsdiskussion der Uni Köln von 2010 zum Thema „Heavy Metal and Gender“ gestoßen.

Hier erzählen vier Frontfrauen von ihren Erfahrungen, wie zur Musik und wie sie ihre ganz eigene Stimme gefunden haben.

Wer, wie ich, keinerlei Stimmbildung genossen hat und sich fragt, wie ein Growl-Gesang überhaupt entsteht und über längere Zeit ohne Stimmbandschaden ausgeführt werden kann, für den gibt es hier zum Abschluss noch einen Growl-Workshop, auch von 2010, mit Angela Gossow:

Termine im Kleingartenverein

 

Neun Stunden Gemeinschaftsarbeit pro Jahr:

So viele hat jede Gartenpächterin oder jeder Gartenpächter im Kleingärtnerverein Raichberg e.V. zu leisten. Ehepartner können sich gegenseitig vertreten. Die neuen Termine werden zu Jahresbeginn bekannt gegeben und stehen auch hier auf der Website.

Bei jedem Termin können drei Stunden abgeleistet werden. Dazu finden sich alle Willigen vor dem Vereinsheim ein und werden von der Organisatorin des jeweiligen Termins in Grüppchen eingeteilt. Mal gibt es Büsche zu schneiden oder den Spielplatz zu reinigen, eine Rumpelecke aufzuräumen oder auch einen gerade nicht verpachteten Garten wieder ansehnlich zu machen. Ich empfinde die Termine als eher öde Pflicht, aber sie gehen auch rum und hinterher gibt es Butterbrezeln. 🙂

Wasser auf und wieder zu:

Jetzt im Winter ist das Wasser in den Gärten abgedreht damit nichts einfriert. Die Wasseruhren der einzelnen Gärten sind abmontiert. Ende April werden sie wieder eingesetzt. Bis Ende Oktober steht uns dann Wasser aus der Leitung zur Verfügung. Allerdings versuchen wir zum Gießen möglichst das Wasser aus der Regentonne zu nutzen. Im trockenen Sommer 2019 war die jedoch auch öfter leer.

Versammlung & Feste:

Im ersten halben Jahr 2018 waren wir als Gartenneulinge beim Sommerfest dabei und haben Getränke- und Essensmarken verkauft. Leider war die eher volksmusikalische Beschallung der Veranstaltung so gar nicht unser Ding, so dass wir 2019 nicht dabei waren. Auch bei einer Haupt- bzw. Pächterversammlung des Vereins war ich noch nicht. Aber im Frühjahr 2020 gibt’s wieder eine Chance.

Das liebe Geld:

Bald kommt sicher die Jahresrechnung 2020. Im vergangenen Jahr waren es knapp unter 200,- EUR für unseren 3,35 Ar großen Garten. Die Rechnung setzt sich zusammen aus dem Mitgliedsbeitrag, der Gartenpacht, einer Umlage für die Wege, einer Versicherung und dem Betrag für den Wasserverbrauch des Vorjahres. Die Gartenpacht machte bei uns etwas weniger als die Hälfte des Betrags aus.

 

Die Eisheiligen:

Auch wenn sie nicht in der offiziellen Raichberg Terminliste stehen, sind die Eisheiligen Mitte Mai ein wichtiger Abschnitt im Jahr. Um diese Zeit kann nochmal Frost kommen und jungen Pflänzchen schaden. Daher ist es ratsam, erst Ende Mai mit dem Auspflanzen zu beginnen. Dann gibt’s auch wirklich kein Halten mehr! Wahrscheinlich quillen bis dahin die Fensterbretter unserer Wohnung nur so über vor neuem Grünzeug.

 

Ausblick auf 2020

Was bringt das neue Jahr an Themen und Herausforderungen?

Zu Weihnachten gab es auch dieses Jahr keine Glaskugel, daher habe ich keine endgültigen Antworten. Dafür aber Dinge, die ich mir vornehmen will: öfter bloggen als 2019 und die Inhalte besser herausarbeiten, die mir wichtig sind. Eine Inspiration und Motivation für dieses Vorhaben ist Judith a.k.a Sympatexter. Ein Dankeschön dafür!

Die Welt ist im Wandel, was neue Technologien, politische Strömungen oder den Zustand unserer Ökosysteme betrifft. Was mir besonders am Herzen liegt, ist ein besseres Verständnis für die unglaubliche Vielfalt an Arten, die unser Planet hervorgebracht hat und von denen so viele mittlerweile gefährdet sind.

Ein neues Blogthema wird dieses Jahr daher die Gartenarbeit sein:

  • Pflanzenbestimmung – Was wächst denn da?
  • Gärtnern im Kleingartenverein
  • Weiterverarbeitung – Was tun mit Obst, Gemüse und Kräutern?

Respect!

Es ist auch mir ein Anliegen, mehr weiblichen Stimmen Gehör zu verschaffen, denn von der Gleichberechtigung sind wir leider noch ein gutes Stück entfernt. Dabei gab und gibt es viele kluge Frauen, die spannende Projekte vorantreiben. Auf ein paar möchte ich hier im Blog aufmerksam machen.

Lesestoff

Letztes Jahr waren es „nur“ Bücher, über die ich gebloggt habe. Das soll ruhig weiterhin geschehen, auch wenn ich oft gefühlte Ewigkeiten für einen Roman brauche.

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Und wenn mir sonst ein Thema über den Weg läuft, das ich spannend finde, wird darüber auch gebloggt.

 

Dermot Healy „Long Time, No See“ (2011)

 

Eine Weile habe ich an diesem Roman von Dermot Healy gelesen und immer hat mich die Lektüre direkt nach Irland versetzt.

Die Atlantikküste von Sligo war sofort wieder da, der salzige Wind und die kleinen Häuser und Straßen. Das unaufhörlich wachsende Gras, das ständig gemäht werden muss. Die Mäuerchen, die zu reparieren sind. Das geschäftige Treiben in der Stadt Sligo.

Eine Erzählung vom Leben der Leute, wie sie mit sich selbst und den anderen zurechtkommen. Mit vielen Begegnungen, Gesprächen, Geschichten, der bodenständige Arbeit und der aufmerksamen Fürsorge des jungen Philip für Großonkel Joejoe. Unaufgeregt, mit Tiefgang.

Ernst Wiechert „Das einfache Leben“ (1939)

 

Vor ein paar Wochen war auf dem Weg in den Garten und kam an dem Verschenke-Schrank an der Bushaltestelle „Gablenberg“ im Stuttgarter Osten vorbei. Dort gibt es allerlei Dinge, die man einfach mitnehmen kann. Wer mag, kann auch etwas hineinstellen.

Mir fiel ein altes, gebundenes Buch ins Auge. Den Autor kannte ich nicht, aber der Titel sprach mich an: „Das einfache Leben“ von Ernst Wiechert. Vielleicht eine passende Fügung, auf dieses Weise zu dem Roman gekommen zu sein.

Wiechert ist einer der Autoren, die während der Nazizeit in Deutschland blieben und in die innere Emigration gingen. 1938 war er zwei Monate im KZ Buchenwald inhaftiert.

Protagonist der Erzählung ist ein deutscher Kapitän, der die Schrecken des Ersten Weltkrieges erlebt hat. Er kann und will danach nicht so weiterleben wie bisher. In der Folge entschließt er sich zu einem radikalen Schritt: fortan ein einfaches Leben zu führen. Dieses Leben beinhaltet vor allem körperliche Arbeit und wenig Kontakt zu den Menschen und zur Welt, die sich ohne ihn weiterdreht. Die Natur und der Lauf der Jahreszeiten nehmen dafür einen umso größeren Raum ein.

Ein wenig hat mich die Geschichte an Henry David Thoreaus „Walden“ (1854) erinnert. Doch der Kapitän ist kein Einsiedler. Er pflegt weiterhin Freundschaften und ist durch seine freundliche Art und die Arbeit mit seiner Umgebung eng verbunden.

Die kleine Gesellschaft des Romans pflegt ihre Erinnerungen, sei es zu Begebenheiten oder zu den Ahnen. Es ist die Rede von „stillen Leuten“, die zu Besuch kommen. Was mich wiederum an Stanislaw Lems „Solaris“ (1961) und die nächtlichen Besucher hat denken lassen. Während mit den Toten auf Augenhöhe gesprochen und ihnen zugeprostet wird, scheint es mit der jungen Generation schwieriger. Sie wird von Wiechert als forsch und ungeduldig porträtiert. Mit der Kenntnis der Geschichte lässt sich das Grauen des Zweiten Weltkrieges erahnen, dem diese Jungen gegenüber stehen werden.

Wie sollen wir leben? Woran uns halten? An welche Moral? Die großen Fragen der Philosophie und der Religion stehen im Raum. Wozu das alles? Wie kann Gott etwas wie Krieg zulassen?

Es ist eine Lektüre aus einer anderen Zeit, fast wie ein Märchen, so ruhig und nachdenklich. Was für ein Kontrast zu unserer rasanten Welt! Die Kriege sind heute andere, aber noch immer vorhanden. Noch immer prägen sie den Lauf der Welt und das Schicksal vieler Menschen.

„Der Seewolf“ von Jack London

 

Im April war ich mit meinem Vater im Urlaub in Irland. Zwei Wochen in der Natur, bei guter Seeluft und mit vielen Spaziergängen am Strand. An einem Schlechtwettertag mit heftigem Sturm habe ich ein Buch begonnen, das mich ziemlich gefesselt hat: „Der Seewolf“ von Jack London.

Bisher hatte ich noch nichts von diesem Autor gelesen und kenne auch die Verfilmung dieses Romans nicht. Naja, die Szene mit der Kartoffel kannte ich vorher aus Erzählungen. Was mich an der Lektüre fasziniert hat, war die Verbindung von ganz praktischen und offenbar fundierten Kenntnissen der Seefahrt, bzw. der Beherrschung eines großen Segelschiffes, mit Themen aus der Philosophie und der Literatur. Dieses Zusammentreffen von Charakteren, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Die schiere Brutalität und die auf die Spitze getriebene Kultiviertheit, die miteinander einen Umgang finden müssen. Erinnert hat es mich durchaus an Melvilles „Moby Dick“.

Eine Leseempfehlung!