Dieses Jahr will ich mich in den Blogbeiträgen mit Themen beschäftigen, die sich um die Frage drehen, was uns gut tut. Was trägt zu unserem Wohlbefinden bei?

Auf das Thema Introvertiertheit bzw. Introversion bin ich gekommen, weil es mich selbst betrifft. Von anderen bin ich immer als ruhige, wenn nicht gar stille oder zurückhaltende Person wahrgenommen worden. Da kam oft der Kommentar „sag doch mal was“. So dass ich selbst am Ende dachte, ich wäre zu schüchtern und damit irgendwie verkehrt.

2015 habe ich das Buch „Quiet. The Power of Introverts in a World That Can’t Stop Talking“ von Susan Cain gelesen. Der deutsche Titel lautet „Still. Die Kraft der Introvertierten“. Das war ein Aha-Erlebnis! Ich bin nicht falsch oder unvollständig, nur eben anders als viele Leute und anders als das vorherrschende gesellschaftliche Ideal.

Introversion ist ein Persönlichkeitszug, der als Gegenpol zur Extraversion gesehen wird. Während extrovertierte Personen Energie aus vielen sozialen Kontakten gewinnen, kostet die Interaktion introvertierte Persönlichkeitstypen eher Energie. Wenn ich bei Small Talk und großen Partys fernbleibe, heißt das nicht, dass ich zu schüchtern dazu bin. Diese Situationen sind für mich in der Regel nur kräftezehrender, als dass sie mir viel bringen.

In unserer Gesellschaft und im Berufsleben wird meist einer etwas extrovertierteren Haltung der Vorzug gegeben. Offen auf andere zuzugehen, vor Gruppen zu sprechen, sich und die eigenen Projekte selbstbewusst präsentieren zu können, gelten als erstrebenswerte Eigenschaften. Als führungsstark wird angesehen, wer dominant die eigene Position vertreten kann.

Um sich in der eigenen Haut wohlzufühlen, ist es ungemein hilfreich sich selbst zu verstehen. Dabei hat das Buch von Susan Cain mir sehr geholfen. Die eigenen Bedürfnisse zu kennen, das ist der Trick.

Zwar halte ich mich oft aus sozialen Situationen heraus, doch genieße und brauche auch ich den Kontakt zu Menschen. Jedoch sind es eher tiefere Gespräche in kleineren Gruppen, die mich interessieren und mir etwas geben.

Als Linkshänderin bin ich es gewohnt, dass die Dinge für mich nicht immer intuitiv zu bedienen sind, weil sie eben für Rechtshänder konstruiert wurden.

Inzwischen fällt es mir leichter, meine eigene Herangehensweise an Problemstellungen zu finden und gegenüber Kritik zu vertreten. Statt schnell bei der Lösung zu sein, verbleibe ich länger bei der Analyse. Statt viel Aufhebens um meine Arbeit zu machen, erledige ich lieber konzentriert und beharrlich die Aufgaben, die zu tun sind.

Ich nehme meine Umgebung sehr detailliert wahr, die Situationen, die Gegenstände und die Emotionen der Menschen um mich herum. Wenn sich Probleme ergeben, erkenne ich das meist intuitiv und versuche, diese zu lösen. Dieser kritische Blick ist keine Schwarzseherei, sondern eine Stärke, die nachhaltige Veränderung ermöglicht.

Und wenn es der Sache dient, springe ich über meinen Schatten und verhalte mich, wie es eine extrovertierte Person tun würde. Das ist möglich und hilfreich. Aber es ist dann auch in Ordnung, wieder zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu tanken.

 

Weiterführende Links:

„Still. Die Kraft der Introvertierten“ Interview mit Susan Cain (Penguin Random House, Stand 16.01.2022)

„Introvertiert – Die Stärke der Stillen“ (SWR2, 11.05.2018)

„Quiet Revolution. The Books that startet the Quiet Movement“ (Stand 16.01.2022)

„Social Distanzing. Darum leiden auch Introvertierte unter dem Kontaktverbot“ (Quarks, 07.04.2020)

„Introvertiert? Sie werden völlig zu Unrecht unterschätzt“ (Karrierebibel, 06.07.2021)

 

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