KW 52 – Pearl Jam

Es ist der Silvesterabend und dies ist der letzte Beitrag zum #52-Bands Projekt. Mir hat’s Spaß gemacht, ich habe neue Seiten der Musizierenden entdeckt und neue Lieblingsstücke gewonnen. Außerdem war das Recherchieren und Schreiben immer eine Zeit, in der die Alltagsdinge und -nöte ein wenig in den Hintergrund rückten. Schön war zudem der Austausch mit vielen Leuten zum Thema Musik. Vielen Dank an alle, die sich auf das Projekt eingelassen haben! Die Musik ist doch für jede und jeden von uns besonders, wie der Soundtrack zum eigenen Leben. Sie weckt Gefühle und Erinnerungen.

Die letzte Band des Jahres ist Pearl Jam aus Seattle. Mmmhh, Perlenmarmelade…

Pearl Jam wird auch als letzte große Band der Grunge-Ära bezeichnet. Es gibt sie noch. Seit ihrer Gründung 1990 haben sie mehrere Schlagzeuger gehabt, aber der Rest der Truppe um Sänger Eddie Vedder ist bestehen geblieben.

1991 veröffentlichen Sie ihr Debütalbum „Ten“. Auf diesem sind die beiden Lieder, die ich von Pearl Jam kenne: „Jeremy“ und „Alive“. Hier ist die Unplugged-Version von „Jeremy“ (1992):

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich die Musik von Pearl Jam einerseits recht langweilig finde und mir die Stimme von Eddie Vedder nicht besonders gefällt. Insofern wird’s ein kurzer Beitrag zum Schluss.

Vom aktuellen Album „Gigaton“ (2020) gefällt mir das Stück „Dance of the Clairvoyants“ ganz gut, wie es so groovt. Hier also noch ein aktuelles Machwerk von Pearl Jam:

 

KW 51 – Trio

Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag. Das Wetter ist trüb und nass, geradezu usselig. Feierlich ist jedenfalls was anderes. Wir verbringen die Weihnachtstage ruhig und gemütlich zuhause.

Was das 52-Bands-Projekt angeht, war ich das ganze Jahr über gespannt, wann Trio drankommt. Durchaus mit leichtem Grauen, denn ich fürchtete schlimme Ohrwürmer. Diese Woche ist’s nun soweit und ich habe wirklich keine Ahnung, was Band Nr. 52 sein könnte.

Trio war die ganze Zeit sowas wie der Joker. Die Musik der Truppe ist bzw. war so minimalistisch, dass sie ziemlich aus dem Rahmen der anderen Bands in meiner Losbox fällt. Da gibt’s keine komplizierten Arrangements und Soundwände. Alles überflüssige wurde einfach weggelassen: ein extrem reduziertes Schlagzeug, kein Bass sondern nur Gitarre. Dazu Gesang, der manchmal nur gesprochen war und ab und an ein Spielzeuginstrument.

Geradezu Punk, könnte man sagen. Ein Stück wie „Los Paul“ klingt auch total nach Punk. Jedoch ist nichts an der Musik dilettantisch, sondern sehr bewusst so arrangiert.

Die Aufnahme stammt von einem Konzert 1982 in Stuttgart. Auf den Song folgt ein Lied, das wiederum in Richtung Reggae geht: „Energie“

Die Band Trio hat nur 3 Studioalben rausgebracht. Das Debüt „Trio“ (1981), „Bye Bye“ (1983) und „What’s the Password“ (1985). Die Musiker sind Stephan Remmler (Gesang), Kalle Krawinkel (Gitarre) und Peter Behrens (Schlagzeug). Geschrieben haben sie ihre Alben in einem Wohnhaus in Großenkneten. Die Anschrift und Telefonnummer von dort stand groß auf ihrem Debütalbum.

Krawinkel und Behrens sind bereits gestorben. Remmler war nach Trio weiter als Solokünstler und Produzent tätig. Ich war überrascht, wie gut die Stücke eigentlich zu hören sind. Wobei ich natürlich neugierig auf die Sachen war, die ich noch nicht kannte.

Der größte Hit – tatsächlich ein weltweiter Hit – von Trio war „Da Da Da“. Weitere bekannte Sachen sind „Herz ist Trumpf“, „Bum Bum“, „Anna, lass mich rein, lass mich raus“, „Sabine Sabine Sabine“ oder „Turaluralu – Ich mach bubu, was machst Du“.

Wir haben die Tage ein Interview mit Schlagzeuger Peter Behrens gesehen. Dieser war nach seiner Zeit bei Trio arg abgestürzt und kämpfte mit seiner Drogenabhängigkeit. Spannend fand ich, dass er eine Clowns-Ausbildung absolviert hat. Sein Auftreten bei Konzerten war immer auch als eine Art Clownsnummer konzipiert. Zum Beispiel durch das Outfit mit den roten Hosenträgern und dass er nie lächelte.

Hier kommt noch die Zugabe vom 1982er Konzert in Stuttgart: „Bommerlunder“

Was mir auch gut gefällt ist das Lied „Kummer“. Das kommt langsam und schleppend daher und doch wie eine Rock-Nummer:

Gerade habe ich noch schlimme Musik aus meiner Kindheit aufgetan. Wie gesagt war Stephan Remmler weiter als Solokünstler tätig. So begab es sich, dass damals Lieder von ihm im Radio liefen wie „Keine Sterne in Athen“ und „Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei“. Ich erspare Euch die Videos…

Statt dessen mit „Ya Ya“ lieber noch ein rockigeres Stück mit englischem Text.

 

 

KW 50 – Arthur Brown

Heute ist der 4. Advent, alle vier Lichtlein brennen. Eine angemessen stimmungsvolle Atmosphäre um dem God of Hellfire zu lauschen und sein künstlerisches Schaffen zu würdigen. Die Rede ist von Arthur Brown, diesem exzentrischen englischen Gentleman.

Bis zu dieser Woche kannte ich nur das Lied „Fire“ von ihm und Bilder von Auftritten mit Feuerkrone und Gesichtsbemalung. Ein verrücktes One-Hit Wonder aus den 60ern könnte man meinen. Doch ich muss sagen, seit dieser Woche bin ich Fan. Das wird hier wahrscheinlich eine ziemliche Lobhudelei.

Fire

Arthur Brown wurde 1942 im englischen Whitby geboren. Er hat eine mehrere Oktaven umfassende Stimme, ist noch immer künstlerisch aktiv und hat eine Unmenge an Künstlern beeinflusst. Die schwarz-weiße Gesichtsbemalung zum Beispiel von Alice Cooper, Kiss oder skandinavischen Black Metal Bands trug er schon in den 60ern.

1968 hatte er mit der Band und dem gleichnamigen Album „The Crazy World of Arthur Brown“ einen riesigen Hit mit dem Song „Fire“. Ich habe einen live Auftritt von 2005 in Lorsch aufgetan, bei dem er das Lied vorträgt. Wer ungeduldig ist, spule vor bis Minute 4:50, da kommt der markante Teil mit dem Text „I am the God of Hellfire and I bring you … Fire“:

Bei der Recherche habe ich auch Auftritte von Brown auf größeren Bühnen gesehen, doch mir scheint die kleinere, intimere Blues-Club Atmosphäre viel passender. Ursprung des Lieds „Fire“ war ein Gedicht, das „Fire Poem“. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass es viel gesprochenen und nicht gesungenen Text im Lied gibt. Diese gesprochenen Passagen erinnern an Jim Morrison und die Doors.

Wurzeln im Rhythm ’n‘ Blues

Das Debütalbum von 1968 enthielt eine Seite, die sich mit den Schrecken der Hölle beschäftigte und eine Seite mit Coverversionen. Es gilt heute als ein Klassiker des psychedelischen Rocks. Die gecoverten Songs stammten von Blues-Größen wie James Brown und Screamin‘ Jay Hawkins.

Meine persönlichen Hörgewohnheiten was Blues und Psychedelic Rock betrifft sind ziemlich hessisch geprägt. Als Referenz seien an dieser Stelle die Rodgau Monotones und die Frankfurter Band Polytoxicomane Philharmonie genannt.

Hier kommt „I Put A Spell On You“ von Arthur Brown mit der Hamburg Blues Band. Der Auftritt stammt von 2012, als er mehrere Auftritte mit ihnen hatte. Wie es der Titel ausdrückt, beginnt Brown mit einer Art magischem Segen: mit Wasser, mit hohem Gesang und nach einer Minute mit tiefem voodooartigem Gebrabbel. Dann kommt ein mitreißender Groove:

Aus den Tiefen von Youtube habe ich das Original ausgegraben: Screamin‘ Jay Hawkins mit einer schrägen Performance von „I Put A Spell On You„.

Ist das nicht faszinierend, wie nah Brown da stimmlich drankommt? Und wer weiß, vielleicht hat der eindrucksvolle Auftritt von Hawkins ihn ja zu seinen eigenen Showeinlagen inspiriert.

Alt aber nicht leise

Aus dem Jahr 2014 stammt eine weitere Cover-Version, die musikalisch super und gleichzeitig urkomisch ist. „Sea Of Vodka“ ist eine Adaption des Songs „Those Were The Days“ (1968) von Mary Hopkins. Die Melodie stammt jedoch nicht von Hopkins, sondern hat tatsächlich einen russischen Ursprung. Arthur Brown ist 2014 bereits 72 Jahre alt. Das hindert ihn jedoch keines Weges, ein flottes Tänzchen auf den Teppich zu bringen:

In dem Auftritt erinnert er mich ein wenig an Zappa. Er ist wirklich viele Künstler in einem und ich bin sicher, da gibt es noch viel zu entdecken. Nach dem Projekt „The Crazy World of Arthur Brown“ widmete er sich in den 70ern dem Projekt „Arthur Brown’s Kingdom Come“, das mit der psychedelischen Musik der Band Hawkwind verglichen wurde. Mit diesen trat er tatsächlich 2001 und 2002 zusammen auf. Von Hawkwind weiß ich nur, dass Lemmy von Motörhead da einige Jahre Bass gespielt hat.

Zim Zam Zim

2014 veröffentlichte Brown mit The Crazy World of Arthur Brown das Album „Zim Zam Zim“. Ob dieses als psychedelisch, prog-rockig oder bluesig einzustufen ist, vermag ich nicht zu sagen. Angestaubt klingt es jedenfalls nicht. Zum Beweis, hier ein Auftritt als eine Art Steam-Punk Don Quijote im Video von „The Unknown“:

Für 2020 war eigentlich eine Tour geplant. Statt dessen gab es im ersten Corona-Jahr auch von Arthur Brown online-Auftritte während des Lockdowns. Zum Weiterlesen über Browns ereignisreiches Leben gibt’s hier einen Artikel aus dem Guardian vom August 2020. Außerdem zum Abschluss eine Version des Stücks „The House of The Rising Sun“, bei dem er total nach Tom Waits klingt und ein wenig aussieht wie Bjarne Mädel:

 

 

 

KW 49 – Uriah Heep

Mit riesigen Schritten geht es auf Weihnachten zu. Heute ist schon der dritte Advent. Gestern war ich in der Stadt, im Trubel und ein wenig erschlagen von den vielen Menschen und den vielen Dingen, die es zu kaufen gibt.

Weihnachten als Konsumfest verweigern Matthias und ich schon eine Weile. Dieses Jahr gibt’s mit unserem Anti-Adventskalender noch eine Steigerungsform: Statt ein Ding mehr zu bekommen, sortieren wir an jedem der 24 Tage eine Sache aus, die wir am  Ende entsorgen, verschenken oder verkaufen werden.

Wozu immer Neues, wenn es auch Dinge gibt, die scheinbar ewig halten und uns noch immer erfreuen. Ist das nicht eine klasse Überleitung zur Band der Woche?

Uriah Heep

Das ist nun wirklich ein Klassiker. Eine Band aus England, die es seit 1969 gibt. Zum Vergleich, Led Zeppelin haben sich 1968 gegründet. Und ja, es gibt sie noch immer. Allerdings ist Gitarrist und Sänger Mick Box das einzig verbliebene Originalmitglied.

Sie hatten in der langen Zeit ihres Bestehens viele Wechsel und auch viele Alben herausgebracht. Insofern kann ich nur einen oberflächlichen Eindruck von der Band wiedergeben.

Auf jeden Fall gehörten sie mit besagten Led Zeppelin, Deep Purple, Black Sabbath oder Nazareth zu den frühen Vertretern des Hardrock. Vom dominanten Einsatz der Hammond Orgel her würde ich sie auch zum Progressive Rock zählen.

Lady in Black

Mein erstes eindrückliches Erlebnis mit der Musik von Uriah Heep war bei einem Reiterurlaub als Jugendliche. Da saß ein Raum voller junger Mädels und hat „Lady in Black“ gesungen.

Tatsächlich war es der damalige Keyboarder von Uriah Heep, Ken Hensley, der das Stück geschrieben und vorgetragen hat. Er ist 2020 nach kurzer schwerer Krankheit mit 75 Jahren gestorben. Von „Lady in Black“ habe ich hier eine schöne Live-Aufnahme aus Hamburg aus dem Jahr 2018 gefunden:

„Lady in Black“ war auf dem Debütalbum „Salisbury“ von 1971 drauf. Auf dem Albumcover ist übrigens ein Panzer zu sehen. Einerseits überraschend, andererseits nicht. Wie ich das Album und das nachfolgende 1972er Album „Demons and Wizards“ anhörte, fühlte ich mich an das Musical „Hair“ erinnert, was ja ein Anti-Kriegs Thema behandelt und 1968 uraufgeführt wurde. Im Text von „Lady in Black“ wird der Sänger gefragt, was sein Feind ist und er sagt: „The need within some men to fight and kill their brothers without thought of love or god“. Hensley verließ die Band 1980.

The Wizard

Vor dieser Woche hätte ich neben der Lady keinen zweiten Titel von Uriah Heep benennen können und hätte behauptet „The Wizard“ stammt von Blind Guardian. Die hatten das Stück als Coverversionen auf dem Album „Imaginations from the other side“ (1995). Hier das Original:

Ein Lied zu Ehren all der Merlins, Gandalfs, Dumbledores und Rincewinds in der Welt. Die Weisheit ist da, nur wird sie leider all zu oft überhört und ignoriert.

Ein weiteres Stück, das ich tatsächlich schon kannte, es aber Deep Purple zugeschrieben hätte, ist „Easy Livin'“, auch vom „Demons and Wizards“ Album.

Und last not least noch ein Lied, das mensch vielleicht schon gehört hat ohne zu wissen, dass es von Uriah Heep stammt: „Free Me“ vom 1977er Album „Innocent Victim“. Weil es so schön war, wieder aus dem Hamburger Konzert mit Ken Hensley. Sänger ist John Lawton, der 1976 bis 1979 und später noch ab und an Sänger bei Uriah Heep war. Auch er starb 2021 mit 74 Jahren.

 

 

KW 48 – Rammstein

Schon sind wir im Dezember. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Heute ist der 2. Advent, da will ich es besinnlich angehen. Das ist erstaunlich leicht, denn obwohl die Band der Woche dieses brachiale Monster Rammstein ist, gibt es eine ganz zarte Coverversion ihres Hits „Engel“. Diesen hat Annett Louisan auf ihr 2016er Album „Berlin – Kapstadt – Prag“ gepackt:

Ist das nicht schön? Engel quasi von einem Engel gesungen, fast schon kitschig. In Sachen ungewöhnlich, ruhig und schön ist aber sicher das reine Instrumental-Album „Rammstein – XXI Klavier“ auf Platz 1.

Von Rammstein besitze ich einzig und schon seit Jugendzeiten eine Bootleg CD mit Live-Aufnahmen vom Bizarre Festival ’96 und live bzw. Demo-Versionen von 1994. Neben „Engel“ ist da u.a. drauf: „Seemann“, „Du riechst so gut“, „Laichzeit“ oder „Wilder Wein“.

Die neueren Stücke musste ich mir jetzt erst zu Gemüte führen. Heute füllen Rammstein riesige Stadien mit einer mega Pyro-Show. Für die Feuershow und mit ihren Liedern sind sie inzwischen weltweit berühmt. Sie sind wirklich ein Exportschlager aus Deutschland. Ich erinnere mich an einen irischen Freund, der mir fehlerfrei den Liedtext von „Du hast“ aufsagen konnte.

Für mich war ihre Musik damals einfach eine laute, polternde Ergänzung zu den Hardrock und Heavy Metal Bands, die ich eh gehört habe. Besonders an ihnen war und ist natürlich, dass sie deutsche Texte singen.

Wo wir vorhin bei einer tollen Frauenstimme waren, darf hier gleich noch eine glänzen. Nina Hagen mit einer Cover-Version des Liedes „Seemann“, zusammen mit den Cellisten von Apocalyptica:

Nina ist schon eine Erscheinung und dazu das rollende „R“! Im Wikipedia-Artikel zu Rammstein stand, dass dieses auch von Till Lindemann gesungene rollende „R“ nicht absichtlich von ihm so betont wird um besonders deutsch zu klingen. Es sei vielmehr eine natürlich entstehende Gesangstechnik bei tieferen Stimmlagen. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Mit ihren ersten Erfolgen und zuletzt mit dem Teaser-Video zum Lied „Deutschland“ von 2019 kam die Band immer wieder in den Verdacht, rechts zu sein. Dies weisen sie stark von sich, u.a. mit dem Lied „Links 234“, mit dem die Herren doch jetzt auch selbst zu Wort kommen dürfen:

Die Aufnahme ist vom „Rammstein: Paris“ Videoalbum von 2017.

Das ganze Konzert wurde vor einiger Zeit im Fernsehen gezeigt. Wir haben es fast ganz gesehen, waren einerseits fasziniert, amüsiert und ein wenig in Schockstarre. Die Show ist auf jeden Fall perfekt inszeniert. Das muss sie allein deshalb schon sein damit sich niemand durch das viele Feuer verletzt. Die Band sah schon zu Beginn ziemlich verschmiert und mitgenommen aus, was zum Image gehört.

Das Schockprogramm bedient sich aus dem breiten Repertoire der sexuellen Spielweisen und Gewaltfantasien. Die Musik ist vom Aufbau eher einfach und vielleicht deshalb so dumpf mitreißend. Wie auch bei Marilyn Manson sind Rammstein erfolgreich durch ihre Provokation. Sie macht sie beliebt bei den Fans, denn es ist die ideale Musik um die Eltern aufzuregen.

Wenn es um die Texte geht, finde ich sie dagegen künstlerisch tatsächlich interessant. Bei der Recherche habe ich erfahren, dass die Texte erst nach der Musik zu den Stücken dazukommen. Ein brutales instrumentelles Stück wird insofern einen passenden Text bekommen. Meine Vermutung wäre gewesen, dass es andersherum ist und der Text zuerst da. Spannend ist auch, wie mehrdeutig die Texte in der Regel sind und dass dies ein Merkmal vieler DDR-Bands war. Geradezu eine Anforderung um mit kritischeren Themen durch die Zensur zu kommen.

Bei der Auswahl der Beispielmusik wird das hier ein Frauen-Artikel, es ist jetzt einfach so.

Hier ein Stück, dass mich überrascht hat, denn die Kombination von Künstlern hätte ich nicht erwartet: Zaz und Till Lindemann mit „Le jardin des larmes“ vom 2021er Zaz Album „Isa“.

Die Stimmen ergänzen sich harmonisch und stehen im Kontrast zur gewalttätigen, uneindeutigen, Geschichte im Video.

Da ich im Vorfeld auf diese drei Frauen im Rammstein-Kontext gestoßen bin, hat mich eine 2021er Interview-Aussage vom Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz gefreut. Er geht darauf ein, dass es noch viel zu wenige weibliche Bands und Künstlerinnen im Popgeschäft und den Chefetagen gäbe. Frauen müssten grundsätzlich das doppelte Gehalt bekommen um die ganze Ungerechtigkeit auszugleichen.

But, this is a man’s world. Dazu eine oft recht amerikanisch geprägte Welt.

Aus Gründen daher hier noch mein Ohrwurm der Woche: „Amerika“ (2004) vom Album „Reise Reise“.

 

KW 47 – ASIA

Nein, diese Woche gab es weder Asia-Nudeln noch Filme mit Asia Argento als Rahmenprogramm. Allerdings überlege ich, testweise ein paar Wasabi-Plätzchen zu backen.

Dagegen laufen schon die Überlegungen, wie es nächstes Jahr mit dem Blog weitergeht. Einige Bands hätte ich noch. Außerdem haben Matthias und ich einen Haufen anderer Themen, die sicher auch mal spannend wären.

Aber zur Band der Woche: ASIA.

Was vom Prog-Rock übrig blieb. Das könnte ein passender Untertitel zu ASIA sein. Hier direkt ihr wahrscheinlich größter Hit: „Heat of the Moment“. Das Live-Video ist von 2013. Das Stück selbst stammt vom 1982er Debüt-Album ASIA.

Die Band wurde von der Presse als Supergroup bezeichnet, denn ihre Mitglieder hatten zuvor bereits in anderen Formationen Bekanntheit erlangt. Sie spielten etwa bei Yes, Uriah Heep, King Crimson oder Emerson, Lake and Palmer.

Die Gründungstruppe bestand aus John Wetton (Gesang, Bass), Geoff Downes (Keyboard, Gesang), Steve Howe (Gitarre), Carl Palmer (Drums). Sie stammen keines Falls aus östlichen Ländern sondern aus Großbritannien. Downes hatte 1979 mit der Band The Buggles den Hit „Video Killed The Radio Star“.

Als Kind hatten meine Mutter und ich identische silberne Regenmäntel, die genauso aussahen wie die Anzüge der Band im Video.

Wo es gerade um die Optik geht: Das Design der Asia Alben und den Schriftzug entwarf der Britische Künstler Roger Dean, der u.a. auch den Yes-Schriftzug gestaltete.

Die Bandgeschichte ist ein wildes Karussell an Besetzungswechseln. Was ich mir daraus an Eckpunkten gemerkt habe, war, dass es 2005 eine Wiedervereinigung in Originalbesetzung mit Sänger John Wetton gab. Von 1991 bis 2006 war John Payne Sänger von ASIA. Er führte daraufhin ab 2007 ein Projekt namens ASIA featuring John Payne weiter. Also gibt es seitdem zwei Bands mit dem Namen ASIA.

Hier ein Video von ASIA featuring John Payne mit einem Lied, das im Original von Alan Parsons Project stammt: „Eye In The Sky“.

Das Lied stammt vom Album „Recollections: A Tribute to British Prog“ (2014), das mir gut gefallen hat. Das lässt sich angenehm einfach so durchhören. Nett darauf ist auch die Coverversionen von „Locomotive Breath“.

Doch zurück zur Originalband ASIA.

Sänger John Wetton hatte aufgrund seines exzessiven Alkoholkonsums immer wieder gesundheitliche Probleme. 2015 wurde bei ihm Krebs diagnostiziert, dem er 2017 erlag.

Das bisher letzte Studioalbum der Band erschien 2014 und heißt „Gravitas“. Auch ein Album, das angenehm am Stück hörbar ist. Besonders gut gefällt mir daraus der Titel „Valkyrie“:

Die Band macht weiter mit neuem Sänger und Gitarristen Ron „Bumblefoot“ Thal. Von 2006 bis 2014 war dieser bei Guns’n’Roses tätig. Ein offenbar sehr umtriebiger Mensch, der auch mal bei mehreren Projekten gleichzeitig dabei ist.

 

KW 46 – Frankie goes to Hollywood

Die Sonne macht sich rar und der November seinem Ruf als Nebelmonat alle Ehre. Eigentlich stehen alle Zeichen auf Winterschlaf. Was das 52-Bands Projekt betrifft, ist bei mir ein wenig die Luft raus. Dennoch will ich mal schauen, was es über die aktuelle Band der Woche zu berichten gibt: Frankie goes to Hollywood.

Hier ist das Video zu „The Power of Love“ vom 1984er Debütalbum „Welcome to the Pleasuredome“.

Ist das nicht schön und wohltuend versöhnlich in diesen Zeiten? Vom Text her ist es einfach ein Liebeslied, doch das Video erzählt die Weihnachtsgeschichte.

Das Debüt „Welcome to the Pleasuredome“ wurde ursprünglich als Vinyl-Doppelalbum veröffentlicht: also 4 Schallplattenseiten! Ich hätte nicht gedacht, dass darauf bereits die ganzen Hits der Band versammelt sind:

  • Welcome to the Pleasuredome
  • Relax (Come Fighting)
  • Two Tribes (For the Victims of Ravishment)
  • The Power of Love

Die erste veröffentlichte Single der Band aus Liverpool war 1983 „Relax“:

Das Video ist ziemlich unweihnachtlich und mit nettem Ulk: am Ende geht Lemmy von Motörhead mit dem Mädel von der Bühne. Die Jungs der Band hätten wahrscheinlich eh wenig Interesse an ihr gehabt.

Wie der Fernsehmoderator am Anfang sagt, gab es ein offizielles Video zum Song, das u.a. der BBC zu pikant war. Es spielt in einer Schwulen-Bar, mit vielen Drag-Queens und in Leder gekleideten, schnauzbärtigen Männern. Kurz nach der Veröffentlichung verbannte die BBC das Lied von der Ausstrahlung, da Covergestaltung und Text zu homoerotisch waren für die Verantwortlichen. Jedoch war der Erfolg von „Relax“ so groß, dass es zum Ende des Jahres 1984 wieder auf dem Sender gespielt wurde.

Ich findet es interessant, wie aktuelle gesellschaftliche Themen in die Musik einfließen. Etwa, der Kampf für sexuelle Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. In Großbritannien wurde Homosexualität 1981 entkriminalisiert. In Deutschland war sie bis 1994 Gegenstand des Strafgesetzbuches.

Bei Stücken wie „Rage Hard“ oder „Two Tribes“ wendet sich die Band gegen Krieg und nuklearer Aufrüstung. Im Video zu „Two Tribes“ stehen die verfeindeten Blöcke des kalten Krieges symbolisch im Ring und kämpfen. Der Sprecher am Anfang ist der Originalsprecher einer britischen Aufklärungskampagne, die darüber informierte, wie man sich im Falle eines Angriffs mit Atomwaffen zu verhalten habe.

Wer mir bis heute überhaupt nichts sagte, ist Trevor Horn. Er war der Produzent und man kann sagen auch Entdecker von Frankie goes to Hollywood. Über ihn habe ich gelesen, dass er mit seiner Arbeit unheimlichen Einfluss auf die Musik der 80er gehabt haben muss. Er produzierte viele bekannte Künstlerinnen und Künstler.

Seit Matthias und ich eine Doku über die Produktion des schwarzen Albums von Metallica durch Bob Rock gesehen haben, glaube ich sofort, wie wichtig diese Rolle bei der Entstehung von Alben ist.

Musikalisch ist Frankie goes to Hollywood dem New Wave und Synth-Pop zuzuordnen, ähnlich wie New Order oder OMD. Ihre Stücke kommen teils bombastisch daher, mit starken Bässen und viel Synthesizer-Einsatz.

Die Band bestand von 1980 bis 1987. Gemeinsam haben sie nur 2 Studioalben veröffentlicht, plus einige Singles. Von ihren Stücken gibt es jedoch eine Vielzahl an Remixes.

1987 verließ Sänger Holly Johnson die Gruppe, die sich danach auflöste. Von 2004 bis 2007 kamen sie nochmals zusammen, jedoch ohne Johnson und Gitarrist Brian Nash.

 

KW 44 – Depeche Mode

Nach Kraftwerk in KW 43 ist Depeche Mode die logische Weiterführung im #52Bands Projekt. Gerade in den frühen Veröffentlichungen kann man den Elektronik Einfluss von Kraftwerk raushören.

Auf die melancholischen Engländer habe ich mich schon gefreut, denn die sind immer eine sichere Bank, was angenehme entspannte Musik angeht. Vielleicht liegt es an der warmen Bariton-Stimme von Sänger David Gahan. Oder dem zugänglichen Synthie-Pop Klang der Musik.

Zuerst bewusst wahrgenommen habe ich Depeche Mode als Jugendliche in den frühen 90ern.

1993 kam das Album „Songs of Faith and Devotion“ heraus.

Hier beim Stück „I Feel You“ ist ziemlich viel Gitarre und Rock’n’Roll mit dabei.

Mehr als 10 Jahre früher, auf ihrem 1981er Debüt-Album „Speak & Spell“, klangen sie noch anders. Mehr nach süßer, tanzbarer Discomusik. Und wie jung sie waren! Gerade mal 19, 20 Jahre alt hier beim Video zu „I Just Can’t Get Enough“.

Bei „Speak & Spell“ war noch Vince Clarke der Texter der Stücke. Er stieg nach dem Album aus und wirkte später bei den Bands Yazoo und Erasure.

Der Keyboarder, Gitarrist und Sänger Martin Gore übernahm von da an die Rolle des Texters. Die Songtexte von Depeche Mode finden sich übrigens im umfangreichen Archiv der Bandwebsite.

Seine Texte sind oft sozialkritisch, behandeln etwa Themen um Religion („Blasphemous Rumors“), Rassismus („People are People“) oder die unschönen Aspekte des Musikgeschäfts („Everything Counts“). Gore hatte zu Schulzeiten Deutsch als Hauptfach, war im Schüleraustausch in Deutschland und lebte 1984/85 in Berlin. Martin Gore hat eine klare Tenor-Stimme, die in den Liedern einen schönen Kontrasts zu Gahans tieferen Tönen ergibt.

Seine Jugend, mit Arbeit in der Bank nach dem Schulabschluss, unterschied sich ziemlich von der seines Bandkollegen Dave Gahan. Dieser kam aus unsicheren elterlichen Verhältnissen. Er schloss sich früh der Punkszene an, unterstützte seine Familie mit Diebstählen und musste eine Jugendstrafe verbüßen. Bei Depeche Mode war er zunächst als Roadie tätig.

Die Band entwickelte über die Jahre ihren eigenen Stil. Von den fröhlichen Synthiesounds des Debüts zu eher düsteren Dark Wave Klängen auf dem 1986er Album „Black Celebration“.

Beim Video zum Song „A Question of Time“ arbeitete die Band erstmals mit Artdirector Anton Corbijn. Dieser prägte mit seinen Gestaltungen z.B. für Cover und Schriftzüge maßgeblich das Erscheinungsbild der Band.

1995, zwei Jahre nach der Veröffentlichung von „Songs of Faith and Devotion“, ging es der Band nicht gut. Die Band war auf Welttournee. Gahan und Gore waren beide Drogen- bzw. Alkoholsüchtig und Keyboarder Andrew Fletcher depressiv. Erst nach einem missglückten Suizidversuchs von Gahan und seiner Verurteilung zu einem Entzug besserte sich die Lage.

Die Band machte weiter und veröffentlichte 1997 das Album „Ultra“. Sie scheinen wirklich die Kurve gekriegt zu haben, denn sie sind noch heute mit erstaunlich stabilem Lineup bei der Arbeit.

2017 erschien zuletzt ihr Studioalbum „Spirit“.

14 Studio-Alben haben sie inzwischen veröffentlicht und wurden 2020 in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen.

KW 43 – Kraftwerk

Gar nicht so einfach, sich mit der Band der Woche zu befassen, während die SWR1 Hitparade läuft. Momentan habe ich Urlaub und eigentlich genug Zeit. Doch bis zum Finale am gestrigen Freitag war eine Woche lang Radio hören angesagt, mit grandiosen Songs von Reinhard Mey bis Iron Maiden. Einfach so, von Platz 1058 („White Wedding“ von Billy Idol) bis Platz 1 („Bohemian Rhapsody“ von Queen). Wirklich ein Woche um die Musik zu feiern!

Aber zur aktuellen Band: Kraftwerk.

Von denen war immerhin ein Hit dabei: „Autobahn“ auf Platz 260. Hier ist die lange Version mit 22:47 Minuten:

Der Song ist vom gleichnamigen Album „Autobahn“ von 1974.

Mir war schon klar, dass Kraftwerk elektronische Musik machen, aber dass sie diese mehr oder weniger erfunden haben, war mir in dem Ausmaß nicht klar.

Sie waren wirklich die Vorreiter des Elektropop, später des Techno und haben ganze Genres wie den Synthiepop oder den Electronic Funk beeinflusst. Künstlerinnen und Künstler weltweit wurden von Kraftwerk inspiriert.

Die Anfänge

Die Band gründete sich 1970 in Düsseldorf. Gründungsmitglieder waren Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben. Seit ihren Frühzeiten hatten sie ein eigenes, privates Aufnahmestudio, das nach einer Weile den Namen Kling Klang Studio bekam. Das Merchandise von Kraftwerk wird übrigens von der Klingklang Konsum Produkt GmbH vertrieben.

Hier eine Aufnahme von einem ihrer ersten Konzerte 1970 in Soest, das der WDR auf Youtube gestellt hat. In der Menge sind teils freudige, teils sehr überraschte Gesichter zu sehen. Noch ist die Musik ziemlich handgemacht, mit echtem Schlagzeug und Querflöte.

Kraftwerk entwickelten über die Jahre ihre ganz eigenen Sounds, wozu sie Instrumente selbst bauten oder in Auftrag gaben. Das Studio wurde quasi zu ihrem Instrument. Ihre ersten drei Alben waren noch experimentell, von Krautrock kommend. Danach wurden die Produktionen rein elektronisch und sehr melodisch.

Ihre Faszination macht u.a. aus, wie ich finde, dass die Musik so kühl und präzise ist, andererseits aber Stimmungen und Emotionen hervorruft.

Bei der Recherche habe ich erfahren, dass sie sich von ihrer Umgebung, der Rhein-Ruhr Region mit ihrer städtischen und industriellen Prägung haben beeinflussen lassen.

Die Themen ihrer Platten drehen sich immer wieder um Technik und das Zusammenspiel von Mensch und Technik. So gibt es etwa die Albumtitel „Radio-Aktivität“ (1975), „Die Mensch-Maschine“ (1978) oder „Computerwelt“ (1981).

Vielleicht der heute bekannteste Titel von Kraftwerk ist „Das Model“ (1978). Mir schein, das Lied fällt etwas aus dem Rahmen, denn es enthält viel Text und erzählt eine Geschichte. Dagegen sind andere Stücke der Band viel minimalistischer.

Im Video ist allerdings schön die Live-Aufstellung der 4 Herren an ihren Pulten zu sehen. Daran angelehnt ist es bei Matthias und mir schon üblich, bei ähnlich aufgestellten TV-Auftritten von PolitikerInnen zu rufen: „Schlechtester Kraftwerk-Auftritt ever!“

Die Auftritte sind ein Kunstwerk aus Klängen und Bildern. Die Musiker treten dabei nicht als einzelne Persönlichkeiten hervor, sondern geben sich fast roboterhaft anonym.

Viel typischer als „Das Model“ ist zum Beispiel: „Metal on Metal“ (1977).

Zu alledem könnte mensch natürlich argumentieren, dass eigentlich Fraktus aus Brunsbüttel die Pioniere des Elektropop waren. Aber leider hat Kraftwerk die sagenhafte Avantgarde-Band letztlich an Bekanntheit überflügelt.

Zu aktuellem Wirken von Kraftwerk habe ich nicht wirklich etwas gefunden. Im Mai 2020 starb Gründungsmitglied Florian Schneider-Elsleben. David Bowie hatte ihm 1977, in seiner Berliner Zeit, ein Lied gewidmet. Er strebte eine Zusammenarbeit mit Kraftwerk an, zu der es jedoch nie kam.

KW 42 – Dimmu Borgir

Die Band der Woche sind die Norweger von Dimmu Borgir. Sie sind wahrscheinlich die extremste Band in meiner Losbox. Sie stehen stellvertretend für ein Genre, das mich schon lange fasziniert, um das ich aber immer eher herumschleiche als wirklich dort anzukommen: der Black Metal.

Das Lied, mit dem ich die Band kennengelernt habe und das lange Jahre das einzige war, welches ich von ihnen kannte, ist „A Succubus in Rapture“ vom 1997er Album „Enthrone Darkness Triumphant“.

Der ganze Song ist voller Dramatik, fast schon wie klassische Filmmusik. Ein Succubus ist ein weiblicher Dämon, der Männer verführt. Rapture bedeutet soviel wie Verzückung.

Wie beim Black Metal üblich, wird nicht mit klarem Gesang gearbeitet sondern größtenteils mit Growls, also einer kehligen, teils kreischenden Stimme.

Die Mitglieder von Dimmu Borgir tragen für das Genre typische Pseudonyme. Sänger und Gründungsmitglied Stian Tomt Thoresen nennt sich zum Beispiel Shagrath, was ein Orkname aus dem Herrn der Ringe Roman von Tolkien ist. Bei Live-Auftritten trägt die Band zudem Corpsepaint. Eine Gesichtsbemalung, mit der sie so zum Fürchten aussehen wie Dämonen aus der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Hier ein Auftritt beim Wacken Open Air 2012 – mit großem Orchester:

Es gibt die Band schon seit 1993. Seit ihrer Gründung bis heute haben sie eine musikalische Wandlung durchgemacht, die vor allem viele reine Black Metal Fans verstimmt hat. Mit dem 97er Album „Enthrone Darkness Triumphant“ haben sie textlich von Norwegisch zu Englisch gewechselt und zunehmend komplexere Keyboardparts in ihre Musik aufgenommen.

Wie oben im Wacken Video zu sehen, werden die Keyboard-Klänge tatsächlich öfter durch ein Orchester und sogar Chor ergänzt.

Die Ursprünge des Black Metal liegen in den späten 80er Jahren, bei Bands wie Venom oder Bathory. Der Sound ist roh, der Gesang krächzend und die Textinhalte oft gewaltverherrlichend und satanistisch. In den 90er Jahren entwickelt sich in Norwegen eine Strömung, die es bei einigen Musikern nicht bei misanthropischen Texten bleiben ließ. Es kam zu Morden innerhalb der Szene, zu brennenden Kirchen und nationalistischen und rassistischen Äußerungen.

Insofern ist ein wenig Vorsicht angeraten, welches Gedankengut die Bands verbreiten und tatsächlich leben.

Auch von Dimmu Borgir mag es politisch unkorrekte Aussagen in der Vergangenheit gegeben haben. Aktuell habe ich nur Äußerungen zu ihrem kreativen Schaffensprozess gefunden. Sie mögen sich nach wie vor mit Satanismus identifizieren, als Weg der Rebellion gegen das Establishment. Wobei sie selbst inzwischen kommerziell erfolgreich sind und durchaus Teil dieses Establishments.

Die offiziellen Musikvideos finde ich eher peinlich in ihrer Theatralik. Weil mir das nach der Band benannte Lied „Dimmu Borgir“ (2010) aber gut gefällt, hier ein Einblick:

Dabei trägt diese Show, das Makeup und die Kostüme, die ganze Inszenierung dazu bei, die Band zu einem Gesamtkunstwerk zu machen. Wie sie selbst in Interviews betonen, ist das Visuelle wichtiger Teil ihrer Kunst.

Inzwischen lässt sich ihre Musik als Symphonic Black Metal labeln. Die beiden letzten Alben „Abrahadabra“ (2010) und „Eonian“ (2018) könnten durchaus als Fantasy-Film Soundtrack durchgehen.