Was hat Mülltrennung mit persönlichem Wohlbefinden zu tun? Mir geht es so, dass ich mich unwohl fühle, wenn ich Abfall auf der Straße oder in der Landschaft sehe. Es macht mich wütend und ich verstehe nicht, wie Leute Sachen einfach in die Gegend werfen können. Denken die sich, das wird schon jemand wegräumen? Oder denken die gar nichts, nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn?

Wir leben aber alle zusammen auf diesem einen Planeten. Wir können wegschauen, doch der Müll bleibt trotzdem da. Selbst um unseren Planeten kreist ein Haufen Weltraumschrott. Ein Video, das das Ausmaß der Müllflut sehr eindrücklich zeigt, habe ich bei Terra X gefunden. Es geht darin um den „Great Pacific Garbage Patch“, eine durch die Meeresströmung verursachte Ansammlung von Müll.

Mit der Erfindung von Plastik und der Massenproduktion sind wir zu einer Spezies geworden, die erdgeschichtlich innerhalb sehr kurzer Zeit sehr großen Mist gebaut hat. Denn gerade Plastik findet sich in Form von Mikroplastik mittlerweile überall. Selbst in unserem Körper. Das zu realisieren und die Bilder von Tieren zu sehen, die durch unseren Abfall leiden, ist schwer zu ertragen.

Daher erscheint es mir für mein persönliches Wohlbefinden wichtig, handlungsfähig zu bleiben. Mit anderen Worten, einen Umgang mit der Müll-Misere zu finden. Ich will mich nicht von diesen erschütternden Bildern runterziehen lassen und ohnmächtig fühlen. Wenn es etwas gibt, dass ich gegen die Situation tun kann, will ich das tun. Wenn es Informationen gibt, die mir und anderen helfen, die Zusammenhänge besser zu verstehen, dann habe ich dafür ein offenes Ohr.

Arten von Müll

Ein anderes Wort für Müll ist Abfall. Ganz knapp ausgedrückt, sind dies Dinge, die keinen Verwendungszweck mehr erfüllen und die jemand loswerden möchte. Letztlich geht es darum, diese Dinge als Rohstoffe zu sehen, der idealerweise wieder in den natürlichen oder den Produktionskreislauf zurück kommen sollte. Bei Wikipedia steht eine ganze Liste von Abfall-Arten, die jede für sich einen eigenen Weg zurück in den Kreislauf geht. Zum Beispiel Altglas, Elektroschrott, Biomüll, Sperrmüll oder Restmüll.

Wir alle sind täglich mit Abfall konfrontiert: in der eigenen Wohnung, bei der Nutzung gemeinsamer Müllcontainer im Mietshaus, im Büro, im Betrieb. Es gibt unterschiedliche Regelungen zur Mülltrennung, je nach Gemeinde, Region oder Land. Das kann wirklich eine Wissenschaft für sich sein. Und es kann zu wilden Diskussionen führen, was in welche Tonne gehört. Auf der Seite der Stadt Stuttgart gibt es als Hilfe dazu ein Müll-ABC. Dort kann man einen Suchbegriff eingeben und es wird beschrieben, wie das Gesuchte entsorgt werden sollte.

In dem kleinen Video vom WDR hier wird erklärt, was in den gelben Sack und was in den Restmüll kommt. Dann geht es weiter mit dem Verpackungsmüll in die Sortieranlage Ölbronn bei Stuttgart.

Faszinierend, was in so einer Sortieranlage an Trennmethoden technisch möglich ist. Tatsächlich ist der Umgang mit Abfall ein eigener Wirtschaftszweig: die Abfallwirtschaft. Auf der Seite des Umweltbundesamts wird beschrieben, dass es die erste bundeseinheitliche Regelungen in Deutschland erst 1972 mit dem Abfallbeseitigungsgesetz gab. Seitdem hat sich die Abfallwirtschaft von der Beseitigung- zur Kreislaufwirtschaft entwickelt.

Es gibt fachlich unterschiedliche Ansichten, ob unser Vorsortieren in unterschiedliche Tonnen so sinnvoll ist oder ob eine maschinelle Trennung nicht genauso oder sogar besser funktionieren würde. Um das Thema Mülltrennung ranken sich auch hartnäckig Mythen. Etwa, dass das ganze sortierte Altglas im LKW wieder zusammengekippt wird. In den Links unten gibt’s dazu die Klarstellung. Persönlich finde ich es gut, dass wir selbst unseren Müll trennen müssen, denn so setzen wir uns mit dem Zeug auseinander und bekommen vielleicht einen Anreiz, Müll zu vermeiden.

Wo kommt der Müll eigentlich her?

Im WDR-Video klang an, dass durchaus die Industrie mehr in die Pflicht genommen werden sollte, ihre Verpackungen nachhaltiger zu gestalten. Also, direkt recycelte Materialien nutzen oder Verpackungen so gestalten, dass die einzelnen Bestandteile wieder gut getrennt werden können. Ein taz-Artikel von 2021 weist auf eine Studie hin, die belegt, wie über die Hälfte des weltweit produzierten Einwegplastiks von nur 20 Konzernen produziert wird. Ganz vorne dabei der US-Ölkonzen Exxon Mobil, denn Basis für die Herstellung ist größtenteils Erdöl.

Im Zuge meiner Recherche bin ich auf das Konzept „Cradle to Cradle“ gestoßen. Übersetzt bedeutet das von der Wiege zur Wiege. Es wurde 2002 von dem Chemiker Michael Braungart und dem Architekten William McDonough vorgestellt. Bei „Cradle to Cradle“ geht es darum, von Anfang an so zu produzieren, das das Endprodukt komplett zurück in den Rohstoffkreislauf gehen kann. Auch die Produktion selbst soll mit nachhaltigen Energien erfolgen. Es würde damit kein Müll produziert werden.

Was können wir selbst tun?

Nicht wegsehen, nicht den Kopf in den Sand stecken. Aber uns auch nicht überfordern mit schlechten Nachrichten. Das tut uns nicht gut und damit ist auch niemand geholfen. Daher würde ich versuchen, den eigenen Werten treu zu bleiben. Allerdings, das gehört auch zum Nicht-Überfordern: nicht dogmatisch daran zu kleben. JedeR kann für sich schauen, was sich an Maßnahmen gut in den Alltag integrieren lässt. Es kann auch ein Weg sein, sich mit anderen zusammenzutun.

Da gibt es zum Beispiel in immer mehr Städten Unverpackt-Läden, bei denen man Mitglied werden oder auch ohne Mitgliedschaft einkaufen und so Abfall vermeiden kann.

Konkret heißt das, Müll vermeiden: Weniger einkaufen, Dinge mehrfach benutzen, Second Hand kaufen, reparieren und recyceln. Unsere Abfälle, wenn es irgendwie geht, wieder zurück in den Wertstoff-Kreislauf bringen. Nachhaltig hergestellte Produkte kaufen. Gut planen, also zum Beispiel beim Lebensmitteleinkauf Einkaufszettel & Stoffbeutel nutzen.

Weiterführende Links:

Kreislaufwirtschaft: Was ist eigentlich Cradle to Cradle? (enorm Magazin, 18.09.2020)

Die 5 größten Mythen über Mülltrennung und Recycling (Kampagne „Wir lieben Recycling“, 07.05.2020)

Wenig Konzerne, viel Müll (taz, 18.05.2021)

Abfallvermeidung (Abfallwirtschaftsbetrieb Esslingen, Stand 30.01.2022)

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