Dermot Healy „Long Time, No See“ (2011)

 

Eine Weile habe ich an diesem Roman von Dermot Healy gelesen und immer hat mich die Lektüre direkt nach Irland versetzt.

Die Atlantikküste von Sligo war sofort wieder da, der salzige Wind und die kleinen Häuser und Straßen. Das unaufhörlich wachsende Gras, das ständig gemäht werden muss. Die Mäuerchen, die zu reparieren sind. Das geschäftige Treiben in der Stadt Sligo.

Eine Erzählung vom Leben der Leute, wie sie mit sich selbst und den anderen zurechtkommen. Mit vielen Begegnungen, Gesprächen, Geschichten, der bodenständige Arbeit und der aufmerksamen Fürsorge des jungen Philip für Großonkel Joejoe. Unaufgeregt, mit Tiefgang.

Dermot Healy „Jähe Zeiten“

Mit Irland fühle ich mich seit Kindertagen verbunden. Durch Reisen auf die Insel, durch die Freundschaften und Besuche der irischen Freunde in Deutschland. Ein Roman, der mich kürzlich wieder dorthin versetzt hat, ist „Jähe Zeiten“ (2001) von Dermot Healy. Die Geschichte spielt in Sligo, an der Atlantikküste, in Dublin und teils auch in London. Vom Inhalt will ich gar nicht viel verraten. Der Schreibstil hat mich gepackt in seiner Intensität. Die Erzählung ist sehr verdichtet, fast wie ein lyrisches Werk. Trotz meiner Ambition, nach Möglichkeit die englischen Originale zu lesen, war ich ganz froh über die deutsche Fassung. Mag sein, dass der Text auf Englisch deutlich unzugänglicher gewesen wäre. Der englische Titel lautet „Sudden Times“ (1999).

Auf meiner Leseliste steht jedenfalls noch ein Original von Healy: „Long Time, No See“ (2011). Der Autor ist 2014 sehr plötzlich und unerwartet mit nur 66 Jahren gestorben. Mit seinen Romanen, Theaterstücken und Gedichten zählt er zu den großen zeitgenössischen Autoren Irlands, wie ein Nachruf im Guardian verdeutlicht.

Von der Regisseurin Aideen Kane gibt es eine sehr schöne Dokumentation über Dermot Healy und seine Liebe zu den Wildgänsen, die jedes Jahr an der Küste Irlands Rast machen. „The Writing in the Sky“ ist 54 Minuten lang und über die beiden blauen Links auf Kanes Seite auf Vimeo abrufbar.

Sligo mag vielen als Yeats Country bekannt sein. Doch es war auch die Wirkungsstätte von Dermot Healy.

Zwei Wochen in Irland

Streedagh Beach Sligo

Diesen Oktober war ich mit meinem Pa zwei Wochen an der irischen Westküste. Von 7. bis 21. Oktober 2015 bewohnten wir das Cottage, das meine Mutter vor bald 15 Jahren dort gekauft hatte. Etwa so lange ist es auch her, seit ich zuletzt einen Fuß auf irischen Boden gesetzt habe. Also unfassbar lange! Dabei war ich früher, bedingt durch die freundschaftliche Verbindung meiner Eltern mit einer Familie in Sligo, öfter dort. Nach dem Abi kam 1999 dazu ein 7-monatiger Aufenthalt im Co. Clare am Burren College of Art, eine spannende Zeit. Mein Pa war die letzten Jahre mindestens einmal pro Jahr dort und ist, wie ich persönlich erleben durfte, bestens in der Gegend angekommen, geradezu „local“.

Wir hatten absolutes Wetter-Glück, mit zwei milden, sonnigen und nahezu regenfreien Wochen. Denn während Deutschland diesen Sommer Hitzerekorde erfuhr, war der irische Sommer 2015 völlig verregnet. Ideal also für Ausflüge in die schöne Gegend um Sligo: zu den Bergen Benbulben, Benwiskin, Knocknarea, in die Orte Grange, Sligo, Drumcliff, Rosses Point, Strandhill, Mullaghmore, zu den nahen Stränden bei Lissadell und Streedagh, zu den Seen Glencar und Logh Gill, zum Garavogue Fluss. Eine etwas weitere Tour ging zu den Bergen der Slieve League in Donegal, von deren Klippen aus der Blick weit über den Atlantik reicht.

Die Zeit verging viel gemächlicher als in Deutschland. Die gute Luft, die netten Gespräche mit den Leuten, die Mahlzeiten mit frischem Fisch und ab und an ein Glas Guinness oder Cider taten ihr Übriges zur Erholung. Weniger tun, weniger Pläne, ein täglicher Ausflug. Kein Internet, kein Fernseher, statt dessen Radio und der Blick auf die Sligo Bay.

Wieder in Deutschland hoffe ich, ein wenig von der Ruhe in den Alltag rüberretten zu können. Ein Buch, das ich zum Ende des Urlaubs nochmal gelesen habe und ein absoluter Tipp für Irland-Fans und solche die es werden wollen: „McCarthy’s Bar“ (2000) von Pete McCarthy.