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Journal

Tagebuchschreiben oder auf Englisch ausgedrückt Journaling, ist eine Angewohnheit, die mich schon lange begleitet. Irgendwann kam noch das Blogschreiben hinzu.

Mal sind lange Pausen zwischen den Einträgen, aber das ist in Ordnung, schließlich soll es keine Pflichtübung werden sondern Freunde bereiten. Sich die vergangenen Momente beim Aufschreiben nochmals duch den Kopf gehen zu lassen hilft in Zeiten in denen viel passiert, ebenso in solchen, in denen scheinbar nichts geschieht. Es hilft dabei, Ideen festzuhalten und zu entwickeln.

Schreiben, die eigenen Gedanken zu ordnen, gehört für mich auch zum Selbermachen, zum Tätigsein und stellt damit eine Alternative, milde ausgedrückt eine Ergänzung, zum Konsumieren von Inhalten dar.

Das klassische Tagebuch wir in der Regel nicht entsorgt, wenn es voll ist sondern aufgehoben, denn es enthält sehr persönliche Erinnerungen, es kann gewissermaßen ein Nachschlagewerk des eigenen Lebens sein. Eine andere, leichtere, Variante ist ein Heft, in das täglich ohne groß zu überlegen etwas geschrieben wird. Die Gedanken, die kommen, werden niedergeschrieben. So besteht nicht die Hürde entscheiden zu müssen, ob diese oder jene Überlegung wirklich so wichtig ist um den Weg ins Tagebuch zu finden. Das Heft wird nicht aufgehoben, die beschriebenen Seiten vielleicht nicht einmal durchgelesen, nachdem sie verfasst wurden. Es geht allein um den Akt des Schreibens und die damit verbundene Verknüpfung von Hirn und Hand.

Bei Tiny Buddha gibt es einige Ideen zum Journaling.

Endlich Topflappen

Topflappen

Die freien Tage bin ich zu einer Sache gekommen, die schon lange auf meiner Wunschliste stand: Topflappen für auf die Arbeit. Da es in der Mittagspause bei mir und den KollegInnen oft etwas Warmes aus dem Ofen oder aus der Mikrowelle gibt, ein durchaus nützliches Küchenutensil. Die einzelnen Bestandteile, 2 Häkelquadrate, eine Kordel aus der Strickliesel und dicker Stoff, waren schnell gefunden. So musste ich nur alles noch zusammennähen. Zufrieden 🙂

 

Neujahrstag 2016

Am Morgen des 1. Januar 2016 war es neblig und ganz still beim Spaziergang über die Uhlandshöhe in Stuttgart. Eine Stimmung, die ich mag, alles ist wie in Watte gepackt, gedämpft, weichgezeichnet. Die Bäume sahen im Nebel schön und verwunschen aus.

Neujahr 2016 Uhlandshöhe

Die Idylle trübte jedoch der viele Müll aus der Silvesternacht. Die Statue im Park schaute ganz betrübt, als frage sie sich, wer soll das aufräumen?

Wegen mir bräuchte es für den Jahreswechsel gar kein Feuerwerk und keine Knaller. Unser Kätzchen hat den Lärm zwar mit Fassung ertragen, war aber sichtlich beunruhigt. Die armen Wildtiere haben nicht das Glück hinter guten schalldämpfenden Fenstern ausharren zu können.

Knallerbsen Uhlandshöhe Jan 2016

Dann lieber Knallerbsen statt Knaller!

Zwischen den Jahren

Gedanken Möwe

„Innere Inventur“, so hörte ich kürzlich im Radio eine Bezeichnung für das, was viele Menschen gerne zwischen den Jahren machen. Mit dem Begriff und der Tätigkeit kann ich mich identifizieren. Die Tage Ende Dezember sehen bei mir idealerweise so aus: zur Ruhe kommen, viel schlafen, kuscheln, mit der Katze spielen, entspannen. Dabei die Gedanken an der langen Leine laufen lassen, Dinge und Gedanken sortieren. Mit M. zusammen Pläne für das kommende Jahr schmieden.

Was war dieses Jahr schön? Was nicht so gut? Wie könnte es anders sein? Solche Fragen kommen von selbst an die Oberfläche. Dieses Sammelsurium in einen Jahresrückblick zu fassen gehört auch zu meiner Inventur. Damit ist das alte Jahr abgeschlossen, geradezu archiviert. Ich denke an die Menschen, die mir wichtig sind und die Begebenheiten, die wir zusammen erlebt haben und beginne Briefe und Karten zu schreiben. Weihnachtskarten oder, wenn es nicht mehr gereicht hat, Neujahrsgrüße.

Für die ruhige Zeit bin ich sehr dankbar und auch dafür, wie gut es uns geht. Im Alltag sieht vieles unter der Anspannung und den tausend kleinen und großen Problemen viel schlechter aus, als es bei Tee und Plätzchen betrachtet tatsächlich ist. Die Tage sind ideal um auszumisten. Ich trenne mich von Dingen und bringe Sachen in Ordnung. Das schafft Klarheit und mir kommen dabei so viele Ideen zu Themen, die mich interessieren, die ich machen oder über die ich mich informieren möchte.

Gleichzeitig muss ich jedes Jahr aufs Neue lernen, dass nicht alle Ideen sofort in die Tat umgesetzt werden können. Wo liegt mein Focus? Warum interessiert mich das? Warum möchte ich das tun? Die innere Inventur dient der Selbsterkenntnis.

Vorsätze für 2016 ?

  • Mir Zeit nehmen für das, was mir in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen ist: Minimalismus, gesellschaftliche Utopien, Bastelprojekte, gute Ernährung …
  • Gedanken aufschreiben. Denn es hilft, diese zu entwickeln, sei es in einem Notizblock oder hier im Blog.

Zwei Wochen in Irland

Streedagh Beach Sligo

Diesen Oktober war ich mit meinem Pa zwei Wochen an der irischen Westküste. Von 7. bis 21. Oktober 2015 bewohnten wir das Cottage, das meine Mutter vor bald 15 Jahren dort gekauft hatte. Etwa so lange ist es auch her, seit ich zuletzt einen Fuß auf irischen Boden gesetzt habe. Also unfassbar lange! Dabei war ich früher, bedingt durch die freundschaftliche Verbindung meiner Eltern mit einer Familie in Sligo, öfter dort. Nach dem Abi kam 1999 dazu ein 7-monatiger Aufenthalt im Co. Clare am Burren College of Art, eine spannende Zeit. Mein Pa war die letzten Jahre mindestens einmal pro Jahr dort und ist, wie ich persönlich erleben durfte, bestens in der Gegend angekommen, geradezu „local“.

Wir hatten absolutes Wetter-Glück, mit zwei milden, sonnigen und nahezu regenfreien Wochen. Denn während Deutschland diesen Sommer Hitzerekorde erfuhr, war der irische Sommer 2015 völlig verregnet. Ideal also für Ausflüge in die schöne Gegend um Sligo: zu den Bergen Benbulben, Benwiskin, Knocknarea, in die Orte Grange, Sligo, Drumcliff, Rosses Point, Strandhill, Mullaghmore, zu den nahen Stränden bei Lissadell und Streedagh, zu den Seen Glencar und Logh Gill, zum Garavogue Fluss. Eine etwas weitere Tour ging zu den Bergen der Slieve League in Donegal, von deren Klippen aus der Blick weit über den Atlantik reicht.

Die Zeit verging viel gemächlicher als in Deutschland. Die gute Luft, die netten Gespräche mit den Leuten, die Mahlzeiten mit frischem Fisch und ab und an ein Glas Guinness oder Cider taten ihr Übriges zur Erholung. Weniger tun, weniger Pläne, ein täglicher Ausflug. Kein Internet, kein Fernseher, statt dessen Radio und der Blick auf die Sligo Bay.

Wieder in Deutschland hoffe ich, ein wenig von der Ruhe in den Alltag rüberretten zu können. Ein Buch, das ich zum Ende des Urlaubs nochmal gelesen habe und ein absoluter Tipp für Irland-Fans und solche die es werden wollen: „McCarthy’s Bar“ (2000) von Pete McCarthy.

 

Stuttgarter Standseilbahn und Joseflesweg

Standseilbahn

Wie es sich für einen richtigen Urlaub gehört, haben Matthias und ich heute einen Ausflug unternommen. Mit der Standseilbahn ging es hoch zum Waldfriedhof und dort ein Stück auf dem Joseflesweg entlang, runter zur wunderbar kühlen Schwälblesklinge. Später in der Stadt auf eine Stärkung zum Veggie Voodoo King. Dann war’s auch genug Action und Zeit für den Heimweg. Bei über 30° C soll mensch sich ja schonen…

Schwälblesklinge

Zum Nachwandern:

www.ssb-ag.de/Joseflesweg-995-0.html

www.ssb-ag.de/Seilbahn-229-0.html

 

 

 

Stefan Zweig „Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers“

Buch Die Welt von Gestern

Ein unscheinbares kleines Buch, dass ich beim Aufräumen in unseren Sachen gefunden habe. „Die Welt von Gestern“ (1942) sind die niedergeschriebenen die Erinnerungen des Autors Stefan Zweig an sein Leben, seine Zeit und seine Weggefährten, darunter Persönlichkeiten wie R. M. Rilke oder Siegmund Freud. Zweig wurde 1881 in Wien geboren und nahm sich 1942 in Brasilien das Leben.

Indem er die Leser an seinen ganz persönlichen Erlebnissen teilhaben lässt, öffnet Zweig ein Fenster in die Vergangenheit: in das Europa vor den beiden Weltkriegen, in die Zeit der Kriege und die Zeit dazwischen.  Nicht wie ein Geschichtsbuch, sondern eben als Augenzeugenbericht – aus der Erinnerung geschrieben. Welches Europa hätte sich Zweig wohl vorgestellt? Was hätte er zur Griechenland-Krise gesagt, was zu unserem Umgang mit Flüchtlingen?

Bemerkenswert fand ich u.a. seine Gedanken zu seinem Leben im Exil und als Staatenloser: „Es hat mir nicht geholfen, daß ich fast durch ein halbes Jahrhundert mein Herz erzogen, weltbürgerlich als das eines >citoyen du monde< zu schlagen. Nein, am Tage, da ich meinen Paß verlor, entdeckte ich mit achtundfünfzig Jahren, daß man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde.“

2 Bücher: Leberkäse und Utopie

Leberkäse Utopie

Zwei Bücher aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen habe ich kürzlich gelesen: „Tante Semra im Leberkäseland“ (2008) von Lale Akgün und „Cecosesola. Äuf dem Weg. Gelebte Utopie einer Kooperative in Venezuela“ (2012) von den Herausgebern Georg Wolter, Peter Bach, Alix Arnold und Georg Rath.

„Auf dem Weg“ ist eine Zusammenstellung aus längeren, bereits bestehenden Veröffentlichungen von und über Cecosesola. Beschrieben wird die Geschichte des 1967 gegründeten und bis heute bestehenden Dachverbandes der Kooperativen für soziale Dienstleistungen im Bundesland Lara, der bis heute besteht. Der Verband betreibt u.a Wochenmärkte, Gesundheitsversorgung, ein Beerdigungsinstitut, verschiedene Transportunternehmen, Landwirtschaftsbetriebe und Finanzierungs- und Solidaritätsfonds.

Wie klappt die Selbstverwaltung in einer Gruppe dieser Größe? Wo gab es Erfolge zu feiern und Niederlagen zu verkraften? Eine spannende Geschichte des Lernens, des Ergründens, wie Menschen auf andere Art und Weise und auf Augenhöhe miteinander ihr Leben in die eigenen Hände nehmen. Was bedeutet selbstoganisiertes Arbeiten für das Individuum und wie spielen kulturelle Prägungen mit hinein in unser Handeln? Wie tief wirkt die Prägung des kapitalistschen Wirtschaftens in unserem Denken und Fühlen? Sogar eine Erklärung für Diego Maradonas Wirken als „Hand Gottes“ wird geliefert… Viele Punkte haben mich an meine Erfahrungen mit dem Gemeinschaftsleben erinnert, so dass es spannend war, Vergleiche zu ziehen.

Buch Nr. 2 „Tante Semra im Leberkäseland. Geschichten aus meiner türkisch-deutschen Famile“ ist die Lebensgeschichte einer Familie aus Istanbul, die den Schritt zu einem neuen Leben in Köln wagt. Sehr amüsant und anekdotenreich geschrieben. Sowohl die Eigenheiten der deutschen Nachbarn und Kollegen als auch der türkischen Verwandschaft werden mit viel Wohlwollen und Humor dargestellt. Macht neugierig nach mehr, zumal wenn mensch das Buch in einer multi-kulti Stadt wie Stuttgart liest, wo auf der Straße so viele Sprachen und Dialekte durcheinander zu hören sind.

 

Albert Schweitzer: „Zwischen Wasser und Urwald“

Buch Albert Schweitzer

Gerade beendet und eine unbedingte Leseempfehlung! Das kleine Büchlein ist erstmals 1921 erschienen. Albert Schweitzer berichtet darin von seiner Zeit als Arzt in Afrika, auf der Missionsstation in Lambarene. Die Sprache und manche Ansichten muten aus heutiger Sicht unpassend an, etwa wenn er von „Negern“ spricht oder von der ursprünglichen Bevölkerung als „Naturkindern“, die in ihrer Entwicklung den Weißen unterlegen seien und daher der Aufsicht bedürften. Wie mit allen Zeitdokumenten, ist auch diese Schrift in ihren historischen Kontext zu setzen. Doch insgesamt blieb bei mir vor allem Bewunderung zurück, vor seiner Arbeit und vor den klaren Einsichten in die Zusammenhänge von Kolonisation, Mission, Kultur und Natur, Religion und Wissenschaft.

Schweitzer beschreibt sehr eindrücklich das große Leid der Einheimischen, wie er es als Arzt erlebt und benennt eindeutig die Verantwortung, die er bei den Kolonialmächten und den Menschen der sogenannten zivilisierten Welt sieht, Hilfe zu leisten: „Für jeden, der Leid verbreitete, muss einer hinausgehen, der Hilfe bringt. Und wenn wir alles leisten, was in unseren Kräften steht, so haben wir nicht ein Tausendstel der Schuld gesühnt.“ – Ein höchst aktueller Gedanke, im Hinblick auf die vielen vielen Flüchtlinge, die auf gefahrvolle Weise ihre Heimat verlassen und sich an jedes bisschen Hoffnung klammern, an einem fremden Ort wieder in Sicherheit und Würde leben zu können.

Neben den Schilderung des Alltagslebens in der Station und der Gegend um den Ogowe-Fluss, fand ich vor allem bemerkenswert, welche Schlüsse er aus seinen Beobachtungen zieht und wie er Vorurteile hinterfragt. Für Schweitzer stehen Kultur und Kolonisation in einem Wettstreit. Die Menschen hätten viel mehr von praktischer Unterstützung, Hilfe zur Selbsthilfe, zum Beispiel in der Gewinnung von Nahrungsmitteln und einem intakten Dorfleben. Statt dessen benötigt die Kolonialgesellschaft fähige und willige Arbeiter um aus dem Land und seinen Bodenschätzen möglichst viel Profit zu schlagen. Um Menschen zum Arbeiten zu bringen, werden Bedürfnisse geschaffen und das Verlangen nach teils unnötigen oder schädlichen Dingen geweckt: Schnaps, Tabak, Tand … Die Funktionsweise des Kapitalismus kurz zusammengefasst.

Nun bin ich einserseits neugierig auf weitere Texte aus Schweitzers Feder und andererseits auf aktuelle Literatur aus Afrika. Vor einiger Zeit, teils noch im Studium, hatte ich u.a. Joseph Conrads „Heart of Darkness“ gelesen, oder „The Famished Road“ von Ben Okri, auch „Disgrace“ von J.M. Coetzee. Bücher, die mir bei Schweitzers Bericht wieder in den Sinn kamen.

 

Wiederentdeckt: Virginia Woolf „Ein eigenes Zimmer“

eigenes Zimmer Buch

Auf dem Weg zur Arbeit und zurück lese ich meistens in der Bahn. Da ich (noch) keinen E-Reader besitze, eignen sich also eher kleine, handliche Bücher. Aus dieser Erkenntnis heraus – und weil es mir einfach zu viel Text war – habe ich gestern David Graebers Wälzer „Schulden. Die ersten 5000 Jahre“ wieder in die Bibliothek gebracht.

Statt dessen habe ich Virgina Woolfs Essay „Ein eigenes Zimmer“ nochmal gelesen. Ihr Schluss, dass Frauen ein eigenes Zimmer und eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit brauchen um Literatur schaffen zu können,  passt auch heute noch.

Ich finde, er lässt sich auch weiter auf die Gesellschaft ausweiten. Solange wir abhängig sind, sei es etwa von einer Arbeit, die wir eigentlich verachten, verstellt das unseren Blick auf die Welt und bindet zu viel Energie.

Sie schreibt über eine Erbschaft, die ihr diese Freiheit ermöglichte „…welchen Stimmungswechsel ein festes Einkommen bewirkt. Keine Macht der Welt kann mir meine fünfhundert Pfund wegnehmen. Nahrung, Haus und Kleidung sind für immer mein. Deswegen hören nicht nur Mühsal und Fron auf, sondern auch Hass und Bitterkeit. Ich brauche keinen Mann zu hassen; er kann mir nicht schaden. Ich brauche keinem Mann zu schmeicheln; er kann mir nichts geben. Und so gelangte ich unmerklich zu einer neuen Haltung gegenüber der anderen Hälfte der Menschheit.“

Noch ein Argument für ein bedingungsloses Grundeinkommen!