Introvertiertheit

Dieses Jahr will ich mich in den Blogbeiträgen mit Themen beschäftigen, die sich um die Frage drehen, was uns gut tut. Was trägt zu unserem Wohlbefinden bei?

Auf das Thema Introvertiertheit bzw. Introversion bin ich gekommen, weil es mich selbst betrifft. Von anderen bin ich immer als ruhige, wenn nicht gar stille oder zurückhaltende Person wahrgenommen worden. Da kam oft der Kommentar „sag doch mal was“. So dass ich selbst am Ende dachte, ich wäre zu schüchtern und damit irgendwie verkehrt.

2015 habe ich das Buch „Quiet. The Power of Introverts in a World That Can’t Stop Talking“ von Susan Cain gelesen. Der deutsche Titel lautet „Still. Die Kraft der Introvertierten“. Das war ein Aha-Erlebnis! Ich bin nicht falsch oder unvollständig, nur eben anders als viele Leute und anders als das vorherrschende gesellschaftliche Ideal.

Introversion ist ein Persönlichkeitszug, der als Gegenpol zur Extraversion gesehen wird. Während extrovertierte Personen Energie aus vielen sozialen Kontakten gewinnen, kostet die Interaktion introvertierte Persönlichkeitstypen eher Energie. Wenn ich bei Small Talk und großen Partys fernbleibe, heißt das nicht, dass ich zu schüchtern dazu bin. Diese Situationen sind für mich in der Regel nur kräftezehrender, als dass sie mir viel bringen.

In unserer Gesellschaft und im Berufsleben wird meist einer etwas extrovertierteren Haltung der Vorzug gegeben. Offen auf andere zuzugehen, vor Gruppen zu sprechen, sich und die eigenen Projekte selbstbewusst präsentieren zu können, gelten als erstrebenswerte Eigenschaften. Als führungsstark wird angesehen, wer dominant die eigene Position vertreten kann.

Um sich in der eigenen Haut wohlzufühlen, ist es ungemein hilfreich sich selbst zu verstehen. Dabei hat das Buch von Susan Cain mir sehr geholfen. Die eigenen Bedürfnisse zu kennen, das ist der Trick.

Zwar halte ich mich oft aus sozialen Situationen heraus, doch genieße und brauche auch ich den Kontakt zu Menschen. Jedoch sind es eher tiefere Gespräche in kleineren Gruppen, die mich interessieren und mir etwas geben.

Als Linkshänderin bin ich es gewohnt, dass die Dinge für mich nicht immer intuitiv zu bedienen sind, weil sie eben für Rechtshänder konstruiert wurden.

Inzwischen fällt es mir leichter, meine eigene Herangehensweise an Problemstellungen zu finden und gegenüber Kritik zu vertreten. Statt schnell bei der Lösung zu sein, verbleibe ich länger bei der Analyse. Statt viel Aufhebens um meine Arbeit zu machen, erledige ich lieber konzentriert und beharrlich die Aufgaben, die zu tun sind.

Ich nehme meine Umgebung sehr detailliert wahr, die Situationen, die Gegenstände und die Emotionen der Menschen um mich herum. Wenn sich Probleme ergeben, erkenne ich das meist intuitiv und versuche, diese zu lösen. Dieser kritische Blick ist keine Schwarzseherei, sondern eine Stärke, die nachhaltige Veränderung ermöglicht.

Und wenn es der Sache dient, springe ich über meinen Schatten und verhalte mich, wie es eine extrovertierte Person tun würde. Das ist möglich und hilfreich. Aber es ist dann auch in Ordnung, wieder zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu tanken.

 

Weiterführende Links:

„Still. Die Kraft der Introvertierten“ Interview mit Susan Cain (Penguin Random House, Stand 16.01.2022)

„Introvertiert – Die Stärke der Stillen“ (SWR2, 11.05.2018)

„Quiet Revolution. The Books that startet the Quiet Movement“ (Stand 16.01.2022)

„Social Distanzing. Darum leiden auch Introvertierte unter dem Kontaktverbot“ (Quarks, 07.04.2020)

„Introvertiert? Sie werden völlig zu Unrecht unterschätzt“ (Karrierebibel, 06.07.2021)

 

Netzwerke

Die erste Woche im neuen Jahr ist fast vorbei und hat mich ziemlich auf Trab gehalten. Auf der Arbeit war es einigermaßen ruhig und mit dem Feiertag am 6. Januar auch nur eine kurze Woche. Doch familiär gab es krankheitsbedingt einige Sachen zu organisieren. So bin ich von hier nach da geflitzt und habe fleißig telefoniert und WhatsApp-Nachrichten geschrieben um alle informiert zu halten.

Somit war ich direkt im Thema der Woche: Netzwerke.

Denn was mir ganz arg geholfen hat, war ein Netzwerk aus freundlichen Leuten, die mit Rat und Tat zur Stelle waren. Freunde, Nachbarn und Verwandte haben gezeigt, was so ein soziales Netzwerk kann. Nämlich füreinender da sein.

Auf dem Dorf ist sowas wie Nachbarschaftshilfe wahrscheinlich noch eingespielter als in der Stadt, wo sich die Nachbarn kaum kennen. In kleineren Strukturen weiß man eher, wie es um die Leute um einen herum steht. „Eine Hand wäscht die andre“, lautet ein Sprichwort. Das bedeutet, wir sind auf Zusammenarbeit angewiesen. So funktioniert eine soziale Gruppe. Auch Matthias und ich sind nicht gerade die Helden, wenn es um Kontakte zur Nachbarschaft geht. Ab und an kommt mir die Seite nebenan.de in den Sinn. Über diese können sich Leute einer Nachbarschaft im Netz organisieren. Beeindruckend war, wie die Hilfen für die Opfer der Flutkatastrophe letztes Jahr organisiert wurden und noch am laufen sind. Auch hierfür sind gute Netzwerke nötig.

Wenn von „sozialen Netzwerken“ die Rede ist oder generell von Netzwerken, denkt Mensch gerne an das Internet. Facebook und zum Beispiel Instagram werden als soziale Netzwerke bezeichnet. Die NutzerInnen können sich darin austauschen, kommunizieren und so miteinander in Beziehung treten. Leider ist vor allem Facebook eine Plattform, auf der viel Hass und viele Falschmeldungen verbreitet werden. Um mich zu organisieren und mit Freunden auszutauschen nutze ich eher Messenger-Dienste. Einen Vergleich von verschiedenen Messenger-Diensten und Sozialen Netzwerken habe ich beim Landesmedienzentrum Baden-Württemberg gefunden.

Auch in der Politik werden die digitalen Formen des Austauschs gerne genutzt. Der ehemalige US-Präsident Trump wurde zum Ende seiner Amtszeit von Facebook und Twitter auf Lebenszeit gesperrt. Jetzt habe ich gelesen, dass er aktuell ein eigenes Twitter-ähnliches Netzwerk mit dem Namen „Social Truth“ an den Start bringen will.

Grundlage all dessen ist das Internet. Matthias hatte mir direkt ein Sachbuch hingelegt mit dem Titel „ARPA Kadabra – oder die Geschichte des Internet“ von Katie Hafner und Matthew Lyon (2. Auflage, 2000). Ganz ursprünglich ging es darum, einige Großrechner von US-Eliteuniversitäten zu verbinden. Vor dieser Aufgabe stand die ARPA (Advanced Research Projects Agency) 1966. Das Buch beschreibt diese Anfänge und wie daraus nach und nach ein immer größeres Netzwerk wurde.

Im Beruflichen Zusammenhang sollen durch Netzwerken (oder auch Networking) Beziehungen aufgebaut werden. „Vitamin B“ soll helfen, bessere Positionen, neue Aufträge oder Kooperationen zu erlangen. Auch hier geht es darum, Informationen auszutauschen und Vertrauen zu schaffen. Das kann bei Veranstaltungen geschehen, etwa bei Job-Messen, oder im Internet. Xing oder LinkedIn seien hier genannt.

Im Mittelalter dienten die Zünfte und Gilden u.a. dazu, die Interessen der einzelnen Händlergruppen und Gewerke zu vertreten. In der fiktiven Stadt Ankh-Morpork, auf der vom Autor Terry Pratchett ersonnenen Scheibenwelt, funktioniert es wunderbar, wie sich die Gilden, etwa die Assasinen-Gilde, selbst organisieren. Geschichtlich haben die Männer den Frauen gegenüber einen Vorsprung, wenn es um berufliche Netzwerke geht. An den Universitäten etwa gibt es die Verbindungen und Burschenschaften, die früher – teils auch heute noch – rein männliche Gemeinschaften bildeten. Wenn die Verbindungen zu viel oder zu eng sind, kommt es zur Vetternwirtschaft und zu Klüngel.

Auf der Seite Karrierebibel.de bin ich auf einen Eintrag gestoßen, wie man Netzwerken lernen kann.

Bemerkenswert fand ich dabei den Hinweis, Frauennetzwerke helfen nicht. Ob das so ist, kann ich nicht sagen. Beim Googeln nach „Frauennetzwerk“ fanden sich einige, die sich für die Teilhabe und Sichtbarkeit berufstätiger Frauen bzw. Unternehmerinnen einsetzen. So gibt es in Baden-Württemberg zum Beispiel das Landesprogramm Frau und Beruf.

Was ich nicht gut einschätzen kann, sind sogenannte Service-Clubs wie der Lions Club oder der Rotary Club. Ihre Mitglieder finden sich zusammen um wohltätige Aufgaben zu übernehmen. Natürlich bleibt dabei ein Austausch über berufliche Dinge und gegenseitige Hilfe nicht aus.

Wenn es dagegen um die Netzwerke von Menschen geht, die sich für ein anderes, nachhaltigeres und gemeinschaftsorientiertes Leben interessieren, kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Leider scheint die Website der Kommuja gerade nicht online. Dennoch verlinke ich die Seite mal. Kommuja ist ein Netzwerk politischer Kommunen. Mitglied sind u.a. die Kommune Niederkaufungen oder die Kommune Waltershausen, in der wir gelebt haben.

Die Gemeinschaften organisieren im Wechsel eine Veranstaltung namens „Los geht’s“.  Hier stellen sich bestehende Gemeinschaften und Gründungsgruppen vor und es ist ein sehr schöner Raum zum Austausch zwischen alten Häsinnen und Interessierten. Das nächste „Los geht’s“ gibt es voraussichtlich 2023. Alternativ dazu gibt’s regelmäßig die Kommune Info-Tour. 2021 fand diese online statt.

In einer Gemeinschaft mit anderen Leuten zu leben bedeutet zwangsläufig viele Kontakte und viel Austausch. Es entspinnt sich ganz automatisch ein Beziehungsgeflecht, ein soziales Netzwerk. Allerdings muss das nicht zwangsläufig ein gut harmonierendes Gefüge sein. Dafür ist einige Arbeit nötig, Gemeinschaftsbildung etwa. Dann kann dieses Netzwerk gedeihen und sehr viel auf die Beine stellen.

Das Thema „Netzwerk“ gäbe noch Stoff für viele Assoziationen: Strickmuster, Straßennetze, Nervenverbindungen im Gehirn, Wurzelwerke im Wald. Der Begriff selbst klingt immer ein wenig nach Anstrengung, nach etwas, um das man sich kümmern muss. Was mir statt dessen sympathischer erscheint, ist der Begriff „Verbindung“. Danach streben wir glaube ich ganz von selbst als Menschen, denn Verbindung tut uns gut.

 

 

Hoppel-Poppel-Essays 2022

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Nachdem ich mich im letzten Jahr Woche für Woche mit einer anderen Band beschäftigt habe, stand natürlich die Frage im Raum, was kommt danach?

Weiterhin wöchentliche Blogbeiträge? Und zu welchem Thema?

Es war auf jeden Fall schön, immer wieder ein neues Wochenthema zu haben. Nachzudenken, zu recherchieren und mit Leuten dazu ins Gespräch zu kommen. Daher wird es weitergehen:

52 neue Themen sind auf Zettelchen geschrieben und in eine Büchse gepackt. Daraus ziehe ich jeden Montag eines, zu dem es am folgenden Wochenende einen Blogartikel zu schreiben gilt. Arbeitstitel des Projektes ist „Hoppes-Poppel-Essays“.

Mir gefällt dieses lautmalerische Wort Hoppel-Poppel. Eigentlich ist es ein traditionelles Berliner Resteessen mit Kartoffeln und Bratenresten. Im übertragenen Sinne also eine Improvisation mit dem, was gerade da war und leckerem Ergebnis. So in etwa werden wahrscheinlich die Texte hier entstehen. Das Beitragsbild zum Artikel ist nicht wirklich ein Hoppel-Poppel sondern ein Kartoffelgratin mit vegetarischen Köttbullar.

Inhaltlich wird es eine Mischung an Themen, die mich interessieren, zu denen ich mehr erfahren möchte oder einfach Infos zusammentragen. Zum Beispiel was einen zufrieden macht, Literatur, Nachhaltigkeit, Gesundheit, Kultur, Gesellschaft und so weiter.

KW 52 – Pearl Jam

Es ist der Silvesterabend und dies ist der letzte Beitrag zum #52-Bands Projekt. Mir hat’s Spaß gemacht, ich habe neue Seiten der Musizierenden entdeckt und neue Lieblingsstücke gewonnen. Außerdem war das Recherchieren und Schreiben immer eine Zeit, in der die Alltagsdinge und -nöte ein wenig in den Hintergrund rückten. Schön war zudem der Austausch mit vielen Leuten zum Thema Musik. Vielen Dank an alle, die sich auf das Projekt eingelassen haben! Die Musik ist doch für jede und jeden von uns besonders, wie der Soundtrack zum eigenen Leben. Sie weckt Gefühle und Erinnerungen.

Die letzte Band des Jahres ist Pearl Jam aus Seattle. Mmmhh, Perlenmarmelade…

Pearl Jam wird auch als letzte große Band der Grunge-Ära bezeichnet. Es gibt sie noch. Seit ihrer Gründung 1990 haben sie mehrere Schlagzeuger gehabt, aber der Rest der Truppe um Sänger Eddie Vedder ist bestehen geblieben.

1991 veröffentlichen Sie ihr Debütalbum „Ten“. Auf diesem sind die beiden Lieder, die ich von Pearl Jam kenne: „Jeremy“ und „Alive“. Hier ist die Unplugged-Version von „Jeremy“ (1992):

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich die Musik von Pearl Jam einerseits recht langweilig finde und mir die Stimme von Eddie Vedder nicht besonders gefällt. Insofern wird’s ein kurzer Beitrag zum Schluss.

Vom aktuellen Album „Gigaton“ (2020) gefällt mir das Stück „Dance of the Clairvoyants“ ganz gut, wie es so groovt. Hier also noch ein aktuelles Machwerk von Pearl Jam:

 

KW 51 – Trio

Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag. Das Wetter ist trüb und nass, geradezu usselig. Feierlich ist jedenfalls was anderes. Wir verbringen die Weihnachtstage ruhig und gemütlich zuhause.

Was das 52-Bands-Projekt angeht, war ich das ganze Jahr über gespannt, wann Trio drankommt. Durchaus mit leichtem Grauen, denn ich fürchtete schlimme Ohrwürmer. Diese Woche ist’s nun soweit und ich habe wirklich keine Ahnung, was Band Nr. 52 sein könnte.

Trio war die ganze Zeit sowas wie der Joker. Die Musik der Truppe ist bzw. war so minimalistisch, dass sie ziemlich aus dem Rahmen der anderen Bands in meiner Losbox fällt. Da gibt’s keine komplizierten Arrangements und Soundwände. Alles überflüssige wurde einfach weggelassen: ein extrem reduziertes Schlagzeug, kein Bass sondern nur Gitarre. Dazu Gesang, der manchmal nur gesprochen war und ab und an ein Spielzeuginstrument.

Geradezu Punk, könnte man sagen. Ein Stück wie „Los Paul“ klingt auch total nach Punk. Jedoch ist nichts an der Musik dilettantisch, sondern sehr bewusst so arrangiert.

Die Aufnahme stammt von einem Konzert 1982 in Stuttgart. Auf den Song folgt ein Lied, das wiederum in Richtung Reggae geht: „Energie“

Die Band Trio hat nur 3 Studioalben rausgebracht. Das Debüt „Trio“ (1981), „Bye Bye“ (1983) und „What’s the Password“ (1985). Die Musiker sind Stephan Remmler (Gesang), Kalle Krawinkel (Gitarre) und Peter Behrens (Schlagzeug). Geschrieben haben sie ihre Alben in einem Wohnhaus in Großenkneten. Die Anschrift und Telefonnummer von dort stand groß auf ihrem Debütalbum.

Krawinkel und Behrens sind bereits gestorben. Remmler war nach Trio weiter als Solokünstler und Produzent tätig. Ich war überrascht, wie gut die Stücke eigentlich zu hören sind. Wobei ich natürlich neugierig auf die Sachen war, die ich noch nicht kannte.

Der größte Hit – tatsächlich ein weltweiter Hit – von Trio war „Da Da Da“. Weitere bekannte Sachen sind „Herz ist Trumpf“, „Bum Bum“, „Anna, lass mich rein, lass mich raus“, „Sabine Sabine Sabine“ oder „Turaluralu – Ich mach bubu, was machst Du“.

Wir haben die Tage ein Interview mit Schlagzeuger Peter Behrens gesehen. Dieser war nach seiner Zeit bei Trio arg abgestürzt und kämpfte mit seiner Drogenabhängigkeit. Spannend fand ich, dass er eine Clowns-Ausbildung absolviert hat. Sein Auftreten bei Konzerten war immer auch als eine Art Clownsnummer konzipiert. Zum Beispiel durch das Outfit mit den roten Hosenträgern und dass er nie lächelte.

Hier kommt noch die Zugabe vom 1982er Konzert in Stuttgart: „Bommerlunder“

Was mir auch gut gefällt ist das Lied „Kummer“. Das kommt langsam und schleppend daher und doch wie eine Rock-Nummer:

Gerade habe ich noch schlimme Musik aus meiner Kindheit aufgetan. Wie gesagt war Stephan Remmler weiter als Solokünstler tätig. So begab es sich, dass damals Lieder von ihm im Radio liefen wie „Keine Sterne in Athen“ und „Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei“. Ich erspare Euch die Videos…

Statt dessen mit „Ya Ya“ lieber noch ein rockigeres Stück mit englischem Text.

 

 

KW 50 – Arthur Brown

Heute ist der 4. Advent, alle vier Lichtlein brennen. Eine angemessen stimmungsvolle Atmosphäre um dem God of Hellfire zu lauschen und sein künstlerisches Schaffen zu würdigen. Die Rede ist von Arthur Brown, diesem exzentrischen englischen Gentleman.

Bis zu dieser Woche kannte ich nur das Lied „Fire“ von ihm und Bilder von Auftritten mit Feuerkrone und Gesichtsbemalung. Ein verrücktes One-Hit Wonder aus den 60ern könnte man meinen. Doch ich muss sagen, seit dieser Woche bin ich Fan. Das wird hier wahrscheinlich eine ziemliche Lobhudelei.

Fire

Arthur Brown wurde 1942 im englischen Whitby geboren. Er hat eine mehrere Oktaven umfassende Stimme, ist noch immer künstlerisch aktiv und hat eine Unmenge an Künstlern beeinflusst. Die schwarz-weiße Gesichtsbemalung zum Beispiel von Alice Cooper, Kiss oder skandinavischen Black Metal Bands trug er schon in den 60ern.

1968 hatte er mit der Band und dem gleichnamigen Album „The Crazy World of Arthur Brown“ einen riesigen Hit mit dem Song „Fire“. Ich habe einen live Auftritt von 2005 in Lorsch aufgetan, bei dem er das Lied vorträgt. Wer ungeduldig ist, spule vor bis Minute 4:50, da kommt der markante Teil mit dem Text „I am the God of Hellfire and I bring you … Fire“:

Bei der Recherche habe ich auch Auftritte von Brown auf größeren Bühnen gesehen, doch mir scheint die kleinere, intimere Blues-Club Atmosphäre viel passender. Ursprung des Lieds „Fire“ war ein Gedicht, das „Fire Poem“. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass es viel gesprochenen und nicht gesungenen Text im Lied gibt. Diese gesprochenen Passagen erinnern an Jim Morrison und die Doors.

Wurzeln im Rhythm ’n‘ Blues

Das Debütalbum von 1968 enthielt eine Seite, die sich mit den Schrecken der Hölle beschäftigte und eine Seite mit Coverversionen. Es gilt heute als ein Klassiker des psychedelischen Rocks. Die gecoverten Songs stammten von Blues-Größen wie James Brown und Screamin‘ Jay Hawkins.

Meine persönlichen Hörgewohnheiten was Blues und Psychedelic Rock betrifft sind ziemlich hessisch geprägt. Als Referenz seien an dieser Stelle die Rodgau Monotones und die Frankfurter Band Polytoxicomane Philharmonie genannt.

Hier kommt „I Put A Spell On You“ von Arthur Brown mit der Hamburg Blues Band. Der Auftritt stammt von 2012, als er mehrere Auftritte mit ihnen hatte. Wie es der Titel ausdrückt, beginnt Brown mit einer Art magischem Segen: mit Wasser, mit hohem Gesang und nach einer Minute mit tiefem voodooartigem Gebrabbel. Dann kommt ein mitreißender Groove:

Aus den Tiefen von Youtube habe ich das Original ausgegraben: Screamin‘ Jay Hawkins mit einer schrägen Performance von „I Put A Spell On You„.

Ist das nicht faszinierend, wie nah Brown da stimmlich drankommt? Und wer weiß, vielleicht hat der eindrucksvolle Auftritt von Hawkins ihn ja zu seinen eigenen Showeinlagen inspiriert.

Alt aber nicht leise

Aus dem Jahr 2014 stammt eine weitere Cover-Version, die musikalisch super und gleichzeitig urkomisch ist. „Sea Of Vodka“ ist eine Adaption des Songs „Those Were The Days“ (1968) von Mary Hopkins. Die Melodie stammt jedoch nicht von Hopkins, sondern hat tatsächlich einen russischen Ursprung. Arthur Brown ist 2014 bereits 72 Jahre alt. Das hindert ihn jedoch keines Weges, ein flottes Tänzchen auf den Teppich zu bringen:

In dem Auftritt erinnert er mich ein wenig an Zappa. Er ist wirklich viele Künstler in einem und ich bin sicher, da gibt es noch viel zu entdecken. Nach dem Projekt „The Crazy World of Arthur Brown“ widmete er sich in den 70ern dem Projekt „Arthur Brown’s Kingdom Come“, das mit der psychedelischen Musik der Band Hawkwind verglichen wurde. Mit diesen trat er tatsächlich 2001 und 2002 zusammen auf. Von Hawkwind weiß ich nur, dass Lemmy von Motörhead da einige Jahre Bass gespielt hat.

Zim Zam Zim

2014 veröffentlichte Brown mit The Crazy World of Arthur Brown das Album „Zim Zam Zim“. Ob dieses als psychedelisch, prog-rockig oder bluesig einzustufen ist, vermag ich nicht zu sagen. Angestaubt klingt es jedenfalls nicht. Zum Beweis, hier ein Auftritt als eine Art Steam-Punk Don Quijote im Video von „The Unknown“:

Für 2020 war eigentlich eine Tour geplant. Statt dessen gab es im ersten Corona-Jahr auch von Arthur Brown online-Auftritte während des Lockdowns. Zum Weiterlesen über Browns ereignisreiches Leben gibt’s hier einen Artikel aus dem Guardian vom August 2020. Außerdem zum Abschluss eine Version des Stücks „The House of The Rising Sun“, bei dem er total nach Tom Waits klingt und ein wenig aussieht wie Bjarne Mädel:

 

 

 

KW 49 – Uriah Heep

Mit riesigen Schritten geht es auf Weihnachten zu. Heute ist schon der dritte Advent. Gestern war ich in der Stadt, im Trubel und ein wenig erschlagen von den vielen Menschen und den vielen Dingen, die es zu kaufen gibt.

Weihnachten als Konsumfest verweigern Matthias und ich schon eine Weile. Dieses Jahr gibt’s mit unserem Anti-Adventskalender noch eine Steigerungsform: Statt ein Ding mehr zu bekommen, sortieren wir an jedem der 24 Tage eine Sache aus, die wir am  Ende entsorgen, verschenken oder verkaufen werden.

Wozu immer Neues, wenn es auch Dinge gibt, die scheinbar ewig halten und uns noch immer erfreuen. Ist das nicht eine klasse Überleitung zur Band der Woche?

Uriah Heep

Das ist nun wirklich ein Klassiker. Eine Band aus England, die es seit 1969 gibt. Zum Vergleich, Led Zeppelin haben sich 1968 gegründet. Und ja, es gibt sie noch immer. Allerdings ist Gitarrist und Sänger Mick Box das einzig verbliebene Originalmitglied.

Sie hatten in der langen Zeit ihres Bestehens viele Wechsel und auch viele Alben herausgebracht. Insofern kann ich nur einen oberflächlichen Eindruck von der Band wiedergeben.

Auf jeden Fall gehörten sie mit besagten Led Zeppelin, Deep Purple, Black Sabbath oder Nazareth zu den frühen Vertretern des Hardrock. Vom dominanten Einsatz der Hammond Orgel her würde ich sie auch zum Progressive Rock zählen.

Lady in Black

Mein erstes eindrückliches Erlebnis mit der Musik von Uriah Heep war bei einem Reiterurlaub als Jugendliche. Da saß ein Raum voller junger Mädels und hat „Lady in Black“ gesungen.

Tatsächlich war es der damalige Keyboarder von Uriah Heep, Ken Hensley, der das Stück geschrieben und vorgetragen hat. Er ist 2020 nach kurzer schwerer Krankheit mit 75 Jahren gestorben. Von „Lady in Black“ habe ich hier eine schöne Live-Aufnahme aus Hamburg aus dem Jahr 2018 gefunden:

„Lady in Black“ war auf dem Debütalbum „Salisbury“ von 1971 drauf. Auf dem Albumcover ist übrigens ein Panzer zu sehen. Einerseits überraschend, andererseits nicht. Wie ich das Album und das nachfolgende 1972er Album „Demons and Wizards“ anhörte, fühlte ich mich an das Musical „Hair“ erinnert, was ja ein Anti-Kriegs Thema behandelt und 1968 uraufgeführt wurde. Im Text von „Lady in Black“ wird der Sänger gefragt, was sein Feind ist und er sagt: „The need within some men to fight and kill their brothers without thought of love or god“. Hensley verließ die Band 1980.

The Wizard

Vor dieser Woche hätte ich neben der Lady keinen zweiten Titel von Uriah Heep benennen können und hätte behauptet „The Wizard“ stammt von Blind Guardian. Die hatten das Stück als Coverversionen auf dem Album „Imaginations from the other side“ (1995). Hier das Original:

Ein Lied zu Ehren all der Merlins, Gandalfs, Dumbledores und Rincewinds in der Welt. Die Weisheit ist da, nur wird sie leider all zu oft überhört und ignoriert.

Ein weiteres Stück, das ich tatsächlich schon kannte, es aber Deep Purple zugeschrieben hätte, ist „Easy Livin'“, auch vom „Demons and Wizards“ Album.

Und last not least noch ein Lied, das mensch vielleicht schon gehört hat ohne zu wissen, dass es von Uriah Heep stammt: „Free Me“ vom 1977er Album „Innocent Victim“. Weil es so schön war, wieder aus dem Hamburger Konzert mit Ken Hensley. Sänger ist John Lawton, der 1976 bis 1979 und später noch ab und an Sänger bei Uriah Heep war. Auch er starb 2021 mit 74 Jahren.

 

 

KW 48 – Rammstein

Schon sind wir im Dezember. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Heute ist der 2. Advent, da will ich es besinnlich angehen. Das ist erstaunlich leicht, denn obwohl die Band der Woche dieses brachiale Monster Rammstein ist, gibt es eine ganz zarte Coverversion ihres Hits „Engel“. Diesen hat Annett Louisan auf ihr 2016er Album „Berlin – Kapstadt – Prag“ gepackt:

Ist das nicht schön? Engel quasi von einem Engel gesungen, fast schon kitschig. In Sachen ungewöhnlich, ruhig und schön ist aber sicher das reine Instrumental-Album „Rammstein – XXI Klavier“ auf Platz 1.

Von Rammstein besitze ich einzig und schon seit Jugendzeiten eine Bootleg CD mit Live-Aufnahmen vom Bizarre Festival ’96 und live bzw. Demo-Versionen von 1994. Neben „Engel“ ist da u.a. drauf: „Seemann“, „Du riechst so gut“, „Laichzeit“ oder „Wilder Wein“.

Die neueren Stücke musste ich mir jetzt erst zu Gemüte führen. Heute füllen Rammstein riesige Stadien mit einer mega Pyro-Show. Für die Feuershow und mit ihren Liedern sind sie inzwischen weltweit berühmt. Sie sind wirklich ein Exportschlager aus Deutschland. Ich erinnere mich an einen irischen Freund, der mir fehlerfrei den Liedtext von „Du hast“ aufsagen konnte.

Für mich war ihre Musik damals einfach eine laute, polternde Ergänzung zu den Hardrock und Heavy Metal Bands, die ich eh gehört habe. Besonders an ihnen war und ist natürlich, dass sie deutsche Texte singen.

Wo wir vorhin bei einer tollen Frauenstimme waren, darf hier gleich noch eine glänzen. Nina Hagen mit einer Cover-Version des Liedes „Seemann“, zusammen mit den Cellisten von Apocalyptica:

Nina ist schon eine Erscheinung und dazu das rollende „R“! Im Wikipedia-Artikel zu Rammstein stand, dass dieses auch von Till Lindemann gesungene rollende „R“ nicht absichtlich von ihm so betont wird um besonders deutsch zu klingen. Es sei vielmehr eine natürlich entstehende Gesangstechnik bei tieferen Stimmlagen. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Mit ihren ersten Erfolgen und zuletzt mit dem Teaser-Video zum Lied „Deutschland“ von 2019 kam die Band immer wieder in den Verdacht, rechts zu sein. Dies weisen sie stark von sich, u.a. mit dem Lied „Links 234“, mit dem die Herren doch jetzt auch selbst zu Wort kommen dürfen:

Die Aufnahme ist vom „Rammstein: Paris“ Videoalbum von 2017.

Das ganze Konzert wurde vor einiger Zeit im Fernsehen gezeigt. Wir haben es fast ganz gesehen, waren einerseits fasziniert, amüsiert und ein wenig in Schockstarre. Die Show ist auf jeden Fall perfekt inszeniert. Das muss sie allein deshalb schon sein damit sich niemand durch das viele Feuer verletzt. Die Band sah schon zu Beginn ziemlich verschmiert und mitgenommen aus, was zum Image gehört.

Das Schockprogramm bedient sich aus dem breiten Repertoire der sexuellen Spielweisen und Gewaltfantasien. Die Musik ist vom Aufbau eher einfach und vielleicht deshalb so dumpf mitreißend. Wie auch bei Marilyn Manson sind Rammstein erfolgreich durch ihre Provokation. Sie macht sie beliebt bei den Fans, denn es ist die ideale Musik um die Eltern aufzuregen.

Wenn es um die Texte geht, finde ich sie dagegen künstlerisch tatsächlich interessant. Bei der Recherche habe ich erfahren, dass die Texte erst nach der Musik zu den Stücken dazukommen. Ein brutales instrumentelles Stück wird insofern einen passenden Text bekommen. Meine Vermutung wäre gewesen, dass es andersherum ist und der Text zuerst da. Spannend ist auch, wie mehrdeutig die Texte in der Regel sind und dass dies ein Merkmal vieler DDR-Bands war. Geradezu eine Anforderung um mit kritischeren Themen durch die Zensur zu kommen.

Bei der Auswahl der Beispielmusik wird das hier ein Frauen-Artikel, es ist jetzt einfach so.

Hier ein Stück, dass mich überrascht hat, denn die Kombination von Künstlern hätte ich nicht erwartet: Zaz und Till Lindemann mit „Le jardin des larmes“ vom 2021er Zaz Album „Isa“.

Die Stimmen ergänzen sich harmonisch und stehen im Kontrast zur gewalttätigen, uneindeutigen, Geschichte im Video.

Da ich im Vorfeld auf diese drei Frauen im Rammstein-Kontext gestoßen bin, hat mich eine 2021er Interview-Aussage vom Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz gefreut. Er geht darauf ein, dass es noch viel zu wenige weibliche Bands und Künstlerinnen im Popgeschäft und den Chefetagen gäbe. Frauen müssten grundsätzlich das doppelte Gehalt bekommen um die ganze Ungerechtigkeit auszugleichen.

But, this is a man’s world. Dazu eine oft recht amerikanisch geprägte Welt.

Aus Gründen daher hier noch mein Ohrwurm der Woche: „Amerika“ (2004) vom Album „Reise Reise“.

 

KW 47 – ASIA

Nein, diese Woche gab es weder Asia-Nudeln noch Filme mit Asia Argento als Rahmenprogramm. Allerdings überlege ich, testweise ein paar Wasabi-Plätzchen zu backen.

Dagegen laufen schon die Überlegungen, wie es nächstes Jahr mit dem Blog weitergeht. Einige Bands hätte ich noch. Außerdem haben Matthias und ich einen Haufen anderer Themen, die sicher auch mal spannend wären.

Aber zur Band der Woche: ASIA.

Was vom Prog-Rock übrig blieb. Das könnte ein passender Untertitel zu ASIA sein. Hier direkt ihr wahrscheinlich größter Hit: „Heat of the Moment“. Das Live-Video ist von 2013. Das Stück selbst stammt vom 1982er Debüt-Album ASIA.

Die Band wurde von der Presse als Supergroup bezeichnet, denn ihre Mitglieder hatten zuvor bereits in anderen Formationen Bekanntheit erlangt. Sie spielten etwa bei Yes, Uriah Heep, King Crimson oder Emerson, Lake and Palmer.

Die Gründungstruppe bestand aus John Wetton (Gesang, Bass), Geoff Downes (Keyboard, Gesang), Steve Howe (Gitarre), Carl Palmer (Drums). Sie stammen keines Falls aus östlichen Ländern sondern aus Großbritannien. Downes hatte 1979 mit der Band The Buggles den Hit „Video Killed The Radio Star“.

Als Kind hatten meine Mutter und ich identische silberne Regenmäntel, die genauso aussahen wie die Anzüge der Band im Video.

Wo es gerade um die Optik geht: Das Design der Asia Alben und den Schriftzug entwarf der Britische Künstler Roger Dean, der u.a. auch den Yes-Schriftzug gestaltete.

Die Bandgeschichte ist ein wildes Karussell an Besetzungswechseln. Was ich mir daraus an Eckpunkten gemerkt habe, war, dass es 2005 eine Wiedervereinigung in Originalbesetzung mit Sänger John Wetton gab. Von 1991 bis 2006 war John Payne Sänger von ASIA. Er führte daraufhin ab 2007 ein Projekt namens ASIA featuring John Payne weiter. Also gibt es seitdem zwei Bands mit dem Namen ASIA.

Hier ein Video von ASIA featuring John Payne mit einem Lied, das im Original von Alan Parsons Project stammt: „Eye In The Sky“.

Das Lied stammt vom Album „Recollections: A Tribute to British Prog“ (2014), das mir gut gefallen hat. Das lässt sich angenehm einfach so durchhören. Nett darauf ist auch die Coverversionen von „Locomotive Breath“.

Doch zurück zur Originalband ASIA.

Sänger John Wetton hatte aufgrund seines exzessiven Alkoholkonsums immer wieder gesundheitliche Probleme. 2015 wurde bei ihm Krebs diagnostiziert, dem er 2017 erlag.

Das bisher letzte Studioalbum der Band erschien 2014 und heißt „Gravitas“. Auch ein Album, das angenehm am Stück hörbar ist. Besonders gut gefällt mir daraus der Titel „Valkyrie“:

Die Band macht weiter mit neuem Sänger und Gitarristen Ron „Bumblefoot“ Thal. Von 2006 bis 2014 war dieser bei Guns’n’Roses tätig. Ein offenbar sehr umtriebiger Mensch, der auch mal bei mehreren Projekten gleichzeitig dabei ist.

 

KW 46 – Frankie goes to Hollywood

Die Sonne macht sich rar und der November seinem Ruf als Nebelmonat alle Ehre. Eigentlich stehen alle Zeichen auf Winterschlaf. Was das 52-Bands Projekt betrifft, ist bei mir ein wenig die Luft raus. Dennoch will ich mal schauen, was es über die aktuelle Band der Woche zu berichten gibt: Frankie goes to Hollywood.

Hier ist das Video zu „The Power of Love“ vom 1984er Debütalbum „Welcome to the Pleasuredome“.

Ist das nicht schön und wohltuend versöhnlich in diesen Zeiten? Vom Text her ist es einfach ein Liebeslied, doch das Video erzählt die Weihnachtsgeschichte.

Das Debüt „Welcome to the Pleasuredome“ wurde ursprünglich als Vinyl-Doppelalbum veröffentlicht: also 4 Schallplattenseiten! Ich hätte nicht gedacht, dass darauf bereits die ganzen Hits der Band versammelt sind:

  • Welcome to the Pleasuredome
  • Relax (Come Fighting)
  • Two Tribes (For the Victims of Ravishment)
  • The Power of Love

Die erste veröffentlichte Single der Band aus Liverpool war 1983 „Relax“:

Das Video ist ziemlich unweihnachtlich und mit nettem Ulk: am Ende geht Lemmy von Motörhead mit dem Mädel von der Bühne. Die Jungs der Band hätten wahrscheinlich eh wenig Interesse an ihr gehabt.

Wie der Fernsehmoderator am Anfang sagt, gab es ein offizielles Video zum Song, das u.a. der BBC zu pikant war. Es spielt in einer Schwulen-Bar, mit vielen Drag-Queens und in Leder gekleideten, schnauzbärtigen Männern. Kurz nach der Veröffentlichung verbannte die BBC das Lied von der Ausstrahlung, da Covergestaltung und Text zu homoerotisch waren für die Verantwortlichen. Jedoch war der Erfolg von „Relax“ so groß, dass es zum Ende des Jahres 1984 wieder auf dem Sender gespielt wurde.

Ich findet es interessant, wie aktuelle gesellschaftliche Themen in die Musik einfließen. Etwa, der Kampf für sexuelle Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. In Großbritannien wurde Homosexualität 1981 entkriminalisiert. In Deutschland war sie bis 1994 Gegenstand des Strafgesetzbuches.

Bei Stücken wie „Rage Hard“ oder „Two Tribes“ wendet sich die Band gegen Krieg und nuklearer Aufrüstung. Im Video zu „Two Tribes“ stehen die verfeindeten Blöcke des kalten Krieges symbolisch im Ring und kämpfen. Der Sprecher am Anfang ist der Originalsprecher einer britischen Aufklärungskampagne, die darüber informierte, wie man sich im Falle eines Angriffs mit Atomwaffen zu verhalten habe.

Wer mir bis heute überhaupt nichts sagte, ist Trevor Horn. Er war der Produzent und man kann sagen auch Entdecker von Frankie goes to Hollywood. Über ihn habe ich gelesen, dass er mit seiner Arbeit unheimlichen Einfluss auf die Musik der 80er gehabt haben muss. Er produzierte viele bekannte Künstlerinnen und Künstler.

Seit Matthias und ich eine Doku über die Produktion des schwarzen Albums von Metallica durch Bob Rock gesehen haben, glaube ich sofort, wie wichtig diese Rolle bei der Entstehung von Alben ist.

Musikalisch ist Frankie goes to Hollywood dem New Wave und Synth-Pop zuzuordnen, ähnlich wie New Order oder OMD. Ihre Stücke kommen teils bombastisch daher, mit starken Bässen und viel Synthesizer-Einsatz.

Die Band bestand von 1980 bis 1987. Gemeinsam haben sie nur 2 Studioalben veröffentlicht, plus einige Singles. Von ihren Stücken gibt es jedoch eine Vielzahl an Remixes.

1987 verließ Sänger Holly Johnson die Gruppe, die sich danach auflöste. Von 2004 bis 2007 kamen sie nochmals zusammen, jedoch ohne Johnson und Gitarrist Brian Nash.