KW 25 – Die Toten Hosen

Der Blog ist definitiv im Sommer-Modus. Soll heißen, es wird immer später am Wochenende, bis ich zum Schreiben komme. Statt vor dem Computer zu sitzen, verbringe ich lieber viel Zeit im Garten, wo jetzt alles kräftig wächst.

Für die Band der Woche hat Matthias wieder ein schönes Titelbild gemalt. Die Toten Hosen waren für ihn Mitte der 80er die wichtigste Band. Mir scheint, wir haben uns da ein wenig die Klinke in die Hand gegeben. Er fand die ersten beiden Alben total gut und auch noch „Hier kommt Alex“ von der 1988er Platte „Ein kleines bißchen Horrorshow“. Danach war es nicht mehr so seine Musik. Dagegen habe ich sie mit „Hier kommt Alex“ überhaupt erst wahrgenommen.

Die Hosen verbinde ich sehr mit der Schulzeit und dem Alltag als Jugendliche. Damit sind wir mitten in den 90er Jahren und bei den beiden Alben „Kauf Mich“ (1993) und „Opium fürs Volk“ (1996).

Auf Wikipedia habe ich eine ganz interessante Seite gefunden mit der Diskografie der Band, bei der zu jedem Album ein paar Anmerkungen stehen. Dass die Hosen so produktiv sind und bis November 2020 allein 17 Studioalben plus einige Live-Alben veröffentlicht haben, war mir so nicht bewusst. Beachtlich und schön finde ich, dass sie seit Beginn fast immer in der gleichen Besetzung gespielt haben.

Aus den alten Bravo-Tagen habe ich den Wettstreit zwischen den Toten Hosen und den Ärzten in Erinnerung. Ich vermute, das hat die Jugendzeitschrift ziemlich aufgebauscht. Zumindest war es damals durchaus ein Ding sich zu positionieren, ob man Hosen- oder Ärzte-Fan ist. Die beiden Bands waren für mich auch die erste Auseinandersetzung mit Punk: sowohl der Musik wie auch der Lebenseinstellung.

Wenn heute etwas von den Ärzten oder den Hosen im Radio läuft, schauen Matthias und ich uns gerne an und fragen, „Ist das noch Punk?“

Charly Hübner und Campino sinnieren über: 40 Jahre Tote Hosen. Super, oder?

Die Geschichte des Punk als Jugendkultur wird auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung beschrieben. Die musikalische und popkulturelle Geschichte des Punk gibt’s bei laut.de zum Nachlesen.

Ein interessantes Projekt war 2015 ein Live-Album der Band mit dem Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf „Entartete Musik – Willkommen in Deutschland“. Dabei wurden Stücke aufgeführt, die von den Nationalsozialisten verboten worden waren.

 

KW 24 – Spliff

Es ist Sonntagabend und ich sollte schleunigst noch etwas über die Band der Woche berichten: Spliff.

Also ohne Schnörkel:

Spliff war eine deutsche Rockband, die zwischen 1980 und 1985 bestand.

Die Musiker spielten vorher zusammen als Nina Hagen Band. Waren jedoch davor auch schon gemeinsam tätig als Politrock-Band Lokomotive Kreuzberg. Hier gibt’s eine ganz frühe Aufnahme der neu gegründeten Nina Hagen Band:

Nina Hagen und ihre Mutter Eva-Maria Hagen siedelten 1977 von Ost- nach West-Berlin über. Dies geschah nach ihrer öffentlichen Solidaritätsbekundung für den Lyriker und Liedermacher Wolf Biermann. Biermann war Lebensgefährte von Eva-Maria und wurde 1976 aus der DDR ausgebürgert.

Nach nur zwei gemeinsamen Alben trennten sich die Musiker von Hagen. Das zweite der beiden Alben spielten sie sogar getrennt von ihrer Sängerin ein. Wie passend, dass es „Unbehagen“ genannt wurde. Danach machten Sie unter dem Namen Spliff alleine weiter. Spliff ist übrigens ein anderer Ausdruck für Joint.

Auch wenn die Band nur relativ kurz existierte, hat sie doch ein paar zeitlose Hits geschrieben: Lieder wie „Deja vu“ vom 1982er Debüt-Album „85555“.

Der Text von Deja Vu ist düster und endzeitlich. Diese Bild von einem verlorenen Schiff auf hoher See ist so rätselhaft, als würde man nur einen Teil einer Geschichte erzählt bekommen.

Weniger rätselhaft ist die Story vom Lied „Carbonara“:

Ein Stück, das ich noch nicht kannte ist „Jerusalem“: ein wenig Rock, ein wenig Reggae:

Musikalisch fällt die Band in die Kategorie Deutsch-Rock mit elektronischen Anteilen. So gibt es zum Beispiel den Einsatz von Keyboard und elektronischem Schlagzeug. Wenn ich es recht verstanden habe, distanzierten sie sich von der Neuen Deutschen Welle (NDW), fallen aber zeitlich in die Anfänge dieser Musikrichtung. NDW kam in Deutschland etwa 1976 auf und ist eine Variante des Punk und New Wave.

KW 23 – The Smiths

Oh what a week! Ich bin so froh, dass nun Wochenende ist und ich etwas zur Ruhe komme. Die Woche war physisch wie psychisch anstrengend. Statt am Samstag dann im Garten die Füße hochzulegen, ging es da gerade weiter mit Arbeit: mähen, jäten, pflanzen, ernten.

Daher nehme ich mir heraus, die Band der Woche eher knapp zu behandeln: The Smiths.

Eine britische Band, die mir mal wieder nichts sagte, die aber von der Musikwelt als bedeutende Größe eingestuft wird. Sie bestand zwischen 1982 und 1987. Die vier Gründungsmitglieder waren Sänger Morrissey, Gitarrist Johnny Marr, Bassist Andy Rourke und Schlagzeuger Mike Joyce.

Über den Namen des Sängers bin ich tatsächlich schon öfter gestolpert. Er heißt mit vollem Namen eigentlich Steven Patrick Morrissey und wurde 1959 als Sohn irischer Einwanderer in einem Vorort von Manchester geboren.

The Smiths gelten als sowas wie die Wegbereiter des Indie-Rock. Ihre Texte sind oft ironisch bis sarkastisch, sehnsüchtig oder provozierend. Das gleichnamige Stück vom Album „Meat is Murder“ (1985) etwa wurde von der Vegetarier-Bewegung als Bekenntnis gefeiert. Morrissey selbst lebt vegetarisch bzw. vegan.

Im Stück „Panic“ (1986) kommt die Zeile vor „Burn down the disco. Hang the blessed DJ“. Angeblich eine Kritik an der Begebenheit, dass nach der Berichterstattung über die Reaktorkatastrophe von Chernobyl vom Radio-DJ ein belangloses Popmusik-Stück gespielt wurde. Ob sich die Szene so zugetragen hat, ist nicht klar. Brutal ist die Aufforderung dennoch.

So einflussreich die Smiths gewesen sein mögen, der Künstler Morrissey ist durchaus eine kontroverse Figur. Er steht im Verdacht, über die Jahre immer mehr in die rechte Ecke gerutscht zu sein. In der Süddeutschen vom März 2020 wird das letzten Album von ihm entsprechend skeptisch besprochen.

Den Kommentar zu den manchmal seltsamen Äußerungen ihres Sängers haben The Smiths in ihrem Klassiker von 1986 selbst gegeben: „Bigmouth strikes again“.

 

KW 22 – The Who

Als Fan von The Who würde sich mein alter Englischlehrer, Herr Keifer, sicher freuen über die Band der Woche.

Noch bis neulich wäre mir spontan kein Lied dieser Gruppe eingefallen. Doch siehe da, es gibt einige wohl bekannte Perlen. Zum Beispiel ihren ersten Hit aus dem Jahr 1965 vom gleichnamigen Album: „My Generation“.

Bei dem Live-Auftritt von 1967 sehen sie noch aus wie die Beatles. Tatsächlich wurden sie damals der Mod-Bewegung zugeordnet, die im später verfilmten The Who Album „Quadrophenia“ eine zentrale Rolle spielt. Pete Townshend zerstört am Ende des Videos von „My Generation“ seine Gitarre, was eine typische Aktion von ihm war. Laut Wikipedia hat er in seiner Karriere um die 3000 Gitarren zerstört. Der Hintergrund dazu sei laut Townshend die Idee der Autodestrukiven Kunst, wie er sie bei seinem Lehrer Gustav Metzger an der Kunstschule kennengelernt hatte.

The Who gründeten sich 1964 in England. Von den ursprünglichen Mitgliedern sind heute noch Sänger Roger Daltrey und Gitarrist Pete Townshend an Bord. Die Band ist – mit einigen Unterbrechungen – schon lange im Geschäft und hat viele Musikschaffende beeinflusst. Wieder so ein Fall, bei dem eine Woche viel zu kurz für eine gute Recherche ist.

Sie haben zum Beispiel mit dem später verfilmten Album „Tommy“ (1969) eine frühe Rockoper rausgebracht. Eine Inspiration für spätere Konzeptalben wie David Bowies „The Rise and Fall of Ziggy Stardust“. Ein bekanntes Stück aus Tommy is „Pinball Wizard“. Es erzählt die Geschichte eines exzellenten taubblinden Flipper-Spielers.

In dem Video vom Auftritt 1970 beim Isle Of Wight Festival ist noch die Original-Besetzung zu sehen mit Keith Moon am Schlagzeug. Moon wurde vom Rolling Stone Magazin auf einer Liste der 100 besten Drummer auf Platz 2 aufgeführt. Er war das Vorbild für die Schlagzeug spielende Figur „Animal“ in der Muppet Show. Laut Wikipedia soll er, zusammen mit The Who Bassist John Entwistle, überlegt haben, beim Band-Projekt von Jimmy Page mitzumachen. Er entschied sich aber dagegen und äußerte die Ansicht, das Ding würde abstürzen wie ein bleierner Zeppelin. Letztlich entstand daraus der Name der neuen Band: Led Zeppelin.

1978 kam das Album „Who are you“ raus. Moons Gesundheitszustand war zu diesem Zeitpunkt aufgrund seiner Alkoholsucht bereits schlecht und er starb noch im September 1978 an einer Überdosis Beruhigungsmittel. Das Lied „Who Are You“ ist ein richtiger Ohrwurm für mich in dieser Woche.

Auf die Gefahr hin, dass es wieder ein längerer Blog-Artikel wird, noch etwas zum Musikalischen: The Who sind beeinflusst von Rock’n’Roll und Blues à la James Brown oder Marvin Gaye. Den Blues hört man auch auf den ruhigeren Stücken ihres letzten Studio-Albums „The Endless Wire“ von 2006. Neben Daltrey singt auch Townshend bei einigen Stücken.

Ein insgesamt ungewöhnliches Stück, geschrieben und gesungen vom Bassisten John „the Ox“ Entwistle, muss hier aber unbedingt noch rein. Ist glaub ich eines meiner Lieblingsstücke von The Who: „Boris The Spider“.

KW 21 – Sweet

Es ist Sonntagabend und die Woche ist einfach so vorbei gerauscht. Der Urlaub die Woche zuvor war richtig erholsam, die anschließende Arbeitswoche umso heftiger. Jetzt am Wochenende war entsprechend wieder Erholung angesagt, wobei das nicht unbedingt Faulenzen sondern Gartenarbeit und Frühjahrsputz in der Laube bedeutete.

Lange Rede, kurzer Sinn: es war weder Zeit noch Muse um etwas zu Sweet, der Band der Woche, zu recherchieren.

Gelernt habe ich allerdings, dass sich die Band ab ihrem dritten Album „Desolation Boulevard“ (1974) vom „The“ im Bandnamen getrennt hat. In Gedanken ist es bei mir aber trotzdem immer dabei.

Sweet ist eine britische Band, die in den 70ern ihre großen Erfolge hatte. Musikalisch lassen sie sich im Glam Rock verorten. Mich erinnert ihre Musik an T-Rex, Slade oder Joan Jett. Die Original-Gruppe hat sich 1981 aufgelöst. Seither gab bzw. gibt es Nachfolgegruppen mit einzelnen Mitgliedern der Originalbesetzung.

Hier noch ein Lied, das ich am meisten mit The Sweet verbinde: Fox On The Run.

 

KW 20 – Pink Floyd

Endlich Urlaub! Endlich sind die Eisheiligen rum, was für mich als Hobby-Gärtnerin den Start der Pflanzzeit bedeutet, denn es sollten keine Fröste mehr kommen. Geburtstag hatte ich außerdem noch und der Mai ist einfach ein schöner Monat.

Passend dazu, gab es diese Woche die entspannte Musik von Pink Floyd.

Was fällt mir ein zur Band?

Ein großer Name in der Musikgeschichte. Wobei ich mich fragte, was ist eigentlich ein Floyd? Also nachgeschaut: der Bandname bezieht sich auf die beiden Jazzmusiker Pink Anderson und Floyd Council.

Bei der SWR1 Hitparade sind Pink Floyd immer hoch platziert und vor allem mit vielen Titeln dabei. Ich hatte als erste Assoziation, dass sie lange ruhige Musikstücke machen. Sie gehören zu den Bands, von denen ich eher zufällig mal was im Radio höre. Ehrlich gesagt, kann ich mir auch kaum einzelne Stücke von ihnen merken. Als bekanntestes Lied kommt mir „Another Brick in The Wall“ in den Sinn.

Was macht denn jetzt ihren Ruhm und Status aus?

Zunächst ist Pink Floyd eine alte und lang bestehende Band. Gegründet 1965 in Cambridge, aufgelöst 2015. Ihre großen Erfolge hatten sie in den 70er Jahren mit den Alben „The Dark Side of The Moon“ (1973), „Wish You Were Here“ (1975) und dem Doppelalbum „The Wall“ (1979).

Pink Floyd im Kontext der Zeit

Es ist, glaube ich, wichtig, diese Band in ihrem zeitlichen und kulturellen Kontext zu sehen. Da freut sich die Kulturwissenschaftlerin. Auch wenn ich in dieser Woche bei der Recherche nur oberflächlich schauen konnte und auch hier im Blogeintrag alles nur streifen kann. Ich fand an der Beschäftigung mit Pink Floyd interessant, was damals parallel in der Gesellschaft passierte. Da gibt es etwa den Vietnamkrieg (1955 bis 1975), die Hippie-Bewegung und Friedensbewegung als Reaktion darauf, die Verbreitung von LSD und das Verbot u.a. dieser psychoaktiven Droge 1971 durch eine US-Konvention.

Doch zurück zur Musik. Die Alben waren zum Beispiel wirklich Alben, nämlich Schallplatten-Alben, die viel Platz zur Gestaltung boten. „The Wall“ war bzw. ist ein Doppel-Album mit zwei LPs, also vier Seiten. Wer sich heute ein Pink Floyd Stück z.B. auf Spotify anhört, hat nur die Musik. Alles Visuelle und Haptische des Gesamtkunstwerks fehlt.

Stichwort „Konzeptalbum“

Konzeptalben sind etwas, wofür Pink Floyd bekannt sind. Das bedeutet, die einzelnen Titel stehen nicht für sich allein sondern beziehen sich aufeinander und gehören mit textlichem Inhalt und der Gestaltung drumherum zu einem großen Ganzen.

So kommt es, dass etwa kaum eine Pause zwischen den Stücken gemacht wird und diese nahtlos in einander übergehen.

„Animals“ (1977) ist ein Konzeptalbum, das sich auf  George Orwells‘ „Animal Farm“ bezieht. 2017 gab es eine Ausstellung zu Pink Floyd in London. Die BBC machte dafür Werbung und erzählt dazu eine skurrile Geschichte zur Entstehung des Album-Covers von „Animals“:

Das Debütalbum „The Piper At The Gates of Dawn“ (1967) wird laut Wikipedia noch nicht als Konzeptalbum gesehen, hat aber ebenso eine verbindende Idee. Der Titel stammt vom Kinderbuch-Klassiker „Der Wind in den Weiden“.

Beim Anhören fühlte ich mich an die Beatles erinnert. Tatsächlich wurde das Album zur selben Zeit aufgenommen wie das Beatles Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“. Zur Mitte hin werden die Klänge jedoch immer abgefahrener, psychedelischer. Es klingt nach einem LSD-Trip. Für nüchterne Ohren kann das anstrengend sein.

Oh, what a Show!

Passend zur vor sich hin wabernden Musik wurden bei Live-Auftritten bunte Lightshows gezeigt. Ein Show-Effekt, der wohl in den USA zu der Zeit schon oft genutzt wurde, in Europa aber erst aufkam.

Später wurden die Shows immer größer und phantastische, was den Begriff „Rockoper“ sicher rechtfertigt. Das Album „The Wall“ wurde 1982 sogar mit Bob Geldof in der Hauptrolle verfilmt.

Musiker & Musikalische Phasen

Neben dem Debütalbum haben Matthias und ich uns „Ummagumma“ (1969) angehört. Definitiv auch ein Album der psychedelischen Phase. Laut Wikipedia kamen danach die Programmatische, die Klassische, die Intellektuelle und die Post-Waters Phase.

Die musikalische Entwicklung der Band hing eng mit ihren Mitgliedern zusammen. Die ursprüngliche Besetzung von Pink Floyd bestand aus Syd Barrett (Gitarre, Gesang), Roger Waters (Bass, Gesang), Richard Wright (Keyboard, Gesang) und Nick Mason (Schlagzeug).

Tragischerweise musste sich die Band 1968 von Syd Barrett trennen, dem Mastermind hinter dem Debütalbum und dem Namensgeber von Pink Floyd. Aufgrund psychischer Probleme und exzessivem Drogenkonsum war er nicht mehr in der Lage seinen Posten zu halten. Das Stück „Shine On You Crazy Diamond“ (1975) ist eine Hommage an ihn. Als Ersatz für Barrett kam David Gilmore zur Band.

Mein Pink Floyd

Jetzt ist das schon ein langer Beitrag geworden mit viel Hintergrundinfos. Daher nochmal zurück zur Musik. Mein ganz persönliches Lieblingsalbum der Band ist „The Division Bell“ (1994).

Der Name wurde übrigens von Fantasy-Autor Douglas Adams vorgeschlagen.

Auch den eigenen Musikgeschmack kann Frau ja durchaus im zeitlichen Kontext betrachten. Das Album wurde von den Kritiken als schlecht und ideenlos bewertet. Aber mir ist herzlich egal, wie es sich in das Portfolio der Band einfügt. Es klingt für mich so aus einem Guss und so atmosphärisch, wie zwei Metal-Platten aus dem selben Jahr, die mich bis heute begleiten: „Wildhoney“ von Tiamat und „Tales From The Thousand Lakes“ von Amorphis. Bei allen drei Alben kann ich mich zurücklehnen und entspannen, da bin ich daheim angekommen.

 

 

KW 19 – Pulp

Der Soundtrack dieser Woche kam von der Band Pulp. Was bei mir das Gefühl hervorrief, die 90er sind zurück! Ich bin wieder in der Schule und Ray Cokes moderiert mit herrlich britischem Akzent die Sendung Most Wanted beim Musiksender MTV. Das war schön, da hat auch meine Mutter mitgeschaut, weil Ray so lustig war.

Für meine populär-musikalische Bildung waren MTV und Viva damals mindestens so wichtig wie die Zeitschrift Metal Hammer für den Hard ’n‘ Heavy Bereich. Das angesagte neue Ding damals war Britpop.

Neben Pulp gehörten zu diesem Genre zum Beispiel Oasis, Blur, The Verve oder Suede.

Das Video zu „Common People“ fängt die Faszination rund um Pulp ganz gut ein: diese blassen Typen in ihren stylischen Anzügen, diese ernsten Gesten. Es ist Popmusik, es ist Rockmusik und es hat Klasse.

Die Lieder, die mir am meisten im Ohr geblieben sind, finden sich alle auf dem Album „Different Class“: Common People, Disco 2000 und I Spy.

So ein Great Britain Feeling wie bei dieser Musik kommt sonst nur auf, wenn die ARD-Korrespondentin Annette Dittert im bunten Outfit aus London berichtet. Sie hat übrigens einen Blog mit netten kleinen Berichten auf ihrer Website.

Vielleicht hing es ja mit dem Britpop zusammen, dass London bei uns in den 90ern so angesagt war. Die Klassenfahrt in der Oberstufe führte jedenfalls dorthin. Das Essen war schrecklich, wir haben uns gestritten, haben am Camden Market Trödel gekauft und in Soho Rum-Cola getrunken.

Pulp wurde 1978 in Sheffield als Schülerband von Jarvis Cocker und Peter Dalton gegründet. Das Album „Different Class“ (1995) war ihr größter Erfolg. 2001 brachten sie ihr letztes Studioalbum heraus. Nach längerer Pause gingen sie 2012 nochmals auf Tour. Das Abschlusskonzert in Sheffield wurde in den 2014er Dokumentarfilm „Pulp: A Film About Life, Death and Supermarkets“ aufgenommen.

Das Album „This is Hardcore“ (1998) ist düsterer, trauriger. Wobei ich die Lieder von Pulp allgemein nicht als besonders fröhlich finde. Von diesem Album stammt das Lied „Little Soul“:

KW 18 – The Cure

Heute bin ich etwas verpennt beim Schreiben, denn die Arbeitswoche war anstrengend. Zudem gab’s für mich nicht nur musikalisch The Cure (die Heilung), sondern auch physisch in Form der ersten Corona-Impfung.

Zur Einstimmung hier mit „Catch“ ein leichtes Liedchen bei schönem Wetter vom 1987er Album „Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me“.

Was ich mit der Band The Cure verbinde, ist ein satter Klangteppich, der sich scheinbar ins Endlose ausbreitet. Meist eher düstere, melancholische Stimmung, die aber auch überdreht und bunt daherkommen kann. Unverkennbar ist die markante Stimme von Sänger Robert Smith, dazu die toupierten Haare und das Make-up.

Mir gefällt das Stück „Burn“ vom 1994er Soundtrack vom Film „The Crow“. Ein sehr leidenschaftliches Lied, bei dem von Verlust und Schmerz gesungen wird. Beim Kruschteln auf YouTube habe ich eine Coverversion von sehr jungen MusikerInnen gefunden, die erstaunlich gut funktioniert:

Zum Vergleich hier das Original mit einer Live-Version vom Glastonbury Festival 2019:

Eine Einordnung in ein bestimmtes Musikgenre mögen sie wohl nicht so gern. Als Stichwörter könnte man fallen lassen: Post-Punk, Dark Wave, Gothic. The Cure haben selbst jedenfalls viel zur Entwicklung von Gothic Rock beigetragen.

Zu den Hits der Band zählen die eher poppigen Stücke wie „The Lovecats“, das gruselige „Lullaby“ (…Spiderman is having me for dinner tonight) oder „Close To Me“. Das ausgelassene „Friday I’m In Love“ (1992) können Sie mittlerweile wahrscheinlich selbst nicht mehr hören, aber gut ist es doch:

Die Band gibt es schon ganz schön lange. 1979 kam ihr Debüt „Three Imaginary Boys“ raus. Gegründet haben sie sich 1976 im südenglischen Ort Crawley unter dem Namen „Malice“. Bis der endgültige Name und das Lineup auf dem Debütalbum gefunden war, dauerte es etwas. Die Geschichte zum Bandnamen und zur ursprünglichen Besetzung erzählt ein Artikel im Rolling Stone Magazin.

Durch die Jahrzehnte haben sich The Cure viel Ruhm und Ehre erspielt. 2019 wurden sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Bezeichnender für Ihren Status ist vielleicht, dass Robert Smith von The Cure einst South Park vor Barbara Streisand rettete und Kyle meinte: „Disintegration ist das beste Album aller Zeiten.“

 

KW 17 – Rodgau Monotones

Die neue Woche im #52Bands-Projekt brachte ein krasses Kontrastprogramm zu den düsteren Klängen der Vorwoche. Spaßigen Rock ’n‘ Roll aus Hessen!

Ein Auftritt der Rodgau Monotones war Matthias‘ erstes Konzert – ein prägendes Erlebnis. Die Lieder der Band hat er aktiv mit in die Beziehung gebracht. Da kommt auch im Schwabenländle fröhliches Hessen-Feeling auf.

Viele der Texte sind mir inzwischen so bekannt, dass ich mitsingen bzw. mitsprechen könnte. So etwa bei „Die Hesse komme“:

„Was machst’n mit meim Plattenspieler?“

„Kaputt!“

„Drecksack!“

Der Hit aus dem Jahr 1984, der ihnen bundesweite Aufmerksamkeit bescherte. Hier im TV-Vollplayback, angekündigt von Thomas Gottschalk:

Bemerkenswert ist, dass im Lied ganz früher deutscher bzw. hessischer Rap zu hören ist: bei 2:42 Min geht’s los, zum Glück mit Untertitel.

Der andere Monotones-Hit auf dem Weg zu mehr Bekanntheit, ist „Ei gude wie“ (1982). Darin wird die unangenehme Situation beschrieben, jemand zu treffen, den man gar nicht treffen wollte und der sich daraus ergebende Smalltalk:

Die Rodgau Monotones sind sowas wie eine schräge Mischung aus ZZ Top Musik mit Badesalz-Texten. Das kommt nicht von ungefähr, denn klassischer Rock à la ZZ Top oder Queen waren 1977 bei Gründung der Band die ersten Einflüsse. Das Badesalz-Feeling kommt von der Begebenheit, dass Henni Nachtsheim, ein Teil des Comedy-Duos Badesalz, bis 1990 einer der Sänger und Saxophonist der Monotones war.

Sein Badesalz-Partner Gerd Knebel war 1979 bis 1988 Sänger der hessischen Comedy-Rock Band „Flatsch!“. Auch die seien an dieser Stelle mit einem Video gewürdigt:

Nachtsheim stieg 1990 aus, um sich ganz der Comedy zu widmen und wurde 1991 durch die Sängerin Kerstin Pfau ersetzt. Wie in der Bandgeschichte beschrieben, passt sie musikalisch super zur Truppe, kommt aus dem Rodgau und kommt auch mit dem eigenen Humor der Band klar.

Ein Stück, das ich bis zu dieser Woche noch nicht kannte und ihre Präsenz als Sängerin gut zeigt, ist „Ein frauenfeinliches AC/DC Stück“. Bis es losgeht wird viel gebabbelt, so sind die Hessen eben. Lied geht los bei 3:15 Min:

Es gäbe noch viele Lieder, die ich hier verlinken könnte. Die Rodgau Monotones sind immer eine sichere Bank. Auch die aktuellste Platte „Genial“ von 2015 ist hörenswert! Wenn ich die Live-Auftritte sehe, bekomme ich vor allem Lust auf ein Konzert zu gehen.

 

KW 16 – Black Sabbath

Die neue Kalenderwoche brachte ein musikalisches Schwergewicht mit sich, um nicht zu sagen: Heavy Metal. Matthias hat sie in seiner Zeichnung sogar als Godfathers of Heavy Metal bezeichnet. Momentan habe ich noch ein Puzzle voller Assoziationen im Kopf und hoffe, sie in diesem Beitrag irgendwie zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Es wird wohl ein längerer Artikel…

Meine ersten Ideen zur Band waren die Stücke „Paranoid“ und „Planet Caravan“ sowie Sänger Ozzy Osborne. Wir haben diese Woche eine in vier Videos aufgeteilte Band-Biographie auf Youtube angeschaut, in der einige spannende Aspekte angesprochen werden.

So kommt die Band aus den englischen Midlands, aus Birmingham. Die vier Gründungsmitglieder Ozzy Osborne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward kennen sich seit Schulzeiten. Zusammen spielten sie in der Polka Talk Blues Band, die sich später Earth nannte. Sie kamen alle aus der Arbeiterklasse, v.a. Ozzy aus sehr armen Verhältnissen. Die Musik war ein Ausweg und eine Alternative zur Arbeit in der Fabrik.

In Birmingham war das zu der Zeit wohl für viele junge Musiker ein rettender Strohhalm. Der Wikipedia-Eintrag zur Kultur Birminghams berichtet davon, wie sich in den 1960er Jahren der Heavy Metal entwickelte. Es gab bzw. gibt auch eine Ausstellung zu diesem Aspekt der Stadtgeschichte, in der Black Sabbath eine große Rolle spielten.

Beinahe wäre es nicht zu weiteren Schritten in der Bandgeschichte gekommen. Gitarrist Toni Iommi verlor bei der Arbeit in einer Fabrik an einer Presse zwei Fingerkuppen. Doch er improvisierte mit künstlichen Fingerkuppen aus Flaschendeckeln um weiter Gitarre spielen zu können.

In dem Video zur Geschichte des Liedes „Planet Caravan“ wird berichtet, wie der Manager der Firma ihm nach dem Unfall eine Platte brachte, auf der der Jazz-Gitarrist Django Reinhardt zu hören war. Dieser hatte ebenfalls Finger verloren und glich den Nachteil durch eine besondere Spieltechnik aus.

So kam es, dass der Klang von Black Sabbath unter anderem durch Iommis Handicap beeinflusst war und er zum Beispiel dünnere Saiten für die Gitarre benutzte. „Planet Caravan“ ist ein ruhiges und ungewöhnliches Stück für die Band. Mir hat es sich in der Version von Pantera eingeprägt, bevor ich das Original kannte.

Der langsame, düstere Stil von Black Sabbath prägten ein ganzes Musik Genre: Heavy Metal und die getragenere Version davon, Doom Metal.

Da es eine gleichnamige Band namens Earth schon gab, benannten sie sich um und hatten die Idee, Musik zum Gruseln zu machen. Es gibt das Lied „Black Sabbath“ auf dem 1970er Debüt-Album „Black Sabbath“ (von der Band Black Sabbath…), welches durch einen gleichnamigen Horrorfilm inspiriert war. Verstärkt durch die Promotion der Plattenfirma entwickelte sich ein Image von Satanismus, was aber von der Band nicht bestätigt oder gewollt war. Tatsächlich mussten sie sich regelmäßig vor Drohungen oder Angriffen schützen.

Bei der Beschäftigung mit der Band bin ich auf so viel Kontext gestoßen, der wichtig ist, um das Phänomen Black Sabbath zu begreifen. Warum sie diesen Stellenwert erlangt haben und welchen Einfluss sie auf andere Musikerinnen und Muskier hatten. Sie sind zum Beispiel Kinder ihrer Zeit, ihrer Herkunft. Als sie begannen, gab es Flower Power und Hippies. Ein Lied wie „War Pigs“ (1970) ist beeinflusst durch den damals laufenden Vietnam-Krieg.

Black Sabbath wurden immer erfolgreicher, brachten Alben heraus und gingen auf Tourneen. Geld kam herein, wurde großteils von Managern oder Plattenfirmen aber auch wieder abgezockt.

Ein leidiger Aspekt der Zeit waren Drogen. Es gab Drogen im Überfluss. 1979 war Ozzy Osborne am Ende und musste die Band verlassen. Er hatte Glück, denn Sharon Levy, die Tochter seines damaligen Managers Don Arden, glaubte an ihn. Er schaffte es, sich wieder aufzurappeln und eine Solo-Karriere zu starten. Sharon wurde später seine Frau.

Sie war es auch, die den neuen Sänger von Black Sabbath ins Spiel brachte. Den damals mit den Bands „Elf“ und „Rainbow“ schon erfolgreichen amerikanischen Sänger Ronnie James Dio.

Während Ozzy nüchtern wie unter Drogen immer etwas tapsig oder gar tatterig und krumm wirkt, kommt Dio wie ein Löwe daher. Stolz und theatralisch und wie ich finde, auch beeindruckend stimmgewaltig. Was schon wieder drollig ist, da er eine schmale Statur von 1,63m hatte, also nicht größer war als ich.

Da ich mir nicht sicher bin, ob Dio oder Rainbow später nochmal in meiner Box mit Bands der Woche vorkommen, an dieser Stelle eine kleine Lobhudelei auf ihn. Er ist eine bedeutende Persönlichkeit im Heavy Metal und hat so viele Bands beeinflusst. Die Legende sagt, dass die Handgeste der Teufelshörner, die Mano Cornuta, von ihm im Heavy Metal eingeführt wurde. Ozzy und Sabbath mögen der Klassiker sein, aber mir gefallen sie musikalisch mit Dio besser.

Das Album „Heaven and Hell“ (1980) war das erste, was sie mit Ronnie James Dio zusammen aufgenommen haben.

In der langen Bandgeschichte folgten viele Besetzungswechsel. Bei Wikipedia gibt es ein Diagramm, wer wann dabei war. Teilweise war von der ursprünglichen Besetzung nur noch Tony Iommi übrig, zeitweise kam sogar Ozzy zurück.

2007 und 2009 formierten die Black Sabbath Musiker mit Dio eine Band namens „Heaven and Hell“ und traten damit u.a. beim Wacken Festival auf. Das Stück mit dem gleichnamigen Titel „Heaven and Hell“ ist gerade mein Ohrwurm.

Einer der Übergangssänger war Ian Gillan, bekannt von Deep Purple. Auch hier wieder Kontext: Gitarrist Ritchie Blackmore, mit dem Dio bei Rainbow gespielt hat, war Gründungsmitglied bei Deep Purple.

Ein schönes Fundstück auf Youtube: Black Sabbath, mit Ian Gillan als Sänger, spielen das Deep Purple Stück „Smoke On The Water„.

Nach vielen Alben, Touren und Besetzungswechseln haben sich Black Sabbath 2017 aufgelöst. Am 4. Februar gaben sie in Birmingham ihr grandioses letztes Konzert. Die Doku dazu gibt’s noch bis 26.7.2021 in der ZDF-Mediathek.