Schon sind wir im Dezember. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Heute ist der 2. Advent, da will ich es besinnlich angehen. Das ist erstaunlich leicht, denn obwohl die Band der Woche dieses brachiale Monster Rammstein ist, gibt es eine ganz zarte Coverversion ihres Hits „Engel“. Diesen hat Annett Louisan auf ihr 2016er Album „Berlin – Kapstadt – Prag“ gepackt:

Ist das nicht schön? Engel quasi von einem Engel gesungen, fast schon kitschig. In Sachen ungewöhnlich, ruhig und schön ist aber sicher das reine Instrumental-Album „Rammstein – XXI Klavier“ auf Platz 1.

Von Rammstein besitze ich einzig und schon seit Jugendzeiten eine Bootleg CD mit Live-Aufnahmen vom Bizarre Festival ’96 und live bzw. Demo-Versionen von 1994. Neben „Engel“ ist da u.a. drauf: „Seemann“, „Du riechst so gut“, „Laichzeit“ oder „Wilder Wein“.

Die neueren Stücke musste ich mir jetzt erst zu Gemüte führen. Heute füllen Rammstein riesige Stadien mit einer mega Pyro-Show. Für die Feuershow und mit ihren Liedern sind sie inzwischen weltweit berühmt. Sie sind wirklich ein Exportschlager aus Deutschland. Ich erinnere mich an einen irischen Freund, der mir fehlerfrei den Liedtext von „Du hast“ aufsagen konnte.

Für mich war ihre Musik damals einfach eine laute, polternde Ergänzung zu den Hardrock und Heavy Metal Bands, die ich eh gehört habe. Besonders an ihnen war und ist natürlich, dass sie deutsche Texte singen.

Wo wir vorhin bei einer tollen Frauenstimme waren, darf hier gleich noch eine glänzen. Nina Hagen mit einer Cover-Version des Liedes „Seemann“, zusammen mit den Cellisten von Apocalyptica:

Nina ist schon eine Erscheinung und dazu das rollende „R“! Im Wikipedia-Artikel zu Rammstein stand, dass dieses auch von Till Lindemann gesungene rollende „R“ nicht absichtlich von ihm so betont wird um besonders deutsch zu klingen. Es sei vielmehr eine natürlich entstehende Gesangstechnik bei tieferen Stimmlagen. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Mit ihren ersten Erfolgen und zuletzt mit dem Teaser-Video zum Lied „Deutschland“ von 2019 kam die Band immer wieder in den Verdacht, rechts zu sein. Dies weisen sie stark von sich, u.a. mit dem Lied „Links 234“, mit dem die Herren doch jetzt auch selbst zu Wort kommen dürfen:

Die Aufnahme ist vom „Rammstein: Paris“ Videoalbum von 2017.

Das ganze Konzert wurde vor einiger Zeit im Fernsehen gezeigt. Wir haben es fast ganz gesehen, waren einerseits fasziniert, amüsiert und ein wenig in Schockstarre. Die Show ist auf jeden Fall perfekt inszeniert. Das muss sie allein deshalb schon sein damit sich niemand durch das viele Feuer verletzt. Die Band sah schon zu Beginn ziemlich verschmiert und mitgenommen aus, was zum Image gehört.

Das Schockprogramm bedient sich aus dem breiten Repertoire der sexuellen Spielweisen und Gewaltfantasien. Die Musik ist vom Aufbau eher einfach und vielleicht deshalb so dumpf mitreißend. Wie auch bei Marilyn Manson sind Rammstein erfolgreich durch ihre Provokation. Sie macht sie beliebt bei den Fans, denn es ist die ideale Musik um die Eltern aufzuregen.

Wenn es um die Texte geht, finde ich sie dagegen künstlerisch tatsächlich interessant. Bei der Recherche habe ich erfahren, dass die Texte erst nach der Musik zu den Stücken dazukommen. Ein brutales instrumentelles Stück wird insofern einen passenden Text bekommen. Meine Vermutung wäre gewesen, dass es andersherum ist und der Text zuerst da. Spannend ist auch, wie mehrdeutig die Texte in der Regel sind und dass dies ein Merkmal vieler DDR-Bands war. Geradezu eine Anforderung um mit kritischeren Themen durch die Zensur zu kommen.

Bei der Auswahl der Beispielmusik wird das hier ein Frauen-Artikel, es ist jetzt einfach so.

Hier ein Stück, dass mich überrascht hat, denn die Kombination von Künstlern hätte ich nicht erwartet: Zaz und Till Lindemann mit „Le jardin des larmes“ vom 2021er Zaz Album „Isa“.

Die Stimmen ergänzen sich harmonisch und stehen im Kontrast zur gewalttätigen, uneindeutigen, Geschichte im Video.

Da ich im Vorfeld auf diese drei Frauen im Rammstein-Kontext gestoßen bin, hat mich eine 2021er Interview-Aussage vom Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz gefreut. Er geht darauf ein, dass es noch viel zu wenige weibliche Bands und Künstlerinnen im Popgeschäft und den Chefetagen gäbe. Frauen müssten grundsätzlich das doppelte Gehalt bekommen um die ganze Ungerechtigkeit auszugleichen.

But, this is a man’s world. Dazu eine oft recht amerikanisch geprägte Welt.

Aus Gründen daher hier noch mein Ohrwurm der Woche: „Amerika“ (2004) vom Album „Reise Reise“.

 

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