Die Sonne macht sich rar und der November seinem Ruf als Nebelmonat alle Ehre. Eigentlich stehen alle Zeichen auf Winterschlaf. Was das 52-Bands Projekt betrifft, ist bei mir ein wenig die Luft raus. Dennoch will ich mal schauen, was es über die aktuelle Band der Woche zu berichten gibt: Frankie goes to Hollywood.

Hier ist das Video zu „The Power of Love“ vom 1984er Debütalbum „Welcome to the Pleasuredome“.

Ist das nicht schön und wohltuend versöhnlich in diesen Zeiten? Vom Text her ist es einfach ein Liebeslied, doch das Video erzählt die Weihnachtsgeschichte.

Das Debüt „Welcome to the Pleasuredome“ wurde ursprünglich als Vinyl-Doppelalbum veröffentlicht: also 4 Schallplattenseiten! Ich hätte nicht gedacht, dass darauf bereits die ganzen Hits der Band versammelt sind:

  • Welcome to the Pleasuredome
  • Relax (Come Fighting)
  • To Tribes (For the Victims of Ravishment)
  • The Power of Love

Die erste veröffentlichte Single der Band aus Liverpool war 1983 „Relax“:

Das Video ist ziemlich unweihnachtlich und mit nettem Ulk: am Ende geht Lemmy von Motörhead mit dem Mädel von der Bühne. Die Jungs der Band hätten wahrscheinlich eh wenig Interesse an ihr gehabt.

Wie der Fernsehmoderator am Anfang sagt, gab es ein offizielles Video zum Song, das u.a. der BBC zu pikant war. Es spielt in einer Schwulen-Bar, mit vielen Drag-Queens und in Leder gekleideten, schnauzbärtigen Männern. Kurz nach der Veröffentlichung verbannte die BBC das Lied von der Ausstrahlung, da Covergestaltung und Text zu homoerotisch waren für die Verantwortlichen. Jedoch war der Erfolg von „Relax“ so groß, dass es zum Ende des Jahres 1984 wieder auf dem Sender gespielt wurde.

Ich findet es interessant, wie aktuelle gesellschaftliche Themen in die Musik einfließen. Etwa, der Kampf für sexuelle Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. In Großbritannien wurde Homosexualität 1981 entkriminalisiert. In Deutschland war sie bis 1994 Gegenstand des Strafgesetzbuches.

Bei Stücken wie „Rage Hard“ oder „Two Tribes“ wendet sich die Band gegen Krieg und nuklearer Aufrüstung. Im Video zu „Two Tribes“ stehen die verfeindeten Blöcke des kalten Krieges symbolisch im Ring und kämpfen. Der Sprecher am Anfang ist der Originalsprecher einer britischen Aufklärungskampagne, die darüber informierte, wie man sich im Falle eines Angriffs mit Atomwaffen zu verhalten habe.

Wer mir bis heute überhaupt nichts sagte, ist Trevor Horn. Er war der Produzent und man kann sagen auch Entdecker von Frankie goes to Hollywood. Über ihn habe ich gelesen, dass er mit seiner Arbeit unheimlichen Einfluss auf die Musik der 80er gehabt haben muss. Er produzierte viele bekannte Künstlerinnen und Künstler.

Seit Matthias und ich eine Doku über die Produktion des schwarzen Albums von Metallica durch Bob Rock gesehen haben, glaube ich sofort, wie wichtig diese Rolle bei der Entstehung von Alben ist.

Musikalisch ist Frankie goes to Hollywood dem New Wave und Synth-Pop zuzuordnen, ähnlich wie New Order oder OMD. Ihre Stücke kommen teils bombastisch daher, mit starken Bässen und viel Synthesizer-Einsatz.

Die Band bestand von 1980 bis 1987. Gemeinsam haben sie nur 2 Studioalben veröffentlicht, plus einige Singles. Von ihren Stücken gibt es jedoch eine Vielzahl an Remixes.

1987 verließ Sänger Holly Johnson die Gruppe, die sich danach auflöste. Von 2004 bis 2007 kamen sie nochmals zusammen, jedoch ohne Johnson und Gitarrist Brian Nash.

 

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