Gebrauchskeramik, Figuren, Schmuck
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Töpferscheibe im Teeladen Gotha

Töpferscheibe im Teeladen Gotha

Am ersten März hab ich zum ersten Mal eine Schautöpfer-Vorführung gemacht. Und freu mich nun, wie gut das alles geklappt hat. Es gab weder völlig krumm gedrehten Tassen noch herumfliegendem Tonschlicker. Dafür eine ganze Reihe kleiner Formen, die so an der Scheiben entstanden sind, ein paar Ziegen und Hasenfiguren.  Am Ende saßen sie alle artig in meinem Regal.

Anlass des Events war die Eröffnung eines neuen Tee-Geschäftes in Gotha: die “Tee Truhe” von Stephanie Schwich hatte ihren ersten Tag in der Jüdenstraße 3.

Der Laden ist schön hell, mit großer Schaufensterfront, natürlich ganz vielen Teesorten, Tassen, Kannen und liebevoll präsentierten Geschenkideen im Sortiment. Dazwischen saß ich an diesem Tag an der Töpferscheibe, mit einem  Regal für die neu produzierten Dinge.

Gotha Tassen im Teeladen

Gotha Tassen

Stetig kamen neue Leute ins Geschäft oder schauten neugierig von draußen am Fenster, was da drinnen gerade entstand. Neben meinem Arbeitsgerät hatte ich auch einige fertige Waren dabei, die es nun hier zu kaufen gibt.  Ganz speziell für die “Tee Truhe” hatte ich zudem eine Tassenserie mit dem Schriftzug der Stadt entworfen.

Das Geschäft gibt es auch unter dem Namen “Teeträume” in Bad Langensalza, am Neumarkt 9. Auch dort finden sich seit kurzem einige Waren aus der Keramikwerkstatt: Tassen mit dem Stadtlogo in beige, türkis und rot.

Bad Langensalza Tasse

Bad Langensalza Tasse

 

ohrringe ungebrannt

Ohrringe sind ganz schön kleine Teilchen. Das ist die aktuelle Erkenntnis aus dem Projekt: Natali fertigt Ohrringe aus Keramik. Hier liegen nun ein paar der Probeexemplare zum Trocknen. Nächste Woche stehen wieder Schrüh- und Glasurbrände an, dann gibt’s bald erste Ergebnisse.

Bin schon sehr gespannt. Auch darauf, wie es klappen wird, die Metallanhänger daran zu frickeln.

Keramikfiguren am Fenster

Die Werkstattgeister schlackern auch schon mit den Ohren, vor so viel Frost. Der Winter ist jedenfalls nicht meine Jahreszeit. Auch wenn die Flockenherde wunderschön ist, wie sie lautlos vom Himmel sinkt und sie den Krähenschwarm, der noch vor Kurzem lautstark in den Bäumen gegenüber hauste, deutlich gedämpft hat.

Diese Woche hat mich eine fiese Grippe erwischt, wodurch die Keramikarbeit erstmal ruhen musste. Kräutertee und Harry Potter (fast schon Fachliteratur als Töpferin…) standen statt dessen auf dem Stundenplan. Doch ich rappel mich langsam wieder hoch, schließlich warten einige Aufträge auf Erledigung. Außerdem hab ich eine neue Idee in Sachen Schmuck, an der ich tüftle: Ohrringe.

The woods are lovely, dark, and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,

… ganz im Sinne Frosts eben.

The Simple Things Magazin, Januar 2013

Neu am Kiosk: in Ausgabe 2/2013 des “The Simple Things” Magazin ist ein Beitrag über meine Töpferaktivitäten enthalten.  Im Artikel werden sechs Frauen vorgestellt, die in unterschiedlichen kunsthandwerklichen Bereichen arbeiten. Neben mir noch zwei weitere Keramikerinnen, eine Seifenmacherin, eine Kerzengießerin und eine Herstellerin von Glas-Schmuckstücken.

Das Magazin widmet sich den kleinen, schönen Dingen des Lebens. Etwa gutem Essen, einem hübsch gestalteten Zuhause oder der Zeit, die wir mit Familie und Freunden verbringen. Alles verpackt,  in eine ansprechende Optik, mit vielen Tipps zum Selbermachen. Ein Heft, für kuschelige Stunden auf dem Sofa, in der Art eines Coffee Table Bock: viel für’s Auge und mit Inhalten, die niemandem weh tun.

In sich sehr stimmig, wenn auch für meinen Lektüre-Geschmack zu sehr in Watte gepackt.  Zu sehr schwedisches Möbelhaus, zu wenig Oya. Als könnten wir alle ein besseres Leben haben, wenn wir nur ein paar kleine Dinge änderten, ganz ohne Abstriche machen zu müssen, ohne Unbequemlichkeit.

Aber ich glaube, bei der DaWanda-Kundschaft, zu der ich ja selbst auch gehöre, trifft es auf jeden Fall einen Nerv. Es bedient die Sehnsucht nach einem anderen, einem entschleunigten Leben. In dem die Dinge wieder Seele haben und Qualität. Es spricht mich an und doch fehlt mir noch ein Gewürz um wirklich richtig gut zu schmecken.

Set mit Linolschnittbesteck, fertigem Logo-Stempel und Stempelkissen

Das kleine Keramik-Imperium soll wachsen und gedeihen, also dachte sich Natali: ein Stempel muss her. Gehört schließlich irgendwie dazu. Sowas kann frau doch sicher selbst herstellen …

Ein Erfahrungsbericht

Vergraben in der Bastelkiste war da dieses lang schon auf einen Einsatz wartende Linolschnitt-Besteck. Das sollte mein Werkzeug sein. Als Material für den Stempel hab ich einen Radiergummi besorgt. Stempelkissen war schon vorhanden in der Schreibtischschublade.

Und weil frau aus Fehlern bekanntlich am besten lernt, hab ich zunächst schön mein Logo mit der abstrahierten Katze auf den Radiergummi gezeichnet. Genau so, wie es aussehen sollte. Anschließend mit Klinge und Geißfuß – so nennt sich das Messer mit der v-förmigen Schneide – eine Gummischicht rund um mein Motiv abgetragen. Erkenntnis dabei: das Motiv am besten mit einem etwas dickeren Stift aufmalen, denn die Linien sollen stehen bleiben. Sind sie zu dünn oder zu detailreich, ist schnell was mit dem Messer abgeschnitten und die ganze Mühe war umsonst.

Das alles ging schneller als gedacht, hat richtig Spaß gemacht und alle Finger sind auch noch dran. Allerdings, kleiner Wehrmutstropfen (oder eben Lerneffekt), ich hätte meine Katze natürlich spiegelverkehrt aufzeichnen müssen. So schaute sie mir vom Blatt als Stempelabdruck nun seitenverkehrt entgegen. Gut, das hab ich mir gemerkt! Wird sicher nicht der letzte Stempel sein, den ich mache.

Um einen Stempel mit Text zu erstellen, etwa mit einer Adresse, würde ich aber doch auf einen industriell gefertigten zurückgreifen. Recht günstig und unkompliziert geht das zum Beispiel mit einem Holzstempel per Online-Bestellung.

Beim Stöbern bin ich auf das Video von Ken Matsuzaki gestoßen, wie er Teeschalen dreht. Dabei fiel mir wieder ein, dass jemand mal meinte, in Japan würden die Töpferscheiben traditionell im Uhrzeigersinn laufen. Da ich es – aus Linkshänderbequemlichkeit – auch so handhabe, war es schön hier beim Zuschauen nicht umdenken zu müssen. Sonst versuche ich bei Vorführungen oder Lehrvideos gedanklich alles “auf links” zu drehen.

Fasziniert an dem Film hat mich der Einblick in die Werkstatt, die Art, wie die Töpferscheibe versenkt ist und ihre Einfassung auch gleichzeitig die Sitzmöglichkeit bildet. Dazu ist es eine wunderbar leise fußbetriebene Scheibe, die zu der ruhigen, meditativen Atmosphäre beiträgt.

Interessant fand ich auch die Kommentare zum Video auf Youtube. Darin ging es u.a. um die Frage, was Perfektion ist. Bei der Masse an ebenmäßiger Industrieware wird vielleicht gerade eine Schale zum Ziel der Töpferei, die aussieht, als sei sie aus der Natur entstanden. Dabei sind die Unregelmäßikeiten, die Matsuzakis Teegefäße aufweisen, keine Fehler sondern ganz bewusst gesetzt.

Die Meisterschaft macht sicher aus, dass er wohl in der Lage wäre, absolut makellose Dinge herzustellen.

 

 

Am 8. und 9. September machte das Waltershäuser Schloss Tenneberg einen Zeitsprung zurück ins Mittelalter. Da hüpft die Töpferin natürlich gerne mit. Zusammen mit meiner Werkstattnachbarin Anne hatte ich einen Stand im Schlosshof, mit Keramik und ihren Holzarbeiten.

Zwei Tage schönster Sonnenschein und richtig viel Trubel um uns herum. Es musizierten die Spielleute Visematente, mit drei Tänzerinnen, Herold Radolf zu Duringen führte durchs Programm und zwischendurch sorgten immer wieder die Radugas mit Gaukeleien für Erheiterung.

Am Samstag gab es die offizielle Markteröffnung und den Marktrundgang des Bürgermeisters. Dabei wurde Anne und mir die Ehre zuteil, als erste von unserem Herrn “Biergermeister” begrüßt und vom Herold der Besucherschar als Waltershäuser Händler vorgestellt zu werden. Direkt neben uns bot ein weiterer Einheimischer seine Waren an: Drechslermeister Uwe Nelke.

Insgesamt ein netter kleiner Markt, bei dem außerdem die Ritter des Hochmeister Deutsch Orden recht spannende Einblicke ins Mittelalter boten. Vor allem wurde endlich die Frage geklärt, was so ein Herr Ritter drunter trägt… Auch im Burggraben tummelte sich Volk, etwa bei einem weiteren Werkstattnachbarn: Paul, dem Holzpfeiffer oder bei Lady Sabine, dank welcher es nun auch ein Lädchen mit Mittelaltergewandungen im Ort gibt.

 

Kinder, Kinder, wie die Zeit vergeht! Gestern war’s ein Jahr her, dass ich mit der Keramikwerkstatt in die Selbständigkeit gestartet bin. Inzwischen geht alles schon viel flotter mit dem Drehen und Brennen als zu Beginn. Und es macht noch immer viel Freude.

Vielen Dank an alle, die mich auf dem Weg ins Kunsthandwerk unterstützt haben und das auch jetzt noch tun! Allen voran natürlich Euch lieben Leuten in der KoWa! Im nächsten Werkstattjahr soll es noch deutlich mehr Märkte geben, mehr klar definierte Serien und den ein oder anderen Workshop. Wer Lust hat, sich selbst mal an der Töpferscheibe zu versuchen oder eine Figur aufzubauen, kann sich gern melden. Dann schauen wir gemeinsam nach Terminen.

Die Ziegen hören wieder heimlich Radio.

 

So nebenbei heut mitbekommen, dass ja Welt-Linkshändertag ist! Als selbst “Betroffene” kann ich da nur sagen: Hoch die Tassen …

Frei wählen zu dürfen, mit welcher Hand mensch am liebsten arbeitet, ist schon ein großes Glück und ich bin sehr froh, nicht gegen meinen Willen umgeschult worden zu sein. Manche Sachen gehen tatsächlich besser mit der rechten Hand, eine Schere bedienen zum Beispiel.

Aber töpfern mach ich mit links. So dreht sich meine Scheibe auch immer schön im Uhrzeigersinn, während sie bei den meisten Töpfern gegen die Uhr läuft. Die Abdrehschlingen oder Ziehklingen hätte ich jedenfalls nicht mit rechts handhaben wollen, da wären zerschundene Finger und fliegende Tassen sicher an der Tagesordnung gewesen.

Ist also kein Wunder, wenn manche meiner Tassen den Henkel links und andere ihn rechts haben.