Nach zwei britischen Bands ging das #52Bands Projekt diese Woche in die USA. Genauer gesagt, in die Südstaaten, zu Lynyrd Skynyrd.

Ich hätte nicht gedacht, dass die Recherche so interessant wird und mich die Lieder, wie auch die Geschichte der Gruppe so persönlich abholen.

Gestern haben wir auf Arte die Doku „If I leave here tomorrow“ aus dem Jahr 2018 über Lynyrd Skynyrd gesehen. Der Titel ist der Beginn des Liedtextes von „Free Bird“.

 

Eine Band aus den USA

Am Mittwoch, den 20. Januar, war die Vereidigung von Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten und seiner Vizepräsidentin Kamala Harris. Zwei Wochen vorher, am 6. Januar 2021, stürmten Anhänger von Donald Trump das Kapitol in Washington D.C., den Sitz des Kongresses. Die Welt blickte nach Amerika. Dieses große Land wird in den Medien immer wieder als gespalten bezeichnet, zwischen Republikanern und Demokraten, die sich erbittert bekriegen. Die Gedanken- und Gefühlswelt der Amerikanerinnen und Amerikaner nachzuvollziehen, fällt da oft schwer. Was lässt die Leute so an Ihren Waffen hängen? Warum wehren sich so viele gegen eine Krankenversicherung? Was hat sie dazu gebracht, Trump zu wählen?

Die Südstaaten

Als ich die Woche herumfragte, ob mir jemand ein Lied von Lynyrd Skynyrd nennen könnte, kam lange nichts und dann „Sweet Home Alabama“. Der 74-er Hit, der noch heute ab und an im Radio läuft, war auch lange Zeit mein einziges Lied, das ich von ihnen kannte.

Die Musik von Lynyrd Skynyrd wird gern als Southern Rock bezeichnet, als Südstaatenrock. In der Arte-Doku kam gut rüber, wie prägend die kulturellen Wurzeln ihrer Heimat Jacksonville (Florida) für die Band waren. Wie die Blues-, Dixieland- und Boogie-Woogie Musik und der Alltag der einfachen Leute sie beeinflusst haben.

Als ich auf Wikipedia den Eintrag zur Band anschaute, kam ich vom Begriff Southern Rock auf den Link zu den Südstaaten. Ich las über die Wahl Abraham Lincolns zum 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten, den Konflikt, der zur Abspaltung der Konföderierten Staaten 1860/61 von der Union und dem Bürgerkrieg führte, über die Baumwollwirtschaft, die Sklavenhaltung und die Abschaffung der Sklaverei.

Sweet Home Alabama

In „Sweet Home Alabama“ singen Lynyrd Skynyrd darüber, dass Neil Young sich schlecht über Alabama geäußert hätte und sie ihn dort nicht bräuchten.

Neil Youngs Lied „Alabama“ wie auch „Southern Man“, in dem er den Rassismus und die Sklaverei anspricht, werden als Vorlage genannt, auf die Skynyrd antworten.

Bei Ihren Auftritten und auf Album-Covern habe ich öfter die Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika gesehen. Sie wird einerseits als verbindendes Symbol für die Südstaaten betrachtet, ist andererseits in den USA äußerst umstritten und teils verboten, da sie mit Rassismus in Verbindung gebracht wird.

Trotz allem Charme, den die Musik der Band verbreitet, würde ich doch kritisch bleiben, wenn es um die Symbolik geht, mit der sie spielen. Inhaltlich ist mir etwa aufgefallen, wie sich das Stück „Saturday Night Special“ (1975) gegen die tötliche Gefahr von kleinen Handwaffen ausspricht und „God & Guns“ (2009) den Waffenbesitz verteidigt. Matthias meinte die Tage, dass die alte Band nicht unbedingt gutheißen würde, was die aktuelle Band macht.

Die Musik

Die Doku zeigte, wie hartnäckig sie an ihren frühen Songs gearbeitet haben. Die ersten beiden Alben „(Pronounced ‚Lĕh-’nérd ‚Skin-’nérd)“ (1973) und „Second Helping“ (1974) spiegeln das wieder. Danach forderte der anstrengende Wechsel aus Tour und Studioaufnahmen seinen Tribut.

Eines meiner Lieblingslieder seit einigen Wochen ist das ruhige, kraftvolle „Simple Man“ (1973).

Im Jahr 1977 spielte sich eine große Tragödie ab, als das Flugzeug, das sie nach Louisiana bringen sollte in einem Waldgebiet im Bundesstaat Mississippi abstürzte. Es starben u.a. der Sänger Ronnie van Zant, der Gitarrist Steve Gaines und seine Schwester, die Backgroundsängerin Cassie und der Bandmanager Dean Kilpatrick. Andere Bandmitglieder wurden schwer verletzt. Lynyrd Skynyrd lösten sich danach auf, formierten sich aber im Lauf der Jahre immer wieder neu. Als Sänger trat nun Johnny van Zant auf, der Bruder des verstorbenen Ronnie.

2 Gedanken zu “KW 3 – Lynyrd Skynyrd

  1. Toll recherchierter Artikel und wie passend, dass zur Band gleich eine passende Reportage im Fernsehen kam. Das Projekt „52 Bands“ ist ambitioniert und ich werde sicherlich öfters reinlesen, da ich Musik auch sehr mag und die Hintergründe spannend finde. 😉

    1. Danke, Julia! Ich bin selbst gespannt, ob ich wirklich durchhalte und jede Woche was zur aktuellen Band schreiben werde. Heute sitze ich etwas ratlos über meinen Notizen zu „Jury in the Slaughterhouse“. Aber das Projekt hilft mir etwas, in dieser zähen Corona-Zeit offen für Neues zu bleiben.

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