Archiv für das Tag 'Spanisch'

Heimweh nach … Literatur

Natali 29. Juni 2009

Buch_Allende

Die Tage habe ich ein wundervolles Buch gelesen, das mich endlich einmal wieder so richtig gefesselt hat. Vielleicht war es auch einfach genau die richtige Zeit, diesen Text jetzt aus dem Regal zu nehmen. Die Rede ist von “Mein erfundenes Land” von Isabel Allende.

Sie erzählt darin ihre Geschichte,  die Ihrer Familie und die Landesgeschichte Chiles. Sie erzählt vom Heimweh, dem Leben als Migrantin, und wie sie zum Schreiben kam. Das alles sehr amüsant und pointiert bis makaber. Etwa so:

Unser Kühlschrank, der vierzig Jahre ohne eine Reparatur überstand, wurde von einem lärmenden U-Boot-Motor angetrieben, der das Haus zuweilen in einem Hustenanfall erschütterte. Mit einem Besen kehrte die Köchin die Leichen der Kätzchen hervor, die unter dem Kühlschrank Wärme gesucht hatten und von Stromschlägen getötet wurden. Im Grunde war diese Form der Prophylaxe ein Segen, denn auf dem Speicher kamen Dutzende Kätzchen zur Welt,…

Ich war ganz begeistert davon, wie reflektiert diese Autorin über die Zusammenhänge der eigenen Biographie, der historischen Ereignisse, der Tätigkeit des Schreibens und die Rolle der Erfindung sinniert.

Als Literaturwissenschaftlerin finde ich genau diese Metaebene spannend. Den Punkt, an dem im Text über die Entstehung des Textes selbst gesprochen wird. Denn hier kommen die äußeren und inneren Impulse für eine Arbeit auf den Tisch, also eben zum Beispiel die Besonderheiten der chilenischen Kultur, die Wirkung der Landschaft und der klimatischen Verhältnisse auf den Alltag der Menschen. Themen, die dann wieder das zweite Fach berühren, das ich studiert habe: Kulturwissenschaft.

Warum ich nicht vorher schon etwas von dieser interessanten Frau gelesen haben? Vielleicht weil ich die Filme “Das Geisterhaus” und “Von Liebe und Schatten” als Jugendliche zwar ganz nett aber auch etwas schwülstig fand. Von dem Sprachwitz war da nichts zu erkennen. Oder weil ich Ihre Romane etwas abwertend als “Frauenliteratur” abgetan habe, ein fieser Begriff, über den es sich auch einmal lohnen würde, genauer nachzuforschen.

Sollte ich jemals mein Schul-Spanisch wieder ernsthaft auffrischen, wäre es jedenfalls eine Herausforderung, ein Allende Buch auf Spanisch zu lesen.

Was mir Frau Allende heute auch sympathisch macht, ist sicher ihr in “Mein erfundenes Land” angesprochener feministischer Antrieb. Dieser ist begründet in ihrer Biographie, doch ist leider auch 2009 noch nicht alles gerecht und kuschelig zwischen den Geschlechtern. In Chile nicht und auch sonst auf der Welt.