Archiv für das Tag 'Frauen'

Disco dancing Ohrwurm

Natali 22. November 2009

“Heavy Cross” von The Gossip geht mir gerade einfach nicht mehr aus den Ohren. Mir gefällt die Energie, die der Song ausstrahlt und mich zum Mitwippen bringt.

Über Sängerin Beth Ditto ist dieses Jahr schon viel geschrieben worden, meist im Zusammenhang mit ihrer Körperfülle. Sie ist auf jeden Fall ein Mensch der auffällt, der nicht gerade den bequemen Weg geht und (vielleicht eben deshalb) momentan mit ihrer Band ziemlich erfolgreich ist. Ich glaube, mit ihren starken Auftritten kann sie Frauen Mut machen, selbstbewusster zu sich und dem eigenen Körper zu stehen.

Nicht auf den Mund gefallen – Isabel Allende

Natali 22. September 2009

2007 sprach Allende bei der alljährlichen TED Konferenz in Monterey über Frauen, Leidenschaft und Feminismus. Zu Beginn, finde ich, macht sie den Eindruck als sei sie etwas aufgeregt. Aber dann festigt sich ihre Stimme und sie erzählt in dieser ganz speziellen Mischung aus Ernsthaftigkeit, Witz, Koketterie und Selbstironie.

In den Kommentaren zum Video wurde kritisiert, dass sie sich nur an Frauen wende und die Teilhabe der Männer an einer positiven Veränderung der Welt ganz ausblende. Das mag zu einem gewissen Grad stimmen, die Männer spielen in ihren Romanen die zweite Geige. Trotzdem glaube ich nicht, dass sie Männer total vom Platz verweisen will, es geht ihr eher darum denen, die bisher zu wenig Gehör gefunden haben (Frauen u. Kinder) zu einer Stimme zu verhelfen. Insofern finde ich es in Ordnung, dieser Gruppe mehr Raum zu geben.

“Paula” von Isabell Allende

Nachdem ich in diesem Jahr bereits “Mein erfundenes Land” von Isabel Allende gelesen hatte – und schwer beeindruckt war, wollte ich unbedingt mehr von ihr lesen. Also hatte mir meine Mutter aus ihrer “Allende Sammlung” den Roman “Paula” ausgeliehen.

Und tatsächlich breitet die Autorin hier ihre Lebens- und Familiengeschichte, wie sie schon in “Mein erfundenes Land” anklang, weiter aus. Sie erzählt sie in einem langen Brief ihrer Tochter Paula, die mit 28 Jahren an Porphyrie erkrankt und nach einem  Jahr des Leidens schließlich im Kreis der Familie stirbt. Ein eindringlicher und persönlicher Text, der drastisch die elementaren Dinge des Lebens deutlich macht: Liebe, Leid, Gesundheit, Einsamkeit, Familie, Mut, Aufgabe, Starre und Verwandlung.

Ich frage mich, wie viel die Geschichtenerzählerin Allende zu ihrem dramatischen Lebensbericht hinzuerfunden hat und wie viel davon blanke Wahrheit ist. Schließlich ist “Paula” ein Roman und keine Dokumentation, Ausschmückungen sind also legitim. Viele starke Erlebnisse für ein einzelnes Menschenleben sind es trotzdem, selbst wenn einige nicht ganz so vorgefallen sind.

Mut aus der Not

Nicht, dass ich Lust hätte einen Militärputsch zu erleben oder ins politische Exil flüchten zu müssen. Aber wenn ich mein recht sicheres Leben hier in Deutschland daneben stelle, kommt das doch eher langweilig daher. Vielleicht sind Krisensituationen, so schlimm sie in dem Moment für die betroffene Person auch sind, auch dienlich. Wenn es darum geht, die eigenen Kräfte zu mobilisieren, über sich hinaus zu wachsen oder anderenfalls unterzugehen.

Besonders berührend finde ich daher auch das Gefühl von Gemeinschaft, das Allende beschreibt wenn die Familie oder Freunde sich in schweren Zeiten helfen und in guten Zeiten feiern oder in die Haare kriegen. Wer es bequem hat, kommt nicht in die Situation, schlummerde Energien zu wecken oder andere um Hilfe zu bitten und so freundschaftliche Beziehungen zu knüpfen, die in einem tiefen gegenseitigen Vertrauen gründen.

Mein erstes Barcamp

Natali 17. September 2009

bcs2-logo

Am 12. u. 13. September 09 fand im Literaturhaus das Barcamp Stuttgart 2 statt. Eine Veranstaltung mit etwa 200 Leuten rund um das Thema Web, IT, Medien. Nachdem Matthias nun schon auf mehreren dieser Events war und immer begeistert davon berichtet hat, wollte ich die Gelegenheit dieses “Heimspiels” nutzen und mir die Sache auch endlich selbst ansehen.

Voller Einsatz ist gefragt

Das Besondere an der Veranstaltungsform Barcamp – im Vergleich zu ähnlichen Konferenzen – ist, dass es inhaltlich von den TeilnehmerInnen an Ort und Stelle selbst organisiert wird. Das bedeutet, jede/r hat die Möglichkeit, eine oder mehrere Sessions selbst zu halten. Es gibt zwar Vorüberlegungen und Themenwünsche, die im Vorfeld geäußert werden können, doch die endgültige Festlegung der einzelnen Sessions (man könnte sie auch Präsentationen/Workshops od. Diskussionen nennen) findet erst am Tag der Veranstaltung statt. Das hat den Vorteil, dass sehr flexibel abgewogen werden kann, wo das Interesse der Anwesenden liegt und entsprechend noch Änderungen vorgenommen werden können. Etwa, indem der oder die Präsentierende einen Schwerpunkt für Anfänger od. Fortgeschrittene setzt.

Frauen im Web

Als Vorbereitung hatte ich ein wenig im Netz nach Berichten über bisherige Barcamps gestöbert und bin v.a. im Bezug auf das vorangegangene in Stuttgart auf eine Diskussion um die niederige Beteiligung von Frauen gestoßen. Ein Thema, bei dem ich als EMMA-Leserin natürlich hellhörig  werde. Denn zum einen finde ich die Vorstellung, plötzlich Henne im Korb zu sein und damit besonders durch meine Geschlechtszugehörigkeit aufzufallen, persönlich nicht wirklich reizvoll. Zum anderen erscheint es mir wichtig für ein friedliches Miteinander, dass die Geschlechter in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen möglichst zu gleichen Teilen vertreten sind. Also z.B. Frauen in IT Berufen ebenso wie Männer als Kindergärtner.

An diesem Septemberwochenende war der Anteil zwar noch weit von 50 % entfernt, doch mussten sich die anwesenden Frauen nicht als Exotinnen fühlen. Vielleicht hat dabei auch die persönliche Einladung an die Damenwelt auf der Mixxt-Organisationsseite des Barcamps geholfen.

Wo sind die Piratinnen?

Ganz aktuell war im Zusammenhang von Frauen u. Web die niedrige Anzahl von Frauen in der Piratenpartei ein Thema in mehreren Blogs, die sich mit Genderthemen beschäftigen. Exemplarisch sei der Beitrag “Kann eine Feministin Piraten wählen” von Antje Schrupp genannt. In den Kommentaren dazu, ging es teilweise sehr hitzig zu. Die Frage birgt also wirklich Stoff zu Diskussion und ist mit einem kurzen “Wo ist denn das Problem? Frauen sollen doch einfach mitmachen,” nicht so leicht beendet. Sowohl was Barcamps, die Piratenpartei als auch grundsätzlich die Aktivität im Netz – oder Web 2.0  wie wir es heute nennen – betrifft.

Die Ursachen, worin dieses Ungleichgewicht gründet und wie es sich beheben lässt, sind vielfältig. Eine Schwierigkeit ist die Scheu vieler Frauen, öffentlich in Erscheinung zu treten und damit evtl. verbal wie auch physisch angreifbar zu werden. Ungeachtet dessen ob eine tatsächliche Gefahr irgendeiner Form besteht. Wenig hilfreich ist es daher, dass vor dem Gespräch über Verbesserungen oft das Bewusstsein dafür geschaffen werden muss, dass überhaupt Handlungsbedarf besteht.

Insofern hat es mich sehr gefreut, dass Paula, Nina und ich uns recht spontan zu einer Session zum Thema “Frauen im Web” gefunden haben. Die übrigens nicht als “Dating-Session” endete, wie ein Twitterer vermutete – oder vielleicht hoffte… Die Diskussion verlief erstaunlich freundlich und interessiert. Es stellte sich heraus, dass auch die männlichen Teilnehmer über direkte Kontakte vom Barcamp erfahren u. zur Teilnahme ermutigt wurden. Insofern finde ich den Vorschlag aus der Runde sehr positiv, dass die Teilnehmenden Patenschaften übernehmen um “Neulinge” einzuladen. Zumal Barcamps keinen Eintritt kosten und die begehrten Plätze schnell voll sind. Eine/n InsiderIn zur Seite zu haben, ist also mehr als hilfreich.

Von wegen rechtsfreier Raum…

Auf dem Stuttgarter Barcamp hatte ich mich mit einer Frau unterhalten, die ausdrücklich nicht im Netz in Erscheinung treten möchte, etwa auf Fotos. Ein schwieriges Unterfangen, denn bei einem Barcamp, so auch in Stuttgart, wird sehr viel gefilmt und fotografiert, entsprechend auch getwittert, gestreamt und berichtet. Es besteht im Prinzip ein Konsens unter den TeilnehmerInnen, sich bei der Veranstaltung im öffentlichen Raum zu bewegen, der sich in diesem Fall auch stark auf das Netz ausgedeht hat. Hier treffen Meinungsfreiheit und allgemeines Persönlichkeitsrecht aufeinander.

In der Diskussion in den Medien, v.a. wenn es um das Thema Netzsperren und Kinderpornographie geht, heißt es gerne, das Netz darf kein rechtsfreier Raum sein. Bemerkenswert und irgendwie auch beruhigend, fand ich daher die Session am Samstag zum Thema “Userbewertungen und Recht” von RA Dr. Carsten Ulbricht. Er hat sehr gut verdeutlicht, dass die Vorstellung vom Netz als rechtsfreien und daher höchst unsicheren Raum, schlicht nicht zutrifft. Auch für das Handeln im Web gibt es bestehende Gesetzte, wobei es sicher hilfreich ist, einen Rechtsbeistand zu haben, der sich in der Materie auskennt – wie in jedem Spezialgebiet.

Danke!

Fazit: Mir hat das Barcamp Stuttgart 2 sehr gut gefallen. Großes Lob an das Organisationsteam, die TeilnehmerInnen und Mitwirkenden! Und dank der charmanten Losfee (Zellmi) hab ich sogar eine Flasche grünen Likör gewonnen…

Die Seite für das Barcamp Stuttgart 3 im nächsten Jahr gibt es übrigens auch schon bei Mixxt.

Girl Geek Dinner in Stuttgart

Natali 29. Juli 2009

Am 23. Juli fand in Stuttgart ein Girl Geek Dinner statt.  Eine Veranstaltung, für die ich hier gerne etwas werben will, denn der Abend an sich und das Konzept dahinter haben mir gut gefallen. Danke also an die Organisatorin Nicole Simon. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich im Zusammenhang mit der re:publica 09 , bei der mein Freund im April war, zum ersten Mal von dieser Eventidee gehört.

Was ist das denn?

Sinn des Girl Geek Dinners ist es, Frauen mit Interesse für Medien/Web/Technik einen unkomplizierten Rahmen zum Gedanken- und Kontaktaustausch zu geben. Männer sind dabei nicht ausgeschlossen, sie müssen allerdings von einer Frau eingeladen sein. So ist eine mindestens 50-prozentige Frauenquote garantiert.

Die teilnehmenden Girls sind nicht wirklich nur junge Mädchen, sondern laut der “Girl Geek Dinner Deutschland“- Seite zwischen 20 und 40 Jahren. Der Begriff “Dinner” ist aus dem englischen Original übernommen und lässt den falschen Eindruck entstehen, es handele sich um eine schicke Kostümveranstaltung. Wer mochte, konnte sich an diesem Abend im Mash etwas zu essen bestellen, doch für den lockeren Autausch war es gerade gut, keine “Sitzveranstaltung” zu haben. Auf die Art bildeten sich drinnen und draußen immer wieder neue Gesprächsgrüppchen.

Bei Treffen mit neuen Leuten versäume ich es regelmäßig, Kontaktdaten auszutauschen. Manchmal fallen mir nicht einmal mehr die Namen ein, obwohl ich die Person sympathisch fand.  In diesem Zusammenhang ist mir der Sinn einer vorherigen Anmeldung über Xing positiv aufgefallen. Denn so ließ sich im Nachhinein leicht ein Gesicht wiederfinden und, bei Interesse, ein Gespräch fortsetzen. Ich gebe zu, zwar schon eine ganze Weile bei Xing angemeldet zu sein, aber bisher kaum einen Nutzen aus dem Netzwerk gezogen zu haben.

Einen weiteren Bericht über das Stuttgarter GGD gibt’s übrigens auch im Blog von Henning Schürig

Aber warum denn eigentlich so eine Frauenveranstaltung?

Ist das denn nötig? – Ja, ist es! Die Berichte über die ansonsten niedrige Frauenquote bei Treffen wie BarCamps machen es deutlich. Bemerkenswert fand ich den Artikel und die Diskussion in den Kommentaren bei “miradlo bloggt”, in welchem Gründe für die Abwesenheit der Frauen und Maßnahmen dagegen angesprochen wurden.

Es gibt Frauen, die sich für diese Themen interessieren, damit ihr Geld verdienen. Diese dürfen gerne öfter sichtbar werden. Und das nicht nur als Exotinnen in einer scheinbaren Männerdomäne.

Auch wenn es vielen so scheint, als sei die Gleichberechtigung der Geschlechter heute weitgehend umgesetzt, so ist es nicht. Jede Generation muss sich ihre Freiheit erneut erkämpfen. Oft sind es bewusste oder unbewusste Rollenbilder, die uns und unsere Mitmenschen einschränken: “Das ist typisch Frau/Mann”,  “Das wirkt unmännlich/unweiblich”…

Gesellschaftliche Wahrnehmung ist ein Punkt, Gelegenheit zur Netzwerkbildung und zum Erfahrungsaustausch ein anderer. Vielleicht können Veranstaltungen wie das Girl Geek Dinner dazu führen, ein “Wir-Gefühl” auszubilden: Wir Frauen können auch mit Computern und dem ganzen Kram umgehen. Es ist für uns total normal und macht sogar Spaß!

Ausblick

Am 12.-13. September 09 steht das “Barcamp 2 Stuttgart” an. Zwar bin ich wegen einer Terminüberschneidung noch nicht sicher dabei, aber falls doch, wäre es wunderbar dort mehr weibliche Teilnehmer zu sehen als üblich.

Wer also eine konkrete Idee hat, wie sich dies umsetzen lässt, kann gerne einen Kommentar hinterlassen oder mir eine Nachricht schreiben, zum Beispiel via Twitter.

Heimweh nach … Literatur

Natali 29. Juni 2009

Buch_Allende

Die Tage habe ich ein wundervolles Buch gelesen, das mich endlich einmal wieder so richtig gefesselt hat. Vielleicht war es auch einfach genau die richtige Zeit, diesen Text jetzt aus dem Regal zu nehmen. Die Rede ist von “Mein erfundenes Land” von Isabel Allende.

Sie erzählt darin ihre Geschichte,  die Ihrer Familie und die Landesgeschichte Chiles. Sie erzählt vom Heimweh, dem Leben als Migrantin, und wie sie zum Schreiben kam. Das alles sehr amüsant und pointiert bis makaber. Etwa so:

Unser Kühlschrank, der vierzig Jahre ohne eine Reparatur überstand, wurde von einem lärmenden U-Boot-Motor angetrieben, der das Haus zuweilen in einem Hustenanfall erschütterte. Mit einem Besen kehrte die Köchin die Leichen der Kätzchen hervor, die unter dem Kühlschrank Wärme gesucht hatten und von Stromschlägen getötet wurden. Im Grunde war diese Form der Prophylaxe ein Segen, denn auf dem Speicher kamen Dutzende Kätzchen zur Welt,…

Ich war ganz begeistert davon, wie reflektiert diese Autorin über die Zusammenhänge der eigenen Biographie, der historischen Ereignisse, der Tätigkeit des Schreibens und die Rolle der Erfindung sinniert.

Als Literaturwissenschaftlerin finde ich genau diese Metaebene spannend. Den Punkt, an dem im Text über die Entstehung des Textes selbst gesprochen wird. Denn hier kommen die äußeren und inneren Impulse für eine Arbeit auf den Tisch, also eben zum Beispiel die Besonderheiten der chilenischen Kultur, die Wirkung der Landschaft und der klimatischen Verhältnisse auf den Alltag der Menschen. Themen, die dann wieder das zweite Fach berühren, das ich studiert habe: Kulturwissenschaft.

Warum ich nicht vorher schon etwas von dieser interessanten Frau gelesen haben? Vielleicht weil ich die Filme “Das Geisterhaus” und “Von Liebe und Schatten” als Jugendliche zwar ganz nett aber auch etwas schwülstig fand. Von dem Sprachwitz war da nichts zu erkennen. Oder weil ich Ihre Romane etwas abwertend als “Frauenliteratur” abgetan habe, ein fieser Begriff, über den es sich auch einmal lohnen würde, genauer nachzuforschen.

Sollte ich jemals mein Schul-Spanisch wieder ernsthaft auffrischen, wäre es jedenfalls eine Herausforderung, ein Allende Buch auf Spanisch zu lesen.

Was mir Frau Allende heute auch sympathisch macht, ist sicher ihr in “Mein erfundenes Land” angesprochener feministischer Antrieb. Dieser ist begründet in ihrer Biographie, doch ist leider auch 2009 noch nicht alles gerecht und kuschelig zwischen den Geschlechtern. In Chile nicht und auch sonst auf der Welt.