Archiv für das Tag 'anders leben'

Sommerbaustelle

Natali 1. August 2010

Mit riesen Schritten geht gerade der Zimmerbau in der KoWa voran. Was vor ein paar Wochen noch ein einziger großer Raum war, gleicht jetzt einem Großwildgehege.

Die Außenwände sind zwischenzeitlich gedämmt worden und was aussieht wie massige Käfige, sind die Ständer, an die später die Rigipsplatten der Zwischenwände kommen. Dadurch ergeben sich ungewohnte Durchsichten, denn einerseits bekommt man schon ein Gefühl für die entstehenden Räume, andererseits ist es noch möglich, durch die Wände zu sehen.

Lauter nette Leute

Natali 7. Juni 2010

Letztes Wochenende wurde die ganze KoWa zum Bienenstock. Anlass war das 22. Treffen des Kommuja Netzwerks der politischen Kommunen in Deutschland. Wir hatten gut 40 Leute zu Gast, die sich untereinander teils schon viele Jahre kannten. Entsprechend herzlich war das Wiedersehen.

Es brummte vor Ideen, Diskussionen, gutem Essen, Tanz und Spielen. Das Sommerwetter tat sein übriges und am Ende sahen wir alle recht hübsch sonnenbraun aus. Nach den Besuchen von vielen Gästen, die bisher wenig mit Gemeinschaftsleben zu tun hatten, war es angenehm, nun die Profis zu Besuch zu haben. Sprich, Leute die sich gut selbst organisieren können und schlicht mehr Einblick in die Abläufe einer Kommune haben.

Über das Wochenende gab es Workshops und Gesprächsrunden, bei denen u.a. aktuelle Schwierigkeiten in der jeweiligen eigenen Gemeinschaft thematisiert und gemeinsam Lösungsansätze gefunden wurden. Etwa zur Frage, wie sich Organisations- und Entscheidungsfindungsstrukturen bei wachsender Gruppengröße anpassen müssen. Oder die Frage, wie sich dem Phänomen der Überarbeitung bei vielen Leuten in Projekten gegensteuern lässt.

Viel diskutiert wurde natürlich auch der Beschluss, am 22. April 2011 den Kapitalismus abzuschaffen. Es scheint noch Klärungsbedarf zu bestehen, was genau dieser Kapitalismus ist. Gefolgt von der Frage, wo wir dann unsere Bananen herbekommen…

Neben freundschaftlichen Kontakten zur Kommune Hof Rossee oder der Kommune Niederkaufungen kannte ich bis vor dem Treffen niemand aus dem Netzwerk. Die neuen Verknüpfungen haben mich daher sehr gefreut und ich bin schon mächtig gespannt auf die nächsten Zusammenkünfte. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Etwa steht die Vorbereitung des Los geht’s 2011 an oder die Website des Netzwerks www.kommuja.de gut zu hüten.

Ankommen

Natali 16. April 2010

Als ich dieses Blog begonnen habe, sollte es sich eigentlich um das Thema Kunst drehen. Sowohl zu den Arbeiten verschiedener Künstler als auch zu Eigenproduktionen wollte ich Gedanken, Fragen und Skizzen sammeln. Dieser Schwerpunkt hat sich in letzter Zeit ein wenig auf Buchvorstellungen und Erlebnisberichte verlagert, was ich jedoch nicht tragisch finde.

Seit letzter Woche wohne ich nun im grünen Herzen Deutschlands, im thüringischen Waltershausen. Der Umzug an sich war wohl eher banal, mit dem üblichen Logistikstress und viel Kistengeschleppe. Das Ankommen im neuen Zuhause gestaltet sich dafür umso interessanter, denn der Herr Freund und ich lassen mit diesem Schritt die Stille unserer alten Wohnung hinter uns. Ab jetzt ist immer Leben in der Bude, mit vielen Gesprächen und viel Aktivität jeden Tag.  Wir testen die KoWa endlich richtig vor Ort … und sie uns.

Noch kann von Alltag keine Rede sein, denn es gibt noch so viel zu lernen und entdecken. Bisher habe ich beim Kochen für etwa 20 Personen geholfen. Das schult hoffentlich, nach und nach ein Gefühl für Mengen und Zeiteinteilung zu bekommen. Für jemanden wie mich, die gerne plant, eigentlich eine ganz nette Sache. Und statt vorm Computer zu sitzen saß ich die Tage am großen Flügel um meine Klavierkenntnisse wiederzubeleben.  Nächste Woche steht sogar Sport auf der Liste: Basketball, was ich seit der Schule nicht mehr gespielt habe.

Dieses Wochenende klinke ich mich in den Seminarbetrieb ein, das bedeutet Räume vorbereiten und den Gästen Rede und Antwort stehen. Ansonsten gibt es einfach sehr viel zu tun um die wachsende Gruppe am funktionnieren zu halten, von praktischer (Bau-)Arbeit über regelmäßige Diskussionen bis zum Papierkram.

Das ist alles so belebend und mir geht es gerade so richtig gut! Demnächst werde ich mir eine Werkstattecke zum Töpfern einrichten um wieder an der Töpferscheibe zu üben. Dann brauche ich nur noch eine Brennmöglichkeit in der näheren Umgebung – oder vielleicht fällt mir doch noch irgendwann ein passender Brennofen vor die Füße. Das Thema Kunst könnte hier jedenfalls bald wieder mehr Gewicht bekommen.

Übung in Geduld

Natali 12. März 2010

Bald, bald ist es soweit. Dann werden die Kisten gepackt und all die vielen Dinge reisen mit uns durchs Land, zu unserem neuen Abenteuer in Thüringen. Letzte Woche war ich zu einem weiteren Besuch in der Kommune Waltershausen.

Es war ein Arbeitseinsatz, denn vor dem Umzug soll ja die zukünftige Wohnstätte schön und behaglich vorbereitet werden. Und so lernt eine studierte Geisteswissenschaftlerin gerade so langsam das 1×1 auf der Baustelle. Mittlerweile habe ich jedenfalls erste Übungsrunden im Verspachteln und späteren Schleifen von Fugen hinter mir. Am Ende war ich zwar geschafft, aber auch sehr gut gelaunt über das Ergebnis.

Was jetzt kommt wird eine größere Logistikaufgabe. Ausmisten, Dinge auseinanderbauen und wiederfindbar verpacken. Diverse Sachen abmelden, ummelden, neu anmelden. Wie groß muss der Laster sein, wer hilft beim Schleppen, woher bekommen wir eine Sackkarre…

Auf das Auspacken im neuen Zuhause freue ich mich dagegen schon sehr!

Los geht’s – auch 2010 wieder

Natali 3. Februar 2010

Im letzten Jahr waren Matthias und ich beim “Los geht’s 2009″ in Escherode (Hessen). Das ist ein großes Treffen für Leute, die sich für ein Leben in Gemeinschaften bzw. Kommunen interessieren. Bestehende Projekte stellen sich vor, Gründungsgruppen treffen sich und man kommt mit vielen interessanten Leuten ins Gespräch. 2009 entstand dabei auch ein Film, der nun auf www.losgehts.eu zu sehen ist.

Die Anmeldung für das “Los geht’s 2010″, von 13.-16. Mai in Jahnishausen (Sachsen), ist über die Seite übrigens auch schon möglich. Allen, die sich für das Thema Kommunen bzw. alternative Lebens- und Wohnkonzepte interessieren, kann ich nur wärmstens empfehlen, dort einmal dabei zu sein.

Auf ins Jahr 2010

Natali 6. Januar 2010

Liebe_Giessen

Ihr Leute, ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr mit viel Energie für alle Eure Vorhaben! Das Bild, mit dem “Liebe”-Schriftzug an einem Haus in Gießen, fand ich ganz passend für einen Ausblick auf das neue Jahr.

Die erste Hälfte des Vorjahres 2009 hatte ich zu viel mit dem Gegenteil zu kämpfen, einer dumpfen Wut im Bauch.  Ein absolut zerstörerisches Gefühl, von dem ich sehr froh bin, es hinter mir gelassen zu haben. In diese Zeit fiel auch der Amoklauf in Winnenden, der meinen Blick auf unseren Nachbarort und gleichzeitig auf das Internet erschüttert hat.  Für viele Freunde und Angehörige der Opfer wird es eine traurige Weihnachtszeit und kein freudiger Jahreswechsel gewesen sein.

Für mich ist wieder Ruhe eingekehrt und das Social Web, mit den vielen neuen Twitterbekanntschaften, ist auf eine seltsame Art und Weise zu einer zweiten Heimat geworden. Auch dank unseres regelmäßigen “Stammtisches”, der Stuttgarter pl0gbar.

In der nahen Zukunft sollen sich noch mehr die Dinge, Tätigkeiten und Menschen in meinem Leben tummeln, denen ich mit positiven Gedanken verbunden bin. Das ist mein Wunsch für 2010. Mit der Kommune Waltershausen scheinen Zellmi und ich einen Ort gefunden zu haben, an dem sich viel von unseren Träumen verwirklichen lässt. Wir wollen uns auf das Abenteuer einlassen und sind beide schon sehr neugierig. Vielleicht wird es nichts und wir kehren auf einen “herkömmlichen” Pfad zurück. Aber das glaube ich eigentlich nicht. So oder so ist es toll, ein Ziel zu haben und Silvester in Waltershausen war wunderschön.

Wir beschnuppern uns… und es riecht gut!

Natali 15. November 2009

Lauri1

Anfang November verbrachten der Freund und ich ein weiteres Mal etwas Zeit in Thüringen, in der Kommune Waltershausen (kurz: KoWa). Im Sommer war unser Interesse an alternativen Lebenskonzepten – nach längerem Schlummer – durch das Los geht’s 09 wieder voll entfacht worden. Nach vielen theoretischen Überlegungen über das Leben in Gemeinschaft haben wir uns also daran gemacht, vor Ort die Lage zu erkunden.

Nach einem positiven Schnupper-Wochenende und einer arbeitsreichen Erntewoche ging es also in Waltershausen in eine neue Runde. Diesmal war es etwas ruhiger, denn bis zur Wochenmitte waren nur wenig Gäste da. So gab es mehr Gelegenheit zum Austausch mit den KommunardInnen. Nebenbei haben wir ein wenig in der Küche, im Garten, bei der Holzheizung oder bei diesem und jenem geholfen und so mehr vom Kommune-Alltag erlebt.

Dank der umfangreichen Spielesammlung im Gemeinschaftsraum der KoWa sind wir nun fast schon Abalone-Profis und zumindest Tichu-Anfänger.

Für unser “Programm” haben wir diesmal selbst gesorgt und die Gelegenheit zu einem Tagesausflug in die Landeshauptstadt Erfurt genutzt. Dort wurde gerade auf dem Platz vor dem stattlichen Dom der Weihnachtsmarkt aufgebaut.

Erfurt_Dom

Beim Spaziergang durch die Altstadt sind uns die vielen kleinen Lädchen aufgefallen, die zum Teil sehr originelle kunsthandwerkliche Dinge anboten. Wäre das Wetter besser gewesen, hätten wir schön draußen in ein Café sitzen und auf die Wasserläufe blicken können, die die Stadt durchziehen. So sind wir ins Naturkundemuseum gegangen, haben die große Eiche im Gebäude bewundert und uns von der Arche Noah im Kellergewölbe schaukeln lassen.

Der Abschied von der KoWa war sehr herzlich und ist uns entsprechend schwer gefallen. Ich hatte mich schon richtig an die Spiele mit Kätzchen Lauri gewöhnt und natürlich an die vielen netten Leute. Wir kommen bestimmt wieder und ich freue mich schon sehr darauf!

Erntezeit in Waltershausen

Natali 4. Oktober 2009

Fenster_Waltershausen

Das war eine arbeitsreiche, vergnügliche und interessante Erntewoche, die ich in der Kommune Waltershausen, genannt KoWa, verbringen durfte. Ende August waren wir hier zum Schnupperwochenende, worüber Zellmi berichtet hatte. Nun also nochmal ein Aufenthalt in Waltershausen, dem 10.000 Seelen-Örtchen an der A 4 zwischen Eisenach und Erfurt, am Rand des Thüringer Walds.

Frischluft und Feldarbeit

Nach und nach reisten etwa 10 jüngere und ältere Leute aus ganz Deutschland an, die die Gemeinschaft in der Erntezeit unterstützen und so im Gegenzug das Leben in der Kommune kennenlernen wollten. Zahlenmäßig waren wir also in etwa so viele Gäste wie KommunardInnen, was für unsere GastgeberInnen sicher anstrengend war. Aber sie haben sich auch diesmal wieder sehr nett um uns gekümmert. Vielen Dank dafür!

Geerntet wurden Äpfel, Tomaten, Rote Beete, Kohl, Calendulablüten und Holunderbeeren, Zucchini, Kürbisse und Karotten. Einen Teil davon haben wir direkt weiterverarbeitet, z. B. zu Apfelmus, der Rest wurde eingelagert für den Winter. Leckeren frischen Apfelsaft gab es natürlich auch.

Menschen und Geschichten

Nebenbei gab es immer Gelegenheit zum Plaudern und so viele Geschichten von den einzelnen Leuten mitzubekommen. Ein Aspekt, der mir an der Idee vom Leben und Arbeiten in einer Gemeinschaft so gut gefällt.

Unser Gäste-Nachtlager war ein großer, lichtdurchfluteter Raum mit vielen Matratzen, in dem jeder sein Plätzchen gefunden hat. Es galt also, sich rücksichtsvoll zu verhalten und das Ruhebedürfnis der anderen zu respektieren. Ich finde, das hat ganz gut geklappt und selbst im gemeinsamen Bad habe ich keinen Engpass erlebt. Für das Leben in einer Gemeinschaft  ist ein eigenes Zimmer, ein ganz privater Rückzugsraum sehr wichtig, doch für den kurzen Aufenthalt war diese kleine “Unannehmlichkeit” vielleicht sogar dienlich. Schließlich war zumindest mir wichtig, viel von den Menschen mitzubekommen, gesellig zu sein und mich nicht zurückzuziehen.

Ich bin mit einem guten Gefühl aus Waltershausen zurückgekehrt und mit viel Lust daran, noch weitere Besuche folgen zu lassen.

Anders leben – Teil 3

Natali 6. Juni 2009

schafe

Letzter Teil im Rückblick auf das Los Geht’s 09 in Escherode.

Es haben sich auf dem Treffen viele bestehende Projekte wie auch Gründungsgruppen vorgestellt, von denen ich aus Zeitgründen nur einen Bruchteil näher kennengelernt habe. Ein paar der Diskussionthemen und Gruppen möchte ich an dieser Stelle gerne noch kurz nennen.

Workshops zu Projekten/Gruppen, die ich besucht habe:

  • ÖkoLeA bei Berlin – der Name ist eine Abkürzug von “Ökologische Lebens- & Arbeitsgemeinschaft”. Besteht seit 1993. Zur Zeit leben dort 18 Erwachsene und 8 Kinder.
  • Das Dorf – in Planung (Wunschort irgendwo an der Stadtgrenze zu Berlin bzw. in Nord-Brandenburg). In dieser Gegend gibt es viele Dörfer, die durch Abwanderung ausgedünnt sind. Die Idee ist, ein Dorf mit einer Gruppe mehr oder weniger Gleichgesinnter wiederzubeleben. Diese Gruppe könnte eine Größe zwischen 50 und 300 Personen haben. Ziel ist es, konkrete Alltagsalternative zu schaffen und eine politische Ausenwirkung. In Stichworten: Wiederständig sein, mit aktiven Statements zu Klimapolitik, Kapitalismus, Konsum, Genderthemen, Kinderrechten… Raum bieten für politische Camps. Zeithorizont: 1-4 Jahre. Finanzierung & Entscheidungsstrukturen sind noch nicht fest definiert.
  • Kommune Hof Rossee – an der Stadtgrenze zu Eckernförde (25km nördlich von Kiel), seit 2001 in Gemeinschaftsbesitz. Zur Zeit 5-6 Erwachsene plus Kinder. Teil des Kommuja Netzwerkes (Netzwerk der politischen Kommunen). Ein kleines feines Projekt, das ich mit meinem Freund gerne näher kennenlernen möchte.
  • Steudten – aktuell ein Mini-Projekt, mit vielen Möglichkeiten zu wachsen, von 2 Erwachsenen und 3 Kindern. Steudten ist ein kleiner Ort zwischen Leipzig und Dresden. In der Nähe ist die Lebens(t)raum Gemeinschaft Jahnishausen, zu der die beiden eine Verbindung haben (hatten?).

Und ein paar der Themen, um die es über Pfingsten ging:

“Individuum & Gemeinschaft”

Hier ging es etwa darum, wo es Reibungspunkte zwischen den Bedürfnissen einer Gruppe und eines Individuums gibt und wie diese überwunden werden können. So z.B. bei der den Punkten Zeit (Soll es feste Essenszeiten geben?), Finanzen (Urlaub vs. Investitionen) oder Entscheidungsfreiheit (Spontaneität vs. Absprachen).

Die gemeinsame Ökonomie kann sich in diesem Zusammenhang nicht nur auf die Finanzen beziehen sondern auch auf die Frage, wieviel bringe ich mich in die Gruppe ein? Basis für eine Gruppe sind gemeinsame Ideen/Ziele, so dass viele Detailfragen wegfallen.

Arbeit war ein weiterer Diskussionspunkt, immer mit der Frage: Was ist Arbeit? Und wie wird diese anerkannt? Außerdem: Wie werden die Gruppenbedürfnisse kommuniziert, d.h. wer setzt sich für diese ein? Welche Erwartungen haben Einzelne an die anderen bzw. an die Gruppe?

Kommuja – Netzwerk politischer Kommunen (Selbstverständnispapier)

Am Beispiel des Kommuja Selbstverständnispapiers wurde diskutiert, wozu ein solches dienen kann. So macht die Definition z.B. nach außen deutlich, wen sich die Gruppe als neue Mitglieder wünscht. Für Gründungsgruppen kann die Erstellung eines Selbstverständnispapiers neuen Schwung bringen, wenn das “Hoch” nach der Gründungsphase abzuflachen droht. Insofern bietet es sich an, sich früh an die Niederschift eines Selbstverständnis-Dokuments zu machen.

Thema waren in dieser Runde auch die Abgrenzungen zwischen politischen und spirituellen Gemeinschaften. Im Zusammenhang mit letzteren wurden das ZEGG und das Ökodorf Sieben Linden genannt.

Soziale Netzwerkbildung

In diesem Workshop wurde folgende These diskutiert: “Bestehende Projekte haben zu wenig Wirkung in der Gesellschaft. Sie sind nur eine weitere Lebensform innerhalb der kapitalistischen Verhältnisse.” – Oder anders formuliert: Die ursprünglichen Ideale der Kommune haben sich abgeflacht, sie sind heute meist nicht mehr als bessere Marktteilnehmer. Harter Stoff, eine praktikable Alternative zum kapitalistischen System wurde allerdings nicht genannt.

dies und das

Auch interessant, aber leider nur gestreift, das Thema Transition Towns & Peakoil. Zum Schluss noch ein Hinweis auf das tolle Musikprogramm beim Los Geht’s 09: Franzis Binder und die Rocker von Electric Fish & the Lip Gardens. Weiterlesen/-forschen mit Iris Kunze, Gemeinschaftsforschung (Uni Münster). Nachhaltig kreativ sein mit den Schriften aus dem Packpapier Verlag. Stöbern bei Utopia und im Eurotopia Verzeichnis.

Anders leben – Teil 2

Natali 3. Juni 2009

los_gehts09

… und irgendwo tut sich doch immer wieder ein Türchen auf. Nachdem der erste Anlauf zu einem Einstieg in die Kommune Niederkaufungen nicht geglückt war, haben wir in der Zwischenzeit eine ganze Weile so vor uns hingelebt. Die Wohnung wird – IKEA sei Dank – immer wohnlicher, aber die totale Glückseeligkeit hat sich irgendwie nicht eingestellt.

Es geht los…

So war es wohl ein glücklicher Zufall, dass wir mit Paula (und später auch Lukas) ins Gespräch über unsere Kommune-Erfahrungen kamen. Wir haben uns letztlich gegenseitig überredet, in diesem Jahr auf das “Los Geht’s 2009” zu gehen. Das ist ein Treffen, bei dem Gründungsgruppen, Interessierte und bestehende Projekte zum kommunikativen Austausch zusammenkommen.

Das Thema Kommune war also wieder auf dem Tisch. Nur weil es mit einem potentiellen Partner nicht geklappt hat, sagt man ja auch nicht: “Beziehung? Nö. Hab ich probiert, aber das ist nichts für mich.” Vielleicht, so der Gedanke, lernen wir ja Leute kennen, die ähnlich ticken und mit denen sich etwas starten lässt. Oder finden eine andere sympathische Gemeinschaft, die etwas für uns sein könnte.

Escherode bekommt Besuch

Über Pfingsten waren wir nun also mit 250 Leuten aus ganz Deutschland und z.T. auch aus dem Ausland auf dem Gelände der gASTWERKe in Escherod und haben die Gelegenheit genutzt, beim Los Geht’s 09 mit den unterschiedlichsten Menschen zu sprechen. Von Leuten wie wir, die (noch) nicht in Projekten wohnen bis zu den erfahrenen AltkommunardInnen.

Was mir dabei (wieder) klar wurde: es geht beim Leben in einer Gemeinschaft, zumal in einer, die sich als Kommune bezeichnet, um mehr als schöner Wohnen. Die Abstufungen der Ziele, das Selbstverständnis der Gruppe oder die Umsetzung dieser Ziele können von Projekt zu Projekt stark variieren, aber allen gemeinsam ist dieses MEHR. Etwa, ein linkes Politikverständnis, gemeinsame Ökonomie, Entscheidungen im Konsensprinzip, gewaltfreie Kommunikation, ein nachhaltiger und ökologischer  Anspruch, Hierarchiefreiheit…

Ein Teil von mir

Für mich ganz persönlich habe ich nach dem Los Geht’s 09 beschlossen:

Ich möchte so leben, dass ich auf jeden Fall immer Zeit und Raum haben kann um Kunst zu machen. Seien es kleine Basteleien oder ambitioniertere Projekte, Häkelmützen oder Landart, völlig zweckfreie Sachen oder Gebrauchsdinge. Das ist einfach ein so wichtiger Teil von mir.  Wenn sich damit Geld verdienen lässt, auch nicht schlecht, aber das darf keine Voraussetzung sein um weiterhin kreativ zu sein.

Ärger mit dem Kapitalismus

Dieser ganze Konsumterror geht mir so auf die Nerven. Frei nach Herbert Grönemeyer…”ich kauf mir was, kaufen macht so viel Spass, ich könnte ständig kaufen gehen…“, das soll dann unsere Freiheit sein? Statt immer nur zu konsumieren möchte ich lieber selbst tätig werden, allein oder mit anderen zusammen. In uns steckt so viel Potential, so viele Ideen, die durch die ständige Berieselung mit unnötigen Dingen überdeckt werden. Und ständig wird noch mehr produziert: Autos, Fertigprodukte etc. ob wir es wirklich brauchen oder nicht.

Das Bedürfnis wird uns schon irgendwie aufgeschwatzt. Von daher kann ich mich durchaus mit der Idee “mehr nutzen als besitzen” anfreunden – solange mit den Dingen, die ich mitnutzen möchte, pfleglich umgegangen wird.

Veränderung tut not, braucht aber Zeit

Mit einer Gesellschaft, die so tickt, kann ich immer weniger anfangen. Doch ich glaube, die meisten Menschen sind noch nicht soweit, dass sie zu einer wirklich tiefgreifenden Veränderung bereit wären. Der Leidensdruck ist nicht hoch genug. Auch ist es immer einfacher, über bestehende Übel zu schimpfen als sich auf das ungewisse Neue einzulassen, das vielleicht Angst macht. Allein ein Wort wie Kommune weckt ja schon Befürchtungen und Vorurteile.

Auf dem Los Geht’s 09 fiel in einem Workshop das Adorno Zitat “Es gibt kein richtiges Leben im falschen”. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Sinn richtig verstanden habe, aber für mich bedeutet es immer mehr, dass etwa schöne Möbel nicht weiterhelfen, wenn das ganze Lebenskonzept nicht stimmt. So wie die Gesellschaft heute gestrickt ist, läuft alles auf ein Leben in Vereinzelung hinaus, Kleinstfamilien, Paar oder Singelhaushalte. Ein Leben lang wird geschuftet, bis endlich das ersehnt Eigenheim steht. Dann lebt man darin ein paar Jährchen allein oder mit den Kindern und hat als Besitzstandswahrer nun die Sorge, alles gut an die nächste Generation weiterzugeben. Es ist hier das verbreitetste Modell, aber kann das das einzig wahre Lebensmodell sein? Ich glaube nicht.

Ein paar ganz egoistische Wünsche

Ich wünsche mir Impulse von anderen in meinem Leben. Ich möchte mich weiter entwickeln und meine Möglichkeiten ganz ausschöpfen. Ich möchte meine Erfahrungen teilen, von und mit anderen lernen. Ich möchte mich möglichst wenig verbiegen müssen und ein aufrechter Mensch sein dürfen, auch mit unbequemen, kritischen Ansichten. Insofern glaube ich, dass auch das Privatleben politisch sein kann. Ein Grund, es hier ein wenig auszubreiten.

Viel Text – und noch nicht alles gesagt. Es wird wohl noch einen 3. Teil mit Gedanken zum Los Geht’s 09 geben. Einen Rückblick meines Freundes auf das Los Gehts’s 09 gibt’s hier.

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