Natali 3. Juni 2009

… und irgendwo tut sich doch immer wieder ein Türchen auf. Nachdem der erste Anlauf zu einem Einstieg in die Kommune Niederkaufungen nicht geglückt war, haben wir in der Zwischenzeit eine ganze Weile so vor uns hingelebt. Die Wohnung wird – IKEA sei Dank – immer wohnlicher, aber die totale Glückseeligkeit hat sich irgendwie nicht eingestellt.
Es geht los…
So war es wohl ein glücklicher Zufall, dass wir mit Paula (und später auch Lukas) ins Gespräch über unsere Kommune-Erfahrungen kamen. Wir haben uns letztlich gegenseitig überredet, in diesem Jahr auf das “Los Geht’s 2009” zu gehen. Das ist ein Treffen, bei dem Gründungsgruppen, Interessierte und bestehende Projekte zum kommunikativen Austausch zusammenkommen.
Das Thema Kommune war also wieder auf dem Tisch. Nur weil es mit einem potentiellen Partner nicht geklappt hat, sagt man ja auch nicht: “Beziehung? Nö. Hab ich probiert, aber das ist nichts für mich.” Vielleicht, so der Gedanke, lernen wir ja Leute kennen, die ähnlich ticken und mit denen sich etwas starten lässt. Oder finden eine andere sympathische Gemeinschaft, die etwas für uns sein könnte.
Escherode bekommt Besuch
Über Pfingsten waren wir nun also mit 250 Leuten aus ganz Deutschland und z.T. auch aus dem Ausland auf dem Gelände der gASTWERKe in Escherod und haben die Gelegenheit genutzt, beim Los Geht’s 09 mit den unterschiedlichsten Menschen zu sprechen. Von Leuten wie wir, die (noch) nicht in Projekten wohnen bis zu den erfahrenen AltkommunardInnen.
Was mir dabei (wieder) klar wurde: es geht beim Leben in einer Gemeinschaft, zumal in einer, die sich als Kommune bezeichnet, um mehr als schöner Wohnen. Die Abstufungen der Ziele, das Selbstverständnis der Gruppe oder die Umsetzung dieser Ziele können von Projekt zu Projekt stark variieren, aber allen gemeinsam ist dieses MEHR. Etwa, ein linkes Politikverständnis, gemeinsame Ökonomie, Entscheidungen im Konsensprinzip, gewaltfreie Kommunikation, ein nachhaltiger und ökologischer Anspruch, Hierarchiefreiheit…
Ein Teil von mir
Für mich ganz persönlich habe ich nach dem Los Geht’s 09 beschlossen:
Ich möchte so leben, dass ich auf jeden Fall immer Zeit und Raum haben kann um Kunst zu machen. Seien es kleine Basteleien oder ambitioniertere Projekte, Häkelmützen oder Landart, völlig zweckfreie Sachen oder Gebrauchsdinge. Das ist einfach ein so wichtiger Teil von mir. Wenn sich damit Geld verdienen lässt, auch nicht schlecht, aber das darf keine Voraussetzung sein um weiterhin kreativ zu sein.
Ärger mit dem Kapitalismus
Dieser ganze Konsumterror geht mir so auf die Nerven. Frei nach Herbert Grönemeyer…”ich kauf mir was, kaufen macht so viel Spass, ich könnte ständig kaufen gehen…“, das soll dann unsere Freiheit sein? Statt immer nur zu konsumieren möchte ich lieber selbst tätig werden, allein oder mit anderen zusammen. In uns steckt so viel Potential, so viele Ideen, die durch die ständige Berieselung mit unnötigen Dingen überdeckt werden. Und ständig wird noch mehr produziert: Autos, Fertigprodukte etc. ob wir es wirklich brauchen oder nicht.
Das Bedürfnis wird uns schon irgendwie aufgeschwatzt. Von daher kann ich mich durchaus mit der Idee “mehr nutzen als besitzen” anfreunden – solange mit den Dingen, die ich mitnutzen möchte, pfleglich umgegangen wird.
Veränderung tut not, braucht aber Zeit
Mit einer Gesellschaft, die so tickt, kann ich immer weniger anfangen. Doch ich glaube, die meisten Menschen sind noch nicht soweit, dass sie zu einer wirklich tiefgreifenden Veränderung bereit wären. Der Leidensdruck ist nicht hoch genug. Auch ist es immer einfacher, über bestehende Übel zu schimpfen als sich auf das ungewisse Neue einzulassen, das vielleicht Angst macht. Allein ein Wort wie Kommune weckt ja schon Befürchtungen und Vorurteile.
Auf dem Los Geht’s 09 fiel in einem Workshop das Adorno Zitat “Es gibt kein richtiges Leben im falschen”. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Sinn richtig verstanden habe, aber für mich bedeutet es immer mehr, dass etwa schöne Möbel nicht weiterhelfen, wenn das ganze Lebenskonzept nicht stimmt. So wie die Gesellschaft heute gestrickt ist, läuft alles auf ein Leben in Vereinzelung hinaus, Kleinstfamilien, Paar oder Singelhaushalte. Ein Leben lang wird geschuftet, bis endlich das ersehnt Eigenheim steht. Dann lebt man darin ein paar Jährchen allein oder mit den Kindern und hat als Besitzstandswahrer nun die Sorge, alles gut an die nächste Generation weiterzugeben. Es ist hier das verbreitetste Modell, aber kann das das einzig wahre Lebensmodell sein? Ich glaube nicht.
Ein paar ganz egoistische Wünsche
Ich wünsche mir Impulse von anderen in meinem Leben. Ich möchte mich weiter entwickeln und meine Möglichkeiten ganz ausschöpfen. Ich möchte meine Erfahrungen teilen, von und mit anderen lernen. Ich möchte mich möglichst wenig verbiegen müssen und ein aufrechter Mensch sein dürfen, auch mit unbequemen, kritischen Ansichten. Insofern glaube ich, dass auch das Privatleben politisch sein kann. Ein Grund, es hier ein wenig auszubreiten.
Viel Text – und noch nicht alles gesagt. Es wird wohl noch einen 3. Teil mit Gedanken zum Los Geht’s 09 geben. Einen Rückblick meines Freundes auf das Los Gehts’s 09 gibt’s hier.
Tags: anders leben