Wer hat an der Uhr gedreht?

Natali 19. Mai 2010

Wie die Zeit verfliegt. Schwupp, schon wieder ist man ein Jahr älter. Vielen Dank an alle, die meinen Geburtstag in diesem Jahr mit mir begangen haben! Eure guten Wünsche und Gesten haben mich sehr gefreut.

Zum Frühstück wurde ich von meinen lieben MitbewohnerInnen sogar mit einem Ständchen besungen und es gab am Tisch einen geschmückten Ehrenplatz für mich. Sehr süß, das hat sogar das trübe Wetter in den Hintergrund treten lassen.

Der Ausflug nach Eisenach fiel allerdings trotzdem etwas kürzer aus, nur als kleiner Spaziergang mit Einkehr in der Eisdiele. Die Wartburg läuft ja aber auch nicht weg und wird in diesem Sommer sicher mal für eine Wanderung auf dem Programm stehen.

Später gab es frischen Kuchen mit Rhabarber aus dem Garten. Und danach ein paar Partien “Stadt, Land Fluss”, aktuell ein recht angesagtes Spiel bei uns…

Ganz toll gefreut hab ich mich über ein tolles Fachbuch: “Faszination Töpfern” von Tony Birks. Darin werde ich in nächster Zeit sicher ganz viel schmökern. Dazu eine Tasse vom neuen Druiden Zaubertee aus dem Walterhäuser Teelädchen trinken und im Hintergrund der neuen CD von Sophie Hunger lauschen.

Doch, mir geht es hier richtig gut!

Ankommen

Natali 16. April 2010

Als ich dieses Blog begonnen habe, sollte es sich eigentlich um das Thema Kunst drehen. Sowohl zu den Arbeiten verschiedener Künstler als auch zu Eigenproduktionen wollte ich Gedanken, Fragen und Skizzen sammeln. Dieser Schwerpunkt hat sich in letzter Zeit ein wenig auf Buchvorstellungen und Erlebnisberichte verlagert, was ich jedoch nicht tragisch finde.

Seit letzter Woche wohne ich nun im grünen Herzen Deutschlands, im thüringischen Waltershausen. Der Umzug an sich war wohl eher banal, mit dem üblichen Logistikstress und viel Kistengeschleppe. Das Ankommen im neuen Zuhause gestaltet sich dafür umso interessanter, denn der Herr Freund und ich lassen mit diesem Schritt die Stille unserer alten Wohnung hinter uns. Ab jetzt ist immer Leben in der Bude, mit vielen Gesprächen und viel Aktivität jeden Tag.  Wir testen die KoWa endlich richtig vor Ort … und sie uns.

Noch kann von Alltag keine Rede sein, denn es gibt noch so viel zu lernen und entdecken. Bisher habe ich beim Kochen für etwa 20 Personen geholfen. Das schult hoffentlich, nach und nach ein Gefühl für Mengen und Zeiteinteilung zu bekommen. Für jemanden wie mich, die gerne plant, eigentlich eine ganz nette Sache. Und statt vorm Computer zu sitzen saß ich die Tage am großen Flügel um meine Klavierkenntnisse wiederzubeleben.  Nächste Woche steht sogar Sport auf der Liste: Basketball, was ich seit der Schule nicht mehr gespielt habe.

Dieses Wochenende klinke ich mich in den Seminarbetrieb ein, das bedeutet Räume vorbereiten und den Gästen Rede und Antwort stehen. Ansonsten gibt es einfach sehr viel zu tun um die wachsende Gruppe am funktionnieren zu halten, von praktischer (Bau-)Arbeit über regelmäßige Diskussionen bis zum Papierkram.

Das ist alles so belebend und mir geht es gerade so richtig gut! Demnächst werde ich mir eine Werkstattecke zum Töpfern einrichten um wieder an der Töpferscheibe zu üben. Dann brauche ich nur noch eine Brennmöglichkeit in der näheren Umgebung – oder vielleicht fällt mir doch noch irgendwann ein passender Brennofen vor die Füße. Das Thema Kunst könnte hier jedenfalls bald wieder mehr Gewicht bekommen.

Ostern, alles gut verpackt.

Natali 4. April 2010

Zum Glück sind die Eier-Färbearbeiten (siehe oben) schon sehr vergnüglich getätigt. Ansonsten wir dieses Jahr kein Stück österlich dekoriert. Ganz im Gegenteil, die Feiertage vergehen mit Umzugskisten packen.

Langsam verschwindet alles in braunen Kartons, die Wohnung wird kahl und mir bange ob das wirklich alles in den LKW passt. Warum haben wir nur so viel Zeug? Das meiste ist doch wirklich nur Ballast, unnötiger Schnickschnack. Kommt davon, wenn die IKEA-Besuche zum Hobby werden. Immerhin haben wir durch den Umzug einige Dinge wieder über Bord geworfen, das ist reinigend wie ein Frühjahrsputz.

Doch mit dem Einpacken ist es nicht getan, im zukünftigen Zuhause müssen die Sachen dann wieder einen Platz finden. Und wir letztlich auch irgendwie. Ende nächster Woche werden wir sicher ziemlich k.o. sein, aber ich freu mich schon sehr, wieder neue Wurzeln zu schlagen!

Papiergezwitscher: Origami-Kraniche

Natali 1. April 2010

Vögel zählen unbestritten zu meinen Lieblingstieren. Einen Kranich zu falten stand schon länger auf meiner to-do-Liste. Nun habe ich mir endlich richtiges Origamipapier zugelegt und war erstaunt, wie einfach das doch geht. Natürlich blieb es nicht bei einem …

Für die richtigen Kniffe habe ich diese Anleitung verwendet. Bei Zzzebra gibt es auch eine, die sich allerdings leicht unterscheidet. Das Ergebnis sieht aber gleich aus. Außerdem findet sich dort die Geschichte des Mädchens Sadako, das nach dem Atombombenabwurf von Hiroshima an Leukämie erkrankte und dem das Kranichfalten Hoffnung gab.

Die Esslinger Wanderfalken

Natali 26. März 2010

Wenn es eine Stadt gibt, mit der ich Heimatgefühle verbinde, dann ist das Esslingen am Neckar. Hier, in der Unteren Beutau, nahe der Frauenkirche, habe ich meine Kindheit verbracht. In den kommenden Wochen werde ich ein weiteres Mal hinaus in “die Fremde” ziehen. Von Schwaben ins thüringische Waltershausen. Grund, auch vom hübschen Esslingen Abschied zu nehmen.

Aktuell beobachte ich mit Spannung das Geschehen hoch in der Stadtkirche St. Dionys. Diese ist an sich bereits ein markanter Anblick mit ihren beiden, durch eine überdachte Brücke verbundenen, Türmen. Nun brütet wieder ein Wanderfalkenpaar im von der Esslinger NABU-Gruppe eingerichteten Brutkasten. Im Blog der Esslinger Zeitung wird darüber regelmäßig berichtet.

Das Highlight ist aber sicher die Webcam mit Blick ins Nest!

Auch wenn die realen Besuche in der Stadt für mich demnächst komplizierter werden, bei den Falken schaue ich sicher ganz oft rein. Hoffentlich geht alles in diesem Jahr alles gut mit den Jungen.

Die Bücherdiebin

Natali 19. März 2010

Draußen bricht der Frühling aus, während im Buch ein Bombenhagel auf München regnet. Das Wetter nimmt keine Rücksicht auf unsere Befindlichkeiten. Heute habe ich die letzten Seiten von “Die Bücherdiebin” von Markus Zusak gelesen und fühle mich noch etwas benommen.

Fröhlich war diese Lekture nicht unbedingt, auch keine Sensation in Sachen Spannung. Subtil trifft es vielleicht, wie eine feine Zeichnung. Eine deutsche Kindheit im Zweiten Weltkrieg könnte das Thema sein, interessanterweise erzählt vom Tod selbst. Er hat viel zu tun in diesen Jahren, denn er sammelt die Seelen der Gestorbenen ein. Während seiner Arbeit begegnet er mehrfach einem Mädchen, das nach und nach eine besondere Leidenschaft für Bücher entwickelt. Er beobachte sie und berichtet von den harten Schicksalsschlägen, aber auch dem kleinen Glück in ihrem Leben. Bis sie jedoch beruflich seine Aufmerksamkeit weckt, vergehen noch viele Jahre.

Die Charaktere sind sparsam aufgestellt, gerade so viele wie nötig um das Umfeld der Protagonistin anschaulich zu machen. In einer Zeit der Verknappung wird auch die Sprache erfinderisch, schafft Provisorien und freut sich über scheinbar einfache Fundstücke. Ein Keller wir wichtig, wird Schauplatz für Wetterberichte und viele Boxkämpfe zwischen einem Juden und Hitler.

Ein sehr unaufgeregter Roman, der auch bei der wirklich schweren Kost ruhig bleibt, nicht ins große Drama verfällt. Hat mir gut gefallen.

Übung in Geduld

Natali 12. März 2010

Bald, bald ist es soweit. Dann werden die Kisten gepackt und all die vielen Dinge reisen mit uns durchs Land, zu unserem neuen Abenteuer in Thüringen. Letzte Woche war ich zu einem weiteren Besuch in der Kommune Waltershausen.

Es war ein Arbeitseinsatz, denn vor dem Umzug soll ja die zukünftige Wohnstätte schön und behaglich vorbereitet werden. Und so lernt eine studierte Geisteswissenschaftlerin gerade so langsam das 1×1 auf der Baustelle. Mittlerweile habe ich jedenfalls erste Übungsrunden im Verspachteln und späteren Schleifen von Fugen hinter mir. Am Ende war ich zwar geschafft, aber auch sehr gut gelaunt über das Ergebnis.

Was jetzt kommt wird eine größere Logistikaufgabe. Ausmisten, Dinge auseinanderbauen und wiederfindbar verpacken. Diverse Sachen abmelden, ummelden, neu anmelden. Wie groß muss der Laster sein, wer hilft beim Schleppen, woher bekommen wir eine Sackkarre…

Auf das Auspacken im neuen Zuhause freue ich mich dagegen schon sehr!

Neues von der Polytoxicomanen Philharmonie

Natali 24. Februar 2010

Es wabert und flüstert, blinkt und singt. Dann verschwimmt das Traumgebilde wieder zu einem Seufzen – um sich mit Nachdruck in einen neuen Groove zu stürzen.

Allein, in einer stürmischen Nacht, ließen mich die ungewöhnlichen Geräusche aus meinem CD-Spieler vielleicht etwas schaudern. Psychedelischer Rock entfaltet seine bunte Wirkung eben nicht nur im Gehörgang. Probe gefällig?

Aber wir haben Tag und das schicke neue Werk der Polytoxicomanen Philharmonie löst gerade viel mehr Begeisterung aus. “Go Ape” liegt hier als Doppel-LP und Doppel-CD mit herrlich schräger und umfangreicher Covergestaltung auf meinem Schreibtisch. “Überschnappen” heißt der Titel übersetzt, dabei steckt neben einem Quäntchen Wahnsinn einfach ein großer Batzen Arbeit und kreativer Übermut in dem musikalischen Machwerk der Frankfurter Band.

Und ich bin stolz wie Bolle, dass ich jetzt schon zum zweiten Mal einen Text für die Hüllengestaltung beisteuern durfte. Der erste, zu “Drosophila Road,” handelte von dem Aufbruch einer Fliege ins Weltall. Bei “Go Ape” ist das Insekt, Ned Busckii, wieder dabei und mischt sich in anderer Leute Leben ein. Die beiden Stories gibt hier auf der Bandseite zum Nachlesen.

Wintervalentinstag

Natali 14. Februar 2010

 

When you are old and grey and full of sleep,

and nodding by the fire, take down this book,

and slowly read, and dream of the soft look

your eyes had once, and of their shadowes deep;

 

How many loved your moments of glad grace,

and loved your beauty with love false or true,

but one man loved the pilgrim soul in you,

and loved the sorrows of your changing face;

 

And bending down, beside the glowing bars,

murmur, a little sadly how love fled

and paced upon the mountains overhead

and hid his face amid a crowd of stars.

 

W.B. Yeats

 

The Catcher in the Rye

Natali 8. Februar 2010

Was für ein doofer Typ, dieser Holden Caulfield. Gerade mal wieder von einer Schule geflogen, lügt wie gedruckt und scheint sich keinen Deut um seine Zukunft zu scheren. Nein, auf den ersten Seiten von J.D. Salingers “The Catcher in the Rye” konnte ich nicht viel mit seinem Protagonisten anfangen.

Und doch hatte es irgendwie Charme, wie er immer mehr von seinen Gedanken Preis gab, wie er ständig über alles Mögliche nachdachte und jede Begegnung kommentierte.

Junge, du bist unzufrieden mit allem und jedem, dachte ich. Auch seine kleine Schwester Phoebe fragt ihn irgendwann, was er denn überhaupt gut finde auf dieser Welt und was er aus sich machen wolle. Was er antwortet ist geradezu romantisch, aber natürlich verrate ich es hier nicht. Es ist ein kleines Büchlein, das schnell gelesen ist, wer es also wissen will, entdecke es ruhig selbst.

“The Catcher in the Rye” erschien 1951 und ist somit auch ein schönes Zeitdokument. Als 1979 geborene Deutsche sind mir die New Yorker Szenen und die damals gerade aktuellen Schauspieler, die er erwähnt, eher fremd. So beschreibt Holden zum Beispiel, wie ihm eine Aufführung von Hamlet mit Sir Laurence Olivier gefallen hat. Ich finde es spannend, als Nachbereitung zur Lektüre diesen Referenzen ein wenig nachzugehen und mir seine Welt genauer anzusehen. So vermischen sich Literatur und Geschichte auf ganz angenehme Weise.

Letztlich sind es nur drei Tage in Holdens Leben, an denen Salinger die Leser teilhaben lässt. Am Ende wäre ich durchaus bereit gewesen, mit ihm bei einem Cocktail die ungelöste Entenfrage zu erörtern.

Salingers Roman würde ich zur Kanonliteratur zählen, also zu den literarischen Arbeiten, die einen herausragenden Stellenwert einnehmen und die einigermaßen gebildeten Leser kennen sollten. Ich stehe dem Kanon sehr ambivalent gegenüber, denn wer bestimmt, was dazu gehört. Wessen Blick ist es, der die Werke bewertet und was wird dadurch als nicht wichtig abgewertet? Andererseits gibt es einfach so viel Literatur.  Wenn wir nicht gerade wahllos ein Buch aus dem Regal nehmen, müssen wir immer eine Entscheidung über unsere Lektüre treffen. Da kann ein Leitfaden hilfreich sein. Als Schullektüre hätte ich den “Fänger im Roggen” sicher recht gern gelesen.

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