Das irdische Paradies
Natali 19. Dezember 2009

Ich habe das Paradies gesehen… es hängt zur Zeit in der Staatsgalerie Stuttgart. Die Ausstellung mit Werken des englischen Malers Edward Burne-Jones geht noch bis 7. Februar 2010 und ich kann sie sehr empfehlen!
Es sind wirklich eine Menge Arbeiten zu sehen, auch Wandteppiche und Vorstudien. Außerdem ist es immer wieder beeindruckend, wie farbintensiv und groß manche Bilder sind. Um meinen alten Kunst-Lehrer zu zitieren: “Eine Reproduktion ist nie so gut wie das Original!” Manches Detail wirkt aus einiger Entfernung völlig klar und scharf gezeichnet. Steht man dann auf armeslänge vor dem Werk, so wie es der Künstler beim Arbeiten gesehen haben muss, zeigt sich, dass es tatsächlich nur schemenhaft angedeutet ist.
Von der Königstraße nach Mordor
Die Ausstellungsmacher hatten im Vorfeld Kommentare von Leuten auf der Straße gesammelt. Die meisten waren wahrscheinlich weder mit dem Maler noch mit der Epoche vertraut und fühlten sich in seinen Bildern etwa an die Herr der Ringe Filme oder sogar an Comics erinnert. Burne-Jones Werke zeigen in der Tat Szenen aus Mythen oder Stoffen wie der Artussage. Künstlerisch wird er der Bewegung der Präraffaeliten zugeordnet. Im englischsprachigen Wikipedia-Eintrag zu diesen wird sogar starkt vermutet, dass seine Arbeiten den jungen Autor des Hern der Ringe, J.R.R. Tolkien, beeinflusst haben.
Abseits vom Alltag
Mir gefällt die nachdenkliche bis düster traurige Stimmung vieler Werke der Präraffaeliten wie auch der Symbolisten. Hinter dem Dargestellten verbirgt sich immer ein Thema, eine Geschichte, die es zu entschlüsseln gilt. Da geht es um Liebe und Tod, Ritterlichkeit, Wagnis, Loyaliät und Glaube. Das mag in unserer Zeit ziemlich angestaubt klingen und kitschig. Oder eben nach einem Kassenschlager wie den Tolkien oder Marvel-Comic Verfilmungen. Allen gemein sind ihre Helden. Ich glaube, Filme mit diesen Themen funktionieren, weil sie eine Sehnsucht in uns nach einem bedeutungsvolleren Leben ansprechen. Dort geht es um elementare Entscheidungen, nicht um Banales. Von dem haben wir im Alltag schon genug. Tee oder Kaffee? Die blaue Hose oder die schwarze? Burne-Jones’ Charaktere stehen vor schwerwiegenderen Wendungen. Ein wenig wie Spiderman oder die Hobbit-Gefährten.
Stellt sich noch die Frage, ist es Eskapismus, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen? Flucht aus der Reallität? Oder vielleicht ein Weg, sich tatsächlich ein “irdisches Paradies” zu erdenken. Die Ausstellung jedenfalls ist zauberhaft schön.
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