Schafskrimi: “Glennkill” von Leonie Swann
Natali 27. Oktober 2009

“Elsterngeschwätz. Windgeheul. Lämmergefasel. Magst du mitkommen in die Nacht, in die du nicht mitkommen wolltest? Eine Geschichte?” - Und was für eine Geschichte! Glennkill aus dem Jahr 2005 ist sicher eher leichte Unterhaltung, aber mit so ungewöhnlichem Blickwinkel, dass dieses Buch eine echte Freude war.
Ich lese sehr selten Krimis und bin daher im Aufspüren von Mördern nicht viel geübter als die kleine Herde. Vielleicht war es deshalb so angenehm, sich einfach von den Schafsgedanken treiben zu lassen, zwischendurch immer wieder zu grasen und sich unter den irischen Wollträgern recht aufgehoben zu fühlen. Schön zu erleben, wie die deutsche Autorin mit dem englischen Pseudonym mit der Zeit einzelne Charaktere immer deutlicher zeichnet und diese trotzdem nicht zu menschlich wirken.
Was den Schafen in Glennkill an Wissen über das menschliche Leben fehlt, machen sie mit untrüglichen Sinneswahrnehmungen wett. So wittern sie etwa Angst oder Wut und kombinieren diese Eindrücke mal zu korrekten, mal zu etwas schrägen Feststellungen. “Wenn es ein Erinnerungsloch ist, müsste man es doch mit Erinnerungen stopfen können”, sagte Cordelia plötzlich. “Ein Erdloch stopft man doch auch mit Erde.” “Aber ein Rattenloch nicht mit Ratten”, sagte Cloud. Dieser Blick auf die Welt aus Schafsaugen ist Swann wunderbar gelungen und er macht sicher den Reiz des Krimis aus.
Freue mich jedenfalls schon wie eine Koboldkönigin auf den Nachfolger “Garou – ein Schaf-Thriller“, der am 8. Februar 2010 erscheint.
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