Sie mag klein an Statur sein, aber im Erzählen skurriler Geschichten aus dem Leben ist Isabel Allende ganz groß. Gestern habe ich die letzten Seiten ihres 2009 erschienen Romans “Das Siegel der Tage” gelesen. Das Original kam 2007 unter dem Titel “La suma de los dias” heraus.
Der Roman ist in Form eines langen Briefes gehalten, den Allende ihrer 1992 verstorbenen Tochter Paula schreibt. Ähnlich wie in “Mein erfundenes Land” bleibt sie daher sehr eng bei ihrer eigenen Lebensgeschichte und den teils haarsträubenden Ereignissen in ihrer Sippe.
Insofern habe ich mich oft gefragt, was nun tatsächlich geschehen ist und was einfach gut in die Erzählung gepasst hat und dazuerfunden ist. Aber letztlich ist das gar nicht wichtig, auch wenn die Charaktere in “Das Siegel der Tage” manchmal so schräg daher kommen, als seien sie direkt einem Zirkus entlaufen.
Mir gefällt die Mischung aus tragischen Wendungen und augenzwinkernder Selbsterkenntnis. Ich habe das Gefühl, das Schreiben hat sie tatsächlich vor größerem Kummer geschützt. Sicher könnte man es schlicht Exhibitionismus nennen, solch private Dinge öffentlich auszubreiten. Die Offenheit, mit der sie über Dinge wie Eltern-Kind-Konflikte, Beziehungskisten oder die Zeichen des Alters schreibt, hört sich an, als sei hier jemand mit sich im Reinen. Auch wenn es ein beständiger Kampf mit den eigenen Marotten ist, die lesen sich darum umso vergnüglicher.
Draußen bricht der Frühling aus, während im Buch ein Bombenhagel auf München regnet. Das Wetter nimmt keine Rücksicht auf unsere Befindlichkeiten. Heute habe ich die letzten Seiten von “Die Bücherdiebin” von Markus Zusak gelesen und fühle mich noch etwas benommen.
Fröhlich war diese Lekture nicht unbedingt, auch keine Sensation in Sachen Spannung. Subtil trifft es vielleicht, wie eine feine Zeichnung. Eine deutsche Kindheit im Zweiten Weltkrieg könnte das Thema sein, interessanterweise erzählt vom Tod selbst. Er hat viel zu tun in diesen Jahren, denn er sammelt die Seelen der Gestorbenen ein. Während seiner Arbeit begegnet er mehrfach einem Mädchen, das nach und nach eine besondere Leidenschaft für Bücher entwickelt. Er beobachte sie und berichtet von den harten Schicksalsschlägen, aber auch dem kleinen Glück in ihrem Leben. Bis sie jedoch beruflich seine Aufmerksamkeit weckt, vergehen noch viele Jahre.
Die Charaktere sind sparsam aufgestellt, gerade so viele wie nötig um das Umfeld der Protagonistin anschaulich zu machen. In einer Zeit der Verknappung wird auch die Sprache erfinderisch, schafft Provisorien und freut sich über scheinbar einfache Fundstücke. Ein Keller wir wichtig, wird Schauplatz für Wetterberichte und viele Boxkämpfe zwischen einem Juden und Hitler.
Ein sehr unaufgeregter Roman, der auch bei der wirklich schweren Kost ruhig bleibt, nicht ins große Drama verfällt. Hat mir gut gefallen.
Was für ein doofer Typ, dieser Holden Caulfield. Gerade mal wieder von einer Schule geflogen, lügt wie gedruckt und scheint sich keinen Deut um seine Zukunft zu scheren. Nein, auf den ersten Seiten von J.D. Salingers “The Catcher in the Rye” konnte ich nicht viel mit seinem Protagonisten anfangen.
Und doch hatte es irgendwie Charme, wie er immer mehr von seinen Gedanken Preis gab, wie er ständig über alles Mögliche nachdachte und jede Begegnung kommentierte.
Junge, du bist unzufrieden mit allem und jedem, dachte ich. Auch seine kleine Schwester Phoebe fragt ihn irgendwann, was er denn überhaupt gut finde auf dieser Welt und was er aus sich machen wolle. Was er antwortet ist geradezu romantisch, aber natürlich verrate ich es hier nicht. Es ist ein kleines Büchlein, das schnell gelesen ist, wer es also wissen will, entdecke es ruhig selbst.
“The Catcher in the Rye” erschien 1951 und ist somit auch ein schönes Zeitdokument. Als 1979 geborene Deutsche sind mir die New Yorker Szenen und die damals gerade aktuellen Schauspieler, die er erwähnt, eher fremd. So beschreibt Holden zum Beispiel, wie ihm eine Aufführung von Hamlet mit Sir Laurence Olivier gefallen hat. Ich finde es spannend, als Nachbereitung zur Lektüre diesen Referenzen ein wenig nachzugehen und mir seine Welt genauer anzusehen. So vermischen sich Literatur und Geschichte auf ganz angenehme Weise.
Letztlich sind es nur drei Tage in Holdens Leben, an denen Salinger die Leser teilhaben lässt. Am Ende wäre ich durchaus bereit gewesen, mit ihm bei einem Cocktail die ungelöste Entenfrage zu erörtern.
Salingers Roman würde ich zur Kanonliteratur zählen, also zu den literarischen Arbeiten, die einen herausragenden Stellenwert einnehmen und die einigermaßen gebildeten Leser kennen sollten. Ich stehe dem Kanon sehr ambivalent gegenüber, denn wer bestimmt, was dazu gehört. Wessen Blick ist es, der die Werke bewertet und was wird dadurch als nicht wichtig abgewertet? Andererseits gibt es einfach so viel Literatur. Wenn wir nicht gerade wahllos ein Buch aus dem Regal nehmen, müssen wir immer eine Entscheidung über unsere Lektüre treffen. Da kann ein Leitfaden hilfreich sein. Als Schullektüre hätte ich den “Fänger im Roggen” sicher recht gern gelesen.
Mit meinem letzen Lesestoff bin ich in zwei höchst unterschiedliche Leben eingetaucht. Ob die beiden Protagonisten sich wohl verstanden hätten?
Nach Portugal…
Gestern bin ich mit Pascal Merciers “Nachtzug nach Lissabon” fertig geworden, einem Roman, der ruhig dahingleitet wie ein großer Strom. Die Hauptperson, Raimund Gregorius, Lehrer für alte Sprachen in Bern, macht sich aus einem plötzlichen Impuls heraus aus seinem Leben davon. Mit der biographischen Erzählung des portugisischen Arztes Amadeu de Prado in den Händen, reist er Hals über Kopf nach Lissabon und lernt dort auf dessen Spur ein neues Leben kennen.
Indem Gregorius die Aufzeichnungen des Arztes betrachtet, ist es, als lese man zwei Bücher in einem, eine Geschichte in der Geschichte. Wobei die Gedankengänge des Arztes durch philosophische Tiefe ausgezeichnet sind, etwa wie dieser: “Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt.”
Wie der stets überlegte und bescheidene, eher langweilige Gregorius in der fremden Umgebung aufblüht und sich von seiner Neugier treiben lässt, wirkt sehr befreiend. Da ist einer, der vielleicht in letzter Minute aus den eingefahrenen Bahnen ausgebrochen ist und dadurch viel gewonnen hat.
Nach Südamerika…
Ein weiteres Mal Isabel Allende. Nach “Mein erfundenes Land” und “Paula” war meine letzte Lektüre der Chilenin “Eva Luna”. Im Gegensatz zu der traurigen Erzählung über Allendes sterbender Tochter Paula kam dieser Roman sehr viel leicher daher, um im Bild zu bleiben, eher ein sich munter schlängelnder Bach. Ein fröhliches Buch, wie sie selbst darüber im Klappentext zitiert wird.
Die Protagonistin Eva Luna, nach der der Roman benannt ist, wird als Tochter eines Dienstmädchens in schwierige Verhältnisse hineingeboren und auch das nicht näher bezeichnete südamerikanische Land, in dem sie aufwächst, erfährt turbulente Zeiten. Ihre Mutter stirbt als sie noch klein ist, über ihren Vater, den sie nie kennenlernt, erzählt Eva Luna ganz zu Beginn des Romans: “Mein Vater, ein Indio mit gelben Augen, war an jenem Ort zu Hause, wo hundert Flüsse zusammenfließen, er roch nach Wald und blickete nie hinauf in den Himmel, denn er war unter der Kuppel der Bäume groß geworden, und das Licht dünkte ihn schamlos.” Die Sicherheit, mit der sich Allendes Heldin in einer unsicheren Welt und zwischen den teils exzentrischen Gestalten bewegt, gleicht der eines Traumwandlers. Sie schöpft ihre Kraft aus den Erzählungen ihrer Mutter und ihrer Einbildungskraft und wird selbst zur Geschichtenerzählerin. Womit Eva Luna letztlich einen Weg beschreibt, der ihrer Schöpferin Allende sehr ähnelt.
Beide Romane haben mich mit ihrer Spannung schlichtweg entführt. Mercier in eine Welt der grundlegenden Gedanken, Allende mehr in die der Sinnesfreuden. Von beiden möchte ich definitiv mehr lesen, wobei ich Allende den Rückgriff auf wiederkehrende Motive, wie etwa das Geschichtenerzählen, gern verzeihe.
Wer nun auf die beiden Bücher neugierig geworden ist, kann Eva Luna und Nachtzug nach Lissabon bei amazon.de erstehen – und mir damit (Partnerprogramm sei Dank) nebenbei etwas Gutes tun…
“Elsterngeschwätz. Windgeheul. Lämmergefasel. Magst du mitkommen in die Nacht, in die du nicht mitkommen wolltest? Eine Geschichte?” - Und was für eine Geschichte! Glennkill aus dem Jahr 2005 ist sicher eher leichte Unterhaltung, aber mit so ungewöhnlichem Blickwinkel, dass dieses Buch eine echte Freude war.
Ich lese sehr selten Krimis und bin daher im Aufspüren von Mördern nicht viel geübter als die kleine Herde. Vielleicht war es deshalb so angenehm, sich einfach von den Schafsgedanken treiben zu lassen, zwischendurch immer wieder zu grasen und sich unter den irischen Wollträgern recht aufgehoben zu fühlen. Schön zu erleben, wie die deutsche Autorin mit dem englischen Pseudonym mit der Zeit einzelne Charaktere immer deutlicher zeichnet und diese trotzdem nicht zu menschlich wirken.
Was den Schafen in Glennkill an Wissen über das menschliche Leben fehlt, machen sie mit untrüglichen Sinneswahrnehmungen wett. So wittern sie etwa Angst oder Wut und kombinieren diese Eindrücke mal zu korrekten, mal zu etwas schrägen Feststellungen. “Wenn es ein Erinnerungsloch ist, müsste man es doch mit Erinnerungen stopfen können”, sagte Cordelia plötzlich. “Ein Erdloch stopft man doch auch mit Erde.” “Aber ein Rattenloch nicht mit Ratten”, sagte Cloud. Dieser Blick auf die Welt aus Schafsaugen ist Swann wunderbar gelungen und er macht sicher den Reiz des Krimis aus.
Freue mich jedenfalls schon wie eine Koboldkönigin auf den Nachfolger “Garou – ein Schaf-Thriller“, der am 8. Februar 2010 erscheint.
2007 sprach Allende bei der alljährlichen TED Konferenz in Monterey über Frauen, Leidenschaft und Feminismus. Zu Beginn, finde ich, macht sie den Eindruck als sei sie etwas aufgeregt. Aber dann festigt sich ihre Stimme und sie erzählt in dieser ganz speziellen Mischung aus Ernsthaftigkeit, Witz, Koketterie und Selbstironie.
In den Kommentaren zum Video wurde kritisiert, dass sie sich nur an Frauen wende und die Teilhabe der Männer an einer positiven Veränderung der Welt ganz ausblende. Das mag zu einem gewissen Grad stimmen, die Männer spielen in ihren Romanen die zweite Geige. Trotzdem glaube ich nicht, dass sie Männer total vom Platz verweisen will, es geht ihr eher darum denen, die bisher zu wenig Gehör gefunden haben (Frauen u. Kinder) zu einer Stimme zu verhelfen. Insofern finde ich es in Ordnung, dieser Gruppe mehr Raum zu geben.
“Paula” von Isabell Allende
Nachdem ich in diesem Jahr bereits “Mein erfundenes Land” von Isabel Allende gelesen hatte – und schwer beeindruckt war, wollte ich unbedingt mehr von ihr lesen. Also hatte mir meine Mutter aus ihrer “Allende Sammlung” den Roman “Paula” ausgeliehen.
Und tatsächlich breitet die Autorin hier ihre Lebens- und Familiengeschichte, wie sie schon in “Mein erfundenes Land” anklang, weiter aus. Sie erzählt sie in einem langen Brief ihrer Tochter Paula, die mit 28 Jahren an Porphyrie erkrankt und nach einem Jahr des Leidens schließlich im Kreis der Familie stirbt. Ein eindringlicher und persönlicher Text, der drastisch die elementaren Dinge des Lebens deutlich macht: Liebe, Leid, Gesundheit, Einsamkeit, Familie, Mut, Aufgabe, Starre und Verwandlung.
Ich frage mich, wie viel die Geschichtenerzählerin Allende zu ihrem dramatischen Lebensbericht hinzuerfunden hat und wie viel davon blanke Wahrheit ist. Schließlich ist “Paula” ein Roman und keine Dokumentation, Ausschmückungen sind also legitim. Viele starke Erlebnisse für ein einzelnes Menschenleben sind es trotzdem, selbst wenn einige nicht ganz so vorgefallen sind.
Mut aus der Not
Nicht, dass ich Lust hätte einen Militärputsch zu erleben oder ins politische Exil flüchten zu müssen. Aber wenn ich mein recht sicheres Leben hier in Deutschland daneben stelle, kommt das doch eher langweilig daher. Vielleicht sind Krisensituationen, so schlimm sie in dem Moment für die betroffene Person auch sind, auch dienlich. Wenn es darum geht, die eigenen Kräfte zu mobilisieren, über sich hinaus zu wachsen oder anderenfalls unterzugehen.
Besonders berührend finde ich daher auch das Gefühl von Gemeinschaft, das Allende beschreibt wenn die Familie oder Freunde sich in schweren Zeiten helfen und in guten Zeiten feiern oder in die Haare kriegen. Wer es bequem hat, kommt nicht in die Situation, schlummerde Energien zu wecken oder andere um Hilfe zu bitten und so freundschaftliche Beziehungen zu knüpfen, die in einem tiefen gegenseitigen Vertrauen gründen.
Szenebekannt ist der im Oktober 2008 erschienene Titel von Kathrin Passig und Sascha Lobo jedenfalls. Eines Tages stand er bei uns im Regal (eine Leihgabe) und die Neugierde meinerseits war groß. Also geschnappt und kürzlich mit viel Schmunzelei die Lektüre beendet. Zum Interesse trug u.a. bei, dass ich zuvor von der Getting things done Methode gehört hatte, die mir jedoch recht aufwendig erschien. Das Passig/Lobo-Machwerk versprach, auch den inneren Schweinehund zu berücksichtigen.
Von LOBOs lernen
Dass ich zum Ratgeber griff, geschah nicht aus einer Notsituation heraus. In der Regel bekomme ich das mit der Selbstorganisation zu meiner eigenen und zur Zufriedenheit andere gut hin. Anderenfalls wäre die Magisterarbeit noch heute ein Fragment. Ich arbeite gerne mit To-do-Listen und bin eher einen Tag vor als einen Tag nach der Deadline fertig. Um mit einem Begriff des Buches zu sprechen, ich sehe mich nicht als eindeutigen LOBO - einen Menschen mit einem Lifestyle Of Bad Organisation.
Manchen Vorschläge kann ich daher so gar nicht folgen. Etwa, Post einfach liegen zu lassen, sofern man sich nicht zum Öffnen durchringen kann. Wichtige Mitteilungen würden eh weitere Schreiben nach sich ziehen. Ein Gedanke, der mir Unwohlsein verursacht.
Was ich dagegen super fand und gerne im Alltag erproben will, ist das clevere Prokrastinieren, also Aufschieben. Denn während wir unliebsame Dinge nicht tun, stecken wir oft sehr viel Zeit und Energie in andere Tätigkeiten. Werden diese richtig gewählt, bekommt man tatsächlich eine ganze Menge hin. Dem zugrunde liegt die Idee, dass es für Aufgaben einen idealen Moment gibt, in dem sie ganz leicht von der Hand gehen. Diesen gilt es zu finden.
Wobei natürlich darin auch die Gefahr liegt, dass der perfekte Zeitpunkt nie eintritt. Eine Chance wiederum, sich mit den positiven Aspekten des Scheiterns einer Aufgabe auseinander zu setzen. Statt sich ewig an etwas zu quälen, hilft es sicher ab und an den Kopf zu heben und sich zu fragen, was mache ich hier eigentlich? Ist das überhaupt notwendig oder ginge es auch anders?
Die Tage habe ich ein wundervolles Buch gelesen, das mich endlich einmal wieder so richtig gefesselt hat. Vielleicht war es auch einfach genau die richtige Zeit, diesen Text jetzt aus dem Regal zu nehmen. Die Rede ist von “Mein erfundenes Land” von Isabel Allende.
Sie erzählt darin ihre Geschichte, die Ihrer Familie und die Landesgeschichte Chiles. Sie erzählt vom Heimweh, dem Leben als Migrantin, und wie sie zum Schreiben kam. Das alles sehr amüsant und pointiert bis makaber. Etwa so:
Unser Kühlschrank, der vierzig Jahre ohne eine Reparatur überstand, wurde von einem lärmenden U-Boot-Motor angetrieben, der das Haus zuweilen in einem Hustenanfall erschütterte. Mit einem Besen kehrte die Köchin die Leichen der Kätzchen hervor, die unter dem Kühlschrank Wärme gesucht hatten und von Stromschlägen getötet wurden. Im Grunde war diese Form der Prophylaxe ein Segen, denn auf dem Speicher kamen Dutzende Kätzchen zur Welt,…
Ich war ganz begeistert davon, wie reflektiert diese Autorin über die Zusammenhänge der eigenen Biographie, der historischen Ereignisse, der Tätigkeit des Schreibens und die Rolle der Erfindung sinniert.
Als Literaturwissenschaftlerin finde ich genau diese Metaebene spannend. Den Punkt, an dem im Text über die Entstehung des Textes selbst gesprochen wird. Denn hier kommen die äußeren und inneren Impulse für eine Arbeit auf den Tisch, also eben zum Beispiel die Besonderheiten der chilenischen Kultur, die Wirkung der Landschaft und der klimatischen Verhältnisse auf den Alltag der Menschen. Themen, die dann wieder das zweite Fach berühren, das ich studiert habe: Kulturwissenschaft.
Warum ich nicht vorher schon etwas von dieser interessanten Frau gelesen haben? Vielleicht weil ich die Filme “Das Geisterhaus” und “Von Liebe und Schatten” als Jugendliche zwar ganz nett aber auch etwas schwülstig fand. Von dem Sprachwitz war da nichts zu erkennen. Oder weil ich Ihre Romane etwas abwertend als “Frauenliteratur” abgetan habe, ein fieser Begriff, über den es sich auch einmal lohnen würde, genauer nachzuforschen.
Sollte ich jemals mein Schul-Spanisch wieder ernsthaft auffrischen, wäre es jedenfalls eine Herausforderung, ein Allende Buch auf Spanisch zu lesen.
Was mir Frau Allende heute auch sympathisch macht, ist sicher ihr in “Mein erfundenes Land” angesprochener feministischer Antrieb. Dieser ist begründet in ihrer Biographie, doch ist leider auch 2009 noch nicht alles gerecht und kuschelig zwischen den Geschlechtern. In Chile nicht und auch sonst auf der Welt.