Ein verspäteter Abschied von Peter Steele, dem Sänger der Band Type O Negative.
Die Entdeckung von Metal und Hard Rock gehört eindeutig zu meinen liebsten Erinnerungen an die 90er Jahre. Wirklich wild war meine Jugend nicht, aber ein klein wenig Rebellion ließ sich zumindest durch den Musikgeschmack und die entsprechende Kleidung ausdrücken. Die Bands waren eher schwarz gewandet und die Mucke düster, das hat geholfen, den Pubertätsfrust abzureagieren. Und sicher war es auch identitätsstiftend.
Letzten Monat ist mit Steele eine faszinierenden Person aus dieser Zeit gestorben. Fand es ganz schön, ihn mit dem Video mit einem Lächeln und in einem so entspannten Moment in Erinnerung zu behalten.
Es wabert und flüstert, blinkt und singt. Dann verschwimmt das Traumgebilde wieder zu einem Seufzen – um sich mit Nachdruck in einen neuen Groove zu stürzen.
Allein, in einer stürmischen Nacht, ließen mich die ungewöhnlichen Geräusche aus meinem CD-Spieler vielleicht etwas schaudern. Psychedelischer Rock entfaltet seine bunte Wirkung eben nicht nur im Gehörgang. Probe gefällig?
Aber wir haben Tag und das schicke neue Werk der Polytoxicomanen Philharmonie löst gerade viel mehr Begeisterung aus. “Go Ape” liegt hier als Doppel-LP und Doppel-CD mit herrlich schräger und umfangreicher Covergestaltung auf meinem Schreibtisch. “Überschnappen” heißt der Titel übersetzt, dabei steckt neben einem Quäntchen Wahnsinn einfach ein großer Batzen Arbeit und kreativer Übermut in dem musikalischen Machwerk der Frankfurter Band.
Und ich bin stolz wie Bolle, dass ich jetzt schon zum zweiten Mal einen Text für die Hüllengestaltung beisteuern durfte. Der erste, zu “Drosophila Road,” handelte von dem Aufbruch einer Fliege ins Weltall. Bei “Go Ape” ist das Insekt, Ned Busckii, wieder dabei und mischt sich in anderer Leute Leben ein. Die beiden Stories gibt hier auf der Bandseite zum Nachlesen.
“Heavy Cross” von The Gossip geht mir gerade einfach nicht mehr aus den Ohren. Mir gefällt die Energie, die der Song ausstrahlt und mich zum Mitwippen bringt.
Über Sängerin Beth Ditto ist dieses Jahr schon viel geschrieben worden, meist im Zusammenhang mit ihrer Körperfülle. Sie ist auf jeden Fall ein Mensch der auffällt, der nicht gerade den bequemen Weg geht und (vielleicht eben deshalb) momentan mit ihrer Band ziemlich erfolgreich ist. Ich glaube, mit ihren starken Auftritten kann sie Frauen Mut machen, selbstbewusster zu sich und dem eigenen Körper zu stehen.
Nach den heißen Tagen braust nun wieder eine Bö nach der anderen durch’s Gebüsch. Der Himmel ist wolkenverhangen und in der Ferne sieht es nach Regen aus.
Ein Wetter, dem ich durchaus etwas abgewinnen kann, so bewegt wie alles ist. Ich glaube, Terry Pratchett hat in einem seiner Bücher die These aufgestellt, Wind entstehe dadurch, dass die Bäume sich schütteln. Wenn er es nicht war, wäre es ihm aber durchaus zuzutrauen. Kürzlich bin ich wieder über ein Lied gestolpert, das diesen tropfnassen Maitagen geradezu huldigt: “Rain in May” von Max Werner. Allerdings sind die Videos auf YouTube dazu grauenhaft. Deshalb an dieser Stelle kein Clip.
Statt dessen der Song “Touched“ von Vast. Ich gebe es zu, ich habe das Finale von Germany’s next Topmodel gesehen – dabei ist mir das Lied aufgefallen – und hat sich als Ohrwurm festgesetzt. Irgendwie transportiert es das gleiche Gefühl, wie wenn der Wind einem die Haare zerzaust und um einen herum alles zu flattern beginnt.
Mit einem ordentlichen Mai-Gewitter und großflächigem Wetterleuchten über Augsburg ist in diesem Jahr auch mein 30. Geburtstag eingeläutet worden. Fand ich angemessen dramatisch. Wenn es schon keine große Party gab, so hat der Himmel heftig Disco für mich gespielt.
Um es mit einem äußerst hübschen Bild auszudrücken: das Leben – auch das Leben 2008 – ist kein Ponyhof! Ein paar Erlebnisse kommen aber doch recht nah an dieses idyllische Ideal ran.
Ein paar meiner persönlichen Highlights:
Ein Konzert von Annett Louisan in der Liederhalle. Eine “Criminal Symphonie und eine Lesung von Max Goldt im Theaterhaus. Ein Besuch auf der Slow Food Messe in Stuttgart.
Ferienhausurlaub mit dem Freund in der Pfalz und in Dithmarschen. Außerdem schöne, interessante Wochenendtripps nach Zürich und Ulm.
Momente der Muse, aus denen irgendwann ein Paravent und in letzter Zeit einige Häkelmützen entstanden sind.
Die Treffen mit Freunden: leider viel zu selten aber darum um so mehr geschätzt!
Irgendwie sollte es in diesem Blog doch um Kunst gehen – das war zumindest der ursprüngliche Plan. Also warum nicht auch Musik. Sentenced ist eine meiner ausgemachten Lieblingsbands. Verrückte Finnen, die sich leider vor geraumer Zeit mit ihrem “Funeral Album” selbst zu Grabe getragen haben. Aber die Musik überdauert, ganz bestimmt…
“May today become the day” ist textlich recht harter Stoff: Das Lied beschreibt die Situation eines Soldaten, der im Kugelhagel zum Vorwärtsmarsch angetrieben wird und sich dabei alles andere als heldenhaft fühlt. Als das Signal zum Rückzug kommt, geht er weiter. Nicht aus Mut, wie vielleicht später berichtet wird, sondern weil er hofft den Tod zu finden.Das Ganze erinnert mich an die War Poets aus dem 1. Weltkrieg, Wilfred Owen und Isaac Rosenberg etwa, die den Krieg auch von seiner grausamen und unheroischen Seite gezeigt haben.