Die Band der Woche sind die Norweger von Dimmu Borgir. Sie sind wahrscheinlich die extremste Band in meiner Losbox. Sie stehen stellvertretend für ein Genre, das mich schon lange fasziniert, um das ich aber immer eher herumschleiche als wirklich dort anzukommen: der Black Metal.

Das Lied, mit dem ich die Band kennengelernt habe und das lange Jahre das einzige war, welches ich von ihnen kannte, ist „A Succubus in Rapture“ vom 1997er Album „Enthrone Darkness Triumphant“.

Der ganze Song ist voller Dramatik, fast schon wie klassische Filmmusik. Ein Succubus ist ein weiblicher Dämon, der Männer verführt. Rapture bedeutet soviel wie Verzückung.

Wie beim Black Metal üblich, wird nicht mit klarem Gesang gearbeitet sondern größtenteils mit Growls, also einer kehligen, teils kreischenden Stimme.

Die Mitglieder von Dimmu Borgir tragen für das Genre typische Pseudonyme. Sänger und Gründungsmitglied Stian Tomt Thoresen nennt sich zum Beispiel Shagrath, was ein Orkname aus dem Herrn der Ringe Roman von Tolkien ist. Bei Live-Auftritten trägt die Band zudem Corpsepaint. Eine Gesichtsbemalung, mit der sie so zum Fürchten aussehen wie Dämonen aus der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Hier ein Auftritt beim Wacken Open Air 2012 – mit großem Orchester:

Es gibt die Band schon seit 1993. Seit ihrer Gründung bis heute haben sie eine musikalische Wandlung durchgemacht, die vor allem viele reine Black Metal Fans verstimmt hat. Mit dem 97er Album „Enthrone Darkness Triumphant“ haben sie textlich von Norwegisch zu Englisch gewechselt und zunehmend komplexere Keyboardparts in ihre Musik aufgenommen.

Wie oben im Wacken Video zu sehen, werden die Keyboard-Klänge tatsächlich öfter durch ein Orchester und sogar Chor ergänzt.

Die Ursprünge des Black Metal liegen in den späten 80er Jahren, bei Bands wie Venom oder Bathory. Der Sound ist roh, der Gesang krächzend und die Textinhalte oft gewaltverherrlichend und satanistisch. In den 90er Jahren entwickelt sich in Norwegen eine Strömung, die es bei einigen Musikern nicht bei misanthropischen Texten bleiben ließ. Es kam zu Morden innerhalb der Szene, zu brennenden Kirchen und nationalistischen und rassistischen Äußerungen.

Insofern ist ein wenig Vorsicht angeraten, welches Gedankengut die Bands verbreiten und tatsächlich leben.

Auch von Dimmu Borgir mag es politisch unkorrekte Aussagen in der Vergangenheit gegeben haben. Aktuell habe ich nur Äußerungen zu ihrem kreativen Schaffensprozess gefunden. Sie mögen sich nach wie vor mit Satanismus identifizieren, als Weg der Rebellion gegen das Establishment. Wobei sie selbst inzwischen kommerziell erfolgreich sind und durchaus Teil dieses Establishments.

Die offiziellen Musikvideos finde ich eher peinlich in ihrer Theatralik. Weil mir das nach der Band benannte Lied „Dimmu Borgir“ (2010) aber gut gefällt, hier ein Einblick:

Dabei trägt diese Show, das Makeup und die Kostüme, die ganze Inszenierung dazu bei, die Band zu einem Gesamtkunstwerk zu machen. Wie sie selbst in Interviews betonen, ist das Visuelle wichtiger Teil ihrer Kunst.

Inzwischen lässt sich ihre Musik als Symphonic Black Metal labeln. Die beiden letzten Alben „Abrahadabra“ (2010) und „Eonian“ (2018) könnten durchaus als Fantasy-Film Soundtrack durchgehen.

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