Eine Woche Urlaub ist fast vorbei. Zu kurz um wirklich erholsam zu sein, zu viel geht mir durch den Kopf. Die Eindrücke aus den Nachrichten, mit Waldbränden in der Türkei und in Griechenland. Eindrücke von einem Besuch in Hessen. Gedanken an die Arbeit. Gedanken an Freunde. Ich versuche, mich zu sortieren und all dem seinen Raum zu geben.

Die Band der Woche zu erfassen, ist auch eine Aufgabe: Jethro Tull.

Bisher kamen mir da vor allem die Stücke „Aqualung“ und „Locomotive Breath“ in den Sinn. Dazu das Bild von Ian Anderson, dem Sänger und Querflöten-Spieler, auf einem Bein stehend und wild gestikulierend, mit irrem Blick.

Im Live-Video oben zu „My God“ ist er 23 Jahre jung. Ganz typisch zu sehen und zu hören ist das ungewöhnliche Flötenspiel: Anderson singt und macht bei Spielen noch allerlei Geräusche. Das Stück ist vom zweiten Album „Stand up“ (1969).

Das Debüt-Album von Jethro Tull „This Was“ kam 1968 heraus. Die Band formierte 1967 sich im englischen Blackpool, einem Badeort an der Irischen See. Sie spielten zunächst Blues Rock und Jazz Fusion. Anfangs war es das Ziel, Auftritte in den Clubs zu ergattern. Um öfter gebucht zu werden, benannten sie sich immer wieder um. Der Bandname Jethro Tull blieb, nachdem ein Club Manager sie gut genug fand um sie nochmals zu buchen.

Eine hilfreiche Erkenntnis war für mich, dass sich die Musik von Jethro Tull in verschiedene Phasen einteilen lässt. Über die Jahre haben sie verschiedene Stile gestreift: Progressive Rock, Folk Rock, Electronic Rock, Hard Rock, Weltmusik.

Progressive Rock

1971 kam das Album „Aqualung“ heraus. Darauf ist u.a. das Stück „Locomotive Breath“, mit seinem treibenden Rhythmus. Es handelt vom rasanten Bevölkerungswachstum und Kapitalismus. Ich habe ein Video gefunden vom Isle of Wight Festival 2015. Anderson ist hier 68 Jahre alt. Sein Gesang ist im wahrsten Sinn des Wortes kurzatmig, den er leidet an COPD, einer chronischen Lungenkrankheit. Ein zweiter Sänger unterstützt die Band daher. Bewundernswert, wie Anderson dennoch den Auftritt meistert und ein perfektes Flötenspiel hinlegt.

Zwischen den beiden Videos ist viel geschehen. Die Band hat viele Besetzungswechsel erlebt. Durchgängig dabei war nur Anderson. Sein längster Wegbegleiter ist Gitarrist Martin Barre.

In den 70ern brachten sie Konzeptalben heraus, wie „Thick As A Brick“ (1972), das im Grunde aus einem Stück auf zwei Schallplatten-Seiten besteht.

Folk Rock

Drei Folk Rock Alben folgten Ende der 70er: „Songs From The Wood“, „Heavy Horses“ und „Stormwatch“. Auf der Grenze zum elektronischeren Sound der 80er ist das Album „The Broadsword and The Beast“ (1982). Von diesem ist das Stück „The Broadsword“. Es erzählt von der Zeit der Wikinger-Angriffe auf Schottland. Ian Anderson ist übrigens gebürtiger Schotte.

Hard Rock

Aus der Hard Rock Phase gibt es die Begebenheit, dass Jethro Tull Metallica einen Grammy in der gemeinsamen Kategorie Hard Rock & Heavy Metal wegschnappten. Bei der Verleihung 1989 gewann ihr Album „Crest Of A Knave“ und Metallica’s „And Justice For All“ ging leer aus. Ein Stück vom Gewinner-Album ist „Jump Start“, das ganz schön nach den 80ern klingt:

Und was gibt’s Neues?

Ian Anderson ist nach wie vor fleißig, das kann man auf der Jethro Tull Website anschauen. Die Band in ihrer letzten Formation endete irgendwann 2011/2012. Inzwischen ist sie wohl hauptsächlich sein Solo-Projekt.

Bei so viel interessantem Alten, dass es da noch zu entdecken gibt, brauche ich ehrlich gesagt nicht wirklich neues Material.

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